The King's Speech

The King’s Speech

The King's Speech

The King's Speech – Originaltitel: The King's Speech – Regie: Tom Hooper – Drehbuch: David Seidler – Kamera: Danny Cohen – Schnitt: Tariq Anwar – Musik: Alexandre Desplat – Darsteller: Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter, Derek Jacobi, Jennifer Ehle, Michael Gambon, Guy Pearce, Timothy Spall, Claire Bloom, Eve Best u.a. – 2010; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Prinz Albert, Herzog von York, der zweitälteste Sohn des britischen Königs Georg V., stottert seit seiner Kindheit. Zwar folgt sein älterer Bruder David dem Vater als König Eduard VIII. auf den Thron, Albert muss jedoch hin und wieder ebenfalls Reden halten. Und als Eduard abdankt, um Wallis Simpson heiraten zu können, wird Albert König (Georg VI.). Der australische Sprachtherapeut Lionel Logue hilft ihm in jahrelanger Arbeit, das Stottern zu überwinden ...
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Kritik

Aus einer Randnotiz der Geschichte haben Tom Hooper und David Seidler mit "The King's Speech" einen bewegenden Film gemacht. Großes Kino ist das v. a. durch die schauspielerischen Leistungen von Colin Firth und Geoffrey Rush.
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Prinz Albert („Bertie“), Herzog von York (Colin Firth), der zweitälteste Sohn des britischen Königs Georg V. (Michael Gambon), soll am 31. Oktober 1925 im Wembley Stadion eine Radioansprache zum Abschluss der British Empire Exhibition halten. Aber der Prinz stottert seit früher Kindheit. Die Rede wird für ihn, ebenso wie für das Publikum, zu einer Qual.

Nur wenn Albert entspannt mit seiner Ehefrau Elisabeth (Helena Bonham Carter) oder den Töchtern Elisabeth und Margaret (Freya Wilson, Ramona Marquez) spricht, stottert er kaum.

Die Herzogin von York konsultiert mit ihm einen Arzt nach dem anderen. Einer von ihnen rät ihm, viel zu rauchen und veranlasst ihn, wie der griechische Philosoph Demosthenes mit einem Mund voller Kieselsteine zu üben. Aber der Erfolg bleibt aus. In ihrer Verzweiflung sucht Elisabeth den skurrilen australischen Sprachtherapeuten und Gelegenheitsschauspieler Lionel Logue (Geoffrey Rush) auf. Der besteht darauf, den Herzog von York mit „Bertie“ anzusprechen und weigert sich, ihn außerhalb seiner eigenen Räume zu behandeln. In der ersten Stunde setzt der Logopäde seinem Patienten Kopfhörer auf und lässt ihn einen Monolog aus „Hamlet“ vorlesen, während laute klassische Musik verhindert, dass Albert seine eigene Stimme hört. Nach wenigen Minuten wirft Albert das Buch und die Kopfhörer hin und will den Raum verlassen. Immerhin lässt er sich zum Abschied noch die Platte in die Hand drücken, auf der Lionel Logue die Rezitation des Herzogs aufgezeichnet hat.

Resigniert beobachtet Albert kurz darauf, wie geschickt sein Vater eine Weihnachtsansprache hält. Georg V. fordert ihn auf, sich ebenfalls vors Mikrofon zu setzen, aber mit der Anspannung nimmt auch Alberts Stottern zu. Zuerst rät ihm sein Vater, sich Zeit zu lassen, dann verliert er die Geduld und brüllt ihn an. Albert bringt kaum noch ein Wort heraus.

Danach legt er die Platte auf, die er von Logue bekam – und kann es kaum glauben, als er hört, wie er ohne zu Stocken spricht. Elisabeth kommt herein und wundert sich ebenfalls.

Albert setzt die Therapie durch Lionel Logue fort. Allerdings weist er darauf hin, dass er nicht gewillt sei, über sich und sein Privatleben zu reden. Die Heilmethode müsse sich auf Atemübungen und Muskellockerungen beschränken.

Nach einiger Zeit beginnt Albert dann doch von seiner unglücklichen Kindheit zu erzählen: Er fühlte sich von seinem strengen Vater unterdrückt und vermisste die Liebe der Eltern, denn er wuchs in der Obhut von Kindermädchen auf. Als Linkshänder wurde er gezwungen, mit der rechten Hand zu schreiben, und wegen des Stotterns musste er viel Spott ertragen.

