Urs Freinsheimer : Option auf den Tod

Option auf den Tod
Option auf den Tod Originalausgabe: bookshouse, Polemi (Zypern) 2018 ISBN: 978-9963-53-905-5, 347 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Anna Amalia Winter, die 85-jährige Aufsichtsratsvorsitzende der Winter Media Holding, wird in Weimar erschlagen. Wer hat ein Interesse am Tod der großzügigen Kulturmäzenin? Ihrem im Internet veröffentlichten Testament zufolge fließt ihr Unternehmensanteil im Wert von 89 Milliarden Euro einer gemeinnützigen Stiftung zu. Und sowohl ans Management als auch an die Angestellten werden Millionen ausgezahlt ...
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Kritik

Mit dem Wirtschaftskrimi "Option auf den Tod" beginnt Urs Freinsheimer eine neue Buchreihe. Dabei nutzt er seine Erfahrungen in der Welt der Finanzen und Unternehmen. Es geht in "Option auf den Tod" allerdings nicht um Wirtschaftskriminalität, sondern um Kapitalverbrechen.
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Winter Media Holding

Eine Gruppe betrunkener Burschenschaftler und junger Schwedinnen, die am 10. Juli 2010 frühmorgens auf der Weimarer Schlossbrücke herumalbert, entdeckt am Ufer der Ilm eine Leiche.

Bei der Toten handelt es sich um Anna Amalia Winter, die 85-jährige Aufsichtsratsvorsitzende der Winter Media Holding mit Sitz in New York und Weimar.

Im Zweiten Weltkrieg flog Anna Amalia – wie Beate Uhse – eine Me 109 zur Ostfront und schoss dabei zwei russische Maschinen ab. 1946 begann sie in den USA Geschichte, Politik- und Medienwissenschaften zu studieren. Sie heiratete den Amerikaner Tom Winter und lebte bis zu seinem Tod Ende der Achtzigerjahre mit ihm in Texas und New York. Dann übernahm Anna Amalia Winter den Vorstandsvorsitz und gründete in Weimar einen zweiten Firmensitz. 1997 machte sie ihren Lebens­gefährten Dennis Kensington zum Nachfolger und übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat. Allerdings gehörten ihr bis zuletzt 89 Prozent des Unter­nehmens. Bis 1997 war es ein klassisches Medienunternehmen im operativen Geschäft – Rundfunk, Zeitungen, Zeitschriften, Druck, Bücher, Musik –, aber kurz bevor 2000 die Dotcom-Blase platzte, wurde alles zu Höchstkursen gecasht, und den Erlös reinvestierte die Winter Media Holding dann 2003, also nach dem Einbruch der Kurse. Heute ist sie 100 Milliarden Euro wert, dreimal mehr als in den Neunzigerjahren.

Mordfall

Anna Amalia Winter starb weder eines natürlichen Todes noch durch einen Unfall. Der Mörder schlug ihr offenbar auf der Brücke den Schädel ein und warf sie dann übers Geländer. Ein Raubüberfall war es nicht.

Der 49-jährige Hauptkommissar Alexander Lassalle leitet die Ermittlungen. Unterstützt wird der altmodische Kommissar dabei von seinem aus Hamburg stammenden jungen Assistenten Themistokles von Westerberg-Maudach und einem Team im Polizeipräsidium in Erfurt, zu dem auch seine Ehefrau Erna als Sekretärin gehört.

Wer profitiert vom Tod der Kulturmäzenin?

Alexander Lassalle befragt die vier Mitglieder des Vorstands der Winter Media Holding: Dennis Kensington, dessen Stellvertreter und Chief Operating Officer Robert Ashley, den Strategiechef Lyonel Athen und Kriemhilde Stiefel, die für die Finanzen verantwortlich ist.

Mit Lyonel Athen und dessen deutsch-französischer Ehefrau, der Geschichts- und Kunstprofessorin Carla Keller-Bouvier, ist Alexander Lassalle befreundet. Der Manager rettete nämlich vor einigen Jahren den beiden Enkeln des Kommissars das Leben. Neonazis hatten in einem Weimarer Kindergarten Geiseln genommen, darunter auch anwesende Erwachsene wie Lyonel Athen, dem es dann mit seinem beruflich trainierten Verhandlungsgeschick gelang, die Kinder freizubekommen.

