Jan Costin Wagner : Das Licht in einem dunklen Haus

Das Licht in einem dunklen Haus

Jan Costin Wagner

Das Licht in einem dunklen Haus

Das Licht in einem dunklen Haus Originalausgabe: Galiani / Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2011 ISBN: 978-3-86971-016-7, 311 Seiten, 19.99 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Im September 2010 wird in einem Krankenhaus in Turku eine im Juni mit einem Schädel-Hirn-Trauma eingelieferte, seither im Wachkoma liegende Frau ermordet. Wer sie ist, weiß die Polizei nicht. Bis Dezember werden weitere vier Menschen ermordet, alles Männer aus Karjasaari, zwei 43-Jährige und zwei ältere. Auf einem Foto aus dem Jahr 1985 stehen sie nebeneinander. Im Hintergrund ist eine Frau zu sehen, die damals in Karjasaari als Musiklehrerin eingesprungen war. Was war im Sommer 1985 geschehen?
Weiterlesen

Kritik

"Das Licht in einem dunklen Haus" ist ein literarisch anspruchsvoller Kriminalroman. Jan Costin Wagner erzählt lakonisch und unaufgeregt. Statt auf spektakuläre Effekte setzt er auf leise Töne und eine dichte Atmosphäre.
Weiterlesen

Kimmo Joentaa lebte mit einer Frau ohne Namen in einem Herbst ohne Regen. Das Hoch wurde Magdalena getauft. Die Frau ließ sich Larissa nennen.
Sie kam und ging. Er wusste nicht, woher und wohin.

Kimmo Joentaa ist Kommissar bei der Mordkommission in Turku. Die Geliebte, die ihren richtigen Namen nicht verrät, könnte ihm endlich über den Verlust seiner Ehefrau Sanna hinweghelfen, die vor einigen Jahren an Krebs starb, nachdem sie gerade als Architektin zu arbeiten angefangen hatte. Obwohl er weiß, dass „Larissa“ als Prostituierte anschafft, hat er ihr einen Schlüssel anvertraut, damit sie kommen und gehen kann, wie es ihr beliebt. Joentaa freut sich, wenn er abends vom Dienst kommt und sie in seinem Haus im Dunkeln auf dem Sofa sitzt. Aber am Morgen nach der gemeinsam besuchten Geburtstags-Gartenparty des Polizeichefs, bei der sich herausstellte, dass Larissa den Gastgeber unter dem falschen Vornamen August als Freier kennt, verschwindet sie und bleibt fort.

Während Joentaa vergeblich nach ihr sucht, zwingt ihn der nächste Fall, am 14. September 2010 ausgerechnet die Intensivstation des Krankenhauses in Turku aufzusuchen, in dem seine Frau starb. Alles dort erinnert ihn an Sanna, und es fällt ihm schwer, sich auf die Ermittlungen zu konzentrieren.

Eine Frau zwischen Mitte 40 und Mitte 50, die am 24. Juni mit einem Schädel-Hirn-Trauma in einem Straßengraben gefunden worden war und seither im Wachkoma lag, wurde getötet. Jemand hat ihre Beatmung abgeschaltet. Auf dem Laken findet Kari Niemi, der Leiter der Spurensicherung, Lysozym, also Rückstände von Tränen. Der Mörder scheint geweint zu haben.

Weil die Frau keine Papiere bei sich hatte und es weder eine entsprechende Unfallmeldung noch eine Vermisstenanzeige gibt, weiß die Polizei nicht, um wen es sich handelt. Um Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten, wird ein Foto des Opfers veröffentlicht. Unter den zahlreichen Meldungen, die daraufhin eingehen, fällt Joentaa bei der zweiten Durchsicht im Dezember eine besonders auf: Anita-Liisa Koponen glaubt, in der Toten ihre frühere Klavierlehrerin erkannt zu haben. Allerdings wird die 37-jährige Zeugin wegen einer schweren bipolaren Störung in einer psychiatrischen Klinik in Ristiina behandelt. Joentaa fährt zu ihr. Anita-Liisa Koponen erzählt, die Frau, an deren Namen sie sich nicht mehr erinnern könne, sei im Sommer 1985 an ihrer Schule in Karjasaari ein paar Wochen lang für die erkrankte Musiklehrerin Irmeli Nikola eingesprungen und habe auch deren Klavierstunden übernommen. Als die damals zwölfjährige Anita-Liisa zu ihr ging, öffnete der Freund der Lehrerin die Tür, nahm sie mit ins Wohnzimmer und vergewaltigte sie. Unmittelbar danach verschwanden die Lehrerin und ihr Freund aus Karjasaari. Und Anita-Liisa hat 25 Jahre lang über das traumatische Erlebnis geschwiegen. Joentaa ist der Erste, dem sie davon berichtet.