Am 20. Januar 1936 stirbt König Georg V. im Beisein seiner Familie in Sandringham. Am Totenbett küsst die Witwe Queen Mary (Claire Bloom) ihrem ältesten Sohn David (Guy Pearce) die Hand und sagt: „Lang lebe der König!“ Als Eduard VIII. besteigt der Prince of Wales den Thron. Albert ist froh, nicht selbst König sein zu müssen. Er begreift jedoch nicht, wieso sein Bruder durch die angestrebte Heirat mit der von ihrem ersten Mann geschiedenen, in zweiter Ehe mit einem Schiffsmakler verheirateten Amerikanerin Wallis Simpson (Eve Best) seine Stellung aufs Spiel setzt [Eduard VIII. und Wallis Simpson]. Eduard wiederum argwöhnt, Albert neide ihm den Titel.

Bei einem Spaziergang mit dem Herzog von York meint Lionel Logue, Albert wäre ein besserer König als Eduard VIII. Eine solche Äußerung hält der Prinz für Hochverrat. Entrüstet macht er sich über Logues Herkunft lustig und bricht die Therapie ab.

Die von Premierminister Stanley Baldwin (Anthony Andrews) geführte Regierung zwingt König Eduard VIII. im Dezember 1936 zur Abdankung. Albert bleibt nichts anderes übrig, als seinem Bruder auf den Thron zu folgen. Er hört auf Winston Churchill (Timothy Spall) und nennt sich demonstrativ Georg VI.

Bei einer Ansprache vor dem Accession Council gerät König Georg VI. wieder massiv ins Stottern. Daraufhin söhnt er sich mit Lionel Logue aus und setzt die Behandlung fort.

Cosmo Lang (Derek Jacobi), dem Erzbischof von Canterbury, missfällt es, dass der König sich auf die Krönung in Westminister Abbey mit einem ihm nicht bekannten Logopäden vorbereiten möchte. Rasch findet er heraus, dass Lionel Logue weder eine Approbation noch Referenzen vorzuweisen hat. Der König glaubt, sein Therapeut habe ihn getäuscht, aber er muss zugeben, dass Logue nie behauptete, einen Doktortitel zu besitzen. Der Australier erzählt, dass er als Gelegenheitsschauspieler nach London gekommen sei. Nach dem Ersten Weltkrieg begann er, aufgrund von Traumatisierungen stotternde Veteranen zu behandeln und sammelte auf diese Weise praktische Erfahrungen jenseits aller herkömmlichen Theorien. Georg VI. fasst wieder Vertrauen zu seinem Therapeuten und lässt sich vom Erzbischof nicht länger irritieren. Mit Hilfe von Lionel Logue gelingt es ihm, bei der Krönung am 12. Mai 1937 die erforderlichen kurzen Sätze fehlerfrei aufzusagen.

Erst jetzt erfahren Logues Ehefrau Myrtle (Jennifer Ehle) und die Söhne Valentine, Laurie und Anthony (Dominic Applewhite, Calum Gittins, Ben Wimsett), um wen es sich bei dem Patienten handelt.

Nachdem das inzwischen von Premierminister Neville Chamberlain (Roger Parrott) regierte Vereinigte Königreich dem Deutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg erklärt hat, wird vom König eine Radioansprache erwartet. Er ruft erneut Lionel Logue zu Hilfe. Der studiert mit Georg VI. eilig die von der Regierung ausgearbeitete Rede ein, richtet in Buckingham Palace eine kleine Kammer her und bleibt dort bei Sendebeginn mit dem König allein. Während der Übertragung steht er vor Georg VI., sodass dieser den Eindruck hat, zu ihm statt ins Mikrofon zu sprechen. Anfangs holpert Georgs Stimme noch etwas, aber dann spricht er fließend.

Stolz sieht Lionel Logue zu, wie der König und die Königin auf dem Balkon des Palastes den Beifall des Volkes entgegennehmen.

König Georg VI. erhebt seinen Freund Lionel Logue 1944 zum Commander des Royal Victorian Order.

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„The King’s Speech“ basiert auf Tatsachen. Der englische König Georg VI. (1865 – 1936) stotterte tatsächlich und wurde ab 1926 von Lionel George Logue (1880 – 1953) behandelt, einem Australier, der zuvor schon Schauspiel- und Rhetorikunterricht gegeben hatte und 1924 mit seiner Ehefrau Myrtle und drei Kindern nach London gezogen war. Logues Tagebuch-Aufzeichnungen ermöglichten es seinem Enkel Mark Logue, mit Peter Conradi zusammen das Buch „The King’s Speech. How One Man Saved the British Monarchy“ zu schreiben.

David Seidler war Anfang der Achtzigerjahre an den Hirnchirurgen Valentine Logue – einen der drei Söhne von Lionel Logue – herangetreten, um Material über die Beziehung König Georgs VI. und Lionel Logue zu sammeln. Auf Bitten von Elizabeth, der Mutter von Königin Elisabeth II., veröffentlichte er zu ihren Lebzeiten nichts darüber. Erst 2005 – drei Jahre nach ihrem Tod im Alter von 101 Jahren – knüpfte er an seine Vorarbeiten an und schrieb ein Theaterstück. Am Ende wurde daraus dann doch das Drehbuch für den Film „The King’s Speech“.

