Romy Hausmann : Perfect Day

Perfect Day
Perfect Day Originalausgabe dtv Verlagsgesellschaft, München 2022 ISBN 978-3-423-26315-3, 415 Seiten ISBN 978-3-423-44001-1 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Jahrelang werden Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren in Berlin entführt. Der Verbrecher öffnet ihnen die Pulsader und lässt sie verbluten. Mit roten Schleifen legt er jeweils eine Spur zur Leiche. Am 9. November 2017 wird Prof. Dr. Walter Lesniak in seinem Haus in Charlottenburg festgenommen. Seine 24-jährige Tochter Ann ist von der Unschuld ihres Vaters überzeugt und will es beweisen ...
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Kritik

Der Psychothriller "Perfect Day" von Romy Hausmann veranschaulicht die Bedeutung von Gefühlen. Emotionen beeinflussen nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch das Handeln, und sie können so heftig sein, dass ein Mensch dadurch zum Verbrecher wird.
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Festnahme

Am 9. November 2017 wird Prof. Dr. Walter Lesniak, eine Koryphäe auf dem Gebiet der philosophischen Anthropologie, in seinem Haus in Berlin-Charlottenburg von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Der 55-Jährige soll ein seit Jahren gesuchter Serienmörder sein. Seine 24 Jahre alte Tochter Ann, die gerade zu Besuch bei ihrem Vater ist und den rabiaten Überfall miterlebt, erleidet einen Asthmaanfall.

Als Ann gerade in die Schule kam, starb ihre Mutter nach langer Krankheit an Blutkrebs. Ihr Vater zog sie auf, kümmerte sich um sie und war stets da, wenn sie ihn brauchte, zum Beispiel als sie im Alter von sechs Jahren mit dem Fahrrad stürzte und sich an einem scharfkantigen Stein das linke Handgelenk aufriss. Nach vier Semestern Philosophie wechselte Ann zur Germanistik, aber sie hat gerade eine Auszeit genommen, weil sie unter der Trennung von ihrer Lebensgefährtin Zoe Brambach leidet, die zur Fortsetzung ihres Studiums nach Cornwall gezogen ist.

Ann hält es für undenkbar, dass ihr ebenso kultivierter wie treu sorgender Vater eine Reihe zwischen sechs und zehn Jahre alter Mädchen ermordete, zuletzt im November die siebenjährige Sophie. Weil der Serienmörder jeweils den Weg zur Leiche mit roten Schleifen markierte, kam in den Medien der Begriff „Berliner Schleifenmorde“ auf. Den Gerichtsmedizinern zufolge öffnete der Mörder den Mädchen jeweils die Pulsader am linken Handgelenk ‒ vermutlich mit einem nicht besonders scharfen Messer ‒ und ließ sie verbluten.

Der Inhaftierte schweigt

Um sich abzulenken, fängt Ann unter dem Mädchennamen ihrer Mutter de Groot in dem Fast-Food-Restaurant Big Murphy’s zu arbeiten an.

Der 62-jährige Rechtsanwalt Ludwig Abramczyk, der seit drei Monaten im Ruhestand ist und viel Zeit in seiner Jagdhütte in den polnischen Wäldern verbringt, kommt eigens nach Berlin zurück, um seinen Freund Walter Lesniak zu verteidigen. Aber der macht es ihm schwer, weil er sich weigert, über die ihn belastenden Indizien zu reden. Am Heiligen Abend bringt der Jurist seine Patentochter Ann zur JVA Moabit, aber auch ihr gelingt es nicht, den Vater von der Lethargie abzubringen.

Deshalb nimmt sie sich vor, die Unschuld ihres Vaters zu beweisen. Sie fragt Ludwig nach den Akten, denn sie weiß, dass die Polizei wichtige Einzelheiten aus ermittlungstaktischen Gründen zurückhält. Der Rechtsanwalt verweigert Ann zwar die gewünschte Akteneinsicht, aber als er während der Rückfahrt tankt, stiehlt sie unbemerkt den Ordner aus seiner Mappe.

