Manfred Bieler : Der Bär

Der Bär
Der Bär Originalausgabe: Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1983 ISBN 978-3-455-00357-4, 444 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Nach dem Zweiten Weltkrieg und in der DDR engagiert sich der gelernte Zimmermann Hermann Donath als Bürgermeister und Landrat in Zerbst für einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz". Aber der real existierende Sozialismus – bzw. die Stasi – sorgen dafür, dass er 1956 bis 1964 ins Gefängnis muss …
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Kritik

Manfred Bieler porträtiert einen Mann, der seine Schwächen und Fehler hat, aber zu seinen Überzeugungen steht. Er entwickelt die fesselnde Geschichte chronologisch, ruhig und ohne Blendwerk. "Der Bär" ist ein gediegener Roman. Die anschauliche, lebendige Sprache passt zur Hauptfigur, aus deren Perspektive die Ereignisse und Entwicklungen dargestellt sind.
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1. Teil: 1913 – 1945

Der Zimmermann Otto Donath und der Lehrer Eduard Witte aus Zerbst besuchen 1913 mit ihren sechsjährigen eng befreundeten Söhnen Hermann und Lothar das Schlachtfest in Aken südlich der Elbe. Bald darauf kommen die beiden Jungen in die Schule.

Während Lothar Witte das Francisceum in Zerbst besucht und dann Medizin studiert, absolviert Hermann Donath zunächst eine Ausbildung zum Zimmermann in einem Baugeschäft der Heimatstadt und geht danach auf die Walz.

Als sein Vater aus der Zeitung vom Tod des Viehhändlers August Beau in Kochstedt erfährt, lässt er seine Frau Luise eine Vollmacht unterschreiben, ohne ihr etwas zu erklären. Er nimmt einen Tag Urlaub und fährt mit seinem Sohn nach Kochstedt. Dort legt Otto Donath außer der Vollmacht die Heiratsurkunde von Therese Hinze und August Beau sowie die Geburtsurkunde von ihrer Tochter Luise vor. Auf dieser Grundlage beansprucht er als Luises Ehemann die Erbschaft, und weil er sich nicht selbst um das Vieh kümmern kann, schließt er mit dem Bauern des benachbarten Hofes einen Pachtvertrag.

Auf dem Rückweg weiht er Hermann in die Zusammenhänge ein: Therese Hinze schlug sich als Hausiererin durch und nahm es mit den Männern nicht so genau. Als sie merkte, dass sie schwanger war, brachte sie August Beau dazu, sie zu heiraten, obwohl er nicht der Erzeuger war, aber nach der ehelichen Geburt der Tochter ließen sich die beiden scheiden. Sobald Luise sechs Jahre alt war, übergab ihre Mutter sie Pflegeeltern, um wieder als Hausiererin übers Land ziehen zu können.

Weil Otto Donath auf dem Bau wegen der Promiskuität und der Alkoholabhängigkeit seiner Schwiegermutter Therese Beau gehänselt wurde, verlangte er von ihr, sich zu bessern. Daraufhin ertränkte sie sich.

In Anhalt kommt die NSDAP bereits nach der Landtagswahl am 24. April 1932 in einer Koalition mit der DNVP an die Macht. Alfred Freyberg ist der erste nationalsozialistische Ministerpräsident in Deutschland.

Otto Donath wird arbeitslos, und aus Kochstedt kommt auch kein Geld, weil sich der Bauer Helmerich weigert, die vereinbarte Pacht zu bezahlen.

Hermann Donath, der inzwischen studiert hat, schreibt die beste Examensarbeit seines Jahrgangs. Deshalb soll er bei der Abschlussveranstaltung eine Rede halten. Weil er sich im Vorfeld weigert, eine Lobpreisung Hitlers in den Text aufzunehmen, wird sein Kommilitone Erwin Hoppedietz statt ihm als Redner auserkoren und bekommt dann auch die Stelle im Hochbauamt der Stadt, die zunächst dem Jahrgangsbesten angeboten worden war.

