Claire Keegan : Ein langer und schmerzvoller Tod

Ein langer und schmerzvoller Tod

Claire Keegan

Ein langer und schmerzvoller Tod

Originalausgabe: The Long and Painful Death in: Walk the Blue Fields Faber and Faber, London 2007 Ein langer und schmerzvoller Tod in: Durch die blauen Felder Übersetzung: Hans-Christian Oeser Steidl Verlag, Göttingen 2008 ISBN: 978-3-86521-664-9
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Eine 39 Jahre alte irische Schriftstellerin, deren Namen wir nicht erfahren, wird gleich am ersten Tag ihres Aufenthalts als Writer-in-Residence im Böll Cottage auf Achill Island von einem emeritierten deutschen Literaturprofessor belästigt. Dafür rächt sie sich, indem sie den verbitterten alten Mann noch in der derselben Nacht zu einer literarischen Figur macht, der ein langer und schmerzvoller Tod bevorsteht ...
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Kritik

"Ein langer und schmerzvoller Tod" ist eine maliziös-humorvolle Erzählung über zwei gegensätzliche Charaktere, die Claire Keegan mit wenigen Pinselstrichen sehr präzise und anschaulich darstellt.
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Eine irische Schriftstellerin, deren Namen wir nicht erfahren, fährt an ihrem 39. Geburtstag mit dem Auto nach Achill Island, wo ihr das ehemalige Ferienhaus Heinrich Bölls zwei Wochen lang zur Verfügung steht. Obwohl die Writers-in-Residence ausdrücklich nicht gestört werden sollen und das Haus deshalb nicht zu besichtigen ist, klingelt kurz nach ihrer Ankunft das Telefon: Ein Deutscher, ein Professor für Neuere Deutsche Literatur, bittet sie, ihm die Räume zu zeigen. Die Schriftstellerin versucht ihn abzuweisen oder zumindest auf einen späteren Tag zu vertrösten, aber er behauptet, nicht lange auf der Insel bleiben zu können und erreicht schließlich, dass sie ihn für den Abend einlädt.

Am Nachmittag fällt ihr ein Huhn auf, das über die Klippen springt. Sie wagt es kaum, sich über den Abgrund zu beugen, denn sie rechnet mit einem schrecklichen Anblick. Aber dann sieht sie mehrere Hühner auf einem grasbewachsenen Felsvorsprung und ist beruhigt. In der Bucht zieht sie sich nackt aus und schwimmt ausdauernd im Meer. Dabei hat sie das Gefühl, beobachtet zu werden.

Zurück im Haus, liest sie Anton Tschechows Erzählung „Die Braut“. Da geht es um eine junge Frau, die in Petersburg studiert, statt ihren Verlobten zu heiraten. Die Schriftstellerin hat auch nicht geheiratet – und ist froh darüber.

Der emeritierte deutsche Literaturprofessor kommt pünktlich, ist höflich, bringt eine Flasche Cointreau mit und beteuert mehrmals, nicht stören zu wollen. Die Autorin, die lieber allein wäre, hat eigens einen Kuchen gebacken und brüht Tee auf. Sie führt ihn durch die Räume, aber der Besucher interessiert sich augenscheinlich überhaupt nicht dafür. Es kommt ihr so vor, als sei er bereits hier gewesen und kenne das alles besser als sie. Was will er von ihr?

Als er schließlich mit „Meine Frau. Meine Frau war schön“ anhebt, räumt die Gastgeberin das Geschirr weg, um ihn davon abzuhalten, eine lange Geschichte zu erzählen. Sie bleibt an der Spüle stehen und schweigt, aber es dauert einige Zeit, bis er begreift, dass seine Anwesenheit nicht länger erwünscht ist. Im Gehen schimpft der verbitterte Professor:

„Sie kommen in das Haus von Heinrich Böll, backen Kuchen und gehen baden, ohne etwas anzuhaben!“

Nachdem er endlich fort ist, beginnt sie mit ihrem Füllfederhalter in ein neues, fadengebundenes Notizbuch zu schreiben und macht aus dem Störenfried eine literarische Figur.

Gerade hatte sie ihm einen Namen gegeben und Krebs verpasst, und arbeitete sich jetzt durch seine Krankheit.

Sie wusste, dass sie dabei war, sich vorzubereiten – auf seinen langen und schmerzvollen Tod.

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Eine 39 Jahre alte irische Schriftstellerin – ein Alter Ego der Autorin Claire Keegan (* 1968)? – wird von einem deutschen Literaturprofessor belästigt und rächt sich, indem sie ihn zu einer literarischen Figur macht, der ein langer und schmerzvoller Tod bevorsteht.

„Ein langer und schmerzvoller Tod“ ist eine maliziös-humorvolle Erzählung über zwei gegensätzliche Charaktere, die Claire Keegan mit wenigen Pinselstrichen sehr präzise und anschaulich darstellt. Die Sprache ist schnörkellos und ohne Effekthascherei.

Das Böll Cottage auf Achill Island gibt es tatsächlich. 1958 erwarb Heinrich Böll ein Ferienhaus auf der irischen Insel, auf der er von Mitte der Fünfziger- bis Anfang der Siebzigerjahre die Ferien verbrachte und das „Irische Tagebuch“ schrieb. Seit 2003 stellt die Achill Heinrich Böll Association das Haus irischen und ausländischen Künstlern für jeweils zwei Monate zur Verfügung, damit diese dort ungestört arbeiten können.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015
Textauszüge: © Steidl Verlag

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