In der Hoffnung, mehr über die unbekannte Tote in Turku herauszufinden, fährt er nach Karjasaari.

Dort trifft er im Hotel einen Kollegen aus Helsinki, den er kennt: Marko Westerberg. Der ermittelt zusammen mit seinem jungen Mitarbeiter Seppo in zwei Mordfällen:

Am 15. September wurde Kalevi Forsman vom Balkon im 14. Stockwerk eines Hotels in Helsinki gestoßen. Der 43-Jährige hatte zusammen mit seinem Geschäftspartner Samuli Jussilainen eine Software-Firma aufgebaut und zuletzt zwölf Mitarbeiter beschäftigt. Unter der Matratze des Ermordeten stellte die Polizei ein Foto sicher, auf dem zwei Jungen, zwei Männer und im Hintergrund eine Frau zu sehen sind. Einer Notiz auf der Rückseite zufolge stammt die Aufnahme vom 19. August 1985. Kirsti Forsman, die als Anwältin in Hämeenlinna tätige jüngere Schwester des Toten, hatte kaum Kontakt mit ihrem Bruder und sah ihn vor knapp drei Jahren zum letzten Mal. Ihre Vernehmung hilft der Polizei nicht weiter.

Einen Tag nach Kalevi Forsman starb der gleichaltrige zweite Bürgermeister der Gemeinde Auno bei Tammisaari, Markus Happonen. Er wurde von einem Unbekannten, der sich als Journalist ausgegeben hatte, mit drei Schnapsflaschen erschlagen.

Weil sich im Dezember herausstellte, dass sowohl Kalevi Forsman als auch Markus Happonen in Karjasaari aufwuchsen und dort zur Schule gingen, fuhren Westerberg und Seppo dorthin.

Joentaa begleitet seine beiden Kollegen zu einer zweiten Befragung der Eltern des ermordeten Politikers, Joosef und Suoma Happonen. Während Joosef behauptet, auf dem unter der Matratze seines Sohnes gefundenen Foto nicht einmal Markus zu erkennen, sagt seine Frau, bei den beiden Jungen handele es sich um ihren Sohn und dessen Freund Kalevi.

Marlene Oksanen, eine inzwischen 80-jährige Mitarbeiterin der Tageszeitung in Lappeenranta, die seit Jahrzehnten eine Seite mit Lokalnachrichten aus Karjasaari betreut, erkennt in einem der beiden Männer auf dem Bild den früheren Gärtner Jarkko Miettinen. Der 64-jährige, an Demenz und Parkinson erkrankte Rentner lebt in einem Pflegeheim bei Lappeenranta. Als die Kriminalbeamten sich nach ihm erkundigen, erfahren sie, dass er am 13. Dezember starb. Erst bei der Befragung des Pflegepersonals stellt sich heraus, dass zuletzt ein angeblicher Pastor bei ihm war. Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergibt, dass Jarkko Miettinen an einer Pilzvergiftung starb. Offenbar verkleidete sich der Mörder und gab dem dementen Greis etwas zu essen.

In einer alten Abiturzeitung stoßen die Ermittler auf den Namen der Aushilfslehrerin, die im Sommer 1985 für Irmeli Nikola eingesprungen war: Saara Koivula.

Am 16. Dezember sieht Lassi Anttila, der im Einkaufszentrum in Raisio bei Naantali als Kaufhausdetektiv und Gebäudereiniger zugleich beschäftigt ist, sein Bild im Fernsehen. Es handelt sich allerdings nicht um eine aktuelle Aufnahme des 57-Jährigen, sondern um ein 25 Jahre altes Foto. Damals lebte er noch in Karjasaari. Als Anttila begreift, dass er im Zusammenhang mit Mordfällen als Zeuge gesucht wird, wählt er die Notrufnummer und meldet sich. In diesem Augenblick wird er erstochen. Eine Überwachungskamera filmt den Mord. Auch auf den gespeicherten Bildern anderer Überwachungskameras ist der Mörder zu sehen, aber er trägt eine Kapuze, die sein Gesicht verdeckt.

