Barbara Wood : Rote Sonne, schwarzes Land

Rote Sonne, schwarzes Land
Originalausgabe: Green City in the Sun Random House, New York 1988 Übersetzung: Manfred Ohl und Hans Sartorius Deutsche Erstausgabe: S. Fischer Verlag, Frankfurt/M 1989 Lizenzausgabe: Verlagsgruppe Weltbild, Augsburg 2005 ISBN 3-89897-095-7, 720 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

"Rote Sonne, schwarzes Land" ist eine grandiose, drei Generationen überspannende Familientragödie vor dem Hintergrund der Geschichte Kenias zwischen dem Ersten Weltkrieg und den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Barbara Wood schreibt kenntnisreich über den Zusammenprall englischer und afrikanischer Traditionen. Es geht aber auch um verbotene Liebe und die Suche nach der eigenen Identität.
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Kritik

Aus einer atemberaubenden Fülle von Konflikten, Verwicklungen und unerwarteten Wendungen entwickelt Barbara Wood in ihrem komplexen Roman "Rote Sonne, schwarzes Land" eine farbige, dramatische und mitreißende Geschichte.
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1919 verlässt die neunundzwanzigjährige englische Ärztin Dr. Grace Treverton mit ihrer zehn Jahre jüngeren Schwägerin Lady Rose Treverton „Bella Hill“, das alte Herrenhaus der Familie in Suffolk. Obwohl Rose hochschwanger ist, reisen sie zusammen nach Britisch-Ostafrika, weil Graces Bruder Lord Valentine Treverton, der seit 1916 mit Rose verheiratet ist, im Vorjahr eine Plantage in der Nähe von Nairobi erwarb und darauf besteht, dass sein Sohn in der neuen Heimat geboren wird. (Dass es auch eine Tochter sein könnte, kommt ihm gar nicht in den Sinn.) Grace begleitet Rose, denn sie will neben der Plantage eine Missionsstation für die Kikuju errichten. In den letzten beiden Jahren tat sie als Marineoffizierin Dienst auf einem britischen Lazarettschiff. Lieutenant Jeremy Manning, ihr Verlobter, der auf demselben Schiff war, kam bei einem Torpedoangriff vor Kairo ums Leben.

In Nairobi wird Rose von einer Tochter entbunden, der sie den Namen Mona gibt. Valentine schaut das Kind nicht einmal an, und Rose beginnt Mona deshalb zu hassen, zumal sie den Koitus jedes Mal wie eine Vergewaltigung erlebt und befürchtet, dass ihr Mann keine Ruhe geben wird, bis er einen Sohn mit ihr gezeugt hat.

Entsetzt stellt Rose bei der Ankunft fest, dass auf der Plantage „Bellatu“ (von Bella Two) statt eines Haus ein Zelt steht. Er habe noch keine Arbeiter für den Hausbau entbehren können, erklärt Valentine seiner Frau, denn der Anbau der drei Millionen Kaffeebäume habe Vorrang.

Das Land wurde einem Wortführer der Kikuju für Glasperlen und Kupferdraht abgekauft. Der Afrikaner verstand vermutlich gar nicht die Bedeutung der Urkunde, die er mit einem Daumenabdruck besiegelte. Die Kikuju zogen sich mit ihren Shambas (Hütten) inzwischen auf die andere Seite des Flusses zurück; nur Häuptling Kabiru Mathenge, seine Frauen Wachera und Gachiku sowie Wacheras gleichnamige Großmutter – eine einflussreiche Medizinfrau – wohnen noch am gewohnten Ort neben einem heiligen Feigenbaum. Ein Plantagenbesitzer herrscht beinahe wie ein mittelalterlicher Feudalherr in Westeuropa über die Kikuju, die auf „seinem“ Land leben: Er versorgt sie mit Lebensmitteln, schlichtet Streitfälle und holt notfalls einen Arzt. Die Feldarbeit wird von den Kikuju-Frauen verrichtet. Aufgabe der Männer war es früher, Krieg gegen die Massai zu führen, aber seit die Kolonialmacht es ihnen verboten hat, Speere zu tragen und Kriege zu führen, haben sie kaum etwas zu tun.

Während Rose sich in der fremden Welt fürchtet, gewinnt Grace durch den Aufbau ihrer Missionsstation neue Lebensenergie. Heimlich verliebt Grace sich in Sir James Donald, einen einunddreißigjährigen, in Mombasa geborenen Rancher. Sein Vater wurde 1904 bei einer Jagd vor seinen Augen von einem Elefantenbullen zertrampelt, und als James die Nachricht seiner Mutter, einer Missionarin in Mombasa, überbringen wollte, war sie an Schwarzwasserfieber gestorben. Der Jugendliche lebte dann einige Zeit bei Verwandten in England, aber im Alter von zweiundzwanzig Jahren kehrte er mit seiner drei Jahre jüngeren Ehefrau Lucille nach Britisch-Ostafrika zurück, kaufte Land und begann, Rinder zu züchten. James und Lucille leben mit ihren Kindern Geoffrey, Ralph und Gretchen acht Meilen von „Bellatu“ entfernt auf der Ranch „Kilima Simba“.

Grace kann nicht verstehen, wieso kaum ein Kikuju in ihre Krankenstation kommt, aber James erklärt ihr, dass die Afrikaner eine unverheiratete, kinderlose Frau für wertlos halten.

