Manuel Karasek : Mirabels Entscheidung

Mirabels Entscheidung
Mirabels Entscheidung Originalausgabe: Verbrecher Verlag, Berlin 2017 ISBN: 978-3-95732-193-0, 246 Seiten ISBN: 978-3-95732-254-8 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der Kritiker Hanns Torzek flüchtete als Kind mit seinen Eltern aus Schlesien und später aus der DDR in die Bundesrepublik. Seine Ehefrau Mirabel Mendoza stammt aus Venezuela. Mehrmals kehrt sie verzweifelt nach Caracas zurück, aber in dem sich rasch verändernden Land fühlt sie sich kaum weniger fremd als in Deutschland. Das gilt auch für ihren Sohn Javier, der zwar in zwei Kulturen wurzelt, aber weder in Hamburg noch in Caracas zu Hause ist ...
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Kritik

Der Roman "Mirabels Entscheidung" ist unverkennbar autobiografisch. Javier ist das Alter Ego des Autors, einem Sohn des Kritikers Hellmuth Karasek. Manuel Karasek verzichtet auf Dialoge und erzählt, statt zu inszenieren.
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Der 46 Jahre alte Jorge Mendoza, der in Caracas eine Schneiderei betreibt, und die 28-jährige Immi­granten­tochter Blanca Cruz heiraten 1926.

Er begriff das als seine letzte Chance, eine bürgerliche Existenz aufzubauen. Und da die Schneiderei gut lief und er Blanca, die als Teilzeitangestellte in seinem Betrieb arbeitete, schon etwas besser kannte, lag es nahe, die Verbindung zu vertiefen. Beide schlossen im Grunde ein gutes Geschäft ab: Blanca wollte nicht als Hure enden, Jorge Mendoza fürchtete sich vor dem Junggesellendasein im fortgeschrittenen Alter.

Bis 1940 zeugt das Ehepaar zwölf Kinder, von denen acht überleben: die älteren Töchter Elvira, Flora und Amalia, die jüngeren Töchter Lidia, Isabel und Mirabel sowie die beiden 1928 bzw. 1938 geborenen Söhne Jorge Manuel und Juan Daniel. Nur die Söhne dürfen studieren. Jorge Manuel wird Rechtsanwalt, Juan Daniel Geologe.

Elvira, die älteste der Geschwister, heiratet den Ingenieur Mario Williams. Amalia wird die Ehefrau des zwölf Jahre älteren Feuilleton­redakteurs Roberto Luizonas und bringt mit Veronica das erste Enkelkind von Jorge und Blanca Mendoza zur Welt. Flora erobert während der Ausbildung zur Fremd­sprachen­sekretärin in London den Deutschen Jürgen Kran, Sohn einer reichen Familie mit Bekleidungs­geschäften in Köln und Bonn.

Mirabel, 1940 geboren, ist von den acht Geschwistern das jüngste Kind – und dem Vater das liebste von ihnen. Im März 1955, als sie noch nicht einmal 15 Jahre alt ist, stirbt der asthmakranke Jorge Mendoza im Alter von 75 Jahren an einem Herzanfall.

Mit 17 nimmt Mirabel an Schönheitswettbewerben teil und wird nicht nur Miss Distrito Federal, sondern auch Miss Amazonas. Im selben Jahr hat sie bereits drei Affären und wohnt vorübergehend bei Liebhabern. Weil Blanca mit der Erziehung der rebellischen Tochter überfordert ist, schlägt ihr Schwiegersohn Jürgen Kran vor, sie nach Deutschland zu schicken. Seine Mutter überredet er, Mirabel aufzunehmen und ihr ein Studium an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz zu ermöglichen.

Im März 1958 fliegt die venezolanische Schönheitskönigin in das graue Nach­kriegs­deutschland. In Düsseldorf wird sie von Jürgens Mutter und seiner 18-jährigen Schwester Inge abgeholt. Der Geschäftsmann Hermann Kran wohnt mit seiner 25 Jahre jüngeren Frau und der Tochter in einem herrschaftlichen Haus in Bad Godesberg.

