Günter Kunert : Die Waage

Die Waage

Günter Kunert

Die Waage

Die Waage Carl Hanser Verlag, München
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Inhat:
Auf dem Weg zur Nachtschicht fährt ein Bürger der DDR einen betrunkenen alten Mann tot und begeht Fahrerflucht ...


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Kritik

Die wie Lyrik klingende düstere und sarkastische Prosa Günter Kunerts lässt den Leser ohne Trost und Hoffnung zurück: "Die Waage".
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Unter einem Wandbild von Karl Marx sitzen fünf Männer am Stammtisch und trinken Bier.

Es ist eine Waage: In der einen Schale steigt die menschliche Spreu nach oben, zu leicht befunden, in der anderen sitzen wir; wir hier um unseren Stammtisch, goldrichtig, schwergewichtig, zukunftsträchtig. Sitzen und reden, bis die zweizeigrige Pflichtmahnerin spricht: Vergiss nicht deinen Dienst. Keine Lage, keine Runde mehr, sondern zahlen.

Die Männer brechen auf, um rechtzeitig zur Nachtschicht zu kommen. Einer von ihnen fährt mit seinem Motorrad los.

Dahin auf der Maschine, die Geschwindigkeit und Lebensgefühl produziert. Auch vom Motorrad aus betrachtet ist alles einfach, weil es immer vorangeht, immer voran.

Plötzlich torkelt ein betrunkener alter Mann in den Scheinwerferkegel.

Es erfolgt der Zusammenprall, der Aufschluss gibt, wie weich, wie nachgiebig, sackartig ein Körper wirkt, fährt man mit dem Motorrad in ihn hinein.

Der Motorradfahrer überlegt: Es gibt keine Zeugen, und in der Schaltzentrale der Fabrik wartet der Kollege, den er ablösen soll. Er lässt den Sterbenden liegen, steigt wieder auf und trifft gerade noch pünktlich zu Schichtbeginn ein.

Stunde um Stunde, Zigarette um Zigarette wird die Zeit von ihrem eigenen Fortschritt dahingerafft und verschwindet spurlos […]

Am nächsten Morgen warten neben dem verbeulten Motorrad zwei Polizisten und bringen ihn aufs Revier. Unter einem Wandbild von Karl Marx wird seine Aussage protokolliert. Dann sperrt man ihn ungeachtet seines Protests in eine Zelle.

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Die wie Lyrik klingende düstere und sarkastische Prosa Günter Kunerts lässt den Leser von „Die Waage“ ohne Trost und Hoffnung zurück.

Wer wie Kunert hartnäckig und in immer neuen Bildern die Sinnlosigkeit unserer Welt beschwört, der verrät damit, dass er nicht aufhören kann, nach dem Sinn dieses Daseins zu fragen. (Marcel Reich-Ranicki 1980)

Günter Kunert wurde 1929 in Berlin geboren. Weil der Vater sich weigerte, seine jüdische Ehefrau zu verstoßen, schlossen die Nationalsozialisten Günter vom Besuch einer höheren Schule aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er fünf Semester an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. 1949 trat er in die SED ein. Im Jahr darauf erschien sein erster Gedichtband („Wegschilder und Mauerinschriften“). Bert Brecht und Johannes R. Becher förderten den Dichter und Schriftsteller. Sein in den Sechzigerjahren verstärkter Pessimismus, sein Misstrauen gegenüber Utopien und die Hoffnungslosigkeit seiner Werke passten allerdings nicht zu der Fortschrittsgläubigkeit der DDR-Staatsdoktrin. Weil er gegen die Ausbürgerung Wolfgang Biermanns protestiert hatte, schloss die SED ihn 1977 aus. Im Oktober 1979 zog er mit seiner Ehefrau Marianne in die Bundesrepublik Deutschland.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003
Textauszüge: © Carl Hanser Verlag

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