Unerwartet taucht am Abend Eva bei Ann auf, die Tochter der Nachbarn Elke und Caspian Harbert. Die beiden gleichaltrigen Mädchen waren eng befreundet, bis Anns fester Freund Nico vor acht Jahren zu Eva wechselte und mit ihr nach Frankfurt/M zog. Dort studierte Eva Psychologie, machte ihren Master und begann vor einigen Monaten in der Psychologischen Beratungsstelle für Kriminalitätsopfer und deren Angehörige an der Universitätsklinik zu arbeiten. Nun ist sie zu Besuch bei ihren Eltern, und weil sie von der Inhaftierung Walter Lesniaks weiß, will sie Ann helfen, die Wahrheit herauszufinden. Zögernd lässt Ann sich darauf ein und versöhnt sich mit Eva.

Private Ermittlungen

Ann und Eva blättern in der Akte und nehmen sich den ersten Fall vor, den der zehnjährigen Larissa Meller, die dem Schleifenmörder im Juni 2003 in Hellersdorf zum Opfer fiel. Plötzlich begreift Ann, dass Michelle Meller, ihre Kollegin bei Big Murphy’s, die Mutter ist. Was für ein Zufall! Am zweiten Weihnachtsfeiertag besucht Ann sie in ihrer Wohnung, und Michelle ist bereit, mit der Tochter des inhaftierten Hauptverdächtigen zu reden.

Larissas Vater verließ die Familie kurz nach der Geburt der Tochter. Michelle heiratete dann den Bauarbeiter Rainer Meller, der Larissa adoptierte. Aus den Akten weiß Ann, dass Rainer Meller den bis dahin eng mit der Familie befreundeten Bauleiter Marcus Steinhausen als Larissas Mörder verdächtigte und zweimal zusammenschlug. Beim ersten Mal kam er mit sechs Monaten Haft davon, beim zweiten Mal musste er für fünf Jahre ins Gefängnis. Seine Ehe wurde geschieden.

Michelle gibt Ann die Adresse ihres Ex-Mannes in Marzahn. Ann und Eva fahren hin. Rainer Meller berichtet den beiden Besucherinnen, dass er nach seiner zweiten Haftentlassung lange vergeblich nach dem Mörder seiner Tochter gesucht habe. Als er kürzlich aus der Zeitung erfuhr, dass die Mutter von Marcus Steinhausen gestorben sei, ging er zur Beerdigung. Wie erwartet, tauchte der Gesuchte dort auf, und Rainer Meller fing an, ihn zu beschatten ‒ bis er ihn vor einer Mädchenschule ertappte. Da brachte er ihn in seine Gewalt.

Er lotst die beiden Frauen, die sich als Privatermittlerinnen ausgeben, zu einer Großbaustelle, an der nicht gearbeitet wird. In einem Kellerraum sitzt ein gefesselter und geknebelter Mann Mitte 40 auf einem Stuhl: Marcus Steinhausen! Ann und Eva sind entsetzt. Weil in dem Keller kein Handy-Empfang ist, geht Eva hinaus, um die Polizei zu rufen. Rainer Meller erwischt sie und schleudert das Handy auf den Betonboden. Er hat eine Eisenstange bei sich. Als er ausholt, will Eva verhindern, dass er den Wehrlosen damit foltert – und wird dabei selbst am Kopf getroffen.

Im nächsten Augenblick taucht die Polizei auf, die den Notruf erhalten hat.

Eva liegt mit einem Schädel-Hirn-Trauma im Krankenhaus. Auch der Gefolterte wird dort behandelt. Am Empfang hört Ann zufällig, wie die Dame vor ihr den Namen „Steinhausen“ angibt und nach ihrem Mann fragt. Marcus Steinhausen ist jedoch gar nicht verheiratet. Susanne Steinhausen ist die Ehefrau des Architekten Andreas Steinhausen, der ein Jahr älter ist als sein Bruder Marcus. Rainer Meller hat die Brüder verwechselt.