Wenn Hermann und Hanna, die Tochter des Bahnmeisters Rechenthin, miteinander schlafen wollen, trägt er sie in seine Dachkammer hinauf, damit der Vater nur die Schritte einer Person auf der Treppe hört und nichts merkt. Für ihn ist das eine seiner Liebesaffären, aber Hanna Rechenthin möchte heiraten, zumal sie befürchtet, keinen Ehemann abzubekommen. Als sie Hermann bei der Beerdigung ihrer Schwester Dora als Verlobten vorstellt, beendet er das Verhältnis. Und die Stenotypistin Hanna heiratet einige Zeit später den Reichsbahninspektor Franz Leyde.

Dora Rechenthin war als Sozius des kaufmännischen Angestellten Egon Liesegang bei einem von ihm selbst verschuldeten Motorradunfall ums Leben gekommen.

Der Arzt, der Hermann Donath bei der Musterung untersucht, schickt ihn zum Röntgen ins Zerbster Krankenhaus. Dort praktiziert inzwischen sein mit Inge, der Tochter eines zwangspensionierten Beamten verheirateter Freund Dr. Lothar Witte. Der diagnostiziert Schwindsucht und schickt Hermann in die Heilanstalt Görbersdorf in Niederschlesien, wo der Patient dann dreieinhalb Jahre bleiben muss.

1943, nach der Rückkehr, übernimmt Hermann das Amt des Luftschutzbevollmächtigten der Stadt Zerbst und heiratet Annemarie, die zu diesem Zeitpunkt bereits schwangere Tochter des Tischlermeisters Heinrich aus Steckby, die im April des folgenden Jahres die Zwillinge Margot und Irene zur Welt bringt.

Hermann beginnt eine Affäre mit Vera Karnbach, der Ehefrau des Likörfabrikanten Willy Karnbach. Die Böhmin wurde als Vera Fritsche in Karlsbad geboren, und als sie kurz vor dem Krieg im Alter von 26 Jahren Willy Karnbach heiratete, war sie bereits eine verwitwete Pĕkná.

2. Teil: 1945 – 1949

Im Mai 1945 räumen die Amerikaner Zerbst und andere Gebiete, die aufgrund der Beschlüsse von Jalta zur sowjetischen Besatzungszone gehören sollen.

Die Russen demontieren Eisenbahngleise und Industrieanlagen.

Der Sozialdemokrat Hermann Donath und der Kommunist Joachim („Achim“) Schenk vereinbaren Anfang 1946 die Vereinigung ihrer Parteien auf lokaler Ebene zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und übernehmen gemeinsam den Vorsitz.

Joachim Schenk hatte nach einem abgebrochenen Jura-Studium in Berlin als Journalist gearbeitet. Drei Monate lang sperrten ihn die Nationalsozialisten im KZ Oranienburg ein. Nach seiner Freilassung siedelte er sich in Zerbst an und übernahm dort ein Fotogeschäft. Seine Ehefrau Lilli kam ums Leben, als sie bei einem Luftangriff in Panik aus dem Schutzkeller rannte.

Das Gebäude mit dem Fotogeschäft geht in Flammen auf. Dabei verbrennen auch alle Akten und Dokumente des von Joachim Schenk dort eingerichteten Parteibüros der SED. Als Brandstifter wird Ralf Sintenis festgenommen, der 17-jährige Sohn des Lehrers Dr. Ernst Sintenis und dessen Ehefrau Ulrike, einer Schwester des Likörfabrikanten Karnbach. Er wird von der sowjetischen Besatzungsmacht wegen Sabotage zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Bei der Landtagswahl im Oktober 1946 gewinnt die SED knapp 46 Prozent der abgegebenen Stimmen. Joachim Schenk wird Landrat, Hermann Donath Bürgermeister von Zerbst.

Die Zeiten sind nicht einfach:

Rationierung und Schwarzhandel, Wohnungsnot und Baustoffmangel, Stromsperren und Textilknappheit, Spekulanten und Schieber, Kanalisationsschäden und Seuchen.

Hermann Donath hilft seinem Freund Lothar Witte, die für Zwangsarbeiter errichteten Baracken in Wertlau zu einer Lungenheilanstalt umzubauen. Als Leiter des „Waldkrankenhauses“ zieht der Arzt mit seiner Frau Inge und den Söhnen Wolfgang und Werner nach Wertlau.

