Cornelia Funke : Tintenblut

Tintenblut

Cornelia Funke

Tintenblut

Tintenblut Originalausgabe: Cecilie Dressler Verlag, Hamburg 2005 ISBN 3-7915-0467-3, 729 Seiten, 22.90 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die aus dem Buch "Tintenherz" stammende Romanfigur Staubfinger sehnt sich danach, zurückkehren zu können. Endlich glaubt er jemanden gefunden zu haben, der ihn "zurücklesen" kann: Orpheus. Sein treuer Freund Farid, der ungewollt in der Realität zurückbleibt, ahnt, dass Staubfinger in Lebensgefahr ist und wendet sich deshalb Hilfe suchend an Meggie …
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Kritik

"Tintenblut" – der 2. Band einer Jugendroman-Trilogie von Cornelia Funke – ist ein Lese-Abenteuer und zugleich eine Hommage an Bücher, an die Magie der Sprache und die Faszination des Lesens.
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Der Feuerspucker Staubfinger ist wie Capricorn dem Buch „Tintenherz“ entstiegen, aber er sehnt sich danach, in die Welt des Buches zurückkehren zu können. Nachdem er mehrmals auf Betrüger hereinfiel, glaubt er, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihn „zurücklesen“ kann. Staubfinger war in einer öffentlichen Bibliothek auf ihn aufmerksam geworden, wo Orpheus – so heißt er – Kindern vorgelesen hatte. Danach sprach er ihn an und fragte ihn, ob er „Tintenherz“ kenne.

„O ja, dieses Buch kenne ich!“, hatte Orpheus gehaucht. „Und dich –“, hatte er fast andächtig hinzugesetzt und Staubfinger angesehen, als wollte er ihm die Narben von den Wangen starren, „dich kenne ich auch. Du bist das Beste darin. Staubfinger! Der Feuertänzer! Wer hat dich nur hierher gelesen, in diese trübsinnigste aller Geschichten? Sag nichts! Du willst zurück, nicht wahr, aber du findest die Tür nicht, die Tür zwischen den Buchstaben! Das macht nichts. Ich kann dir eine neue zimmern, aus maßgeschneiderten Worten! Für einen Freundschaftspreis …“ (Seite 12)

Dass Orpheus mit dem Bösewicht Basta unter einer Decke steckt, ahnt Staubfinger nicht.

Sein treuer Freund und Gehilfe Farid – eine Romanfigur aus „Erzählungen aus 1001 Nacht“ – sollte eigentlich von Orpheus mit Staubfinger zusammen in die „Tintenherz“-Welt zurückversetzt werden, aber er bleibt ungewollt zurück und fürchtet um das Leben seines Freundes. Deshalb sucht er Meggie auf und überredet sie, sich mit ihm zusammen in das Buch „Tintenwelt“ hineinzuversetzen, um Staubfinger zu retten.

So findet das Mädchen sich alsbald in einer ihr völlig fremden mittelalterlichen Welt wieder, in der gefährliche Abenteuer warten …


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Dass ein jugendlicher Leser sich in ein Buch versetzt und in die Romanhandlung eingreift, kennen wir bereits aus „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. In der aus den Romanen „Der Fall Jane Eyre“, „In einem anderen Buch“ und „Im Brunnen der Manuskripte“ bestehenden Trilogie von Jasper Fforde gelangen fiktive Figuren in die Wirklichkeit, während reale Personen in Romanhandlungen auftauchen. Diese Möglichkeit des Überschreitens der Grenzen zwischen Fiktion und Realität verwendet auch Cornelia Funke als Grundidee ihrer Jugendroman-Trilogie „Tintenherz“, „Tintenblut“ und „Tintentod“.

Da wollte ich darüber schreiben, über dieses Suchtgefühl beim Lesen. Dass das auch manchmal ein durchaus unmoralisches Vergnügen ist und ein sehr asoziales […] Es ging aber vor allem um das geschriebene Wort und um das gelesene Wort. (Cornelia Funke)

„Tintenherz“, „Tintenblut“ und „Tintentod“ sind eine Hommage an Bücher und Literatur, an die Magie der Sprache und die Faszination des Lesens. Die Bücherwelt, in die uns Cornelia Funke entführt, ist jedoch kein Idyll, sondern sie wird auch von finsteren und gewalttätigen Figuren bevölkert. In „Tintenblut“ geht es auch um die Frage, wieviel Freiheit dem Autor einer Geschichte bleibt bzw. wieviel Eigenleben seine Figuren entwickeln.

In der Widmung, die Cornelia Funke dem Roman „Tintenherz“ voranstellt, behauptet sie, ihre Tochter Anna habe sogar „Der Herr der Ringe“ zur Seite gelegt und erst einmal „Tintenherz“ gelesen. Das mag sein, aber die Tintenwelt („die Welt der Cornelia Funke“ – so der Titel ihrer Website) ist nicht so originell und einfallsreich wie die von J. R. R. Tolkien oder Joanne K. Rowling geschaffenen Fantasiewelten. Cornelia Funke versteht es allerdings, die Geschichten in einer gut zu lesenden Sprache dynamisch zu entwickeln und ein farbiges Szenario entstehen zu lassen. Deshalb ist die Lektüre als Fantasy-Leseabenteuer zu empfehlen.

„Tintenherz“, „Tintenblut“ und „Tintentod“ gibt es auch als Hörbücher, gesprochen von Rainer Strecker, und als Bühnenstücke. Zu der Frage, ob eine Erweiterung der Tinten-Trilogie geplant sei, schreibt Cornelia Funke auf ihrer Website:

[…] ich weiß, dass es noch viele offene Geschichten gibt in der Tintenwelt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich irgendwann auch wieder dorthin zurückkehre. Ich denke aber nicht, dass Meggie und Farid noch einmal zusammenkommen werden, denn ich bin überzeugt, dass Farid für eine Weile nach einem ähnlichen Leben strebt, wie Staubfinger es geführt hat: er wird allein seinen eigenen Weg gehen und sich in viele Frauen verlieben. Meggie hingegen sehnt sich nach einem Zuhause und nach jemandem, der sie mehr liebt als alles andere.

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Inhaltsangabe und Rezension:
© Dieter Wunderlich 2005/2007
Textauszüge: © Cecilie Dressler Verlag

Cornelia Funke (Kurzbiografie)

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