Vor einer […] Hütte entdeckte Grace eine junge Mutter, die am Kopf ihres Babys saugte. Das Kind bekam nicht genügend Flüssigkeit. Das Gehirn war geschrumpft und deshalb war […] die Fontanelle eingefallen. Die junge Mutter wusste genug, um das als ein schlechtes Zeichen zu erkennen, aber ihre Bemühungen, das zu beheben, waren völlig falsch.
„Sag ihr, das Kind braucht Wasser“, forderte sie [den Diener] Mario auf, „sag ihr, sie muss dem Baby mehr Milch, mehr Flüssigkeit geben.“
Mario übersetzte. Die junge Frau lächelte und nickte, als habe sie verstanden, und saugte weiter am Kopf des Kindes. (Seite 114f)

Als Grace aus der Hütte, in der Gachiku wohnt, einen Schmerzensschrei hört, schaut sie nach: Kabiru Mathenges Zweitfrau liegt in den Wehen. Aufgeregt läuft Grace zu Wachera, aber die Medizinfrau weigert sich, irgendetwas zu unternehmen, denn sie ist überzeugt, dass Mutter und Kind aufgrund eines Thahu (Fluch) dem Tod geweiht sind. Ohne Rücksicht auf die Tradition der Kikuju untersucht Grace die Schwangere und stellt fest, dass das Kind aufgrund einer Querlage nicht auf natürliche Weise geboren werden kann. Nur durch einen Kaiserschnitt sind Mutter und Kind zu retten. Als Häuptling Mathenge kurz in die Hütte blickt, sieht er, wie die weiße Ärztin in den geöffneten Bauch seiner leblosen Frau greift. Wachera hatte also Recht: Gachiku und das Kind sind tot. Das kurz darauf zu vernehmende Babygeschrei tut er als Sinnestäuschung ab. Grace tritt aus der Hütte und versichert, dass Mutter und Tochter am Leben sind, aber Mathenge glaubt ihr nicht und holt sich aus einem Feuer einen Ast, um die Hütte niederzubrennen. Verzweifelt erklärt Grace ihm, sie habe die Macht, Menschen wieder zum Leben zu erwecken. Mathenge winkt einen Schwarzen heran, will ihn erstechen und prüfen, ob Grace die Wahrheit sagt. Grace kann ihn überreden, ihr auch das „Töten“ zu überlassen. Sie narkotisiert den Kikuju mit Äther und hofft dann, dass er wieder zu sich kommt, bevor der Häuptling die Hütte mit seiner Frau und seiner Tochter anzündet. Nach der gelungenen Demonstration bekehrt Kabiru Mathenge sich zum Gott der weißen Medizinfrau, die offenbar mächtiger als Wachera ist. Er nimmt den Namen Solomon an, lernt Fahrrad fahren, schreiben und lesen, und weil die Polygamie im Christentum verboten ist, entscheidet Solomon Mathenge sich für Gachiku und seine Tochter Njeri, während er die junge Wachera mit seinem ein Jahr alten Sohn, dem er den christlichen Namen David gibt, zu ihrer Großmutter zurückschickt.

Aufgrund des Erfolgs, der sich rasch herumspricht, kommen Kranke von nun an in die Grace-Treverton-Mission.

Zehn Monate nach der Ankunft von Rose und Grace steht die Einweihungsfeier des neuen Hauses von „Bellatu“ bevor. Lord Valentine Treverton hat die crème de la crème der Britischen Kolonie eingeladen. Um Platz für ein Polofeld zu gewinnen, lässt er unmittelbar vor der Feier den Feigenbaum neben der Hütte fällen, in der die alte und die junge Wachera wohnen. Die Hütte ließ er bereits fünfmal niederreißen, aber die beiden Frauen bauten sie ebenso oft wieder auf. Die Zerstörung des heiligen Baumes ist zu viel für die alte Wachera: Sie nimmt ihrer Enkelin den Schwur ab, die Tradition der Kikuju zu wahren und den Frevel zu rächen. Dann zieht sie sich in den Wald zurück, um zu sterben. Hyänen machen sich über ihre Leiche her.

Während der Einweihungsfeier taucht unvermittelt die jüngere Wachera auf und verflucht Lord Valentine Treverton und seine Nachkommen.

Solomon Mathenge wird tot mit einer Ätherflasche in der Hand aufgefunden. Offenbar wollte er selbst ausprobieren, was geschieht, wenn man vom Leben in den Tod und zurück geht.

Etwa zur gleichen Zeit heckt die weiße Hotelbesitzerin Miranda West in Nairobi einen Plan aus, wie sie Lord Valentine Treverton dazu bringen kann, sie lebenslang zu versorgen: Sie will ihm den gewünschten Erben schenken. Miranda war 1913 von ihrem Ehemann Jack verlassen worden und hatte sich danach bei dem Schotten Kinney als Hilfskraft für seine Pension beworben. Nach und nach überließ Kinney der Frau die Führung des Hauses. Bei Kriegsbeginn meldete er sich zu den East African Mounted Rifles, und als er kurz darauf fiel, stellte sich heraus, dass er Miranda seinen Besitz vermacht hatte. Mit einem Kredit baute sie die Pension zum „King Edward Hotel“ aus und sorgte dafür, dass ihre Küche berühmt wurde. Sooft Valentine in Nairobi zu tun hat, kommt er zu ihr, und sie gibt ihm jedes Mal einen selbst gebackenen Kuchen für Rose mit.

Seit ein paar Monaten hat Miranda eine neue Hilfe: Peony Jones war mit ihrem Verlobten aus England gekommen, aber er erlag in Mombasa dem Schwarzwasserfieber. Nun will sie das Geld für ihre Rückreise zusammensparen. Zu ihrem Entsetzen wird sie nach einer Liebesnacht mit einem Fremden, dessen Namen sie nicht einmal kennt, schwanger. Miranda gaukelt ihr vor, Adoptiveltern für das noch ungeborene Kind gefunden zu haben, die ihr dafür die Heimreise bezahlen wollen. Mit der Begründung, dass die Abmachung geheim bleiben müsse, überredet Miranda das unglückliche Mädchen, sich in einer Dachkammer des Hotels einsperren zu lassen. Als Valentine wieder einmal im „King Edward Hotel“ vorbeikommt und ein bisschen angetrunken ist, verführt Miranda ihn, und einige Monate später behauptet sie, er habe sie geschwängert.

