Und keiner weint mir nach

Und keiner weint mir nach

Und keiner weint mir nach

Originaltitel: Und keiner weint mir nach - Regie: Joseph Vilsmaier - Drehbuch: Willi Purucker, nach dem Roman "Und keiner weint mir nach" von Siegfried Sommer - Kamera: Joseph Vilsmaier - Schnitt: Andy Althoff - Darsteller: Jan Polak, Peter Ketnath, Janina Vilsmaier, Nina Hoss, Monika Bujinski, Philip Jacobs, Steffen Schröder, Maximilian Michl, Patrick Hinz, Oliver Cresswell, Andreas Nickl, Monika Manz, Tina Engel, Thomas Anzenhofer, Herbert Rhom, Michael Stippel, Monika Baumgartner u.a. - 1996; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Ein vierstöckiges Mietshaus mit 20 Parteien in der Mondstraße 46 in München bildet den Mittelpunkt des Geschehens, das sich im Wesentlichen zwischen den beiden Weltkriegen (genau: von 1924 bis 1952) abspielt. Im dritten Stockwerk wohnen Leonhard Knie und Marilli Kosemund, die sich als Schulkinder ineinander verlieben. ...
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Kritik

Bei der Verfilmung des Romans "Und keiner weint mir nach" verzichtete Joseph Vilsmaier zugunsten einer dramatischen Geschichte über Leo und Marilli auf viele der von Sigi Sommer erzählten Anekdoten.
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Ein vierstöckiges Mietshaus mit zwanzig Parteien in der Mondstraße 46 in München bildet den Mittelpunkt des Geschehens, das sich im Wesentlichen zwischen den beiden Weltkriegen (genau: von 1924 bis 1952) abspielt.

Im dritten Stockwerk wohnen Leonhard („Leo“) Knie (Jan Polak / Peter Ketnath) und Marilli Kosemund (Janina Vilsmaier / Nina Hoss).

Hilde Knie ging im Alter von neunzehn Jahren mit einem Hamburger namens Herbert. Sobald sie ihm sagte, dass sie schwanger war, ließ er sie sitzen, und als Leo vier Jahre alt war, verschwand auch sie. Seither wächst der Junge bei seiner fast blinden Großmutter (Monika Manz) auf, die ihre Wohnung nicht verlässt, kaum etwas redet und eigentlich nur darauf achtet, dass Leo ihr dreimal täglich einen Krug Bier aus der benachbarten Wirtschaft holt.

Als Schüler verliebt er sich in Marilli aus der Nachbarwohnung. Sie verabreden sich im Wald, wo er unter den Zweigen bereits eine Decke ausgebreitet hat. Den ganzen Tag über hat er an nichts anderes gedacht als an das heiß ersehnte Stelldichein. Aber bevor sie sich ausziehen können, kommt er schon zum Höhepunkt, und nach der Blamage wagt er es nicht mehr, Marilli ein weiteres Treffen vorzuschlagen.

Leo beginnt eine Elektrikerlehre, aber sein Lehrherr macht Pleite und wird schließlich eingesperrt, weil er seine frühere Schreibkraft, die noch immer seine Geliebte gewesen ist, aus Eifersucht krankenhausreif geprügelt hat.

Die Freunde aus dem Haus in der Mondstraße ziehen nach und nach weg. Nur Biwi Leer (Steffen Schroeder), der bei einem Friseur in die Lehre geht, ist noch da. Aber als er Leos „Eroberung“ Anneliese Dingler (Susanna Wellenbrink) wegschnappt, zerbricht auch diese Freundschaft.

Mit achtzehn ist Leo so einsam und verzweifelt, dass er sich von der schmuddeligen Prostituierten Fanny aushalten lässt, obwohl er sich vor ihr ekelt. Nach ein paar Wochen sagt sie ihm, sie sei schwanger („damit du’s weisst, bei mir hat’s g’schnackelt“). Da schluckt er achtundzwanzig Schlaftabletten und schreibt mit dem Finger an die angelaufene Fensterscheibe: „Und keiner weint mir nach“.

