Perfect World

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Perfect World – Originaltitel: A Perfect World – Regie: Clint Eastwood – Drehbuch: John Lee Hancock – Kamera: Jack N. Green – Schnitt: Joel Cox, Ron Spang – Musik: Lennie Niehaus – Darsteller: Kevin Costner, Clint Eastwood, Laura Dern, T. J. Lowther, Keith Szarabajka, Leo Burmester, Paul Hewitt, Bradley Whitford, Ray McKinnon, Jennifer Griffin u.a. – 1993; 130 Minuten

Inhaltsangabe

Butch Haynes und Terry Pugh brechen aus dem Gefängnis in Texas aus. Mit dem achtjährigen Phillip als Geisel fliehen sie nach Norden. Der erfahrene Texas Ranger Red Garnett leitet die Fahndung nach ihnen. Als Terry versucht, sich an dem Jungen zu vergehen, erschießt Butch ihn angewidert. Er entwickelt freundschaftliche Gefühle für Phillip, und dieser betrachtet ihn zunehmend als Ersatzvater ...
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Kritik

"Perfect World" ist eine Mischung aus Drama, Thriller und Roadmovie von und mit Clint Eastwood. Der Plot ist zunächst vielversprechend, aber gegen Ende zu rutscht der Film in den Kitsch ab.
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Den beiden Häftlingen Robert („Butch“) Haynes (Kevin Costner) und Terry Pugh (Keith Szarabajka) gelingt 1963 der Ausbruch aus dem Gefängnis in Huntsville, Texas. Bei der Suche nach einem geeigneten Fluchtwagen stoßen sie auf das Haus, in dem die allein erziehende Mutter Gladys Perry (Jennifer Griffin) mit ihrem achtjährigen Sohn Phillip (T. J. Lowther) und den beiden Töchtern Naomi und Ruth (Leslie Flowers, Belinda Flowers) wohnt. Terry überfällt die junge Frau, eine strenggläubige Zeugin Jehovas und will sie vergewaltigen. Um ihn daran zu hindern, schlägt Butch ihn nieder. Ein Nachbar, der das alles durchs Fenster beobachtete, stürmt mit einem Gewehr in der Hand herein, aber mit Phillip als Geisel entkommen die beiden Ausbrecher.

Der erfahrene Texas Ranger Red Garnett (Clint Eastwood) leitet die Fahndung nach den Ausbrechern. In einem an einer Zugmaschine hängenden Wohnmobil, das für den Wahlkampf des Gouverneurs (Dennis Letts) gedacht war, verfolgt er die beiden. Begleitet wird er von seinem Kollegen Tom Adler (Leo Burmester), dem FBI-Agenten Bobby Lee (Bradley Whitford) und der Profilerin Sally Gerber (Laura Dern).

Während Butch an einer Tankstelle einkauft, versucht Terry, sich im Wagen an dem Jungen zu vergehen, aber Phillip beißt ihn ins Ohr, läuft davon und versteckt sich in einem Maisfeld. Als Butch begreift, was passiert ist, erschießt er Terry angewidert und fährt mit dem Kind weiter.

Red findet Terrys Leiche, bald darauf auch das erste Fluchtauto und im Kofferraum den toten Gefängniswärter, dem es gehört hatte.

Gerade als Butch in einem Bekleidungsgeschäft für sich und Phillip neue Sachen besorgt, sieht der Besitzer im Fernsehen, dass ein ausgebrochener Häftling mit einem achtjährigen Jungen als Geisel auf der Flucht ist. Zur gleichen Zeit entdeckt ein Streifenbeamter das von Butch gestohlene Fahrzeug. Kaltblütig kämpft Butch sich den Weg frei, indem er mit seinem Wagen die beiden Streifenwagen wegschiebt, die die Straße zu blockieren versuchen. Er überlässt es Phillip, ob er dableiben oder mit ihm weiterfahren möchte. Das Kind, das in dem Geschäft ein Halloween-Kostüm gestohlen hat, zieht es vor, wieder bei Butch einzusteigen.

Einige Zeit später kommt ihnen das Gespann mit den Cops entgegen, die nach ihm fahnden. Sally erkennt ihm Vorbeifahren den Jungen im Halloween-Kostüm. Der Fahrer der Zugmaschine dreht um und nimmt die Verfolgung auf. Bei der Fahrt querfeldein koppelt sich der Anhänger jedoch ab und bleibt zwischen Sträuchern stecken.

Unbehelligt fährt Butch mit der Geisel weiter. Er will nach Alaska, wo er seinen Vater vermutet, der die Familie verlassen hatte als Butch noch ein Kind gewesen war. Ein richtiges Zuhause hatte Butch nie; er wuchs in dem Bordell auf, in dem seine Mutter beschäftigt war. Damals erschoss er zum ersten Mal einen Menschen, und zwar einen Mann, der seine Mutter bedrohte. Terry Pugh war der zweite Mensch, den er tötete.

