Flags of Our Fathers

Flags of Our Fathers

Flags of Our Fathers

Flags of Our Fathers – Originaltitel: Flags of Our Fathers – Regie: Clint Eastwood – Drehbuch: William Broyles jr. und Paul Haggis, nach dem Buch "Die Flaggen unserer Väter" von James Bradley und Ron Powers – Kamera: Tom Stern – Schnitt: Joel Cox – Musik: Clint Eastwood – Darsteller: Ryan Phillippe, Jesse Bradford, Adam Beach, John Benjamin Hickey, John Slattery, Barry Pepper, Jamie Bell, Paul Walker, Robert Patrick, Neal McDonough, Melanie Lynskey, Thomas McCarthy u.a. – 2006; 130 Minuten

Inhaltsangabe

Nach der Eroberung des einzigen Berges der Insel Iwo Jima hissen die Amerikaner auf dem Gipfel die Stars and Stripes. Stunden später ersetzen sie die erste Fahne, und ein Foto dieser Szene geht um die Welt. Drei der sechs Soldaten, die die zweite Flagge setzten, werden von der politischen bzw. militärischen Führung in den USA zu Helden stilisiert, damit sie wirksam für die Zeichnung von Kriegsanleihen werben können ...
Weiterlesen

Kritik

Die Geschichte wird auf dramaturgisch nicht ganz überzeugende Weise im fortwährenden Wechsel zwischen drei Zeitebenen erzählt. "Flags of Our Fathers" entlarvt einen auf Lügen basierenden Heldenkult ...
Weiterlesen

Nachdem die Amerikaner die japanische Insel Iwo Jima drei Tage lang aus der Luft bombardiert und mit Schiffsartillerie beschossen haben, beginnt am Morgen des 19. Februar 1945 die Anlandung von dreißigtausend Marineinfanteristen mit Amphibienfahrzeugen am Strand.

In Erwartung des Angriffs hatte Generalleutnant Tadamichi Kuribayashi auf den Anhöhen von Iwo Jima Höhlen zu weitläufigen Bunker- und Tunnelanlagen ausbauen lassen. Aus ihren Verstecken heraus beschießen die Japaner die Invasoren. Mit Handgranaten und Flammenwerfern kämpfen die Amerikaner sich gegen sie vor.

So auch am Berg Suribachi, der besonders wichtig ist, weil man von seinem Gipfel aus die Insel Iwo Jima überblicken kann. Colonel Harold G. Schrier (Jason Gray-Stanford) erreicht den Gipfel des Suribachi am 23. Februar mit vierzig Männern und lässt eine US-Flagge hissen. Staff Sergeant Louis R. Lowery (David Hornsby) hält den Augenblick auf einem Foto fest.

Weil Colonel Chandler Johnson (Robert Patrick) das gehisste Sternenbanner als Erinnerungsstück mit in die Heimat nehmen möchte, lässt er es nach einigen Stunden durch eine anderes ersetzen. Diese Szene wird von dem AP-Fotografen Joe Rosenthal (Ned Eisenberg) aufgenommen. Das Bild geht um die Welt. Unter den kriegsmüden Amerikanern weckt es neue Zuversicht.

Nachdem die Amerikaner Iwo Jima in einer überaus blutigen Schlacht erobert haben, werden der Sanitäter John „Doc“ Bradley (Ryan Phillippe) und die Privates First Class Rene Gagnon (Jesse Bradford) und Ira Hayes (Adam Beach) in Washington von Präsident Harry S. Truman (David Patrick Kelly) empfangen und auf einer Propaganda-Tournee durch die Staaten als Helden gefeiert. Corporal Harlon Block (Benjamin Walker), Private First Class Franklin Sousley (Joseph Cross) und Sergeant Mike Strank (Barry Pepper), die ebenfalls auf Rosenthals Foto zu sehen sind, fielen kurz nach dem Hissen der Stars and Stripes auf Iwo Jima. Das Kriegsministerium schickt die drei Überlebenden mit dem Auftrag durchs Land, für Spenden und Kriegsanleihen zu werben.

Dass es sich bei der Flagge, die von Bradley, Gagnon, Hayes und ihren Kameraden auf Iwo Jima gehisst wurde, nicht um das Original handelte, verschweigen die Verantwortlichen, und sie unterdrücken auch die Gerüchte, es habe sich bei Joe Rosenthals Foto um eine gestellte Szene gehandelt.

