Marlene

Marlene

Marlene

Originaltitel: Marlene - Regie: Joseph Vilsmaier - Drehbuch: Christian Pfannenschmidt, nach dem Buch "Meine Mutter Marlene" von Maria Riva - Kamera: Joseph Vilsmaier - Schnitt: Barbara Hennings - Musik: Harald Kloser - Ausstattung: Rolf Zehetbauer - Kostüme: Ute Hofinger, Lisy Christl und Brian Rennie - Darsteller: Katja Flint, Herbert Knaup, Heino Ferch, Hans-Werner Meyer, Christiane Paul, Suzanne von Borsody, Armin Rohde, Katharina Müller-Elmau, Monica Bleibtreu, Cosma Shiva Hagen, Oliver Elias, Ben Becker, Jürgen Schornagel, Otto Sander, Heiner Lauterbach, Götz Otto u.a. - 2000; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Bei einem Aufenthalt in Berlin entdeckt der aus Österreich stammende Hollywood-Regisseur Josef von Sternberg 1929 die Schauspielerin Marlene Dietrich in dem Revuestück "Zwei Krawatten". Gegen den Rat des Ufa-Produzenten Erich Pommer und des weltberühmten Hauptdarstellers Emil Jannings engagiert er sie für die Rolle der Lola seinem neuen Film "Der blaue Engel". Es ist der Beginn einer Weltkarriere ...
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Kritik

Katja Flint gelingt es, das Charisma und die erotische Ausstrahlung des manierierten Weltstars Marlene Dietrich wiederzugeben. In ihrem Aussehen, in der betörenden Ambivalenz zwischen kühler Distanz und Verlockung ähnelt sich verblüffend dem Original.

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Maria Magdalena Dietrich wurde am 27. Dezember 1901 in Berlin als zweite Tochter des Polizeioffiziers Louis Erich Otto Dietrich und dessen Ehefrau Wilhelmine Elisabeth Josephine geboren. Am 17. Mai 1923 heiratete sie Rudolf Emilian Sieber (1897 – 1976, dargestellt von Herbert Knaup). Von ihrer Tochter Maria wurde sie am 12. Dezember des folgenden Jahres entbunden. (Maria wird je nach Alter von Josefina Vilsmaier, Theresa Vilsmaier, Janina Vilsmaier und Ute Cremer gespielt.)

Schon vor ihrer Ehe hatte sie unter dem Namen „Marlene Dietrich“ kleine Film- und Theaterrollen gespielt. Bei einem Aufenthalt in Berlin entdeckt der aus Österreich stammende Hollywood-Regisseur Josef von Sternberg (1895 – 1963, dargestellt von Hans-Werner Meyer) 1929 die Schauspielerin (Katja Flint) in dem Revuestück „Zwei Krawatten“. Gegen den Rat des Ufa-Produzenten Erich Pommer (1889 – 1966, gespielt von Heiner Lauterbach) und des weltberühmten Hauptdarstellers Emil Jannings (1884 – 1950, gespielt von Armin Rohde) engagiert er sie für die Rolle der Lola seinem neuen Film „Der blaue Engel“ (nach dem Roman „Professor Unrat“ von Heinrich Mann, der lieber Trude Hesterberg in der weiblichen Hauptrolle gesehen hätte).

Etwa zur gleichen Zeit verliebt sich die unkonventionelle und lebenshungrige Frau in den selbstbewussten preußischen Offizier Carl Seidlitz (Heino Ferch). Josef von Sternberg drängt sie, mit ihm einen Film in Hollywood zu drehen. Sie müsse sich entscheiden, ob sie glücklich oder berühmt werden wolle. Marlene Dietrich entscheidet sich für die Karriere: Noch vor der Premiere am 1. April 1930 – bei der sie mehr noch als Emil Jannings begeistert gefeiert wird – unterschreibt sie einen Vertrag mit Paramount Pictures. Sie folgt Josef von Sternberg auf dem Luxusdampfer „Bremen“ nach Amerika – nur für sechs Wochen, wie sie anfangs glaubt. Ihren Mann und ihre Tochter lässt sie in der Obhut von Tamara Matul (Christiane Paul) zurück, einer jungen Russin, die längst zur Ersatzmutter Marias und zur Geliebten Rudis geworden ist.

Für ihre Rolle als Partnerin von Gary Cooper (Götz Otto) in „Morocco“ erhält Marlene Dietrich eine „Oscar“-Nominierung. Sie holt Rudi, Maria und Tami nach Los Angeles, obwohl ihr Mann nicht „Herr Dietrich“ sein möchte.

Mit ihrer schlanken Figur, den langen Beinen und ihrer rauchig-erotischen Stimme entwickelt sich Marlene Dietrich zum Weltstar. Doch nach einigen Misserfolgen beschließt Josef von Sternberg 1934, sich von ihr privat und beruflich zu trennen – nicht zuletzt, um sein Leben wieder in Ordnung zu bringen.

