Elizabeth George : Was im Verborgenen ruht

Was im Verborgenen ruht
Something to Hide Viking, Penguin Random House, New York 2022 Was im Verborgenen ruht Ein Inspector-Lynley-Roman Übersetzung: Charlotte Breuer Wilhelm Goldmann Verlag, München 2022 ISBN 978-3-442-31620-5, 797 Seiten ISBN 978-3-641-27379-8 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der 62-jährige Geschäftsmann Abeo Bakole wuchs in Nigeria auf, lebt jedoch seit 40 Jahren in England und ist seit 20 Jahren mit der Nigerianerin Monifa ("Nifa") Bankole verheiratet. Das Ehepaar hat zwei Kinder: den 18-jährigen College-Studenten Tanimola ("Tani") und dessen zehn Jahre jüngere Schwester Simisola ("Simi"). Die Achtjährige soll nun beschnitten werden, obwohl das in England verboten ist. Während der Vater eine traditionelle Beschneiderin beauftragt, wendet sich die Mutter an eine Ärztin ...
mehr erfahren

Kritik

Bei "Was im Verborgenen ruht. Ein Inspector-Lynley-Roman" handelt es sich um Gesellschaftskritik im Gewand eines Kriminalromans. Am krassen Beispiel der aus Nigeria stammenden, in London lebenden Familie Bakole prangert Elizabeth George den Chauvinismus und die Unterjochung von Frauen an. Es ist wichtig, dass die Bestseller-Autorin ein breites Publikum darauf aufmerksam macht, wie grausam – und wie weit verbreitet – die weibliche Genitalverstümmelung ist.
mehr erfahren

Teodora Bontempi

Teodora („Teo“) Bontempi stirbt in einem Londoner Krankenhaus an einer Gehirnblutung. Bei der Obduktion wird ein Schädelbruch festgestellt: Sie wurde erschlagen.

Teos Geburtsname lautete Adaku Obiaka. Zusammen mit ihrer sieben Jahre jüngeren Schwester Rosalba („Rosie“) war sie von dem englischen Ehepaar Cesare und Solange Bontempi aus einem Waisenhaus adoptiert worden. Sie arbeitete bei einer Sondereinheit der Metropolitan Police zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. In den Tagen vor ihrem Tod observierte sie eine verdächtige Arztpraxis im Londoner Stadtteil Hackney und löste dort die vorübergehende Festnahme von zwei Frauen aus: Easter Lange soll die Praxis geführt haben, und Monifa Bankole sagte aus, sie habe die Ärztin wegen Unterleibsschmerzen konsultiert. Obwohl sie ihre achtjährige Tochter Simisola („Simi“) bei sich hatte, konnte die Polizei nicht nachweisen, dass das Kind beschnitten werden sollte. Die beiden Frauen kamen nach kurzer Zeit wieder frei.

Die aus Nigeria stammende Polizistin Teo Bontempi war selbst Opfer einer Infibulation. Einige Wochen vor ihrem Lebensende ließ sie sich von der auf der Isle of Dogs praktizierenden Gynäkologin und Chirurgin Dr. Philippa Weatherall untersuchen, die sich darauf spezialisiert hat, verstümmelte Genitalien von Frauen so weit wie möglich wieder herzustellen.

Seit zwei Jahren lebte Teo getrennt von ihrem Ehemann Ross Carver, der sie schon lange zu einer operativen Rekonstruktion gedrängt hatte, weil der Geschlechtsverkehr für sie unangenehm war. Ross war zuletzt noch bei ihr in der früher gemeinsam genutzten Wohnung, weil sie etwas mit ihm besprechen wollte. Aber dazu kam es nicht mehr, denn er fand sie auf dem Boden liegend vor. Sie hatte sich erbrochen und fühlte sich elend. Ross sagt bei seiner Vernehmung aus, Teo habe ihn davon abgehalten, den Notruf zu wählen. Stattdessen ließ sie sich von ihm zwei Schmerztabletten geben und ins Bett bringen.