Anna Amalia Winter bestimmte in ihrem auch im Internet einsehbaren Testament, dass mit ihren Anteilen eine gemeinnützige Stiftung zur Förderung von Kunst, Kultur und Bildung sowohl in den neuen Bundesländern als auch in Texas und New York gegründet wird. Als Präsident ist Dennis Kensington vorgesehen, und Robert Ashley wird auch in der Stiftung dessen Stellvertreter. Mit den mergers and acquisitions der Winter Media Holding wird es vorbei sein. Je 5,01 Prozent gehören einer Bank und einer Versicherung; die Mitglieder der Firmenleitung teilen sich 0,98 Prozent, die sie nun auch veräußern dürfen, und an die Angestellten soll ein Promille ausbezahlt werden. Das klingt nicht aufregend, aber ein Promille von 100 Milliarden, das sind 100 Millionen Euro.

Verdacht

Anna Amalia Winters Mörder schlug ein einziges Mal mit einer Eisenstange zu. Es muss sich um einen kräftigen Linkshänder handeln. Deshalb gerät Maik Schwarz unter Verdacht und wird schließlich festgenommen. Der frühere Boxer hatte bei den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul nur knapp eine Bronzemedaille verpasst. Danach fuhr er Taxi, und dabei fiel er Anna Amalia Winter 1991 auf. Sie stellte ihn damals als Chauffeur und Leibwächter ein. Er hat 19 Jahre für sie gearbeitet.

Aber die Verhaftung erweist sich als voreilig: Maik Schwarz kann nichts nachgewiesen werden.

Der Mörder schlägt erneut zu

Noch bevor Maik Schwarz freikommt, wird der Pförtner der Winter Media Holding ebenso wie Anna Amalia Winter mit einem einzigen Schlag einer Eisenstange der Schädel zertrümmert.

Kurz darauf taucht in Prof. Carla Keller-Bouviers Studentensprechstunde in der Musikhochschule in Weimar ein Mann auf, der ihren Schreibtisch abräumt, eine mitgebrachte Melone darauf legt, mit einer Hantelstange ausholt und sie mit einem Schlag zerfetzt. „Destroy the documents!“, sagt er nur, bevor er wieder geht.

Das BKA übernimmt

Dr. Klein und seine Assistentin Anja Herold vom BKA lösen Alexander Lassalle und Themistokles von Westerberg-Maudach in der Leitung der Sonderkommission ab. Die beiden Neuen halten Robert Ashley für den Auftraggeber des Mordes. Er hatte 1997 hinter Dennis Kensington zurückstehen müssen und wird nun in der Stiftung wieder nur dessen Stellvertreter.

Während Dr. Klein die Fahndung nach dem Profikiller für zwecklos hält, weil er davon ausgeht, dass der Mann Weimar längst verlassen hat, befürchtet Alexander Lassalle, dass sich der Verbrecher in einer Privatwohnung versteckt und der Bewohner bzw. die Bewohnerin in Lebensgefahr schwebt. Sein Verdacht bestätigt sich, als am Morgen des 13. Juni die aufs Bett gefesselte Leiche einer 22-jährigen Blumenverkäuferin gefunden wird. Sie erstickte bei einem Asthmaanfall.

Harold Wilson und Brian Jones

Es stellt sich heraus, dass der Auftragsmörder unter dem Namen Harold Wilson von London nach München geflogen und von dort nach Weimar gefahren war. Für die Anreise hatte er den Namen eines früheren britischen Premierministers gewählt. Auf dem Rückweg benutzt er den Namen Brian Jones. So hieß der Leadgitarrist der Rolling Stones. In Rostock-Warnemünde ging er mit einer Wochen zuvor bestätigten Buchung an Bord des Kreuzfahrtschiffes Aida. In London lauert ein Sondereinsatzkommando auf ihn, aber er kehrt von einem Landgang nicht mehr zurück.

Testamentseröffnung

Am 1. September 2010 wird Anna Amalia Winters Testament notariell eröffnet, und Lyonel Athen erhält vier Kisten aus dem Nachlass. Sie enthalten alte Liebesbriefe und Nacktfotos der Toten, das Manuskript einer unvollendeten Biografie, black files – und den Hinweis auf einen versteckten Schlüssel zu einem Bankschließfach. Als Lyonel Athen und Carla Keller-Bouvier nachsehen, wundern sie sich über das geringe Gewicht der herausgenommenen Schatulle.

