Thomas Hettche : Sinkende Sterne

Sinkende Sterne
Sinkende Sterne Originalausgabe Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2023 ISBN 978-3-462-05080-6, 216 Seiten ISBN 978-3-462-32124-1 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die Geschichte, die Thomas Hettche erzählt, spielt im Wallis, wo ein Bergrutsch die deutsch- und französischsprachigen Regionen getrennt hat. Aus dem oberen Wallis sind die Bewohner fortgezogen, und Fremde oder gar Touristen sind hier nicht mehr willkommen. Es herrschen feudalistische Machtverhältnisse, wobei die liberale Bischöfin von Sion, ein Hermaphrodit, dem engstirnigen Kastlan von Leuk gegenübersteht.
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Kritik

Der Ich-Erzähler heißt Thomas Hettche wie der Autor, aber der Eindruck der Autofiktionalität täuscht. "Sinkende Sterne" wirkt dunkel und surreal (Magischer Realismus). Themen sind der Klimawandel und Naturkatastrophen, Verunsicherung, Selbstsuche und Fragen nach der Identität. Zentral ist die These: Die Literatur stillt unsere Sehnsucht nach Wahrheit, die es nicht gibt.
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Die Vorladung

Thomas Hettche erhält an seinem Wohnort in Deutschland eine schriftliche Vorladung von Jesko Zen Ruffinen, dem Kastlan von Leuk und Bannerherrn der Sieben Zenden. Als deutscher Besitzer einer Parzelle im Wallis wird er aufgefordert, sich persönlich dort zu melden.

Bei der Immobilie handelt es sich um das Ferienhaus, das seine Eltern vor 40 Jahren erworben hatten. Als Kind verbrachte er dort regelmäßig die Sommerferien mit ihnen. Die damals, in den Siebzigerjahren, eröffnete Seilbahn wurde bald nach Betriebsbeginn wieder eingestellt, weil sie sich nicht rentierte, und von der geplanten Ferienanlage wurden lediglich zwei gleiche Chalets gebaut.

Willi Hettche wurde innerhalb eines Jahres nach dem Tod seiner Frau Helga zum Pflegefall und musste in dem Chalet im Wallis von einer Pflegerin betreut werden, aber Thomas besuchte seinen sterbenden Vater nicht und reiste auch nicht zur Beerdigung an. Was zu regeln war, überließ Thomas Hettche dem Notar seines Vaters, Sulpice von Werra.

Seine Ehe scheiterte, und kurz bevor die Vorladung aus dem Wallis eintraf, beendete die Vizepräsidentin der Universität, an der Thomas Hettche lehrte, sein Arbeitsverhältnis, weil sie ihn aufgrund seiner Haltung vor allem zu Gender-Fragen für nicht mehr tragbar hielt.

Meine Fixierung auf Texte eines westlichen Kanons, mein Beharren auf überholten Qualitätsvorstellungen und mein sexistischer Sprachgebrauch […]

Es war gewiss richtig gewesen sich aus alldem hier zu befreien und wegzugehen. Aber eine Ankunft irgendwo hat es nicht gegeben, dachte ich bitter.

Die Naturkatastrophe

Thomas Hettche nimmt den Zug. Bei der Einreise ins Wallis wird er streng kontrolliert. Man will hier keine Fremden, aber aufgrund seiner Vorladung darf er passieren.

Das Festnetztelefon im Chalet der Familie Hettche ist längst unbrauchbar, aber es gibt auch kein Mobilfunknetz.

Ein Bergsturz hat vor einiger Zeit die Rhone aufgestaut, den Lötschbergtunnel geflutet und einen neuen See geschaffen, in dem ein halbes Dutzend Dörfer untergegangen sind. Durch eine zyklopische Barriere exakt an der Sprachgrenze ist das deutschsprachige Oberwallis vom französischsprachigen Unterwallis getrennt.