Joachim Schenk wird festgenommen. Man wirft ihm vor, sich als Kommunist ausgegeben, in Wirklichkeit jedoch der SS angehört zu haben. Vor dem Krieg sei er Redakteur der Berliner Gauzeitung „Der Angriff“ gewesen, heißt es, später bei der Gestapo-Leitstelle Radom im Generalgouvernement zum SS-Standartenführer aufgestiegen. Das Hallenser Militärtribunal verurteilt den Angeklagten zu 25 Jahren Haft.

Hermann Donath, der sich bereits zuvor mit den drei Funktionen – Parteivorsitz, Bürgermeister, Stadtbaumeister – überlastet fühlte, wird nun auch noch Landrat und erst einige Zeit später als Bürgermeister von Egon Liesegang abgelöst.

Im November wird die Margarine knapp. Pistolen-Bunge behauptet, einigen kapitalistischen Elementen sei es gelungen, die Versorgung durch planmäßige Schädlingstätigkeit zu stören. Davon wird keiner satt, und Donath muss die Maurer in der Brüderstraße zur Steigerung der technischen Arbeitsnormen ermuntern […]. Koksöfen, sagt er. Und woher nehmen wir den Koks? Ich fahre mal zum Schlachthof, sagt er. Hat der Schlachthof Koks? Ja, aber der Direktor will den Koks nicht rausrücken. Wie soll er seine Schweine ohne Dampf abbrühen? Der Landrat deichselt einen Ringtausch: Die Reichsbahn liefert dem Schlachthof Briketts, der Schlachthof spendiert der Brüderstraße Koks, das Nedlitzer Sägewerk zweigt Grubenholz nach Bitterfeld ab, aus Bitterfeld kriegt die Reichsbahn Rohbraunkohle, und das Nedlitzer Sägewerk bleibt vorläufig Privatbetrieb. Eine Hand wäscht die andere.

Im August 1949 – ein paar Wochen vor der Gründung der DDR – findet die 1000-Jahr-Feier der Stadt Zerbst statt.

3. Teil: 1952 – 1956

Der Klempner Reiner Sandkuhl, der nach dem Krieg die aus Breslau geflohene und in Zerbst gestrandete Lehrerin Berta Hartung geheiratet hat, entdeckt einen mit „S“ unterzeichneten Liebesbrief an seine Frau. Mit Hilfe Annemarie Donaths findet er heraus, dass es sich bei „S“ um Dr. Siegfried Sattler handelt. Einige Zeit später wird der Hallenser Slawist nach einem Besuch in Zerbst zusammengeschlagen, verzichtet jedoch auf eine Anzeige wegen Körperverletzung. Benno Poche, der Polizei-Dezernent von Zerbst, verdächtigt Reiner Sandkuhl als Täter, aber Hermann Donath hält ihn davon ab, gegen den Parteifreund etwas zu unternehmen.

Wenn Vera Karnbach mit ihrem Liebhaber ins Hotel geht, trägt sie sich bei der Anmeldung als „Annemarie Donath“ ein, ohne zu ahnen, dass der Rezeptionist Eugen Löffler sowohl für die Stasi als auch für die CIA arbeitet und seine Beobachtungen meldet.

Lothar Witte warnt seinen Freund 1952 vor Gerüchten über seine Affäre mit der Ehefrau des Likörfabrikanten. Bald darauf wird Annemarie Donath von Hanna Leyde über die Untreue ihres Ehemanns aufgeklärt. Sie zieht kurzerhand mit den Zwillingen zu ihren Eltern nach Steckby.

Paradoxerweise trennt Hermann sich nun auch von Vera.

Otto Donath, der bereits seit März 1946 Witwer ist, geht in Rente. Sein Sohn wohnt nun wieder bei ihm, und eine Bucklige namens Trudchen Fitzau hilft den beiden im Haushalt. Nachdem der zahlungsunwillige Pächter in Kochstedt gestorben ist, kauft dessen Sohn Alwin Helmerich den Hof.

Am 5. März 1953 stirbt Stalin. Drei Monate später erhält die SED aus Moskau die Weisung, einen „Neuen Kurs“ einzuschlagen.