Phillip ist für ihn bald nicht mehr nur Geisel, sondern Butch entwickelt so etwas wie Freundschaft zu ihm, behandelt ihn verständnisvoll und fordert ihn auf, von der Mutter verbotene Sachen aufzuschreiben, die er gern machen würde. Phillip betrachtet den freundlichen Mann, der ihn immer wieder ermutigt und offenbar auch in schwierigen Situationen zurechtkommt, zunehmend als Ersatzvater.

Als Butch in der Ferne eine Straßensperre sieht, täuscht er eine Wagenpanne vor und lässt sich und seinen angeblichen Sohn von Bob Fielder (John M. Jackson) mitnehmen, der gerade am Wegrand mit seiner Frau und seinen beiden Kindern (Connie Cooper, Cameron Finley, Katy Wottrich) ein Picknick machte. So kommen sie durch die Straßensperre. Sobald sie außer Sichtweite der Polizisten sind, zwingt Butch die Familie mit vorgehaltener Waffe auszusteigen und ihm den Wagen zu überlassen.

In einem abgelegenen Schnellrestaurant trifft Butch auf die Kellnerin Eileen (Linda Hart), die offenbar auch schon lange keinen Sex mehr hatte. In einem Nebenraum fallen sie übereinander her, werden aber von Phillip gestört.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Bei Einbruch der Dunkelheit fährt Butch mit dem Wagen in ein Maisfeld. Dort schlafen er und Phillip. Mitten in der Nacht werden sie von dem schwarzen Farmarbeiter Mack (Wayne Dehart) geweckt. Er lädt sie ein, den Rest der Nacht in seinem Haus zu verbringen. Am Morgen bewirtet seine Frau Lottie (Mary Alice) die Gäste mit einem Frühstück. Während Butch eine Schallplatte auflegt, die ihn an seine Kindheit erinnert und ausgelassen mit Lottie tanzt, hört Mack in den Nachrichten von dem Gefängnisausbruch. Butch merkt, dass Mack über ihn Bescheid weiß. Weniger aus diesem Grund, sondern weil er sich darüber ärgert, dass Mack seinen Enkel Cleveland (Kevin Jamal Woods) schlägt, steigert Butch sich in einen Zorn auf Mack hinein. Mit dem Revolver in der Hand zwingt er ihn, seinen Enkel in die Arme zu nehmen und ihm zu sagen, dass er ihn liebe. Dann fesselt er ihn. Lottie und Cleveland beginnen zu beten. Um das nicht länger anhören zu müssen, verklebt Butch ihnen den Mund und umwickelt sie dann auch noch mit dem Klebeband.

Phillip ist über das Verhalten seines vermeintlichen Freundes verstört, nimmt den von Butch auf den Boden gelegten Revolver und schießt ihn schluchzend in den Bauch. Dann rennt er davon und wirft die Waffe in einen Brunnen. Butch legt den Gefesselten ein Messer hin, damit sie sich befreien können. Schwer verletzt folgt er dem Jungen und setzt sich schließlich mit ihm unter einen Baum, der auf einer Wiese steht.

Von allen Seiten nähern sich Streifenwagen. Red hat das Kommando. Bobby Lee geht mit einem Präzisionsgewehr in Stellung. Phillips Mutter wird mit einem Hubschrauber eingeflogen.

Butch steckt Phillip sein ganzes Geld zu, verabschiedet sich von ihm und schickt ihn zu Gladys und den Cops. Die Wartenden beobachten, wie das Kind sich nähert, dann plötzlich zu Butch zurückläuft, ihm um den Hals fällt, ihn bei der Hand nimmt und mit ihm zusammen erneut auf sie zukommt. Obwohl anzunehmen ist, dass Butch noch bewaffnet ist, legt Red seinen Revolver ab, bevor er auf die beiden zugeht.

Als Red in die Hosentasche greift, um Phillip eine Postkarte zu schenken, die ihm sein Vater vor langer Zeit aus Alaska geschickt hatte, glaubt der FBI-Agent, er ziehe eine Waffe, drückt ab und tötet ihn.

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„Perfect World“ ist eine Mischung aus Drama, Thriller und Roadmovie. Es geht um die Beziehung zwischen Vätern und Söhnen, aber vor allem auch um die Freundschaft, die zwischen einem ausgebrochenen Häftling und einem achtjährigen Jungen entsteht, den der Kriminelle als Geisel genommen hat [Stockholm-Syndrom].

Das Halloween-Kostüm des Kindes kontrastiert in „Perfect World“ auf ironische Weise mit seiner Unschuld. Über die Polizei machten sich John Lee Hancock (Drehbuch) und Clint Eastwood (Regie) lustig, indem sie den Texas Ranger Red Garnett (Clint Eastwood) und dessen Kollegen für die Verfolgung ein Wohnmobil geben, dessen Fahrt in einer Slapstick-Szene endet.

In Großaufnahmen zeigt Jack N. Green immer wieder die Gesichter der Darsteller, von denen vor allem Clint Eastwood und Kevin Costner überzeugen.

Warum der sonst so beherrschte und überlegt vorgehende Butch Haynes im Haus des Farmarbeiters Mack ausrastet, ist kaum nachvollziehbar. Von da an dehnt „Perfect World“ sich nicht nur zu lang, sondern rutscht auch in den Kitsch ab.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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