Für ein Musikstudium fehlt es Mirabel an Ausdauer, aber um Deutsch zu lernen, besucht sie einen Kurs des Goethe-Instituts in Brilon im Sauerland. Während der Woche wohnt die 18-Jährige deshalb bei einer Witwe, die einige ungenutzte Räume ihres Hauses an Sprachschüler vermietet. Freitags holt der Chauffeur der Krans sie ab und bringt sie fürs Wochenende nach Bad Godesberg.

Zu den Deutschlehrern am Goethe-Institut in Brilon gehört der 24-jährige Hanns Torzek.

Als Kind besuchte er eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (Napola). Im Winter 1944/45 floh die hochschwangere Mutter mit ihm und seinen drei jüngeren Geschwistern aus Bielitz (heute: Bielsko-Biała) in Schlesien in die Nähe von Pilsen, während der Vater – ein Tischler – an der Front war. Später zog die Familie nach Bernburg (Saale), wo Hanns die Schulausbildung 1952 mit dem Abitur abschloss. Im Alter von 18 Jahren verließ er die DDR, legte das Abitur in der Bundesrepublik noch einmal ab und studierte in Tübingen acht Semester Germanistik und Anglistik.

1957 promovierte er und bewarb sich mit einem Artikel über den Sputnik am Werner-Friedmann-Institut in München, der ersten und damals einzigen Journalistenschule in der Bundesrepublik, für eine knapp ein Jahre lange Ausbildung. Er wurde genommen und mietete deshalb Anfang November ein Zimmer im Münchner Stadtteil Schwabing.

Im Sommer 1958 wohnte er vorübergehend bei seiner Geliebten, einer geschiedenen Frau Mitte 30, die er seinem Cousin Albert ausgespannt hatte.

Nach der Ausbildung fing Hanns als Deutsch-Lehrer beim Goethe-Institut in Brilon an.

Bei einer Tanzveranstaltung kommen sich Hanns Torzek und Mirabel Mendoza näher. Sie versuchen, ihre Liebesaffäre zu verheimlichen, denn ein Lehrer, der mit einer Schülerin schläft, muss mit seiner Entlassung rechnen. Nach ein paar Monaten merkt Mirabel, dass sie schwanger ist, gerät in Panik und vertraut sich Frau Kran an. Die wollte der Schwägerin ihres Sohnes eigentlich zu einer guten Partie in Deutschland verhelfen. Stattdessen hat Mirabel sich für einen besitzlosen Lehrer entschieden. Das Goethe-Institut versetzt Hanns Torzek wegen des Skandals nach Ebersberg bei München. Dort heiraten er und Mirabel im Januar 1959. Die schwangere Braut ist noch keine 19 Jahre alt.

Noch im selben Jahr, im Herbst 1959, wechselt Hanns als Kulturredakteur zur Stuttgarter Zeitung, zunächst für drei Monate auf Probe, dann fest angestellt. Während der Woche bleibt Mirabel in Ebersberg allein; nur am Wochenende ist der Ehemann bei ihr.

Er war verliebt in sich selbst und seine Klugheit, weil das junge und attraktive Mädchen ihn bewunderte. Das ging nicht lange gut.

Er erinnerte sich an seine vier Jahre Studium in Tübingen. Achtzig Prozent der Studenten waren Männer gewesen. Jeder von ihnen hatte die Ehe als einen sicheren Hafen wahrgenommen. Dort angekommen wäre endlich Schluss mit der hässlichen Onanie, und auch das Schielen nach anderen Frauen würde der Vergangenheit angehören. Jetzt wusste er: Sie hatten nicht den Hauch einer Ahnung gehabt. Nach nicht mal einem Jahr Ehe konnte Hanns mit Gewissheit sagen, dass er mit falschen Vorstellungen ins Leben gestartet war. Sollte er mit Mirabel Schluss machen? Sich eine neue Lebenspartnerin aussuchen? Aber was dann? Trotz gelegentlichen Unwetters wollte er seine Bucht nicht verlassen. Er brauchte Mirabel – auch für sein Ansehen, für seinen Beruf.
Mirabel dagegen wurde von der Realität überrumpelt, die wenig von der Romantik und der Liebe der ersten Zeit übrig ließ. Ihre Aggressionen gegen Hanns waren auch Ausdruck der Beunruhigung, die das Kind in ihr auslöste. Das Kind fühlte sich an wie Ballast. Jorges nie zu stillende Bedürfnisse strapazierten die Mutter. Rasch war ihre Geduld erschöpft. Nach solchen Phasen ermahnte sich die junge Mutter, sich zusammenzureißen, und brachte ihrem Sohn eine Überdosis an Zuneigung entgegen. Doch in der fremden Umgebung fühlte sich Mirabel von Gott und der Welt verlassen. Die Wohnverhältnisse in der dunklen Erdgeschosswohnung und der biedere Vorort schufen eine klaustrophobische Atmosphäre.

