Mitternacht im Garten von Gut und Böse

Mitternacht im Garten von Gut und Böse

Mitternacht im Garten von Gut und Böse

Mitternacht im Garten von Gut und Böse – Originaltitel: Midnight in the Garden of Good and Evil – Regie: Clint Eastwood – Drehbuch: John Lee Hancock, nach dem Roman "Midnight in the Garden of Good and Evil" von John Berendt – Kamera: Jack N. Green – Schnitt: Joel Cox – Musik: Lennie Niehaus – Darsteller: John Cusack, Kevin Spacey, Jack Thompson, Irma P. Hall, Jude Law, Alison Eastwood, The Lady Chablis (Benjamin Edward Knox), Paul Hipp, Dorothy Loudon, Geoffrey Lewis, Michael O'Hagan u.a. – 1997; 150 Minuten

Inhaltsangabe

Der Journalist John Kelso fliegt von New York nach Savannah, Georgia, um einen Artikel über eine der von dem neureichen Antiquitätenhändler Jim Williams veranstalteten Weihnachtspartys zu schreiben. Noch in derselben Nacht wird Billy Hanson in Jims Villa tot aufgefunden. Offenbar handelte es sich um einen Lustknaben des homosexuellen Multimillionärs. Jim behauptet, Billy habe auf ihn geschossen und sei daraufhin von ihm in Notwehr getötet worden. Aber an Billys Händen sind keine Schmauchspuren ...
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Kritik

Clint Eastwood lässt sich viel Zeit, die Geschichte zu erzählen, aber das ist auch erforderlich, um die schwüle Atmosphäre wiedergeben zu können. Die wird jedoch durch abrupte Schnitte beeinträchtigt und geht vollends verloren, als "Mitternacht im Garten von Gut und Böse" vom Gesellschaftsporträt zum Gerichtsdrama mutiert.
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John Kelso (John Cusack) fliegt 1982 im Auftrag der New Yorker Zeitschrift „Town and Country“ nach Savannah, Georgia, um einen Artikel über eine der von Jim Williams (Kevin Spacey) veranstalteten legendären Weihnachtspartys zu schreiben. Der Antiquitätenhändler stammt zwar aus einfachen Verhältnissen, hat es jedoch zu einem enormen Vermögen gebracht und gilt als ungekrönter König der Stadt. Zu seinen Gesellschaften kommt alles, was in Savannah Rang und Namen hat.

Im Musikzimmer der Villa wird John Zeuge einer unschönen Szene: Billy Carl Hanson (Jude Law), bei dem es sich offensichtlich um einen Lustknaben des homosexuellen Multimillionärs handelt, torkelt betrunken herein und verlangt 20 Dollar. Als Jim ihm das Geld verweigert, kommt es zum Streit, und Billy bedroht ihn mit dem abgeschlagenen Hals einer Glasflasche.

Noch in derselben Nacht erfährt John, dass Billy tot in Jims Villa aufgefunden wurde. Er schleicht sich durch die polizeiliche Absperrung. Jim behauptet, Billy habe zweimal auf ihn geschossen und sei daraufhin von ihm mit drei Schüssen in Notwehr getötet worden.

Statt nach Hause zu fliegen und einen Artikel über die Weihnachtsparty abzuliefern, bleibt John in Savannah und recherchiert für ein Buch über den Kriminalfall. Dabei arbeitet er mit Jims Anwalt Sonny Seiler (Jack Thompson) zusammen. Während die Polizei daran zweifelt, dass Jim in Notwehr schoss, befürchtet John, dass er wegen seiner Homosexualität Opfer von Vorurteilen wird.

John begleitet Sonny um Mitternacht zu einem Treffen mit der alten Afroamerikanerin Minerva (Irma P. Hall) auf dem Friedhof. Mit Voodoo-Hokuspokus am Grab ihres Ehemanns Dr. Louis Buzzard (1900 – 1981) beschwört Minerva den Toten, Jim in Ruhe zu lassen.