Die Prüfungskommission einer gemeinnützigen Organisation, von der Grace Geld für ihre Mission erhält, ist der Meinung, dass sie zu wenig tue, um die Kranken zum Christentum zu bekehren. Stattdessen gehe sie auf den Aberglauben der Kikuju ein und färbe die farblosen Arzneiflüssigkeiten, damit die Afrikaner sie nicht für wirkungsloses Wasser hielten. Die Organisation schickt deshalb Reverend Thomas Masters.

Sofort nach seinem Eintreffen hatte er damit begonnen, Seelen zu retten. Er sparte nicht mit Taufwasser und nahm den unwissenden Afrikanern die Beichte ab. Er gab ihnen Wazungu-Namen und versprach ihnen das ewige Leben, wenn sie ein paar Worte in einer Sprache wiederholen konnten, die sie nicht verstanden. Die Afrikaner kamen zu ihm, weil sie den Zauber und die Macht der Namen des weißen Mannes ebenfalls haben wollten, und bald hießen fast alle im Dorf John, Rachel oder Thomas. Sie lernten seine Gebete auswendig und dachten, dadurch würden sie wie die Weißen werden. (Seite 204f)

Mirandas Plan scheint aufzugehen. Man tuschelt bereits über Valentines uneheliches Kind. Da taucht unerwartet Jack West auf, angelockt von der Nachricht, dass seiner Ehefrau ein gut gehendes Hotel in Nairobi gehört. Er verlangt Geld von ihr, zwingt sie zum Beischlaf und zieht dann weiter. Einige Wochen später stellt Miranda fest, dass sie nun tatsächlich schwanger ist. Weil jedoch Peonys Niederkunft unmittelbar bevorsteht, kann sie erst einmal nicht zu der Engelmacherin Mrs Bates in Limuru fahren, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen.

Um Reverend Thomas Masters fortschicken und auf die Zuschüsse der Organisation verzichten zu können, fährt Grace trotz des Beginns der Regenzeit nach Nairobi und will mit einem Bankier über einen weiteren Kredit verhandeln. Der unterrichtet sie darüber, dass gerade jemand ein Konto für sie eingerichtet hat, auf das jährlich eine bestimmte Summe eingezahlt wird, die ihr für die Mission zur Verfügung steht. Den Spender darf der Bankier nicht verraten. Grace glaubt jedoch zu wissen, dass es James ist.

Von einem aufgeregten Jungen wird sie ins „King Edward Hotel“ gerufen. Miranda führt Grace in die Dachkammer, in der Peony bewusstlos im Bett liegt. Alles ist voll Blut. Für Peony kommt jede Hilfe zu spät; die Ärztin kann nur das Kind retten.

Grace durchschaut, dass die Geschäftsfrau ihren Bruder hereingelegt hat und zeigt Miranda an. Einige Tage später unterrichtet District Officer Briggs Lord Valentine Treverton über den Betrug und darüber, dass die im dritten Monat schwangere Miranda West und Peony Jones‘ Kind auf dem Weg nach Limuru starben, nachdem der Fahrer von der vom Regen aufgeweichten Straße abgekommen war. Valentine tut so, als gehe ihn das alles nichts an.

Wegen der Affäre bittet Valentine seine Frau um Verzeihung, aber er besteht darauf, jetzt mit ihr einen Erben zu zeugen. Am 12. August 1922 wird Arthur Currie Treverton geboren. Wenn der Vater den kleinen Jungen beim Spiel mit Puppen erwischt, verprügelt er ihn jähzornig. Durch Brutalität versucht Valentine, seinen Sohn zu einem harten Mann zu erziehen. Grace weist ihn auf bedenkliche Symptome einer geistigen Störung bei Arthur hin, aber davon will ihr Bruder nichts wissen.

1929 reist Rose mit Mona und einigen Bediensteten nach England. Ein Zweck der achtmonatigen Reise ist es, die zehnjährige Tochter in ein vornehmes Internat in Farnsworth zu bringen, denn die entsprechenden Schulen in Nairobi hält Rose in ihrem Standesdünkel für nicht gut genug. Mona will jedoch auf keinen Fall in England bleiben und bei der ersten Gelegenheit auf eigene Faust nach Kenia zurückkehren. Valentines Bruder Harold klärt Rose darüber auf, dass ihr Mann inzwischen bereits die Hälfte seines Besitzes in England verkaufen musste, um die Verluste seiner Plantage aufzufangen. Sie könne es sich deshalb gar nicht leisten, Mona auf eine so teure Schule zu schicken. Er werde dafür auch nicht als Bürge zur Verfügung stehen.

Teresa, die Schwester des zum Christentum bekehrten Dieners Mario, stirbt nach ihrer Beschneidung an einer Blutvergiftung, und Grace kommt zu spät, um das Mädchen zu retten.

Grace hat in ihrer Missionsstation inzwischen ein erstes Mädchen in der Schulklasse der Lehrerin Pamela. Eine Witwe mit neun Kindern brachte ihre Tochter Wanjiru. Das Kind ist klug und eifrig, wird aber von den Mitschülern gemobbt.

Sir James Donald zieht mit Lucille und Ralph nach Uganda, während Geoffrey die Ranch „Kilima Simba“ übernimmt.

Zum Entsetzen seines Vaters erleidet Arthur im Alter von sieben Jahren einen ersten Epilepsieanfall.