Joentaa, der sich noch in Karjasaari aufhält, erfährt durch einen Anruf seines Kollegen Paavo Sundström von dem neuen Mord und unterrichtet dann auch Westerberg.

Als Joentaa noch einmal nach Ristiina fährt und mit Anita-Liisa Koponen spricht, der es inzwischen sehr viel besser geht, zeigt er ihr das Foto, auf dem die Polizei bereits Kalevi Forsman, Markus Happonen und Jarkko Miettinen identifiziert hat. In der Frau im Hintergrund erkennt sie die Aushilfslehrerin vom Sommer 1985. Auf der Rückseite wird ein „R.“ erwähnt. Damit sei wohl Risto gemeint, vermutet Anita-Liisa Koponen, der Freund der Klavierlehrerin, der sie damals vergewaltigte. Da er nicht mit abgebildet ist, knipste er möglicherweise das Foto. Anita-Liisa Koponen erwähnt auch noch einen Mitschüler, der ebenfalls Klavierstunden nahm: Teuvo Manner war damals, im Sommer 1985, zwölf Jahre alt wie sie.

Aufgrund dieser Information fahndet die Polizei nun nach Teuvo Manner.

Bei einem weiteren Telefongespräch, das Joentaa mit Kirsti Forsman führt, erzählt sie, dass sie 1985 ihren Bruder Kalevi und ihre Mutter Ruut belauscht habe. Sie war noch zu klein, um alles zu verstehen. Aber es ging um etwas Schlimmes, zu dem der Gärtner und ein weiterer Erwachsener, der im Supermarkt putzte, Kalevi und dessen Freund Markus angestiftet hatten. Inzwischen weiß sie, dass es um eine Vergewaltigung ging.

Joentaa ruft auch Joosef Happonen noch einmal an. Der Vater des erschlagenen Politikers kann ungestört reden, weil seine Frau nicht zu Hause ist. Happonen gibt zu, dass sein Sohn ihm 1985 anvertraute, Saara Koivula sei in seinem Beisein von zwei Erwachsenen und einem Mitschüler vergewaltigt worden. Auch der sechs Jahre jüngere Klavierschüler Teuvo Manner sei während der Tat im Haus gewesen. Joosef Happonen setzte auf das Schweigen der Beteiligten und des 12-jährige Zeugen. Nicht einmal seine Frau weihte er ein.

Die Fahndung nach Teuvo Manner bleibt ergebnislos. Seine Spur verliert sich nach seinem Schulabschluss 1991 in Karjasaari. Als seine Mutter 2003 starb, nahm er offenbar nicht an der Beerdigung teil.

Saara Koivula wohnte zuletzt in Helsinki und war auf staatliche Hilfe angewiesen.

Seppo findet heraus, dass der Kapitän des Teams, das am 24. Juli 1985 ein Beach-Volleyballturnier am Strand von Karjasaari gewann, Risto Nygren hieß. Der inzwischen 57-jährige, aus Lappeenranta stammende Finnland-Schwede mit deutschen Wurzeln lebt offenbar von dem Vermögen, das er durch den Verkauf seiner Papierfabrik erwarb. Er ist unverheiratet und besitzt eine Villa bei Turku. Am 24. Juni flog er von Helsinki nach Frankfurt am Main. Dort wohnt er seither in einer Hotelsuite.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Am 25. Dezember fliegen Westerberg und Seppo nach Deutschland. Am Rhein-Main-Airport werden sie von einem deutschen Kollegen abgeholt, der sie zu dem Hotel fährt. Die beiden finnischen Kriminalbeamten treffen Risto Nygren in seiner Suite in der 24. Etage an. Sie fragen ihn nach Teuvo Manner, aber den Namen kennt er nicht. Unvermittelt kommt jemand mit der Bemerkung „Zimmerservice!“ herein – und schneidet Nygren die Kehle durch. Seppo rennt dem Mörder nach, aber der blockierte mit einem Wäschewagen den Lift, und Seppo holt ihn nicht mehr rechtzeitig ein.

Etwa zur gleichen Zeit fährt ein Beamter der Polizeidienststelle in Karjasaari mit Joentaa zu einem Leichenfund in der Nähe des Hauses, in dem Saara Koivula 1985 gewohnt hatte. Der frei laufende Hund eines Spaziergängers stöberte den verwesten Toten auf. Daneben stellt die Polizei einen Schuhkarton sicher, in dem sich ein Schulheft mit dem Titel „Sommer 1985“ und eine Quittung über die Bezahlung von 40 Kopien vom 29. Juni 2010 befindet.