Anfang März 1963 fliegt Mirabel mit dem kleinen Sohn Jorge nach Venezuela. Sie ist ihres untreuen Ehemanns ebenso überdrüssig wie des fremden, kalten Landes. Gut ein halbes Jahr verbringt Mirabel in Caracas, dann kehrt sie mit Jorge zu Hanns zurück.

Eines Abends kehrte Hanns früher heim als vorgesehen und erwischte seine Frau in flagranti. Ausgerechnet ein Kollege hatte es sich im Bett von Mirabel bequem gemacht. Es war eine unangenehme Szene. Der Kollege, der seine Kleidung vom Boden auflas, das schlechte Gewissen Mirabels, Hanns‘ Fassungslosigkeit, das Ringen um Worte. Hanns hatte nicht damit gerechnet, dass ihm das mal passieren würde. Er war verletzt, und es dauerte, bis er den Vorfall überwunden hatte. […]
Was sie wieder zusammenführte, war das Gefühl, Außenseiter zu sein. Beide waren sich einig, diesen Zustand überwinden zu wollen. Sie wollten in die Mitte der Gesellschaft vorstoßen, wie auch immer die aussehen mochte. Der Unterschied zwischen beiden war, dass Mirabel nicht darauf achtete, welchen Status ihr Gegenüber besaß, Hanns war gerade das wichtig. Er wollte mit interessanten Persönlichkeiten bekannt sein. Mirabel fand diesen Charakterzug lächerlich.

Im Herbst 1967 wird der zweite Sohn geboren: Javier. Hanns, der bei der Stuttgarter Zeitung zum Ressortleiter aufstieg, wechselt zu einem Wochenblatt. Weil der Egozentriker sein Geld regelrecht verschleudert, sucht er ständig nach neuen Einnahmequellen.

Eine weitere Ehekrise veranlasst Mirabel, 1972 mit den Kindern erneut Zuflucht in Caracas zu suchen. Diesmal bleibt sie fast ein ganzes Jahr in Venezuela, bevor sie ihrem Ehemann zurückkehrt.

Hanns Torzek lernt im November 1973 Rainer Fels kennen, den Gründer und Verleger des Hamburger Nachrichtenmagazins „Das Magazin“.

Dem reichen und mächtigen Verleger wurden die Forderungen der 68er zu radikal. Er sei auch nur ein rücksichtsloser Kapitalist, hieß es. Den Verlust an Popularität empfand er fast wie einen Drogenentzug. So fasste er um 1973 herum einen folgenreichen Entschluss. Die Mitarbeiter des Magazins waren fortan an der Hälfte des vom Magazin erwirtschafteten Gewinns beteiligt.

Rainer Fels überredet Hanns Torzek, zu kündigen und überträgt ihm das Kulturressort II. Hanns Torzeks neue Chefs, die beiden Chefredakteure, heißen Erich Sern und Hermann Dolorit. Anfang 1977 mietet er eine kleine Wohnung in Hamburg-Eppendorf.

In einer seiner Jackentaschen stößt Mirabel auf eine Liste mit Mädchennamen.