Mona Treverton, die inzwischen nach „Bellatu“ zurückkehrte, fordert David Mathenge zu einer Mutprobe heraus und betritt mit ihm verbotenerweise die Hütte, in der ihre Tante Grace Operationen durchführt. Plötzlich werden die beiden Kinder von einem Feuer überrascht. Grace findet erst einmal David und zerrt ihn ins Freie. Mona ist bewusstlos und liegt eingeklemmt unter einem umgestürzten Schrank. Als Wachera auftaucht, fleht Grace sie an, mit ihr das Mädchen zu retten. Grace wird von einem herabstürzenden Balken an der Stirn getroffen. Sie achtet nicht darauf, bis sie zusammenbricht. In Wacheras Hütte kommt sie wieder zu sich. Sie ist auf einem Auge erblindet. Wachera pflegt Grace und Mona. Die englische Ärztin wundert sich darüber, wie sauber die Medizinfrau die Wunden genäht hat. Auch die Wirksamkeit der selbst zubereiteten Kräutermedizin erstaunt sie.

Mit fünfzehn wechselt David Mathenge von der Schule der Grace-Treverton-Mission zur Oberschule in Nyeri, die er vier Jahre lang besucht. Mona lebt zur gleichen Zeit in einem Internat in Nairobi. Wanjiru wird nach dem Schulbesuch von Grace zur Krankenschwester ausgebildet.

Als David 1937 eine politische Versammlung besucht und weiß, dass er von Wanjiru beobachtet wird, will er zeigen, dass er kein Feigling ist, indem er Häuptling John Muchina als Kollaborateur der Kolonialmacht beschimpft. Der einflussreiche Afrikaner lässt seinen Herausforderer kurzerhand abführen und in Nairobi einsperren. Wanjiru weiß, was sie zu tun hat: Die Siebzehnjährige führt kurz darauf eine Demonstration von Schwarzen an, die vom Gouverneur die Freilassung David Mathenges verlangt. Tatsächlich handelt es sich dabei nur um ein Ablenkungsmanöver, denn während die Polizei auf die Demonstranten achtet, befreien andere Kikuju David aus dem Gefängnis. Bei dem Getümmel wird Arthur erstochen, und als Mona hinläuft, sieht sie David mit einem blutigen Messer neben der Leiche ihres Bruders. David entkommt über die Grenze nach Uganda. Erst einige Zeit später, als ein Schwarzer namens Matthew Munoro sich der Polizei stellt und gesteht, Arthur bei der Befreiung Davids erstochen zu haben, begreift Mona, dass sie den Falschen als Mörder verdächtigte.

Nach Jahren führt Wachera trotz des Verbots erstmals wieder eine Irua (Beschneidung) durch, und wegen der langen Pause sind die mehr als hundert Mädchen unterschiedlich alt: zwischen neun und siebzehn. Zur Vorbereitung stellen sich die nackten Mädchen bis zur Brust in das eiskalte Wasser des Flusses. Die Unterkühlung hilft ein wenig gegen Schmerzen und Blutungen, wenn Wachera dann den Heranwachsenden, die mit gespreizten Beinen vor ihren Müttern sitzen und von ihnen festgehalten werden, ohne weitere Betäubung die erogenen Geschlechtsteile – die Klitoris und einen Teil der Schamlippen – mit einem Messer entfernt und die Vulva bis auf eine winzige Öffnung zunäht. Um eine Defloration zu ermöglichen, sobald ein Mann das Mädchen gekauft hat, muss die Vulva wieder aufgeschnitten werden. Ein Stück weit von den Frauen und Mädchen entfernt, bilden die Männer der Kikuju eine Barriere und lassen keinen der herbeigeeilten Weißen näher heran, weder die Missionare noch den stellvertretenden Polizeichef. Grace gelingt es zwar, sich heimlich hinzuschleichen, aber sie kann die Zeremonie nicht aufhalten. Auch die kluge Schülerin Wanjiru und Roses anhängliche Zofe Njeri sind unter den Mädchen, die beschnitten werden.

Als Grace zur Missionsstation zurückkehrt, findet sie ein Telegramm von Ralph Donald aus Uganda vor: Seine Mutter ist an Malaria gestorben, und sein Vater ist schwer erkrankt. Sofort fliegen Grace und Geoffrey nach Entebbe. James schluckt dreißig Chinintabletten am Tag und überlebt. Er kehrt schließlich nach „Kilima Simba“ zurück, verbringt jede freie Minute mit Grace, aber das Paar beschließt, nicht zu heiraten.

1940 wird Lord Valentine Treverton von den „King’s African Rifles“ aufgenommen und zieht gegen die Italiener in Äthiopien und Nordkenia in den Krieg. Gegen seinen Willen leitet Mona während seiner jahrelangen Abwesenheit die Plantage, wobei sie sich den Arbeitern gegenüber auf ihn beruft, weil sie sonst keine Anweisungen von ihr entgegennehmen würden.

Nachdem David Mathenge rehabilitiert wurde, hätte er zurückkehren können, aber er zog es vor, an der Makere-Universität in Uganda Landwirtschaft zu studieren und sich danach zur britischen Armee zu melden. Zufällig wird er in Palästina dem Kommando von Geoffrey Donald unterstellt. Aufgrund einer Verwundung durch eine Minenexplosion kehrt er nach mehr als einem Jahr Lazarettaufenthalt noch vor dem Ende des Krieges in die Heimat zurück – und heiratet Wanjiru.

Drei italienische Kriegsgefangene brechen 1944 aus einem Lager in Nanyuki aus. Zwei von ihnen werden rasch gefasst, aber General Carlo Nobili, Herzog von Alessandro, gelingt die Flucht. Als man bei Meru auf die von Raubtieren zerfetzte Leiche eines Weißen stößt, wird die Suche nach General Carlo Nobili eingestellt. Rose findet ihn schwer verletzt in ihrem Gewächshaus, pflegt ihn gesund und erfährt durch den zärtlichen, aufmerksamen Liebhaber, dass Sexualität auch ohne die brutale Unterwerfung der Frau möglich ist. Carlos Ehefrau starb vor fünf Jahren im Kindbett. Er liebt Rose aufrichtig und drängt sie, ihren Mann zu verlassen und mit ihm nach Italien zu gehen.

