Katajun Amirpur : Gott ist mit den Furchtlosen

Gott ist mit den Furchtlosen

Katajun Amirpur

Gott ist mit den Furchtlosen

Gott ist mit den Furchtlosen Originalausgabe: Verlag Herder, Freiburg i. B. 2003 ISBN: 3-451-05469-8, 160 Seiten, 8.90 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Katajun Amirpur skizziert in "Gott ist mit den Furchtlosen" Entwicklungslinien in der iranischen Gesellschaft seit der Revolution des Ayatollah Khomeini. Sie lehnt Eingriffe von außen ab und zeigt sich überzeugt davon, dass der Iran von innen her demokratisch reformiert werden kann, ohne die enge Bindung an den Islam zu verleugnen.
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Kritik

"Gott ist mit den Furchtlosen" wirkt, als sei das Buch mit heißer Nadel gestrickt. Es liest sich dementsprechend locker, aber der Darstellung fehlt es zugleich an Systematik und Stringenz.

Die aus dem Iran stammende Iranistin Katajun Amirpur (* 1971), die in Bonn und Teheran Islamwissenschaften studierte, skizziert in einem Buch mit dem langen Titel „Gott ist mit den Furchtlosen.

Schirin Ebadi. Die Friedensnobelpreisträgerin und der Kampf um die Zukunft Irans“ Entwicklungslinien in der iranischen Gesellschaft seit der Revolution des Ayatollah Khomeini. Katajun Amirpur bietet ein wenig Zeitgeschichte, Systemanalyse und Gesellschaftskritik. Sie lehnt Eingriffe von außen ab und zeigt sich überzeugt davon, dass der Iran von innen her demokratisch reformiert werden kann, ohne die enge Bindung an den Islam zu verleugnen. Ihre Hoffnung basiert darauf, dass Frauen zunehmend am öffentlichen Leben im Iran teilnehmen und ein breiter Sockel von Jugendlichen heranwächst, die sich nicht auf Dauer mit Elend und Arbeitslosigkeit abfinden werden.

Iran ist ein außerordentlich junges Land. Siebzig Prozent der Iraner sind jünger als dreißig Jahre. Sie verbindet wenig mit der Revolution, sie sehen sich allerdings Arbeitslosigkeit, Korruption und einer ständigen Gängelung im Namen des Islams ausgesetzt. Für diese Jugendlichen gibt es zu wenig Ausbildungsplätze und keine Arbeit. Die Arbeitslosigkeit unter den 15- bis 24-Jährigen beläuft sich auf das Doppelte des nationalen Durchschnitts. Auf der anderen Seite stieg die Alphabetisierungsquote und damit die Möglichkeit, sich Zugang zu politischen Informationen zu verschaffen von 47,5 Prozent 1976 auf 71,4 Prozent im Jahre 1991. (Seite 25)

Die jährliche Inflation liegt offiziell bei 27 Prozent. Rechnet man die verdeckte Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung ein, dann lag die inoffizielle Arbeitslosigkeit 2002 bei 50 Prozent. Sogar die iranische Handelskammer gibt zu, dass 40 Prozent aller Iraner unterhalb der Armutsgrenze leben, ausländische Diplomaten schätzen die Zahl auf über 60 Prozent. 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche gehen nicht in die Schule, weil sie ganztägig arbeiten müssen, um zum Familienunterhalt beizutragen. (Seite 26)

Gegen alle Vorurteile ist festzuhalten: Auch mit Kopftuch stellen iranische Frauen heute ein Drittel aller Arbeitskräfte im Land. Sie werden Abgeordnete, Ärztinnen, Lehrerinnen, Präsidentenberaterinnen und Bürgermeisterinnen – und neuerdings, seit Januar 2003, sogar Polizistinnen. Im Jahr 2002 gab es zum vierten Mal in Folge mehr weibliche (63 Prozent) als männliche Studienanfänger. (Seite 62)

Unverkennbar bewundert Katajun Amirpur die Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi, aber trotz des Untertitels „Gott ist mit den Furchtlosen. Schirin Ebadi. Die Friedensnobelpreisträgerin und der Kampf um die Zukunft Irans“ steht die Menschenrechtlerin nicht im Mittelpunkt des Buches. Wer mehr über Shirin Ebadi erfahren möchte, sollte besser deren Autobiografie „Mein Iran. Ein Leben zwischen Revolution und Hoffnung“ lesen.

„Gott ist mit den Furchtlosen. Schirin Ebadi. Die Friedensnobelpreisträgerin und der Kampf um die Zukunft Irans“ wirkt, als sei das Buch mit heißer Nadel gestrickt. Es liest sich dementsprechend locker, aber der Darstellung fehlt es zugleich an Systematik und Stringenz. Während Katajun Amirpur ausführlich auf das eine oder andere Detail eingeht, streift sie manche essentiellen Zusammenhänge nur oberflächlich. Dem komplexen Thema wird Katajun Amirpur damit nicht gerecht.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008
Textauszüge: © Verlag Herder

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