Es war eine eindrucksvolle Zusammenstellung, und einige der Frauen kannte Mirabel. Es gab für sie keinen Zweifel, dass sie ein offenes Dokument der von ihm in letzter Zeit begangenen Ehebrüche in den Händen hielt. Aber statt ihm die Liste vor die Nase zu halten – was keinen Sinn gehabt hätte, da Hanns meisterlich darin war, Ausflüchte zu finden –, warf sie die Liste in den Mülleimer. In ihr reifte der Entschluss, ein eigenes, von Hanns unabhängiges Leben zu führen.

Als sie in den Osterferien mit Jorge und Javier in der Schweiz beim Skifahren ist, begegnet sie Yves …

Er fuhr einen Alfa Romeo und hatte einen halsbrecherisch sicheren Fahrstil wie ein Formel-1-Rennfahrer. Yves war in die Geschäfte seiner Eltern eingestiegen, die in Straßburg lebten und seit Jahrzehnten mit Inneneinrichtungen wie Gardinen oder Stehlampen handelten. Sie waren nicht sonderlich glücklich über diese Verbindung. Was wollte ihr Sohn mit einer verheirateten Frau aus Südamerika?

Hanns beginnt ein Liebesverhältnis mit Luise Brähmer. Die 23-Jährige, die in ihrer Heimatstadt Köln Literaturwissenschaften studiert, ist nach Hamburg gekommen, um als Hospitantin bei einer „Peer Gynt“-Produktion des Regisseurs Hajo Gies mitzuwirken. Ihr Lebensgefährte Rolf war kurz zuvor auf der Autobahn bei Bremen mit einem Lastwagen kollidiert und in seinem Wagen verbrannt.

Hanns erklärt Mirabel, dass er mit einer anderen Frau einen Neuanfang wagen wolle.

Um die Angelegenheit einigermaßen vernünftig zu regeln, hatte er Mirabel gebeten, sobald Jorge, der bald die Schule beendet haben und ausziehen würde, mit Javier in eine preiswertere Wohnung zu ziehen. Wie zu erwarten, hatte Mirabel erbost reagiert.

Sigismund Winter, einer der zwei Chefredakteure einer führenden Wochenzeitung, wirbt Hanns Torzek mit einem höheren Gehalt vom „Magazin“ ab.

Im Januar 1979 geht Mirabel mit ihrem elfjährigen Sohn Javier in Hamburg an Bord des Frachters „Caracas“, der sie nach Venezuela bringen soll.

Javier konnte sich bei seiner extravaganten Mutter bedanken. Zwei volle Monate befreite ihn Mirabel, die künstlerische Leiterin seines Lebens, vom Schuldienst.

Für die letzte Reiseetappe von der Insel Margarita nach Carcas benutzen Mirabel und Javier ein Flugzeug. Sie ziehen zur Mutter bzw. Großmutter Blanca. Die 79-jährige Witwe wohnt seit 1968 mit der Tochter Isabel in einem Hochhaus. Mirabels Schwester Flora lebt ebenfalls wieder in Venezuela. Von ihrem deutschen Ehemann Jürgen hat sie sich scheiden lassen.

Nachdem Javier fast zwei Monate keinen Schulunterricht hatte, wird er ins deutschsprachige Colegio Humboldt aufgenommen.

Dass die meisten der Schulkameraden ihn für schwul hielten, erwies sich als gravierendes Problem.

Er muss eine Klasse wiederholen.

Durch die Wiederholung des Schulstoffs wurden seine Zensuren deutlich besser, was seine Stimmung hob, doch Mirabel entging nicht, dass er die Humboldt-Schule nicht ausstehen konnte. Javier hatte noch immer so gut wie keine Freunde auf dieser Schule.
Manchmal platzte ihm der Kragen und er schimpfte: „Was soll ich eigentlich in diesem Scheißland?“

In den Sommerferien 1980 kommt der beim Vater in Deutschland gebliebene Jorge zu Besuch nach Caracas. Danach wird Mirabel krank und muss operiert werden.

Anfang November steht ihr Entschluss fest: Sie wird mit Javier nach Deutschland zurückkehren.

Das venezolanische Experiment war gescheitert.

Mitte April 1981 fängt Javier ein Tagebuch an.