Einbrecher

Nach der polizeilichen Vernehmung durch Kommissar Martin Brandner bringt Ludwig Abramczyk die Tochter seines Freundes Walter Lesniak nach Hause. Während er noch einmal losfährt, um Essen zu besorgen, überrascht Ann einen Einbrecher. Als Ludwig zurückkommt, berichtet Ann von dem Vorfall und erklärt, sie habe den mit der Akte aus der Mappe des Rechtsanwalts geflohenen Einbrecher nicht erkannt. Sie fahren gleich noch einmal zu Kommissar Brandner, und danach besteht Ludwig darauf, dass seine Patentochter sicherheitshalber bei ihm übernachtet.

Am nächsten Morgen eilt sie zu ihrem Elternhaus – und befreit den Einbrecher aus dem Kofferraum seines Jeeps. Es handelt sich um den Journalisten Jakob Wesseling. Als am 9. November Walter Lesniak festgenommen wurde, aber in der Öffentlichkeit zunächst nur von einem Universitätsprofessor die Rede war, bekam Jakob Wesseling einen Tipp von Kommissar Brandners Sekretärin, die mit ihm befreundet ist. Daraufhin beschattete er die Tochter des Hauptverdächtigen, holte täglich etwas aus dem Fast-Food-Restaurant, um mit ihr in Kontakt zu kommen und gab sich dabei als einfacher Mitarbeiter des Recyclinghofs in Kreuzberg aus.

Beim Einbruch in Walter Lesniaks Haus fand er die Akte des Rechtsanwalts, aber Ann nahm sie ihm ab, bevor sie ihn in den Kofferraum seines in der Nähe abgestellten Autos sperrte, wo die von Ludwig alarmierte Polizei nicht nach dem Einbrecher suchte.

Die beiden tun sich zusammen. Ann hofft, dass ihr der Journalist dabei helfen kann, die Unschuld ihres Vaters zu beweisen, und Jakob arbeitet weiter auf einen Zeitungsartikel hin, der seine investigativen Fähigkeiten demonstriert.

Schergel

In Schergel, einem Dorf bei Bad Kötzting im Bayerischen Wald, wird die siebenjährige Sarah Seiler vermisst, und im Wald hängen rote Schleifen, die allerdings nicht zu einer Toten führen. Hat der wahre Schleifenmörder wieder zugeschlagen? Oder ahmt ihn ein Trittbrettfahrer nach?

Ann und Jakob fahren sofort nach Schergel und quartieren sich im Gasthaus „Zum alten Brock“ ein. Von Peter Brock, dem Wirt, erfahren sie, dass es sich bei dem vermissten Kind um die Tochter von Kerstin Seiler handelt, einer alleinerziehenden Mutter, die im Dorf die Metzgerei betreibt.

Die Polizei sucht mit einem Großaufgebot nach Sarah.

Am 28. Dezember ist das Kind plötzlich wieder da, steht aber möglicherweise unter Schock, behauptet, es sei bei einer Prinzessin gewesen, erklärt aber nichts weiter dazu.

Ann hilft Kerstin Seilers Freundin Nathalie Fester, Einkäufe nach Hause zu tragen. Nathalie lebt seit knapp zwei Monaten in Schergel. Sie stamme aus Wiesbaden, sagt sie, und sei mit ihrer Tochter Lenia vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann geflohen. Das Ferienhaus am Dorfrand habe sie von Peter Brock gemietet. Wenn sie ihrer neuen Freundin in der Metzgerei helfe, passe ihre fast 80-jährige Mutter auf Lenia auf.