Valentine will nach seiner Rückkehr Erdnüsse anbauen, und als Mona einwendet, sie habe es vor zwei Jahren versucht, aber die Plantage liege zu hoch, meint er lapidar: „Dann hast du etwas falsch gemacht.“ Mit keinem Wort zollt er ihr Anerkennung für die erfolgreiche Leitung der Plantage während seiner Abwesenheit.

Rose steht beim Abendessen am 15. April 1945 unvermittelt auf und erklärt Valentine im Beisein von Mona, Grace und James, sie werde ihn am nächsten Morgen verlassen. Valentine kann es nicht glauben.

Eine weiße Hebamme entdeckt Lord Valentine Treverton am Morgen auf der Kiganjo Road. Er sitzt mit einem Loch in der linken Schläfe tot in seinem Auto und hält einen Revolver in der Hand. Da er Rechtshänder war, hat er sich wohl nicht selbst erschossen. Neben dem Wagen sind deutlich die Reifenabdrücke eines Fahrrads zu erkennen. Es handelt sich vermutlich um eine Spur des Mörders. Im Kofferraum stößt die Polizei auf die gefesselte Leiche eines Fremden mit einem Kopfschuss. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten im Kofferraum um General Carlo Nobili handelte. Es deutet alles darauf hin, dass der Lord ihn erschoss und dabei war, die Leiche wegzubringen, als er selbst ermordet wurde. Mit der Schussverletzung sollte wohl nur hastig ein Selbstmord vorgetäuscht werden, denn zuvor schon hatte der Mörder den Plantagenbesitzer durch einen Stich in die Brust getötet. Als das Messer mit einem Taschentuch der Witwe umwickelt gefunden wird, nimmt die Polizei Rose unter Mordverdacht fest.

Der Mordprozess gegen Lady Rose Treverton beginnt am 12. August 1945 in Nairobi. Die Angeklagte schweigt und unternimmt nicht das Geringste zu ihrer Verteidigung. Im letzten Moment erscheint ein Überraschungszeuge: der Farmer Hans Kloppman. Er hat gerade erst von dem Fall erfahren und sagt nun aus, dass er den gesuchten Fahrradfahrer in der Mordnacht auf der Kiganjo Road gesehen habe. Der sei allerdings groß und kräftig gewesen und es habe sich auf keinen Fall um eine Frau wie Lady Rose Treverton gehandelt. Die Angeklagte wird daraufhin freigesprochen.

Kurz darauf findet man ihre treue Dienerin Njeri erhängt in dem Mausoleum, das Rose während der Haft für Carlo bauen ließ. Rose liegt mit ausgebreiteten Armen und geöffneten Pulsadern auf dem Sarg. Beide Frauen sind tot.

Nach fünf Jahren kehrt auch Geoffrey aus Palästina zurück. Mona rechnet damit, dass er sie heiratet, denn unmittelbar dem Krieg hatte er sie gebeten, seine Frau zu werden. Doch er bringt seine Ehefrau mit: Ilse, eine aus Deutschland emigrierte Jüdin. Als die Familien Donald und Treverton das Wiedersehen mit einem Mittagessen in einem Club in Nairobi feiern wollen, stellt sich heraus, dass Juden das Betreten des Speisesaals verboten ist.

Anfang 1946 steht die britische Regierung vor dem Problem, was mit den Veteranen geschehen soll, denn Arbeitsplätze gibt es nur für wenige von ihnen. Wie nach dem Ersten Weltkrieg teilt man den ehemaligen Soldaten Farmland in britischen Kolonien zu. Das bringt die einheimische Bevölkerung weiter gegen die Kolonialmacht auf.

Weil die Arbeiter nicht für eine Frau arbeiten wollen, stellt Mona Treverton schließlich David Mathenge aus Verwalter ein.

Dessen Frau erlitt eine Fehl- und eine Totgeburt, drei Kinder starben früh; 1952, als Wanjiru erneut schwanger ist, lebt nur noch die zweijährige Hannah. Das Kind ist bei der Großmutter, als Wanjiru in eine Elefantenherde gerät, gerade als bei ihr unerwartet die Wehen einsetzen. Vor Furcht und Schmerzen verliert sie die Orientierung und bricht irgendwo im Wald zusammen. Mau-Mau-Rebellen finden und retten sie.

Der Mau-Mau-Aufstand wird nicht zuletzt durch die Verurteilung des Präsidenten der „Kenya African Union“ (KAU), Jomo Kenyatta, zu sieben Jahren Zwangsarbeit ausgelöst. Sir Evelyn Baring, der Gouverneur von Kenia, ruft den Ausnahmezustand aus. Die Auseinandersetzungen eskalieren. Schwarze, die für Weiße arbeiten, mit Weißen befreundet oder gar mit einer weißen Frau verheiratet sind, werden von den Mau-Mau-Kämpfern ebenso umgebracht wie weiße Rancher und Farmer. Wer von den Rebellen allerdings der Polizei in die Hände fällt, muss mit brutalen Folterungen rechnen.

Ein Jahr, nachdem Wanjiru den Mau-Mau-Schwur geleistet hat, verlässt sie ihren Mann David und taucht mit ihren Kindern Hannah und Christopher unter.