Wer sich neue Erkenntnisse über die Royals erwartet, wird von „The King’s Speech“ enttäuscht sein. Aber David Seidler (Drehbuch) und Tom Hooper (Regie) haben aus einer Randnotiz der Geschichte ein Drama über einen Mann gemacht, der gegen sein Stottern ankämpft. Bei den Ursachen der Sprachstörung griff David Seidler zwar zur Küchenpsychologie (Sohn fühlt sich vom Vater unterdrückt und blockiert), aber britische Prinzen und Prinzessinnen wuchsen in der Tat zumeist in der Obhut von Kindermädchen auf und erlebten die Eltern eher als unnahbar. Auch Charles Mountbatten-Windsor klagte darüber. „The King’s Speech“ veranschaulicht, was vor allem US-amerikanische Management-Trainer wie Stephen R. Covey predigen: Jeder kann es schaffen, wenn er nur will! Der Film handelt von Selbstüberwindung, der Stärkung des Selbstwertgefühls und einer außergewöhnlichen Freundschaft.

Obwohl „The King’s Speech“ fast zwei Stunden dauert und kein Action-Kino, sondern ein dialoglastiges Kammerspiel ist, fand ich es keine Minute langweilig. Im Gegenteil: Eine geschickte Dramaturgie mit pointierten Szenen, emotionalen Höhepunkten und Retardierungen hält die Spannung bis zuletzt aufrecht. Die Bilder sind ästhetisch komponiert. Oft handelt es sich bei den Kulissen um lange Räume – Sinnbilder dessen, was der Stotterer wohl in seinem Rachen empfindet. Außenaufnahmen gibt es kaum. Umso wichtiger sind die treffsicher formulierten Dialoge. Zum großen Kino wird „The King’s Speech“ aber erst durch die grandiosen schauspielerischen Leistungen von Colin Firth und Geoffrey Rush.

Die Dreharbeiten begannen am 13. November 2009 und endeten am 17. Januar 2010. Die Postproduktion erfolgte bis zum 31. August 2010.

Am 27. Februar 2011 gab es vier „Oscars“ für „The King’s Speech“, und zwar in den Kategorien Bester Film, Bestes Drehbuch (David Seidler), Beste Regie (Tom Hooper) und Bester Hauptdarsteller (Colin Firth). Nominiert hatte man den Film auch in den Kategorien Kamera, Schnitt, Szenenbild, Kostüme, Filmmusik, Ton, Nebendarstellerin (Helena Bonham Carter) und Nebendarsteller (Geoffrey Rush).

Den Soundtrack komponierte Alexandre Desplat. Er nahm ihn auch selbst mit dem London Symphony Orchestra und dem Pianisten Dave Arch auf. Die vierzehn Stücke tragen die Titel (1) Lionel and Bertie, (2) The King’s Speech, (3) My Kingdom, My Rules, (4) The King is Dead, (5) Memories of Childhood, (6) King George VI, (7) The Royal Household, (8) Queen Elizabeth, (9) Fear and Suspicion, (10) The Rehearsal, (11) The Threat of War, (12) Speaking Unto Nations, (13) Epilogue, (14) The Logue Method. Die Musik der letzten drei Titel stammt aus dem 2. Satz der 7. Sinfonie in A-Dur op. 92 von Ludwig van Beethoven, dem 2. Satz des Klavierkonzerts Nr. 5 in Es-Dur op. 73 („Emperor“) von Ludwig von Beethoven, der Ouvertüre zu der Oper „Die Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart und dem 1. Satz des Konzerts in A-Dur KV 622 für Klarinette und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart.

In Deutschland kam der Film am 17. Februar 2011 in die Kinos.

Deutsche Synchronstimmen in „The King’s Speech“ (Dialogregie: Harald Wolff): Tom Vogt (Albert / König Georg VI.), Wolfgang Condrus (Lionel Logue), Melanie Pukaß (Königinmutter Elizabeth), Viktor Neumann (David / König Eduard VIII.), Heike Schrötter (Wallis Simpson), Otto Mellies (König Georg V.), Rainer Gerlach (Erzbischof Cosmo Lang), Marina Krogull (Myrtle Logue), Uli Krohm (Winston Churchill), Luise Lunow (Königin Mary) u.a.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

Eduard VIII. und Wallis Simpson
Elisabeth II.

Tom Hooper: Elizabeth I.
Tom Hooper: The Danish Girl

Franz Werfel - Eine blassblaue Frauenschrift
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