Dass Nathalie den kleinen Wochenmarkt in der Nestorstraße in Berlin kennt, wundert Ann. Und wieso spricht sie von elf Opfern des Berliner Schleifenmörders? Die Polizei geht von zehn aus. Ann vermutet, dass Nathalie nicht aus Wiesbaden, sondern aus Berlin geflohen ist und es sich bei ihrer Tochter um ein dem Schleifenmörder entkommenes Opfer handelt, von dem die Polizei noch nichts weiß.

Ann und Jakob finden Kerstin Seiler im Kühlraum der Metzgerei. Sie ist tot. Jemand hat ihr einen Fleischerhaken in den Hals gerammt.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Die kleine Prinzessin (Spoiler)

Noch in der Nacht schleichen sich Ann und Jakob aus dem Hotel und gehen zu dem von Nathalie gemieteten Ferienhaus. Ann überrascht Nathalie im Garten. Sie hat den gefrorenen Boden mit einer Axt aufgehackt und erzählt Ann, dass sie die Katze begraben habe.

Sie gehen ins Haus, und Nathalie gesteht, dass sie den gewalttätigen Ehemann nur erfunden und in Wirklichkeit in Berlin gewohnt habe. Im November sei Lenia vom Schleifenmörder entführt worden, aber das Kind habe aus einer Hütte im Königswald fliehen können. Nathalie mietete dann ein Auto und ließ ihr eigenes stehen, um mit Lenia unbemerkt wegfahren zu können. Sie strandeten in Schergel, wo Nathalie ein Ferienhaus mieten konnte. Lenia habe übrigens Anns Vater auf einem Zeitungsfoto als den Mann wiedererkannt, von dem sie entführt worden sei.

Später stellt Ann sich die Frage, warum Nathalie sieben Wochen nach der Verhaftung des vermeintlichen Täters noch nicht nach Berlin zurückgekehrt ist.

Sie geht noch einmal zu Nathalie. Da sind weder Lenia noch deren Großmutter. Nathalie bildet sich offenbar nur ein, dass ihre Tochter bei ihr ist. Und sie gibt zu, Sarah entführt zu haben, nicht nur, um ihrer kleinen „Prinzessin“ eine Spielgefährtin zu verschaffen, sondern vor allem, um Kerstin Angst zu machen, denn die Metzgerin sei keine gute Mutter gewesen und habe ihr Verhalten auch nach Sarahs Freilassung nicht geändert. Ann begreift, dass sie Kerstin Seilers Mörderin vor sich hat und läuft nach einer Rangelei aus dem Haus, um die Polizei zu rufen.

Ein ums Haus schleichender Fremder hindert sie daran. Er sei Nathalies Ex-Mann Steffen Fester, erklärt er. Die Tochter Lenia litt an Epilepsie. Als er sie Anfang November, wie üblich, fürs Wochenende abholen wollte, öffnete Nathalie im Nachthemd, und das Kind lag mit blutig gebissener Zunge erstickt im Bett. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt wurde bekannt, dass der Schleifenmörder ein neues Opfer gefunden hatte, und Nathalie verfiel in den Wahn, dass es sich dabei um Lenia gehandelt habe. Sie raubte die Leiche des Mädchens aus dem Bestattungsinstitut in Berlin und floh damit. Nathalie wolle nicht wahrhaben, dass ihre kleine Tochter in ihrer Obhut starb, meint Steffen Fester. Er folgte dem Leihwagen seiner Ex-Frau nach München und erkannte sie dann auf Pressefotos aus Schergel. Weil er Nathalie für suizidgefährdet hält, möchte er keine Polizei einschalten, sondern erst einmal selbst mit ihr reden.

Nathalie sitzt auf dem Boden. Ein Messer liegt neben ihr. Plötzlich packt sie es. Ihr Ex-Mann will es ihr abnehmen, aber sie rammt es sich in den Bauch.

Man bringt sie ins Krankenhaus. Steffen Fester ist nur leicht verletzt.

Als eine Katze auftaucht, ahnt Ann, wo er die Leiche seiner Tochter findet.