Fast alle überlebenden Bewohnerinnen und Bewohner zogen weg. Marietta und ihre 15-jährige Tochter Serafine sind noch da. Thomas und Marietta waren als Kinder befreundet, und als 13-Jährige – vor mehr als 40 Jahren – hatten sie sich geküsst. Mariettas Großvater, der Posthalter des Dorfs, hatte die Post und Lebensmittel noch mit dem Maultier aus Leuk geholt. Marietta studierte in Bern, aber als es ihren Eltern gesundheitlich schlecht ging, kehrte sie ins Dorf zurück und übernahm die von ihrem Vater eröffnete Migros-Filiale im Heimatdorf. Über Serafines Vater mag sie nicht reden.

Feudale Herrschaftsstrukturen

Jesko Zen Ruffinen, der Kastlan von Leuk und Bannerherr der Sieben Zenden, erklärt Thomas Hettche, der Tourismus habe die Bewohner früher gezwungen, „die eigene Lebenswirklichkeit als Schauspiel aufzuführen“. Damit müsse Schluss sein. Deshalb habe sich das Oberwallis nach dem Bergsturz isoliert. Immobilienbesitz von Ausländern in der Region sei nun verboten. Die von ihm geerbte Parzelle werde enteignet und an einen Schweizer versteigert. Thomas Hettche bekomme den Erlös abzüglich Steuern und Gebühren, müsse aber bis zur für 31. August geplanten Grundbuchänderung das Wallis verlassen.

Der Notar Sulpice von Werra, der in Sion wohnt und dort auch seine Kanzlei hat, bekam kürzlich das 1445 von seinem Vorfahren Ferdinand von Werra errichtete, aber 1910 von Sulpices Großvater Leo Baron von Werra durch Konkurs verlorene Château de Werra in Leuk von Jesko Zen Ruffinen zurück. Der Notar bekleidet auch die Ämter Viztum und Truchsess der Bischöfin von Sion. Thomas Hettche begreift, dass die Region von einigen wenigen Familien beherrscht wird.

Er möchte das von den Eltern geerbte Chalet nicht aufgeben, sondern hier bleiben, und der Notar verspricht, ihm zu helfen.

Die Bischöfin von Sion

Im Sommer verbringt Thomas Hettche einige Zeit mit Marietta und Serafine auf der 2000 Meter hoch gelegenen Alpe. Dort knöpft Marietta eines Tages wortlos ihren Kittel auf, und nachdem er ihren Körper betrachtet und ihre Brüste in die Hand genommen hat, treiben sie es wie selbstverständlich auf dem Tisch.

Der Notar erreicht, dass sich die Bischöfin bereit erklärt, Thomas Hettche in Privataudienz zu empfangen. An der durch den Bergsturz geschaffenen Grenze erhält er ein Visum, das ihm die Wiedereinreise bis Mitternacht erlaubt, und es wartet ein Chauffeur auf ihn, der ihn nach Sion fährt.

Hier ist auch wieder ein Mobilfunknetz verfügbar, und auf Thomas Hettches Smartphone listen sich die inzwischen angesammelten SMS, Mails und Sprachnachrichten auf, aber er antwortet auf keine davon.

Er staunt über die ungewöhnlich schöne junge Schwarze, die ihn empfängt: Noé de Platea, Bischöfin von Sion, Gräfin und Präfektin des Wallis, Visitatorin und Gesandte des Heiligen Stuhles. Vor ihrem Besucher und im Kreis der Domherren legt die Würdenträgerin das Birett, das goldene Brustkreuz und das Rochett ab. Als sie (wie Marietta ihren Kittel) die Soutane aufknöpft, unter der sie nackt ist, erblickt Thomas Hettche ihre schimmernde schwarze Haut, die perfekten Brüste und „zwischen den Schenkeln ihr[en] Schwanz“. Er kniet, mit ihrem Penis auf Augenhöhe.

„Und Sie können mir tatsächlich helfen, hierbleiben zu dürfen? Es ist nicht mehr viel Zeit!“
„Aber ja“, sagte sie freundlich. „Das Wallis darf sich nicht wieder abschließen vor der Welt. Die Kirche will das nicht, sie will Offenheit und Vielfalt.“

Noé de Platea stellt ihm ihren Seneschall Damien Saint Cyr vor. Als Herr über die Staumauer und Kraftwerksanlage Grande Dixence kontrolliert er den elektrischen Strom, den das Oberwallis erhält – und kann entsprechend Druck auf den Kastlan von Leuk ausüben.