Der Zauber bleibt scheinbar wirkungslos, denn Jim wird verhaftet und unter Mordanklage gestellt. Der Staatsanwalt Finley Largent (Bob Gunton) baut seine Beweisführung darauf auf, dass an den Händen des Toten keine Schmauchspuren gefunden wurden. Daraus folgert er, dass Billy Hanson nicht auf Jim Williams geschossen hatte. Ein Gutachter weist zwar darauf hin, dass sich Schmauchspuren leicht beseitigen lassen, aber das wird von den Geschworenen kaum beachtet, zumal der Experte ein Yankee ist.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

John findet heraus, dass die Hände des Toten erst von der Aufnahmeschwester Sara Warren (Patrika Darbo) im Krankenhaus in Plastiktüten verpackt wurden. Detective Boone (Leon Rippy), der die Ermittlungen leitete und vor Gericht aussagte, die Hände seien noch am Tatort versiegelt worden, hat also gelogen.

Bevor John darüber mit Jim in dessen Gefängniszelle reden kann, erzählt dieser ihm, was er bei der nächsten Gerichtssitzung aussagen will: Billy kam noch einmal zurück und setzte den Streit mit ihm fort. In seiner Wut kippte er eine kostbare Standuhr um. Dann richtete er eine Pistole auf Jim und drückte ab – hatte jedoch vergessen, sie zu entsichern. Das gab Jim Zeit, seine Pistole aus einer Schublade zu nehmen und Billy niederzuschießen. Er feuerte noch zwei weitere Schüsse auf ihn ab. Dann nahm er die Waffe des Toten und jagte zwei Kugeln in die Wand.

In diesem Augenblick überbringt Sonny seinem Mandanten die Neuigkeit, die John herausgefunden hat. Da verschweigt Jim ihm die Darstellung, die er John soeben gab, denn er rechnet nun mit einem Freispruch.

Tatsächlich halten die Geschworenen den Angeklagten für unschuldig und er wird noch im Gerichtssaal freigelassen.

Als Abschiedsgeschenk erhält John von Jim ein Gemälde, aber er freut sich darüber nicht besonders, denn es macht ihm schwer zu schaffen, dass er nicht weiß, ob das Urteil gerecht ist oder nicht. Jim hilft ihm da auch nicht weiter, sondern meint: „Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters.“ John wird nie erfahren, ob es sich um Mord oder Notwehr handelte.

Kurz nach Johns Abreise bricht Jim tot in dem Zimmer zusammen, in dem auch Billy starb.

John kehrt nach Savannah zurück, denn er hat sich in Mandy Nicholls (Alison Eastwood) verliebt und mit dem exzentrischen Transvestiten Chablis Deveau (The Lady Chablis) angefreundet.

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„Mitternacht im Garten von Gut und Böse“ basiert auf dem Roman „Midnight in the Garden of Good and Evil“ (1994) von John Behrendt (* 1939).

John Lee Hancock (Drehbuch) und Clint Eastwood (Regie) zeigen, wie nah Gut und Böse einander sind. Aber in dem Südstaaten-Drama geht es weniger um den Kriminalfall als um ein Panorama des Lebens in Savannah, Georgia. Die Bewohner sind entweder weiß und konservativ oder schwarz und exaltiert. Höfliches Benehmen und elegante Abendroben täuschen über die Doppelmoral hinweg. Yankees sind hier nicht willkommen, denn sie gelten als Besserwisser.

Clint Eastwood lässt sich sehr viel Zeit, die Geschichte zu erzählen, aber das ist auch erforderlich, um die schwüle Atmosphäre wiedergeben zu können. Die wird jedoch durch abrupte Schnitte beeinträchtigt und geht vollends verloren, als „Mitternacht im Garten von Gut und Böse“ vom Gesellschaftsporträt zum Gerichtsdrama mutiert.

Bei dem Transvestiten The Lady Chablis handelt es sich übrigens um eine real existierende Lokalberühmtheit aus Savannah.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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