Nach ihm war auch noch ihr früherer Vorgesetzter Mark Phinney bei ihr. Er machte sich Sorgen um sie und ließ sich vom Hausmeister die Tür öffnen. Teo lag im Bett und war nicht wach zu kriegen. Deshalb rief er den Notarzt, der sie dann ins Krankenhaus bringen ließ.

Familie Bankole (1)

Bei Abeo Bakole handelt es sich um den 62-jährigen Besitzer eines Supermarkts, einer Metzgerei und eines Fisch-Marktstandes in London. Er wuchs in Nigeria auf, lebt jedoch seit 40 Jahren in England und ist seit 20 Jahren mit der Nigerianerin Monifa („Nifa“) Bankole verheiratet. Das Ehepaar hat zwei Kinder: den 18-jährigen College-Studenten Tanimola („Tani“) und dessen zehn Jahre jüngere Schwester Simisola („Simi“).

Dass Tani eine feste Freundin hat ‒ sie heißt Sophie Franklin ‒, dürfen seine Eltern nicht wissen. Aber er weigert sich offen, die von Abeo für den Preis von sechs Kühen „gekaufte“ 16-jährige Jungfrau Omorinsola in Nigeria zu heiraten.

Er findet heraus, dass sein Vater eine Zweitfamilie hat: die Engländerin Lark hat mit Abeo zwei Kinder – Elton und Davrina – und ist erneut schwanger. Tani glaubt, seinen Vater damit unter Druck setzen zu können, aber seine Mutter weiß längst Bescheid, duldet die Verhältnisse und wäscht sogar für die Zweitfamilie.

Die Eltern wollen Simi beschneiden lassen. Tani ist entsetzt, als er davon erfährt. Monifa hält zwar die Beschneidung für notwendig, will aber, dass der Eingriff unter Narkose von einer Ärztin durchgeführt wird, obwohl das sehr viel teurer ist und sie deshalb heimlich in die Familienkasse greifen muss. Als sie jedoch mit Simi in der Praxis in Hackney ist, wird sie zusammen mit Easter Lange von der Polizei abgeführt und vernommen.

Zufällig wird Tani Zeuge einer Unterredung seines Vaters mit der traditionellen Beschneiderin Chinara („Sarah“) Sani. Er sagt es der Mutter, und die geht zu der Nigerianerin und droht ihr, die Polizei einzuschalten. Abeo kommt dazu, aber die ältere Frau weigert sich nun, den Auftrag auszuführen, weil sie rechtliche Konsequenzen befürchtet. Abeo beschließt deshalb, mit seiner Tochter nach Nigeria zu fliegen und sie dort beschneiden zu lassen.

Während Abeo seine ungehorsame Frau verprügelt, fliehen Tani und Sophie mit Simi und bringen sie ins „Orchid House“, eine von der Nigerianerin Zawadi gegründete und geleitete Hilfseinrichtung für Frauen und Mädchen.

Eine Arztpraxis im Londoner Stadtteil Hackney

Möbelpacker räumen die Praxis in Hackney aus. Easter Lange wird von der Polizei in einem Kaufhaus aufgespürt. Sie ist dort als Verkäuferin angestellt und weiß nichts von einer Arztpraxis. Es stellt sich heraus, dass sich ihre Nichte Mercy Hart als Easter Lange ausgegeben hat.

Bei ihrer Vernehmung im Beisein der Rechtsanwältin Astolat Abbott wehrt sich Mercy Hart gegen den Vorwurf, medizinische Behandlungen – oder sogar Genitalverstümmelungen – ohne ärztliche Ausbildung durchgeführt zu haben. Sie sei in der Praxis nur als Arzthelferin angestellt gewesen und habe lediglich Termine vereinbart und den Patientinnen Formulare übergeben.