Erinnerungen

Thomas Hettche besucht zum ersten Mal das Grab seiner Eltern Helga und Willi in Leuk. Einige Zeit später lässt er sich von der Fähre nach Brig in Raron absetzen und schaut sich das Grab von Rainer Maria Rilke neben der spätgotischen Kirche St. Roman an. Auf der Rückfahrt nimmt ihn die Fähre wieder mit.

Er schwimmt nackt in dem See, in dem ein halbes Dutzend Dörfer versunken sind.

Thomas Hettche erinnert sich an seine Studentenzeit. Ein junger Philosophie-Dozent erläuterte das Münchhausen-Trilemma.

„Entweder gehen Sie in der Suche nach Gründen einer Behauptung immer weiter zurück, zu immer neuen Gründen der Gründe, und geraten so in einen infiniten Regress“, dozierte er rauchend. […] „Oder aber Sie greifen in der Begründung Ihrer Aussage auf eine andere Aussage zurück, die aber nur im Verhältnis zur ersten wahr ist, geraten also in einen logischen Zirkel. […] Ihre dritte Möglichkeit besteht darin, den Begründungsversuch irgendwann durch eine willkürliche Setzung abzubrechen, die uns nun zwar ein festes Fundament bietet, aber die Wahrheit durch ein Dogma ersetzt.“

Nun denkt Thomas Hettche nochmals darüber nach:

„Obwohl er [Münchhausen] seine Abenteuer nicht wie Odysseus und Sindbad auf dem unsicheren Meer zu bestehen hatte, sehnte auch er sich vor allem nach festem Boden unter den Füßen. Literatur erzählt nicht deshalb von fantastischen Auswegen, weil sie tröstlich wären, sondern weil sie selbst der Ausweg ist. […]
Literatur stillt unsere Sehnsucht nach Wahrheit, die es nicht gibt […]
Das ist der Schopf, dachte ich, an dem die Literatur, seit die Götter uns verlassen haben, uns aus dem Sumpf der Dogmen und des Hasses zieht.

In den Neunzigerjahren sah er den Film „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard nach einer Novelle von Alberto Moravia. Da missfällt dem amerikanischen Filmproduzenten Jeremy Prokosh die künstlerisch anspruchsvolle Adaptation der Odyssee durch den deutschen Regisseur Fritz Lang, die von Homers Version abweicht und von der Odysseus-Figur in Dantes Göttlicher Komödie inspiriert ist.

Ein Erlebnis aus seiner Zeit als Praktikant bei der FAZ fällt Thomas Hettche ein:

Frank Schirrmacher, dem ich das Praktikum verdankte, war eines Tages in mein Büro gekommen, hatte sich neben mir auf die Kante des Schreibtischs gesetzt und mich lächelnd aufgefordert, ihm die Schuhe zu binden. […] Dass ich mich geweigert hatte, zu tun, was er wollte, war jetzt nicht wichtig. Aber jenes peinigende Gefühl missbräuchlicher Intimität aus Macht und Erniedrigung […].

Noch intensiver erinnert sich Thomas Hettche, wie er sich in der Universität in der Tür irrte und in einen Zeichensaal geriet, in dem ein Dutzend Studentinnen wartete, bis sich ein junger Mann ausgezogen hatte.

Die Professorin […] stellte jetzt einen Schemel auf den Teppich und bat den Jungen, sich zu setzen. Sie zog hellblaue Latexhandschuhe über. Wortlos brachte sie ihn dann in Positur […]. Und da war dieser Junge plötzlich der schiffbrüchige Sindbad, oder auch Odysseus, ein nackter Körper jedenfalls, angespült an einen fremden Strand, und ich erschrak, als er wenige Tage später in meinem Seminar erschien, mich anlächelte und sagte, er heiße Dschamīl.
Sanft spreizte die lockige Kirke ihm die Beine, dann manipulierte sie einen Moment lang sein Glied, um es ein wenig zu vergrößern, und drapierte es schließlich sorgsam zusammen mit seinen Hoden zwischen den Oberschenkeln. Sie streifte die Handschuhe ab und trat in den Kreis der Nymphen zurück.