Aufklärung (Spoiler)

Seit ihrem Fahrradunfall vor 18 Jahren betrachtet Ann den Stein, an dem sie sich damals das Handgelenk aufschnitt, als Talismann. Nun, am 29. Dezember 2017, fällt ihr ein, dass sie Zoe den Stein schenkte. Wieso hat sie aber dann auch einen Stein bei sich? Es muss zwei ähnlich aussehende Steine geben.

Wie befürchtet, werden an dem Stein, den sie in Schergel bei sich hatte, im Polizeilabor DNA-Spuren von Opfern des Schleifenmörders sichergestellt. Die Kinder wurden nicht mit einem stumpfen Messer, sondern mit dem scharfkantigen Stein ermordet – von Anns Vater!

Ann erleidet einen Nervenzusammenbruch und wird zwei Wochen lang stationär im Krankenhaus behandelt.

Sie erfährt, warum Eva Harbert an Weihnachten 2017 nach Berlin kam. Sie und Ann erinnern sich unklar daran, dass sie sich im Alter von zehn Jahren im Grunewald verlief und von Walter Lesniak gefunden wurde. Eva weiß jedoch nicht mehr, wie sie in den Wald kam. Als sie nun von der Verhaftung erfuhr, wollte sie herausfinden, ob sie das erste Opfer des Schleifenmörders sein sollte. Brachte er sie überhaupt erst in den Wald?

Am 22. Februar 2018 beginnt die Gerichtsverhandlung. Walter Lesniak wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

In mehreren Briefen drängt Ann ihren Vater, ein Geständnis abzulegen. Das sei wichtig für die Angehörigen der Opfer.

Am 27. Juni 2018 zieht sie zu Zoe Brambach nach Cornwall. Die beiden heiraten, und Ann nimmt den Familiennamen ihrer Ehefrau an. Zoe lässt sich mit einer Samenspende befruchten, und das Paar bekommt einen Sohn: Noah. Die Familie zieht daraufhin nach Berlin zurück, wo sie in Anns Elternhaus wohnen. Während Zoe als Übersetzerin arbeitet, bleibt Ann bei Noah zu Hause. Ihr Studium schließt sie nicht mehr ab. Leider scheitert die Ehe, und Ann bleibt mit Noah zurück.

Eva erholt sich vom Schädel-Hirn-Trauma und kehrt zur Psychologischen Beratungsstelle für Kriminalitätsopfer und deren Angehörige an der Universitätsklinik zurück. Sie und Nico wollen nun heiraten.

Als der Häftling Walter Lesniak erfährt, dass er an Darmkrebs erkrankt ist und nicht mehr lang zu leben hat, gibt er Jakob Wesseling, dem Freund seiner Tochter, vom 7. bis 10. Mai 2021 ein mehrteiliges Interview, in dem er endlich Anns Forderung nachkommt und seine Taten schildert.

Die Morde begannen nicht erst im Juni 2003 mit Larissa, sondern bereits zwei Jahre früher, nach Anns Fahrradunfall. Die beiden ersten Opfer – Laura im Sommer 2001 und Miriam im Herbst 2002 – begrub er selbst. Erst danach fing er an, jeweils mit roten Schleifen eine Spur zur Leiche zu legen, damit die Eltern der ermordeten Mädchen ein Grab bekommen konnten. Insgesamt ermordete er zwölf Mädchen.

Ann besucht ihn am 19. Mai 2021 in der JVA, und er versucht, ihr sein Motiv zu erklären. Er leidet an Alexithymie bzw. Gefühlsblindheit. Und weil er befürchtete, er könne die Krankheit seiner Tochter vererbt haben, ließ er sie als Kind kurze Aufsätze über ihre Gefühle schreiben. Erst als er nach Anns Fahrradsturz das Blut aus ihrer Pulsader sprudeln sah, empfand er etwas. Da waren plötzlich Sorge und Angst, Schmerz und Verzweiflung. Und das wollte er dann wieder erleben, zuerst mit Eva, aber als ihm bewusst wurde, wie viel sie seiner Tochter bedeutete, suchte er andere Opfer.