Besonders der Indianer Ira Hayes leidet unter der Lüge, und er erträgt den Rummel nur noch, wenn er alkoholisiert ist. Weil er dadurch den Erfolg der Propaganda gefährdet, schickt man ihn zurück in den Pazifik-Krieg, während Bradley und Gagnon weitermachen.

nach oben

Der Film „Flags of Our Fathers“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von James Bradley und Ron Powers („Die Flaggen unserer Väter“, Übersetzung: Franka Reinhart und Helmut Dierlamm, Heyne, München 2006, 572 Seiten, ISBN 978-3-453-50020-4, 9.95 €).

Die Geschichte wird in Rückblenden entwickelt. Dabei springt „Flags of Our Fathers“ auf dramaturgisch nicht ganz überzeugende Weise zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her: Zum einen sehen wir, wie John Bradley (George Grizzard) 1994 im Alter von siebzig Jahren auf der Treppe seines Hauses einen Herzinfarkt erleidet und bald darauf im Krankenhaus stirbt. Sein Sohn James Bradley (Thomas McCarthy) beginnt daraufhin mit Recherchen über die Schlacht um Iwo Jima und die Rolle seines Vaters dabei. Auf dem Dachboden des Elternhauses findet er Erinnerungsstücke, und er befragt Augenzeugen. James Bradley will darüber ein Buch schreiben. Eine andere Zeitebene stellen die ersten Tage der Schlacht um Iwo Jima im Februar 1945 dar. Zwischendurch zeigt Clint Eastwood, wie John Bradley, Rene Gagnon und Ira Hayes auf einer Propaganda-Tournee durch die USA als Helden gefeiert werden und was danach aus ihnen wurde.

„Flags of Our Fathers“ entlarvt den falschen Heldenkult und die Verlogenheit, mit der junge Soldaten instrumentalisiert werden, um die kriegsmüden Amerikaner zu bewegen, Kriegsanleihen zu zeichnen. Bradley, Gagnon und Hayes verstehen sich nicht als Helden, aber die Regierung bzw. militärische Führung macht sie aus Staatsräson dazu. Sobald sie wie Hayes aus der Rolle fallen oder nicht mehr benötigt werden, lässt man sie rasch fallen.

Clint Eastwood (Regie), William Broyles jr. und Paul Haggis (Drehbuch) veranschaulichen das historische bzw. politische Geschehen an einzelnen Schicksalen. Aber die Figuren und ihre Darsteller bleiben zu blass, um „Flags of Our Fathers“ zu tragen.

Vor allem die Bilder von der Schlacht um Iwo Jima sind ausgewaschen, fast monochrom.

Japanische Soldaten sehen wir in „Flags of Our Fathers“ allenfalls schemenhaft. Aus ihrer Sicht erzählen Clint Eastwood (Regie), Iris Yamashita und Paul Haggis (Drehbuch) die Geschichte von der Eroberung der Insel in „Letters from Iwo Jima“ noch einmal. Wie Yin und Yan ergibt sich erst aus beiden Filmen zusammen ein vollständiges Bild.

Weil auf Iwo Jima nur eingeschränkt gefilmt werden durfte, wurde die japanische Insel in Kalifornien nachgestellt.

„Flags of Our Fathers“ wurde für zwei „Oscars“ nominiert (Ton, Tonschnitt).

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

Iwo Jima (Fakten über die Insel und die Schlacht)

Clint Eastwood (kurze Biografie / Filmografie)
Clint Eastwood: Play Misty for Me / Sadistico. Wunschkonzert für einen Toten
Clint Eastwood: Bird
Clint Eastwood: Erbarmungslos
Clint Eastwood: Perfect World
Clint Eastwood: Die Brücken am Fluss
Clint Eastwood: Mitternacht im Garten von Gut und Böse
Clint Eastwood: Ein wahres Verbrechen
Clint Eastwood: Blood Work
Clint Eastwood: Mystic River
Clint Eastwood: Million Dollar Baby
Clint Eastwood: Letters from Iwo Jima
Clint Eastwood: Gran Torino
Clint Eastwood: Der fremde Sohn
Clint Eastwood: Invictus. Unbezwungen
Clint Eastwood: Hereafter. Das Leben danach
Clint Eastwood: J. Edgar

Martin Walser - Ein Angriff auf Perduz
Diese im Vergleich zu vielen seiner anderen Erzählungen eher realistische Geschichte über eine Welt, in der jeder glaubt, jeden anderen täuschen und übervorteilen zu müssen, erzählt Martin Walser teils ironisch, teils sarkastisch in einer funkelnden Sprache.
Ein Angriff auf Perduz

Martin Walser

Ein Angriff auf Perduz

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.