David Mathenge kommt eines Tages mit dem Auto auf die Plantage gerast und warnt Mona und die anderen im letzten Augenblick vor einem Überfall der Mau-Mau. Er fordert Mona auf, zur Hütte seiner Mutter zu laufen, aber sie bleibt bei ihm. Die Rebellen überwältigen das Paar, aber sie kommen nicht mehr dazu, Mona und David zu töten, bevor sie vor der eintreffenden Polizei fliehen. Nur durch ihr beherztes Eingreifen kann Mona verhindern, dass David festgenommen wird, weil Geoffrey ihn verdächtigt, heimlich mit den Mau-Mau zusammenzuarbeiten.

Kurz darauf übersieht David aufgrund angestrengter Büroarbeit in „Bellatu“ den Einbruch der Dunkelheit. Schwarze dürfen sich aufgrund einer behördlichen Anweisung nur tagsüber auf den Ranches, Farmen und Plantagen der weißen Siedler aufhalten, aber Mona hält David davon ab, im Dunkeln zu seiner Hütte zu gehen, denn sie befürchtet, dass Mau-Mau-Rebellen nur auf eine Gelegenheit warten, ihn zu töten. Mona und David lieben sich, haben sich das aber bisher nicht eingestanden. An diesem Abend bricht ihre Kontrolle über die Gefühle zusammen, und sie gehen miteinander ins Bett. Mitten in der Nacht erwacht Mona. Geoffrey ist im Haus. Am Tor von „Bellatu“ fand er eine erhängte Katze, eine Warnung der Mau-Mau. Als er die Gegend absuchte, stellte er fest, dass Davids Hütte leer war. Daraufhin machte er sich Sorgen um Mona. Als David hinter Mona auftaucht, begreift er entsetzt, dass die beiden miteinander geschlafen haben.

So kann es nicht weitergehen. David erklärt Mona, er müsse sie verlassen und sich dem Kampf der Mau-Mau anschließen, um etwas zu bewegen.

Unter der Führung eines neuen Anführers, von dem nur der Deckname „Leopard“ bekannt ist, verbessern sich die Kampfmethoden der Mau-Mau. Auch die Kommandantin Wanjiru, die David immer für einen feigen Sprücheklopfer hielt, kennt die Identität des „Leoparden“ nicht. Sie bereitet mit anderen Frauen einen Anschlag auf das „Norfolk Hotel“ in Nairobi vor. Während die weißen Siedler sich dort versammeln, um über eine neue Offensive gegen die Mau-Mau zu beschließen, wollen die Frauen alle zur gleichen Zeit Dynamit-Bomben durch die Fenster in das Hotel werfen. Wanjiru schickt sich gerade an, das Zeichen zu geben, da wird sie von einem Polizisten erkannt, der früher als Pfleger in der Grace-Treverton-Mission tätig war. Wanjiru kommt zusammen mit ihren Kindern in ein Frauenlager. Fünf Monate lang verhört der sechsunddreißigjährige Aufseher Simon Mwacharo die Mau-Mau-Führerin, aber sie schweigt. Als viele Häftlinge aufgrund des Vitamin-B-Mangels erkranken, organisiert Wanjiru einen Hungerstreik und erzwingt auf diese Weise eine Verbesserung der Ernährung. Für ihre Tochter Hannah kommt die Anordnung jedoch zu spät: Sie stirbt an Pellagra. Simon Mwacharo und vier weitere Aufseher versuchen Wanjirus Widerstand schließlich zu brechen, indem sie über sie herfallen und sie einer nach dem anderen vergewaltigen.

In der Nacht, die sie mit David verbrachte, wurde Mona schwanger. Als Dedan Kimathi, der Oberkommandierender der Mau-Mau, von dem 1955 geborenen vermeintlich weißen Kind in „Bellatu“ erfährt, ordnet er dessen Entführung an. Um die hohen Verluste während der Kämpfe auszugleichen, müssen die Mau-Mau auch Männer rekrutieren, die ihnen jahrelang widerstanden. Um sie zu verpflichten, will Dedan Kimathi sie nicht nur auf das Fleisch von Hunden oder Jungfrauen schwören lassen, sondern auf ein geopfertes weißes Kind.

Mona hört ein Geräusch und erkennt in den beiden Einbrechern David und Mario. Der frühere Diener Mario packt das Kind und greift Mona mit einem Buschmesser an, aber David hält ihn zurück und kämpft mit ihm. James und Grace eilen aus ihren Zimmern herbei. In dem Getümmel kommen David, Mario, James und das Kind Mumbi um. Halb von Sinnen lässt Mona sich von Tim Hopkins, dem homosexuellen Freund ihres toten Bruders Arthur, trösten und drängt ihn zum Beischlaf. Später erinnert sie sich nicht mehr daran und sie vernachlässigt das in dieser Nacht gezeugte Kind Deborah.

Der Mau-Mau-Aufstand wird 1956 niedergeschlagen. Einige Jahre später werden auch Wanjiru, ihr neunjähriger Sohn Christopher und dessen bei der Vergewaltigung gezeugte drei Jahre jüngere Schwester Sarah freigelassen.

Tim Hopkins fünf Jahre ältere Schwester Alice, die nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern als Sechzehnjährige deren Ranch übernommen hatte, beschließt nach sechs Jahren, mit ihrem Bruder nach Australien auszuwandern und verkauft ihren Besitz in Kenia. Tim drängt Mona mitzukommen, aber sie will unbedingt in ihrer Heimat bleiben. Vor der Abreise gesteht ihr Tim, dass er der Mann auf dem Fahrrad war und die Leiche Lord Valentine Trevertons entdeckt habe, aber panisch vor Angst davongefahren sei.

Im Alter von zehn Jahren befreundet Deborah Treverton sich mit dem etwas älteren Christopher Mathenge und dessen Schwester Sarah. Als Mona den neuen Freund ihrer Tochter erstmals sieht, erschrickt sie über dessen Ähnlichkeit mit David. Um nicht ständig an ihren toten Geliebten und die entsetzliche Nacht erinnert zu werden, ändert sie ihre Meinung, verkauft „Bellatu“ an einen Sikh und folgt Tim und Alice Hopkins nach Australien. Deborah bleibt bei ihrer Tante Grace zurück.