Ich konnte nicht anders, als ihn mit meinen Augen zu verschlingen, hingerissen von seiner Schönheit und dabei fast schmerzhaft neidisch, und schämte mich zugleich dafür, wie ich ihn betrachtete, und für alles, was ich dabei empfand.

Herbst

Am 31. August läuft die Frist für Thomas Hettche ab – aber nichts geschieht.

Marietta sagt:

„Du warst damals einfach weg. Und bist nicht wiedergekommen. Und nun ist es zu spät.“

Als es kälter wird, versucht Thomas Hettche, die Heizung in Betrieb zu nehmen, aber der Brenner springt nicht an. Der Öltank ist leer. Aus einer Scheune holt er Holz und heizt den Kamin, aber er weiß, dass er damit im Winter allenfalls das Wohnzimmer warm bekommt.

Er wundert sich, als er im leer stehenden Zwillingshaus Licht sieht. Sein Türschlüssel passt. Im Inneren, das genauso aussieht wie im anderen Haus, trifft er auf Serafine. Sie sei durch ein Kellerfenster hereingekommen, sagt sie, um ein von der Mutter verbotenes Computerspiel zu spielen. Als sie sieben Jahre alt war, schenkte ihr der Vater eine Xbox und wetteiferte mit ihr bei einem virtuellen Autorennen. Als er nicht mehr da war, machte Serafine weiter, und aufgrund seiner Rekorde konnte sie sich mit seinem Ghost Car messen. Im Verlauf der Jahre wurde sie besser als er, und jedes Mal, wenn sie sein Geisterauto überholte, löschte sie eines seiner Rekordergebnisse. Damit er nicht ganz verschwindet, vermeidet sie es, seinen letzten Eintrag zu löschen und bremst vor dem Ziel ab, damit er gewinnt.

Thomas Hettche rät Serafine, ihren Heimatort zu verlassen.

Auf dem Nachhauseweg wird Serafine durch einen Zug der Armen Seelen vom Berg ins Tal aufgehalten.

Endlich aber wird das Schlurfen und Stapfen leiser, und als es wieder still ist, öffnet das Mädchen vorsichtig die Augen. Und schreit. Dicht vor ihm das Gesicht einer alten Frau, die Augen flüssigblaue Kugeln. Gleichgültig ist ihr das zitternde Kind, doch der Schimmer von Serafines goldenen Kreolen im Dunkeln unwiderstehlich, ganz nah beugt die Alte sich zu ihnen vor und besieht sie, und es dauert lange, bis sie sich endlich abwendet und dem Zug wieder folgt […]. Doch im Weggehen streift das weiße Tuch, das der Alten nachflattert, Serafines Wange, und ein brennender Schmerz durchzuckt das Mädchen.
Ich setzte den Punkt, legte den Stift weg und klappte das Heft zu. Der Blick der flüssigen Augen, der Schmerz auf der Wange, es dauerte einen Moment, bis all das undeutlich wurde und verschwand […].

(Bemerkenswert: Der Sprung vom Erlebnis des Mädchens zum Schreibenden.)

Winter

Im Winter verspürt Thomas Hettche einen heftigen Schmerz im Bauch. Tagelang kann er kaum etwas essen und leidet unter Fieberwahn. Er bräuchte ärztliche Hilfe, ist aber allein im Haus, kann nicht telefonieren, und der verschneite Weg zum Krankenhaus im Tal ist unpassierbar.

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Der Ich-Erzähler in dem Roman „Sinkende Sterne“ heißt Thomas Hettche wie der Autor, aber der Eindruck der Autofiktionalität täuscht.

Die Geschichte, die er erzählt, spielt von Frühjahr bis Winter im Wallis, wo ein Bergrutsch die deutsch- und französischsprachigen Regionen getrennt hat. Aus dem oberen Wallis sind die Bewohner fortgezogen, und Fremde oder gar Touristen sind hier nicht mehr willkommen. Es herrschen feudalistische Machtverhältnisse, wobei die liberale Bischöfin von Sion dem engstirnigen Kastlan von Leuk gegenübersteht.