Lyonel öffnete den Deckel. „Tataa – Ladies and Gentlemen …“, begann er. Dann hielt er inne. „O Scheiße.“ Die Schatulle war fast leer. Es lag nur ein einziges Foto darin. Carla und Lyonel blickten Anna Amalias Mörder minutenlang an.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Epilog, 25. Januar 2014

Nachdem Lyonel Athen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine Rede gehalten hat, trifft er vor den Waschbecken der Herrentoilette Chris Pomfret Parker, den CEO des amerikanischen Unternehmens Association of All American Assets (AAAA). Der fragt:

„Did you destroy the fucking documents?“
„Yes, Sir.“ Es klang wie Yessir, dachte Lyonel.
„Sure?“
„Absolutely.“

Chris Pomfret Parker hat sich immer für einen großen Deal Maker gehalten. Deshalb konnte er nicht untätig bleiben, nachdem ihm bei einer Vertrags­verhandlung mit Lyonel Athen ein schwerer Fehler unterlaufen war. Die beiden Unternehmen hatten ein Put Call Option Agreement geschlossen. Aufgrund des Vertrags hätte die Winter Media Holding die AAAA bei hohem Kurswert zum Kauf zwingen können und andererseits die Möglichkeit gehabt, die AAAA in einem günstigen Augenblick zu übernehmen. Weil Chris Pomfret Parker versäumt hatte, dabei ein Limit festzulegen, drohte seinem Unternehmen der Untergang.

Um Lyonel Athen zu zwingen, den für die Amerikaner gefährlichen Vertrag zu vernichten und darüber zu schweigen, schickte Chris Pomfret Parker einen Profikiller los. Anna Amalia Winter musste sterben, und Lyonel Athen wurde durch die Bedrohung seiner Frau eingeschüchtert.

Beim Verlassen des Gebäudes in Davos wird Chris Pomfret Parker von seinem Chauffeur begleitet. Der trägt ein Namensschild mit der Aufschrift „Mick Taylor“. Carla Keller-Bouvier erkennt ihn wieder: Es handelt sich um den Mann, der die Melone auf ihrem Schreibtisch zerschlug.

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Urs Freinsheimer war Head of Strategy bei der Bertelsmann AG und Berater bei McKinsey, bevor er die Geschäftsführung einer Unternehmensberatung in Jena übernahm. Seine Erfahrungen in der Welt der Finanzen und Unternehmen nutzt er nun bei einer Buchreihe, die er mit „Option auf den Tod“ begann. Allerdings geht es zumindest im bereits vorliegenden Band nicht um Wirtschaftskriminalität, sondern um Kapitalverbrechen.

Die eigentliche Handlung des Wirtschaftskrimis „Option auf den Tod“ dauert von 10. bis 20. Juli 2010, das 33. Kapitel spielt am 1. September desselben Jahres, ebenfalls in Jena, und dann folgt noch ein auf 25. Januar 2014 datierter Epilog.

Bei einer der Hauptfiguren handelt es sich um Alexander Lassalle, einen 49 Jahre alten Hauptkommissar in Thüringen, dessen altmodische Methoden von dem dynamischen BKA-Beamten Dr. Klein verachtet werden. Für Lassalles aus Hamburg stammenden Assistenten hat sich Urs Freinsheimer den Namen Themistokles von Westerberg-Maudach ausgedacht, aber im Buch wird er nur „Assi“, „Wessi“ oder allenfalls mal „Themi“ genannt.

Einige Zusammenhänge und Verhaltensweisen der Figuren sind nicht besonders glaubwürdig. Und es wirkt aufgesetzt, dass Lyonel Athen nebenbei auf einen Schwerverbrecher wie Charlie May von Recorded Music stößt, denn dieser Handlungsstrang hat mit dem Rest des Buches nichts zu tun.

Ungewöhnlich ist die Auflösung. Am Ende des letzten Kapitels blicken Lyonel Athen und Carla Keller-Bouvier nach langen retardierenden Passagen auf ein Foto des Mörders – aber wir erfahren erst im Epilog, wer es ist. (Auch wenn es vorher schon angedeutet wurde.)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2018
Textauszüge: © bookshouse

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