Um an der Unabhängigkeitsfeier im Dezember 1963 teilzunehmen, wagt Wachera es, sich erstmals mit ihren Angehörigen in ein Auto zu setzen und nach Nairobi zu fahren.

1973 erhält Deborah ein Stipendium für ein Medizinstudium in Kalifornien. Vor ihrer Abreise wird sie Christopher, der gerade sein Medizinstudium in England abgeschlossen hat, nur für einige Tage sehen können. (Sarah hat das College nach einem Jahr abgebrochen.) Enttäuscht zieht Christopher sich nach seiner Ankunft gleich wieder von Deborah zurück. Sie kennt den Brauch der Kikuju, sich nicht zu küssen, sondern sich stattdessen zu streicheln (Ngweko). Wie es sich dabei gehört, überrascht sie ihren Freund mit einem Korb voll Leckereien in seiner Hütte und entkleidet sich dann bis auf den Slip. Christopher versteht, was sie vorhat und zieht sich ganz aus. Beim Ngweko, das die Kikuju vor der Ehe praktizieren, legt sich der vollkommen entkleidete Mann auf die Frau, die ihren Lendenschurz durch den Schritt gezogen hat. Die beiden streicheln sich, und der Mann ejakuliert zwischen den Oberschenkeln der Frau. Als Christopher ihr in dieser Nacht einen Heiratsantrag macht, beschließt Deborah, auf das Studium in Kalifornien zu verzichten, um mit ihm zusammenbleiben zu können.

Grace erliegt am 16. August 1973 im Alter von dreiundachtzig Jahren einem Herzanfall. Die Mission hat sie dem katholischen Orden der barmherzigen Mutter Gottes in Kenia vermacht. Deborah nimmt das Tagebuch ihrer Tante an sich, schaut sich alte Fotos an und liest Briefe, die Grace und James wechselten. Dabei erfährt die Achtzehnjährige, dass ihre Mutter und David Mathenge sich heimlich liebten und eine Tochter hatten. Das wäre ihre Halbschwester, überlegt Deborah. Sie geht zu Davids Mutter Wachera, um sie zu fragen. Die Medizinfrau erweckt jedoch den Eindruck, Deborah sei von David mit Mona gezeugt worden. Entsetzt darüber, mit dem Sohn ihres Vaters geschlafen zu haben, fährt Deborah noch am selben Abend ohne Abschied von Christopher oder Sarah nach Nairobi und fliegt am nächsten Tag mit der ersten Maschine nach Los Angeles.

Sie studiert Medizin, und nach sechs Jahren chirurgischer Praxis fängt sie 1986 im St.-Bartholomäus-Hospital in San Francisco an. Dort begegnet sie ihrem Kollegen Jonathan Hayes. Sie gründen schließlich zusammen eine Gemeinschaftspraxis und verlieben sich. Deborah verschweigt allerdings, warum sie Kenia verließ.

1988 erhält sie einen Brief von der Mission der barmherzigen Mutter Gottes: Wachera liege ihm Sterben und wolle sie noch einmal sehen. Deborah wundert sich, was die Frau, die einmal ihre Familie verfluchte, von ihr will, aber sie fliegt nach Nairobi – unbewusst auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. Im Hotel in Nairobi schlägt sie erstmals das vom 10. Februar 1919 bis 16. August 1973 geführte Tagebuch ihrer Tante Grace auf. Hier findet Deborah die Antworten auf ihre Frage von damals, erfährt, wie ihre Halbschwester Mumbi bei einem Mau-Mau-Überfall ums Leben kam und unter welchen Umständen sie selbst von Tim Hopkins gezeugt wurde. Sie ist also kein hellhäutiger Mischling, wie sie seit fünfzehn Jahren glaubte, und nicht mit Christopher verwandt. Ihre Flucht aus Kenia war grundlos!

Vor ihrer Weiterfahrt kommt Deborah in Nairobi an einem Reisebüro „Donald Tours“ vorbei, geht hinein und erkundigt sich nach der Familie Donald, denn sie weiß, dass das erfolgreiche Unternehmen aus der von Geoffrey Donald gegründeten „Safari-Lodge“ hervorging. Die Familie Donald sei vor ein paar Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen, heißt es, und der Besitzer der Reiseagentur heiße jetzt Mugambi. In einem Schaufenster entdeckt Deborah ein teures Designerkleid von Sarah Mathenge. Auch in diesem Geschäft fragt sie nach, und man erklärt ihr den Weg zum Mathenge-Haus, dem Sitz des Modeunternehmens. Aus Sarah ist eine reiche, hyperaktive Geschäftsfrau geworden. Sie wohnt in einer scharf bewachten Villa und macht sich einen Spaß daraus, ihre männlichen Angestellten herumzukommandieren. Freimütig erzählt sie ihrer früheren Freundin, dass sie fünf Kinder von fünf verschiedenen Vätern hat: zwei Söhne, die in England zur Schule gehen und drei Töchter, die in Schweizer Internaten leben. Augenblicklich hat sie eine Affäre mit General Mazrui, einem der mächtigsten Männer Kenias. Zum Abschied fragt Deborah nach Christopher. Der betreibt seit dem Tod seiner Frau als Arzt und Priester die Wangari-Klinik in dem Massai-Dorf Ongata Rongai.

Auf dem Weg zur Mission der barmherzigen Mutter Gottes, der früheren Grace-Treverton-Mission, lässt Deborah den Fahrer vor der Wangari-Klinik in Ongata Rongai halten und beobachtet Christopher, der gerade mit seinen Helferinnen eine Suppe für arme Kinder austeilt.