Bei dem Toten handelt es sich um Teuvo Manner. Der Maschinentechniker war jahrelang auf einer Baltikumfähre zur See gefahren. Erst am 27. Juni 2010, drei Tage nachdem man Saara Koivula schwer verletzt im Straßengraben gefunden hatte, kam er zurück nach Finnland. Kurz darauf starb er hier.

In dem hinterlassenen Tagebuch liest Joentaa, was der damals zwölfjährige Teuvo Manner am 19. August 1985 geschrieben hatte. Während seiner Klavierstunde bei Saara Koivula kam deren Freund Risto herein, packte sie bei den Haaren und zerrte sie ins Schlafzimmer. Im Korridor stieß Teuvo auf zwei Männer. (Wir kennen ihre Namen: Jarkko Miettinen und Lassi Anttila.) Dann kam Risto aus dem Schlafzimmer und sagt zu einem der beiden Erwachsenen: „Du bist dran.“ Saara lag mit blutiger Nase und zerrissenem Kleid auf dem Bett. Teuvos ältere Mitschüler Kalevi Forsman und Markus Happonen hielten Saara an den Armen fest, während sie nacheinander von Miettinen und Anttila vergewaltigt wurde. Dann fiel auch Kalevi über sie her. Markus aber schluchzte plötzlich und rannte mit offener Hose ins Freie. Zum Spaß fragte Risto den zwölfjährigen Klavierschüler Teuvo, ob er es auch mal versuchen wolle, aber statt seiner warf Kalevi sich ein zweites Mal auf Saara.

Teuvo Manner wurde nicht ermordet, sondern nahm sich selbst das Leben. Aber wer kopierte das Tagebuch?

Die Auswertung der Aufnahmen der Überwachungskameras an Risto Nygrens Villa bei Turku beweisen, dass ihn Saara Koivula am 23. Juni aufsuchte. Ein paar Stunden später trug er die Bewusstlose zu seinem Auto, packte sie in den Kofferraum und fuhr fort. Am nächsten Tag flog er nach Frankfurt, und man fand die Schwerverletzte in einem Straßengraben.

Eine Spur führt zu Teuvo Manners damaligem Schulfreund Lauri Lemberg. Von der Fluggesellschaft erfahren Westerberg und Seppo, dass Lemberg auf dem Flug von Helsinki nach Frankfurt am 25. Dezember unmittelbar hinter ihnen saß.

Lauri Lemberg ist jetzt 37. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Dozent an der Universität Turku brach er seine Promotion in Biochemie ab und ging als Kellner nach Nordfinnland. Einige Zeit verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs. Zuletzt schrieb er für einen Börsennachrichtendienst. Eigentlich wohnte er in Naantali bei Turku, aber seit dem Unfalltod seines Schwagers im Juni hielt er sich bei seiner Schwester Leea Hankala-Lemberg und ihrem kleinen Sohn Olli in Helsinki auf.

In seinem Büro stellt die Polizei einen Brief Teuvo Manners vom 27. Juni sicher, in dem dieser seinen Selbstmord ankündigte.

Leea findet ein an sie adressiertes Päckchen ihres Bruders. Er werde sie längere Zeit nicht sehen können, schreibt er. Die beigefügten 100 000 Euro in bar solle sie für Olli ausgeben. Er habe es das Geld durch einen Insiderhandel verdient.

Als Leser wissen wir, dass Lauri Lemberg die Vergewaltigung Saara Koivulas durch ein Fenster beobachtet und seinem Freund Teuvo Manner danach geraten hatte, alles aufzuschreiben. Als Teuvo ihm am 27. Juni 2010 schrieb, dass er sich umbringen wolle, fuhr er sofort nach Karjasaari. Aber er kam zu spät: Teuvos Leiche lehnte an einem Baumstamm. Im September erfuhr Lemberg, dass Saara Koivula in einem Krankenhaus in Turku im Koma lag. Nachdem er das Beatmungsgerät abgeschaltet hatte [Sterbehilfe], suchte er nach den Vergewaltigern und ermordete sie einen nach dem anderen: Kalevi Forsman, Markus Happonen, Jarkko Miettinen, Lassi Anttila und zuletzt, vor den Augen der Polizei, Risto Nygren.