Drei Monate später fliegt er mit seiner Mutter nach Hamburg. Die Zeit, in der Mirabel nach einer Wohnung sucht, verbringt er beim Vater – der offiziell noch mit der Mutter verheiratet ist – und dessen Lebensgefährtin Luise Brähmer.

Nelson, der älteste Sohn von Amalia und Roberto Luizonas, der schon vor einiger Zeit durch Drogenmissbrauch einen irreversiblen Gehirnschaden erlitt, stirbt an einer Überdosis Heroin. Kurz darauf platzt bei seinem Vater ein Aneurysma, und der Journalist folgt seinem Sohn ins Grab.

Von einer Richterin in Abwesenheit seiner Eltern gefragt, ob er beim Vater oder bei der Mutter leben wolle, entscheidet Javier sich, bei Mirabel zu bleiben, zumal er weiß, dass Luise schwanger ist.

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Vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte in Deutschland und Venezuela erzählt Manuel Karasek in seinem Roman „Mirabels Entscheidung“ von einer konfliktreichen, mehrmals zerbrochenen und gekitteten, nach 20 Jahren endgültig gescheiterten Ehe. Hanns Torzek flüchtete als Kind mit seinen Eltern aus Schlesien und im Alter von 18 Jahren aus der DDR in die Bundesrepublik. Mirabel Mendoza stammt aus Venezuela. Mehrmals kehrt sie verzweifelt nach Caracas zurück, aber in dem sich rasch verändernden Land fühlt sie sich kaum weniger fremd als in Deutschland. Umso mehr gilt das für ihren jüngeren Sohn Javier, der zwar in zwei Kulturen wurzelt, aber sowohl in Hamburg als auch in Caracas als Außenseiter gesehen wird.

Diesen interessanten Plot hat Manuel Karasek nicht erfunden. Es ist unschwer erkennbar, dass die Figur Javier Torzek sein Alter Ego ist. Mirabel Mendoza entspricht seiner Mutter Marvela Ines Mejia-Perez, und Hanns Torzeks Biografie stimmt mit der seines Vaters Hellmuth Karasek überein. Auch bei anderen Figuren in „Mirabels Entscheidung“ wie zum Beispiel dem Hamburger Verleger Rainer Fels und dem am Bodensee lebenden Schriftsteller Werner Mulser sind die Vorbilder unübersehbar: Rudolf Augstein und Martin Walser. Manuel Karasek idealisiert seine Eltern nicht, im Gegenteil, er betont ihre Schwächen. Die Romanfigur Hanns Torzek ist alles andere als ein Vorbild. Dieser Theater- und Literaturkritiker wird von Egomanie, Eitelkeit und Sucht nach Bewunderung getrieben. Er protzt mit einem Porsche, lebt über seine Verhältnisse, vernachlässigt die Familie und betrügt seine Frau.

Doch als glücklichen Mann begriff sich Hanns nicht. Er empfand die bürgerliche Ordnung als ein System von Zwängen.

„Mirabels Entscheidung“ setzt 1979 ein und endet 1981, aber die eigentliche Handlung beginnt sehr viel früher, und Manuel Karasek führt uns denn auch nicht chronologisch durch die Familiengeschichte, sondern springt zeitlich vor und zurück. Obwohl Javier nicht als Ich-Erzähler auftritt und in manchen Kapiteln gar nicht vorkommt, stimmt die Perspektive weitgehend mit seiner überein. Statt zu inszenieren schildert und erzählt Manuel Karasek. Dialoge oder wörtliche Rede sucht man nahezu vergeblich in dem Roman.

Manuel Karasek ist der jüngere Sohn aus der Ehe von Hellmuth Karasek und Marvela Ines Mejia-Perez. Nach dem Abitur 1988 und dem anschließenden Zivildienst ebenfalls in Hamburg, studierte er von 1990 bis 1995 Iberoromanistik in Bonn. 1995 veröffentlichte er unter dem Titel „El Tigre“ einen Band mit Erzählungen, 2017 den autobiografischen Roman „Mirabels Entscheidung“. Er arbeitet als Literaturkritiker in Berlin.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2017
Textauszüge: © Verbrecher Verlag

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