Cornelia Funke : Herr der Diebe

Herr der Diebe
Herr der Diebe Originalausgabe: Cecilie Dressler Verlag, Hamburg 2000 ISBN 3-7915-0457-6, 388 Seiten Herr der Diebe Illustrationen: Maximilian Meinzold Cecilie Dressler Verlag, , Hamburg 2018 ISBN 978-3-7915-0083-6, 400 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die beiden verwaisten Brüder Bo und Prosper sollen voneinander getrennt werden: Tante Esther will zwar den fünfjährigen Bo aufnehmen, dessen älteren Bruder dagegen in ein Internat stecken. Deshalb reißen die beiden aus und schlagen sich von Hamburg nach Venedig durch, wo sie sich der Straßenkinderbande des "Herrn der Diebe" anschließen. Esther Hartwig beauftragt jedoch einen Privatdetektiv mit der Suche nach ihren Neffen ...
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Kritik

Unter dem Titel "Herr der Diebe" hat Cornelia Funke einen spannenden, in der pittoresken Kulisse von Venedig spielenden Jugendroman veröffentlicht, der in der zweiten Hälfte ins Fantasy-Genre wechselt.
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Nach dem Tod ihrer Mutter sollen die beiden verwaisten Brüder Bonifazius („Bo“) und Prosper voneinander getrennt werden: Tante Esther und Onkel Max wollen zwar den fünfjährigen Bo bei sich aufnehmen, dessen sieben Jahre älteren Bruder dagegen in ein Internat stecken. Um das zu verhindern, reißen die beiden Kinder aus und schlagen sich von Hamburg nach Venedig durch.

Esther Hartwig ahnt, wohin ihre beiden Neffen geflohen sind, denn sie erinnert sich, dass ihre Schwester den Kindern fortwährend von der Stadt vorgeschwärmt hatte, in der es Löwen mit Flügeln und eine Kirche aus Gold gibt. Sie reist nach Venedig und beauftragt den Privatdetektiv Victor Getz, der sich sein winziges Büro mit zwei Schildkröten teilt, mit der Suche nach den Ausreißern. Getz hält es für schwierig, zwei Kinder in dem Gewirr der Gassen und in den zahlreichen Schlupflöchern von Venedig zu finden, aber es bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Auftrag anzunehmen, denn er ist auf das Hononar angewiesen.

Inzwischen haben Bo und Prosper sich mit den Straßenkindern Wespe, Mosca und Riccio befreundet, die im Zuschauerraum des aufgegebenen und baufälligen Kinos „Stella“ wie in einer Kommune hausen.

Die Kinder hatten ein paar Baulampen aufgestellt, die den Saal notdürftig erleuchteten, aber selbst in ihrem spärlichen Licht konnte man sehen, dass von der Decke an vielen Stellen der Putz bröckelte. Die Sitzreihen waren irgendwann abgebaut und fortgeschafft worden, nur die vordersten Reihen standen noch, und in jeder fehlten ein paar Klappsessel. In die weichen roten Polster hatten Mäuse ihre Nester gebaut und an dem sternenbestickten Vorhang, hinter dem sich die Leinwand verbarg, fraßen die Motten. Trotzdem hatte er sich seine alte Pracht erhalten.

Alle paar Tage bringt der „Herr der Diebe“, der Anführer der Straßenkinderbande, die reichen Leuten gestohlenen Antiquitäten ins „Stella“, damit Wespe und ihre Freunde das Diebesgut dem Hehler Ernesto Barbarossa verhökern können. Die Bezeichnung „Herr der Diebe“ ist eigentlich irreführend, denn bei Scipio – so sein richtiger Name – handelt es sich keineswegs um einen erwachsenen Mann, sondern um einen Jungen in Prospers Alter, der jedoch sein Gesicht hinter einer schwarzen Maske verbirgt und nichts über seine Herkunft verrät.

Durch Zufall kommt Victor Getz auf die Spur von Bo und Prosper. Sie können ihn zwar zunächst abschütteln, müssen aber damit rechnen, dass ihnen der Privatdetektiv auf den Fersen bleibt. Tatsächlich entdeckt er ihr Versteck, aber als er mit den Kindern spricht, versteht er sie – und wechselt auf ihre Seite.

Da bringt sie ein riskanter Auftragsdiebstahl in Gefahr. Sie entdecken ein Karussell, auf dem Kinder zu Erwachsenen und Erwachsene zu Kindern werden können und finden heraus, dass der „Herr der Diebe“ in Wirklichkeit der Sohn eines reichen Bankiers ist, dessen überzogenen Ansprüchen er nicht gerecht werden kann …

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Unter dem Titel „Herr der Diebe“ veröffentlichte Cornelia Funke einen spannenden, in der pittoresken Kulisse von Venedig spielenden Jugend- bzw. Abenteuerroman, einen Schmöker, der in der zweiten Hälfte ins Fantasy-Genre übergeht. Die Fäden der rasanten Handlung verknüpfen sich immer enger. Große Sorgfalt legt Cornelia Funke auf die differenzierte Darstellung der Charaktere und insbesondere der Beziehungen zwischen den Kindern und den Erwachsenen. Ohne belehrend zu wirken, streut sie in die fantasievolle, komplexe Geschichte Wissenswertes über Venedig, die Kunst und die italienische Lebensarbeit ein.

Richard Claus erwarb 2003 die Filmrechte und adaptierte den Jugendroman „Herr der Diebe“ fürs Kino (Start: 5. Januar 2006). Der Film ist unterhaltsam, wird jedoch der literarischen Vorlage nicht gerecht.

Herr der Diebe (Tief Lord) – Regie: Richard Claus – Drehbuch: Richard Claus und Daniel Musgrave, nach dem Roman „Herr der Diebe“ von Cornelia Funke – Kamera: David Slama – Schnitt: Peter R. Adam – Musik: Nigel Clarke und Michael Csányi-Wills – Darsteller: Aaron Johnson (Prosper), Jasper Harris (Bo), Rollo Weeks (Scipio), Alice Connor (Wespe), George MacKay (Riccio), Lathaniel Dyer (Mosca), Jim Carter (Victor Getz), Caroline Goodall (Ida Spavento), Alexei Sayle (Ernesto Barbarossa), Carole Boyd (Tante Esther), Bob Goody (Onkel Max), Geoffrey Hutchings (Conte), Anita Wright, Poppy Rogers, Robert Bathurst, Zak Davies, Vanessa Redgrave, Margaret Tyzack, Roya Zargar, Ann Overstall Comfort, Chris Bearne, Arnita Swanson, Malcolm Turner, Dani Linster, Massimo De Rossi u.a. – 2005; 100 Minuten

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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