Bei Noé de Platea, der Bischöfin von Sion, Gräfin und Präfektin des Wallis, handelt es sich um einen Hermaphroditen, der für Offenheit und Vielfalt in der Kirche steht und progressive Ansichten vertritt.

„Wir sind die Auffahrtsrampe zur Überwindung des Fleisches. Wir können die Welt so konstruieren, wie wir es wollen.“

Bemerkenswert ist auch die Figur der 15-jährigen Serafine in „Sinkende Sterne“. Serafine hat es in einem Videospiel zur Meisterschaft gebracht; ihr sollte die Zukunft gehören, aber sie hängt an den ortstypischen Legenden und erlebt einen Zug toter Seelen. Während Serafine den Okzident verkörpert, repräsentiert der wunderschöne Student Dschamīl, der sich im Zeichensaal der Universität als Nacktmodell zur Verfügung stellt, den Orient.

Aus dem Morgenland stammt auch das Märchen von Sindbad, und den vergleicht der Ich-Erzähler mit Odysseus bei Homer und Dante.

Ich kann den unheimlichen Vers nicht vergessen, mit dem Dante Odysseus‘ Schicksal besiegelt. Ein Toter ist es, der spricht: Dann schloss sich langsam über uns das Wasser.

Mit Ordnung und Ortung übersetzt Carl Schmitt den Nomos der Griechen […]. Auf dem Meer aber gab es jene Einheit von Ordnung und Ortung nicht […], keine Grenzsteine konnte man setzen […]. Odysseus, verstand ich plötzlich, ging es nicht darum, die Fremde zu kartieren, sondern sie auszuhalten.

Der Roman „Sinkende Sterne“ beginnt realistisch wie eine Autobiografie, verschiebt sich dann aber bald ins Surreale, Dunkle und Mythische. Falls eine Schublade aufgemacht werden soll, ist es die des Magischen Realismus. „Sinkende Sterne“ dreht sich um Klimawandel und Naturkatastrophen, Verunsicherung, Selbstsuche und Fragen nach der Identität. Zentral ist das Münchhausen-Trilemma: Es ist zwar unmöglich, einen letzten Grund zu finden, aber die Literatur bietet einen Ausweg:

Literatur stillt unsere Sehnsucht nach Wahrheit, die es nicht gibt.

Der Ich-Erzähler überlegt:

Die Fliege geht der Spinne ins Netz, weil sie die Fäden nicht sehen kann, und die Spinne baut ihr Netz, obwohl sie den Flug der Fliege niemals wahrnimmt. Alle Lebewesen existieren in ihrer eigenen Welt, und doch ist die Wirklichkeit eine gemeinsame. […] Unser Versagen gegenüber der Natur ist eines gegenüber uns selbst und das, was wir Anthropozän nennen, eigentlich der Verlust des Menschen.

Der Titel „Sinkende Sterne“ bezieht sich auf ein Wort von Isabelle Huppert:

Männer sind sinkende Sterne, dachte ich. Isabelle Huppert hat diesen Satz, der mir sofort einleuchtete, vor ein paar Jahren in einem Interview gesagt. […] Männlichkeit ist mit ihrem Sinken untrennbar verbunden, diesem Gemisch aus Gewalt, Sehnsucht und Schuld. Odysseus und Sindbad versanken im Meer. Und ist nicht das, was dieses Sinken hält, die Weise, wie Männliches und Weibliches sich berühren?

Den Roman „Sinkende Sterne“ von Thomas Hettche gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Thomas Sarbacher.

Thomas Hettche wurde 1964 in Treis bei Gießen geboren und wuchs dort auf. Die Bauern- und Handwerkerfamilie seines Vaters war dort seit Generationen ansässig. Die Mutter hatte man 1947 aus der Tschechoslowakei vertrieben. Nach dem Abitur studierte Thomas Hettche von 1984 bis 1991 Germanistik, Filmwissenschaft und Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, und 1999 promovierte er.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2024
Textauszüge: © Verlag Kiepenheuer & Witsch

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