Wenige Stunden nach Anns Besuch schneidet sich Walter Lesniak mit einem vermutlich beim Hofgang unbemerkt aufgehobenen Stein die Pulsader auf und verblutet in seiner Zelle.

Epilog (Spoiler)

Marcus Steinhausen zog 2010 nach Spanien, gründete dort eine Familie und einen Handwerksbetrieb. Er kam 2014 bei Autounfall ums Leben.

Rainer Meller verbüßt eine zehnjährige Haftstrafe.

Nathalie Fester lebt in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung bei Berlin. Steffen Fester sorgte dafür, dass die Tochter Lenia auf dem Friedhof in Berlin-Schöneberg bestattet wurde.

Die Gymnasiastin Sarah Seiler lebt bei ihrem Vater in Čachrov.

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Der Psychothriller „Perfect Day“ von Romy Hausmann veranschaulicht die Bedeutung von Gefühlen. Emotionen beeinflussen nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch das Handeln, und sie können so heftig sein, dass ein Mensch dadurch zum Verbrecher wird.

Wer der gesuchte Serienmörder ist, lässt Romy Hausmann schon früh erkennen, aber beim Wechsel der Schauplätze von Berlin nach Schergel (fiktives Dorf im Bayerischen Wald) lenkt sie uns geschickt durch eine Parallelhandlung mit einer ganzen Serie unerwarteter Wendungen ab. Leider übertreibt sie dabei aber auch.

Einige Szenen bzw. Zusammenhänge in „Perfect Day“ wirken unglaubhaft, und des Öfteren wird die Handlung durch höchst unwahrscheinlich auftretende Zufälle weitergeführt.

Die Charaktere hat Romy Hausmann nicht auszuleuchten versucht. Sogar Hauptfiguren wie Ann Lesniak, Eva Harbert und Jakob Wesseling bleiben schemenhaft.

Romy Hausmann lässt in „Perfect Day“ die Protagonistin Ann Lesniak chronologisch in der Ich-Form erzählen, streut aber auch andere Texte ein, beispielsweise wird der Ablauf am 27. Dezember 2017 durch einen Rückblick auf den 9. November unterbrochen. Immer wieder lesen wir kurze, von Ann als Kind geschriebene Aufsätze über Gefühle („ein Schrekk ist wie wenn der Mensch innen drin einen Strohmschlag kriegt“). Im Alter von 24 Jahren hält sie ihre Gedanken zum Thema „Erkenntnis“ fest, fünf Jahre später schreibt sie über „Liebe“. Es gibt zehn mit „Aufnahme“ überschriebene, datierte und durchnummerierte Textpassagen. Erst gegen Ende erfahren wir, wer da wem ein Interview gibt. Zwischen den Kapiteln lesen wir rätselhafte Abschnitte unter der Überschrift „Wir“. Da scheint jemand auf ein Kind einzureden, das er/sie „Prinzessin“ nennt. Kurze Zeit taucht in diesem Zusammenhang auch die entführte siebenjährige Sarah Seiler aus Schergel auf, und erst als Romy Hausmann mit der Aufklärung beginnt, lüftet sie das Geheimnis, wen wir sprechen hören.

Der Titel „Perfect Day“ stammt von einem Pop-Rock-Song, den Lou Reed (1942 – 1913) im Album „Transformer“ 1972 veröffentlichte.

Den Roman „Perfect Day“ von Romy Hausmann gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Sandrine Mittelstädt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2022
Textauszüge: © dtv Verlagsgesellschaft

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Mario Desiati - Zementfasern
Der Roman "Zementfasern" ist episodenhaft und mit einigen Ausnahmen nicht sehr anschaulich inszeniert. Mario Desiati schreibt schnörkellos und erzählt die tragische, tragikomisch endende Geschichte in einer rauen Sprache.
Zementfasern