Marillis Mutter (Tina Engel) ist sicher, dass sie ihre Tochter in Bad Tölz empfing, aber wer der Vater war, weiß sie nicht so genau. „Genau genommen hätte sie erst selbst zwischen dem Heizer Schorsch vom Kurgarten, einem italienischen Gitarristen und dem Pensionsinhaber, bei dem sie damals bedienstet war, wählen müssen.“ Später heiratete sie den Dreher Karl Kosemund (Thomas Anzenhofer), und Marilli wurde von ihrem Stiefvater adoptiert.

Im Alter von zwölf Jahren und sieben Monaten trägt die rothaarige Marilli „einen ganz engen, frisch gewaschenen Pullover aus ihrem zehnten Lebensjahr. Die anderen Leute im Haus nennen sie bald ein „Flitscherl“.

Wenn sie Kohlen aus dem Keller holt, steigt ihr der Witwer Blätsch vom 2. Stock nach und hält ihr den Kerzenleuchter – nicht zuletzt, um ihre Figur betrachten zu können. Dass Blätsch immer dann in den Keller geht, wenn auch das Mädchen dort ist, entgeht der Hausmeisterin (Monika Baumgartner) nicht. Schließlich holt sie sich eine Zeugin, lauert Blätsch erneut auf und zeigt ihn dann bei der Polizei an. Er öffnet nicht. Seine Wohnungstür wird aufgebrochen.

Blätsch hat sich erhängt [Suizid]. Nach ein paar Tagen hat Marilli den Vorfall vergessen.

Als ihr die Freundin Hanni Brunner (Monika Bujinski) vom 3. Stock verrät, dass sie mit dem achtundvierzig Jahre alten Spenglermeister Johann Müller schläft, meint Marilli: „Es hilft gar nichts, ich muss das jetzt auch bald erleben.“ Nachdem es mit Leo nichts geworden ist, lässt sie sich von dem Spengler entjungern, und bald schon geht sie mit dem Sohn eines Margarinegroßhändlers, dann mit einem Autoverkäufer. Sie sitzt in Vorstadtwirtschaften mit Akkordarbeitern zusammen und übernachtet in Villen mit Swimming Pools. Sie lebt „ihr Leben viel zu schnell …, zu gierig …, zu hungrig. Obwohl Hunger eine ganz gesunde menschliche Eigenschaft ist. Aber Eigenschaften wie Gier, Verlangen oder Wut darf man natürlich nicht unverdünnt anwenden. Ein paar Tropfen davon. Und die stark verdünnt.“

Mit dreißig heiratet sie, und ihr Mann Schorsch (Wolfgang Maria Bauer) zieht zu ihr und ihrer Mutter Matschi in die Wohnung. (Karl Kosemund hat seine Frau nach einer Prügelei verlassen.) Da liegt er tagsüber herum; abends verkauft er in den Wirtschaften Freiburger Dauerbrezeln.

Eines Tages – Marilli ist jetzt siebenunddreißig Jahre alt – geht sie wie gewohnt in den Keller, um Kohlen zu holen. Der Hausverwalter Stein, der im Parterre wohnt, lässt sich gerade im Schutz der Dunkelheit eine Ladung Buchenholz vom Bauhof bringen. Aber der Lastwagenfahrer verwechselt den Kellerschacht. Ein Luftzug bläst Marillis Kerze aus. Gleich darauf trifft sie das erste Holzscheit hinter dem Ohr an der Schlagader. Sie stirbt ohne einen Laut, während in der Wohnung die Milch auf dem Herd überläuft und ihr Mann „Märry, he, Märry“ schreit.

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1996 verfilmte Joseph Vilsmaier den 1953 erschienenen Roman des Münchner Kolumnisten Sigi Sommer („Blasius der Spaziergänger“): „Und keiner weint mir nach“. Dabei verzichtete er auf die vielen kleinen Geschichten, die Sigi Sommer über die zwanzig Parteien des Mietshauses Mondstraße 46 in München erzählt, vor allem auf die humorvollen Anekdoten über die dort wohnenden Lausbuben. So gehen viele gut beobachtete Episoden über das Leben einfacher Leute zwischen den beiden Weltkriegen in München verloren, aber für die Dramaturgie ist es ein Gewinn, dass sich Joseph Vilsmaier auf das Schicksal von Leo und Marilli konzentriert.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002 / 2008

Sigi Sommer: Und keiner weint mir nach

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