Von Frankfurt aus flog er am 25. Dezember mit gefälschten Papieren, die er sich noch in Finnland besorgt hatte, unter dem Namen Araas Aluviok in eine zufällig ausgewählte Stadt.

Als Kimmo Joentaa nach Hause kommt, brennt kein Licht und er nimmt deshalb an, dass Larissa wieder da sei.

Wie viele Tage und Wochen waren vergangen, seit er das Licht eingeschaltet und die Tür verschlossen hatte und nach Karjasaari gefahren war? Er wusste es nicht. Er versuchte, darüber nachzudenken, aber es ging nicht.
Er dachte an den Weihnachtsbaum, die einen Meter hohe Tanne, die Larissa vor genau einem Jahr aus dem Wald in sein Wohnzimmer getragen hatte. Nebeneinander hatten sie gestanden und den Baum betrachtet, und er hatte ein ganz bestimmtes Lächeln auf seinem Gesicht gespürt.
Ein Lächeln, das jetzt, endlich, zurückkehrte.
Er stieg aus und ging den Abhang hinauf auf das Haus zu, das im Dunkel lag.

nach oben

Auf dem Cover des Buches „Das Licht in einem dunklen Haus“ steht nicht „Thriller“, sondern „Roman“. Tatsächlich handelt es sich um einen Kriminalroman mit literarischen Ansprüchen.

„Das Licht in einem dunklen Haus“ ist alles andere als eine heitere Lektüre. Kommissar Kimmo Joentaa trauert um seine verstorbene Frau und sucht vergeblich nach der verschwundenen Geliebten, die ihm hätte helfen können, über den Verlust hinwegzukommen, obwohl sie ihm nicht einmal ihren Namen verriet. Sein Kollege Tuomas Heinonen wird in einer Klinik gegen Spielsucht behandelt, schließt aber noch vom Krankenzimmer aus heimlich Wetten ab, und seine Ehefrau Paulina macht sich deshalb große Sorgen um ihn. Traurig ist offenbar auch der Mörder einer zunächst unbekannten, im Wachkoma liegenden Frau, denn die Polizei stellt auf dem Laken der Toten Rückstände von Tränenflüssigkeit sicher. Erschütternd sind die traumatischen Erlebnisse zwölfjähriger Schülerinnen und Schüler im Jahr 1985. 25 Jahre später sterben deshalb sieben Menschen.

Der Mörder wird hier nicht als Personifikation des Bösen dargestellt. Mehr kann an dieser Stelle nicht dazu gesagt werden, ohne die Auflösung zu verraten.

Das Geschehen in der Gegenwart (2010) wird aus drei Perspektiven dargestellt: aus den Blickwinkeln von zwei Ermittlerteams und des Täters, der eine Art Tagebuch führt. Was 25 Jahre zuvor geschah, erfahren wir durch eingestreute Auszüge aus dem Tagebuch eines Zwölfjährigen vom 29. Juni bis 6. Dezember 1985 und durch die Ermittlungsergebnisse der Polizei.

Jan Costin Wagner erzählt lakonisch und unaufgeregt. Obwohl es in „Das Licht in einem dunklen Haus“ um die Aufklärung einer Mordserie in Finnland geht, verzichtet er auf spektakuläre Effekte und setzt stattdessen auf leise Töne und eine dichte Atmosphäre. Dennoch ist „Das Licht in einem dunklen Haus“ spannend, und die Handlung nimmt unerwartete Wendungen.

Den Roman „Das Licht in einem dunklen Haus“ von Jan Costin Wagner gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Matthias Brandt (Regie: Harald Krewer, Berlin 2011, 360 Min, ISBN 978-3-8398-1124-5).

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012
Textauszüge: © Verlag Kiepenheuer & Witsch

Jan Costin Wagner: Das Schweigen
Jan Costin Wagner: Tage des letzten Schnees
Jan Costin Wagner: Sonnenspiegelung

Doris Stommel-Hesseler - In mir ist Freude
1981 kam Doris Stommel-Hesseler mit Drillingen nieder – zehn Wochen zu früh. Zwei der Kinder starben innerhalb weniger Tage; Björn überlebte – mit einem durch Sauerstoffmangel geschädigten Gehirn. Er wuchs als Schwerst-behinderter in seiner Familie auf.
In mir ist Freude

Doris Stommel-Hesseler

In mir ist Freude

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.