Im Hotel in Nyeri trifft Deborah zur ihrer Verwunderung Terry, den Sohn von Geoffrey und Ilse Donald. Dessen Familie ist tatsächlich bei einem Autounfall umgekommen, den nur er überlebte. Er zeigt Deborah Fotos von seinen Kindern, dem vierzehnjährigen Richard und der sechs Jahre jüngeren Lucy. Der Sohn ist weiß, die Tochter dunkelhäutig. Richard stammt aus Terrys erster Ehe mit Anne; Lucys Mutter ist seine zweite Frau Miriam Mugambi, eine Kikuju, deren Familiennamen er angenommen hat, um sich trotz seiner weißen Hautfarbe noch einige Zeit als Unternehmer in Kenia halten zu können.

Am nächsten Tag lässt Deborah sich zur Missionsstation fahren. Die Oberin erklärt ihr, dass Wachera verwirrt und unruhig sei und ständig von der Familie Treverton rede. Deshalb habe man angenommen, dass die Sterbende im Gespräch mit der letzten lebenden Treverton noch etwas loswerden wolle. Die Greisin hält Deborah für Grace. Sie gesteht, dass sie Deborah angelogen habe, um sie von ihrem Sohn fernzuhalten und aus „Bellato“ zu vertreiben. Außerdem deckt sie auf, wer Lord Valentine Treverton ermordete: Es war Njeri, die Tochter von Wacheras Mann Solomon Mathenge und dessen Zweitfrau Gachiku, die Lady Rose Treverton treu ergeben war und sie vor dem Zorn ihres Mannes beschützen wollte. Im Beisein Deborahs stirbt Wachera.

Im Hotel trifft Deborah zu ihrer Überraschung auf Jonathan, der aus Sorge nachkam. Deborah klärt ihn darüber auf, warum sie vor fünfzehn Jahren Kenia verließ und dass sie ihm aus Angst, ein dunkelhäutiges Kind zu gebären, vorlog, sie könne wegen einer Endometritis-Erkrankung nicht Mutter werden. Sie möchte in Kenia bleiben und ihre Arbeit in den Dienst der Afrikaner stellen, aber Jonathan weist sie darauf hin, dass es überall auf der Erde Kranke gibt, die auf ärztliche Hilfe angewiesen sind. Durch einen Anruf aus San Francisco erhalten die beiden Chirurgen die Nachricht, dass sich ihr neun Jahre alter Patient Bobby Delaney, dessen Haut zu neunzig Prozent zerstört ist, weil seine geisteskranke Mutter ihn verbrennen wollte, in einem kritischen Zustand befindet. Jonathan eilt sofort zum Jomo-Kenyatta-Airport in Nairobi, um in der eigentlich ausgebuchten nächsten Maschine nach San Francisco noch zwei Plätze zu bekommen.

Deborah folgt ihm etwas später. Unterwegs lässt sie den Fahrer noch einmal vor der Wangari-Klinik in dem Massai-Dorf Ongata Rongai halten und schaut ein paar Minuten dabei zu, wie Christopher Säuglinge untersucht und den Müttern ärztliche Anweisungen gibt. Dann fordert sie den Chauffeur zur Weiterfahrt auf: „Ich fliege nach Hause.“

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„Rote Sonne, schwarzes Land“ ist eine grandiose, drei Generationen überspannende Familientragödie vor dem Hintergrund der Geschichte Kenias zwischen dem Ersten Weltkrieg und den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts. In dem komplexen Roman schreibt Barbara Wood kenntnisreich über den Zusammenprall englischer und afrikanischer Traditionen, über Kolonialgeschichte und Missionierung. Es geht aber auch um verbotene Liebe und die Suche nach der eigenen Identität. Bei einem Kapitel handelt es sich gewissermaßen um einen Thriller.

Barbara Wood stellt die Geschichte in einen Rahmen: Eine junge, in Kenia aufgewachsene Frau, die seit fünfzehn Jahren in Kalifornien lebt und dort als Chirurgin praktiziert, kehrt 1988 an ihren Geburtsort zurück und beschäftigt sich mit der Geschichte ihrer aus England stammenden, 1918/19 nach Kenia ausgewanderten Familie, die mit der einer einheimischen Familie eng verknüpft ist und 1920 von einer Medizinfrau mit einem Fluch belegt wurde.

Ungefähr zwanzig Figuren werden in „Rote Sonne, schwarzes Land“ durch charakteristische Verhaltensweisen einprägsam vorgestellt und von der auktorialen Erzählerin so geschickt geführt, dass man beim Lesen nicht den Überblick verliert. (Das Buch enthält außerdem eine Kurzbeschreibung der Figuren und einen Stammbaum der Familien Treverton, Mathenge und Donald.) Mit außergewöhnlichem Einfallsreichtum hält Barbara Wood in „Rote Sonne, schwarzes Land“ die Spannung über mehr als 700 Seiten aufrecht. Keine einzige Seite wirkt überflüssig oder langweilig. Aus einer atemberaubenden Fülle von Konflikten, Verwicklungen und unerwarteten Wendungen entwickelt Barbara Wood eine farbige, dramatische und mitreißende Geschichte.

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005
Textauszüge: © S. Fischer Verlag

Barbara Wood: Haus der Erinnerungen

Geschichte Kenias
Beschneidung (Female Genital Mutilation, FGM)

Urs Widmer - Ein Leben als Zwerg
Die ersten Seiten von "Ein Leben als Zwerg" sind vor allem wegen der ungewohnten Perspektive und Gedankenwelt des Ich-Erzählers – eines Gummi-Zwerges – recht originell, lustig und unterhaltsam.
Ein Leben als Zwerg

Urs Widmer

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