Heinrich Böll : Ansichten eines Clowns

Ansichten eines Clowns
Ansichten eines Clowns Erstausgabe: Kiepenheuer & Witsch 1963
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Als er zu trinken anfängt und auf einer Bühne in Bochum ausrutscht, scheitert im Frühjahr 1962 die Karriere des 27-jährigen Clowns Hans Schnier. Seine Geliebte Marie Derkum hat ihn verlassen, weil er sich weigerte, das Verhältnis nach fünf Jahren durch eine Eheschließung zu legalisieren. Hans Schnier zieht sich in seine Bonner Wohnung zurück, trinkt und denkt über sich und seine Umwelt nach.
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Kritik

In dem traurigen Roman "Ansichten eines Clowns" hielt Heinrich Böll der deutschen Wirtschaftswunder-Gesellschaft den Spiegel vor.
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Als er zu trinken anfängt und auf einer Bühne in Bochum ausrutscht, scheitert im Frühjahr 1962 die Karriere des siebenundzwanzigjährigen Clowns Hans Schnier. Seine Geliebte Marie Derkum hat ihn verlassen, weil er sich weigerte, das Verhältnis nach fünf Jahren durch eine Eheschließung zu legalisieren. Hans Schnier zieht sich in seine Bonner Wohnung zurück, trinkt und denkt über sich, sein Scheitern und seine Umwelt nach.

Der melancholische Außenseiter lehnt es ab, sich kollektiven Ordnungsprinzipien unterzuordnen und ist „keiner Kirche steuerpflichtig“.

Er hat die Nonne nicht vergessen, die behauptete, Maries tot geborenes Kind könne nicht in den Himmel kommen, weil man es nicht getauft habe. Er durchschaut die Selbstgerechtigkeit seines Vaters, eines erfolgreichen Unternehmers, und seines Bruders Leo, der katholischer Priester wird. Seine gefühlskalte Mutter, eine ehemaligen Nationalsozialistin, die zugelassen hatte, dass ihre sechzehnjährige Tochter Henriette 1945 als Flakhelferin ums Leben kam, engagiert sich jetzt als Präsidentin des „Zentralkomitees zur Versöhnung rassischer Gegensätze“. Schniers anfängliche Hoffnung auf einen moralischen und gesellschaftlichen Neuanfang in der Bundesrepublik Deustchland hat sich nicht erfüllt. Noch immer sind die Opportunisten am erfolgreichsten, und die Mitmenschlichkeit ist der Wirtschaftswunder-Mentalität unterlegen.

Keiner der Bekannten und Verwandten, die Hans Schnier anruft – darunter viele Katholiken –, hilft ihm. Am Ende setzt er sich auf eine Treppe am Bonner Bahnhof, spielt Gitarre und hofft auf die Rückkehr Maries, die jedoch mit ihrem katholischen Ehemann Heribert Züpfer die Flitterwochen in Rom verbringt.

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In diesem traurigen Roman hielt Heinrich Böll der deutschen Wirtschaftswundergesellschaft den Spiegel vor. Er deckte die Symbiose zwischen Staat und Kirche auf, entlarvte eifrige Katholiken als Heuchler, prangerte den unbarmherzigen Materialismus an und kritisierte, dass ehemalige Nationalsozialisten wieder obenauf waren.

Vojtech Jasny verfilmte den Roman „Ansichten eines Clowns“, nachdem er sein Drehbuch unter Mitwirkung Heinrich Bölls ein halbes Dutzend mal überarbeitet hatte. Jasnys Bestreben, sich so eng wie möglich an die literarische Vorlage zu halten und Dialoge wörtlich zu übernehmen, lässt den Film gestelzt wirken. Sehenswert ist der Film „Ansichten eines Clowns“ jedoch wegen der schauspielerischen Leistung vor allem von Helmut Griem und Hanna Schygulla.

Ansichten eines Clowns – Regie: Vojtech Jasny – Drehbuch: Vojtech Jasny, nach dem Roman „Ansichten eines Clowns“ von Heinrich Böll – Kamera: Walter Lassally – Musik: Eberhard Schoener – Darsteller: Helmut Griem, Hanna Schygulla, Eva Maria Meineke, Gustav Rudolf Sellner, Hans-Christian Blech, Jan Niklas, Alexander May, Helga Anders, Rainer Basedow u.a. – 1976; 110 Minuten

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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