Jubelte Donath? Tanzte er die Treppe zu Liesegang hinauf? Umarmte er vor Begeisterung wenigstens seine Sekretärin? Nicht die Bohne. Statt erleichtert, fühlte er sich gelähmt, und anstelle der Freudentränen kamen ihm Zweifel. Hatte er wirklich so viel falsch gemacht? Ähnelte der Neue Kurs nicht eher den westlichen Parolen, die gegen alles hetzten, was nun auch die eigene Regierung verwarf? Wem sollte man noch trauen? Dem Sender im sowjetischen Sektor, der Sparerfolge, Planziele und Ernteschlachten lobte, oder dem Rundfunk im amerikanischen Sektor, der die Namen der Staatssicherheitsspitzel, den Wechselkurs der Ostmark und die Zahl der Flüchtlinge durchgab?

Hermann Donath spornt die Bauarbeiter in der Brüderstraße zu Höchstleistungen an und organisiert persönlich Nachschub an Dachziegeln, um möglichst rasch Wohnraum zu schaffen. An einem Sonntag stürzt der Dachdecker Max Blumenthal zwölf Meter in die Tiefe. Bei der Beerdigung geißelt der Pastor die Sonntagsarbeit als teuflisch und tut so, als habe Luzifer den Vater von drei kleinen Kindern vom Dach gestoßen. Trauergäste spucken vor dem Landrat aus und besudeln dessen Auto. Hermann Donath versteht die Welt nicht mehr: Als nach dem Krieg die Trümmer aufzuräumen waren, spielte es keine Rolle, welcher Wochentag war, und die Menschen schufteten ohne Bezahlung.

Am Morgen des 17. Juni 1953 treten in Berlin und überall in der DDR die Belegschaften großer Betriebe in einen Streik und fordern in Demonstrationszügen eine Rücknahme der im „Neuen Kurs“ beschlossenen Arbeitsnorm-Erhöhungen. Die Besatzungsmacht verhängt das Kriegsrecht und schlägt den Aufstand gewaltsam nieder.

Den Sommer 1956 wollen Inge und Lothar Witte mit den beiden Söhnen angeblich im Ostseebad Boltenhagen verbringen. Aber Hermann Donath findet heraus, dass die Familie dort nicht gemeldet ist. Daraufhin lässt er sich von seinem Vater 3000 Mark geben und fährt nach Westberlin, um im Flüchtlingslager Marienfelde nach den Wittes zu fragen. Die sind allerdings nicht mehr da, sondern inzwischen im Flüchtlingslager Hamburg-Finkenwerder. Kurzerhand fliegt Hermann mit British European Airways von Tempelhof nach Fuhlsbüttel. Aber er bemüht sich vergeblich darum, seinen Freund zur Rückkehr in die DDR zu überreden.

Und als er in Dessau-Roßlau aus dem Bahnhof kommt, wird er verhaftet. Jahre später erfährt er von dem Parteisekretär Reiner Sandkuhl, dass er längst von der Stasi bespitzelt wurde. Der Rezeptionist Eugen Löffler meldete Hermanns Hotelaufenthalte mit Vera Karnbach, und man hatte Alfred Schrottke auf ihn angesetzt, einen Parteifunktionär, der bei der Feier des Wahlsiegs der SED im Herbst 1946 erstmals in Zerbst aufgetaucht war.

Weil Hermann die DDR verbotenerweise verließ und auch noch 3000 Mark mitnahm, wird er zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Der Staatsanwaltschaft ist das nicht genug. Das Oberste Gericht kassiert das Urteil und verweist das Verfahren zurück ans Bezirksgericht. Im zweiten Prozess werden acht Jahre Zuchthaus gegen Hermann verhängt, und er hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.

4. Teil: 1956 – 1967

Otto Donath fährt nach Berlin zu einer Audienz beim Staatspräsidenten, mit dem er im Frühjahr 1917 im Lazarett lag. Wilhelm Pieck, der Hermann begnadigen könnte, verspricht seinem früheren Kriegskameraden, sich um den Fall seines Sohnes zu kümmern – aber es geschieht nichts. Am 7. September 1960 stirbt Wilhelm Pieck, und das Amt des Staatspräsidenten wird durch das des Staatsratsvorsitzenden ersetzt.