1938 wird Marlene Dietrich zwar als „Kassengift“ beschimpft, aber sie bleibt in den USA und nimmt am 9. Juni 1939 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. In den letzten zwei Kriegsjahren engagiert sie sich als Truppenbetreuerin der Alliierten.

Als sie Mitte 1945 mit den Amerikanern wieder nach Berlin kommt, erfährt sie von Carls Schwester Charlotte (Suzanne von Borsody), dass er wegen seiner Aktivitäten im Widerstand hingerichtet wurde. Im November stirbt ihre Mutter (Monica Bleibtreu).

In den Fünfzigerjahren dreht Billy Wilder mit Marlene Dietrich den Film „Zeugin der Anklage“, und sie beginnt in Las Vegas eine erfolgreiche Karriere als Sängerin. Bei Auftritten in Deutschland wird sie wegen ihres Engagements aufseiten der Alliierten geschmäht. Nachdem sie sich 1975 in Australien einen Oberschenkelhals gebrochen hat, beendet sie mit einem Konzert in der Carnegie Hall in New York ihre Gesangskarriere und mit ihrer Rolle in „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ auch ihre Arbeit als Filmschauspielerin.

Von da an tritt sie nie mehr in der Öffentlichkeit auf, um den Mythos „Marlene Dietrich“ zu bewahren. Auch als Maximilian Schell 1982/83 einen Film über sie dreht, beantwortet sie zwar seine Fragen, lässt sich jedoch nicht fotografieren.

Marlene Dietrich stirbt am 6. Mai 1992 in Paris.

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Die Filmbiografie „Marlene“ drehte Joseph Vilsmaier mit einem für deutsche Verhältnisse gewaltigen Budget von 17,8 Millionen D-Mark in der Zeit vom 31. August bis 10. November 1999. Die Rahmenhandlung des von ihm selbst sehr ästhetisch fotografierten und von Rolf Zehetbauer sorgfältig ausgestatteten Films spielt zwar in den Siebzigerjahren; der Hauptteil konzentriert sich jedoch auf Marlene Dietrichs Karriere in den Jahren von 1929 bis 1945. Die von Maria Riva überlieferte Biografie hat Drehbuchautor Christian Pfannenschmidt um eine fiktive Liebesgeschichte zwischen Marlene Dietrich und Carl Seidlitz ergänzt. Die psychologische Entwicklung Marlene Dietrichs wird ein wenig simpel auf den Gegensatz Berühmtheit und Glamour gegen Einsamkeit und Entfremdung reduziert: die Privatperson Marlene Dietrich als Opfer ihres Welterfolgs. Mehr erfährt der Zuschauer weder über den Menschen noch über das Geheimnis ihres Mythos.

Hin und wieder gleitet Joseph Vilsmaier in den Kitsch ab, etwa wenn Marlene Dietrich einem sterbenden deutschen Soldaten in amerikanischer Gefangenschaft die Augen zudrückt. Und warum muss es sich bei Marlene Dietrichs fiktiver großer Liebe, Carl Seidlitz, ausgerechnet um einen Widerstandskämpfer handeln? Aber es kommt noch schlimmer: Ende 1944 fährt Marlene eigenhändig mit einem amerikanischen Militärjeep durchs Kriegsgebiet in Frankreich, um sich heimlich mit ihm zu treffen.

Bis in die Nebenrollen hinein ist der Film hochkarätig besetzt. Katja Flint gelingt es, das Charisma und die erotische Ausstrahlung des manierierten Weltstars Marlene Dietrich wiederzugeben. In ihrem Aussehen, in der betörenden Ambivalenz zwischen kühler Distanz und Verlockung ähnelt sich verblüffend dem Original. Sie spielt die selbstverliebte, egozentrische Diva bei ihren öffentlichen Auftritten in den berühmten Posen, denkt sich aber auch – soweit es das Drehbuch zulässt – in das unbekannte Privatleben der Frau hinein.

Ihr Mythos überstrahlt jede Mode, und selbst eine missglückte Kinohuldigung wie gerade erst der „Marlene“-Film von Joseph Vilsmaier setzt neuen Begeisterungsrummel um Leben und Werk der Diva in Gang: Marlene Dietrich, der einzige Weltstar, den Deutschland je hervorgebracht hat, ist so gegenwärtig wie je – und sei es als millionenfach reproduziertes Motiv auf der Briefmarke. Ihre androgyne Erotik, ihre grandiose Ausstrahlung, ihr lockeres Liebesleben zwischen Männern und Frauen und ihre beinhart durchgezogene Karriere wirken wie ein früher, verwegener Verweis auf das 21. Jahrhundert: Sie war Vamp und Emanze zugleich, vereinte Hollywood-Glamour und preußische Disziplin. (Hellmuth Karasek in „Der Spiegel“)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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