Als die Berliner Mauer gebaut wird, befindet sich Hermann Donath in Schacksdorf, wo er in einer Ziegelei arbeitet. Der Mithäftling Diels kennt zwei Männer mit dem Namen Joachim Schenk. Er selbst war Adjutant des SS-Offiziers Joachim Schenk. Diels vermutet, dass sich der Standartenführer rechtzeitig nach Ägypten oder über die Rattenlinien abgesetzt hat. Den anderen Joachim Schenk, den Kommunisten, lernte er im Gefängnis kennen. Der sei in der Haft zusammengebrochen, berichtet Diels, und man habe ihn wegen paranoider Schizophrenie in die Irrenanstalt in Hoym bei Ballenstedt eingewiesen.

Nach seiner Freilassung kehrt Hermann nach Zerbst zurück. Sein Vater, für den noch immer Trudchen Fitzau den Haushalt führt, ist inzwischen krank und schwerhörig. Das Finanzamt belangte ihn wegen Schwarzarbeit, weil er für Nachbarn und andere Bekannte Handwerkerleistungen gegen Naturalien erbracht hatte. Von Benno Poche erfährt Hermann Donath nach den acht Jahren Haft, dass ihm für weitere zehn Jahre die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt wurden und er den Bezirk nicht verlassen darf. Immerhin erhält er in Zerbst eine Anstellung als technischer Zeichner.

Otto Donath stirbt an Lungenentzündung.

Die Zwillinge Margot und Irene Donath feiern eine Doppelhochzeit mit dem Artillerieleutnant Olaf Kolbe und dem Roßlauer Schiffbau-Ingenieur Peter Lamprecht.

Anlässlich des 60. Geburtstags wird Hermann Donath 1967 von seinem alten Freund Lothar Witte in Zerbst besucht. Nach elf Jahren sehen sich die beiden erstmals wieder.

Der in Hamburg praktizierende Arzt meint:

Ihr seid stolz, weil ihr den Luxus und das Elend ausgerottet habt. Leider sind dabei die Kuriositäten auf der Strecke geblieben, der Wildwuchs, der Sonderling, das Genie, der Snob, der Individualist, der Penner, der Kavalier, der Dandy, der Bohemien. An ihre Stelle ist der Spießer getreten, der uniformierte Piesepampel, der Epigone, der Nachbeter, der Opportunist, dessen größtes Glück darin besteht, mit möglichst vielen möglichst oft verwechselt zu werden.

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Der Roman trägt den Titel „Der Bär“. Das ist allerdings der Spitzname nicht des Protagonisten Hermann Donath, sondern seines Vaters Otto. Manfred Bieler porträtiert einen Mann, der seine Schwächen und Fehler hat, aber zu seinen Überzeugungen steht. Hermann engagiert sich nach dem Zweiten Weltkrieg und in der DDR für einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“. Aber der real existierende Sozialismus in der DDR – bzw. die Stasi – sorgen dafür, dass er eine achtjährige Haftstrafe verbüßen muss und ihm für weitere zehn Jahre die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt werden. Die Handlung spielt zwar vor dem zeitgeschichtlichen Panorama – zuerst das NS-, dann das DDR-Regime –, aber die politischen Ereignisse und Zusammenhänge werden nur angedeutet.

Manfred Bieler entwickelt die fesselnde Geschichte chronologisch, ruhig und ohne Blendwerk. „Der Bär“ ist ein gediegener, im guten Sinn altmodischer Roman. Die Sprache passt zur Hauptfigur, aus deren Perspektive die Ereignisse und Entwicklungen dargestellt sind. Hervorzuheben ist die Anschaulichkeit und Lebendigkeit der Darstellung, aber auch die elliptischen Auslassungen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2018
Textauszüge: © Hoffmann und Campe Verlag

Manfred Bieler (kurze Biografie / Bibliografie)

Andrea Maria Schenkel - Tannöd
"Tannöd" ist eine gelungene, formal eigenständige und erstaunlich stilsichere Mischung aus Heimat- und Kriminalroman. Andrea Maria Schenkel evoziert von Anfang an eine dichte, unheimliche Atmosphäre, baut Spannung auf und stellt das nur vordergründig idyllische Milieu überzeugend dar.
Tannöd

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