Die Ermittlungen lassen vermuten, dass Dr. Philippa Weatherall in der verdächtigen Praxis in Hackney tätig war. Bei der Vernehmung gibt die Ärztin zu, dort ehrenamtlich Patientinnen gynäkologisch beraten zu haben, vor allem illegal in England lebende Frauen. Den Verdacht, sie habe Mädchen genital verstümmelt, weist sie zurück und betont, wie sehr sie sich in ihrer Praxis auf der Isle of Dogs für Betroffene engagiert und alles tut, um die Folgen von Genitalverstümmelungen so weit wie möglich zu beheben.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Zunächst verzichtet Dr. Weatherall auf einen Rechtsbeistand, aber als sie merkt, dass sie nicht nur wegen Female Genital Mutilation (FGM) unter Verdacht steht, sondern darüber hinaus wegen der Ermordung der Polizistin Teodora („Teo“) Bontempi, lässt sie sich eine Pflichtverteidigerin zuweisen: Vivienne Yang.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Teo während ihrer Observation der verdächtigen Praxis in Hackney die Ärztin erkannte, von der sie sich zur Vorbereitung einer rekonstruktiven Operation ihrer Genitalien auf der Isle of Dogs hatte untersuchen lassen. Dr. Weatherall befürchtete, nach der Begegnung aufzufliegen. Sie führte in Hackney gegen Honorar sogenannte medikalisierte Beschneidungen durch, um irreparable Schäden zu verhindern und die Genitalien später in ihrer offiziellen Praxis rekonstruieren zu können. Sie versuchte, Teo in mehreren Telefongesprächen von einer Aufdeckung abzubringen und ging dann zu ihr in die Wohnung. Als die Polizistin ihr jedoch die Tür wies, ergriff sie spontan eine Bronze-Statue und schlug sie damit von hinten nieder. Im nächsten Augenblick hörte sie die Wohnungstüre und versteckte sich in einem Kleiderschrank. Die andere Frau blieb nur kurz und unternahm nichts, um der am Boden Liegenden zu helfen. Dr. Weatherall entfernte sich dann ebenfalls aus der Wohnung.

Weitere Ermittlungen ergeben, dass es sich bei der Frau, die kurz nach dem Zusammenbruch Teos deren Wohnung betrat, um Rosie Bontempi handelte. Warum sie keinen Notarzt anrief? Weil sie von Ross Carter schwanger ist, mit ihm eine Familie gründen möchte und befürchtete, dass er zu seiner Frau zurückkehren könne. Die Ehe war ja noch nicht geschieden.

Der Witwer Ross Carter erklärt jedoch bei einer weiteren Vernehmung, er werde zwar für Rosies Kind ebenso sorgen wie für Colton, sie jedoch nicht heiraten.

Familie Bankole (2)

Während Detective Sergeant Winston Nkata Monifa bei seinen Eltern Alice und Benjamin vor Abeo Bakole versteckt, nehmen die Fotografin Deborah St. James, ihr Ehemann Simon und ihr Vater Joseph Cotter die Geschwister Tani und Simi auf.

Tani wagt sich noch einmal in die Wohnung der Eltern, um die Pässe zu holen und auf diese Weise seinen Vater an einer Reise mit Simi nach Nigeria zu hindern. Aber sie sind nicht mehr da. Schließlich findet er sie bei Abeos Zweitfrau Lark im Tiefkühlschrank.

Abeo hat inzwischen herausgefunden, dass sein Sohn eine Freundin hat und folgt Sophie unbemerkt, als sie Tani die zunächst bei ihr versteckten Pässe bringt. Als Abeo auftaucht, ist zum Glück DS Winston Nkata da. Er überwältigt Abeo, legt ihm Handschellen an und lässt ihn von Kollegen wegbringen.

Monifa wird sich von Abeo scheiden lassen und den Lebensunterhalt für sich, Tani und Simi durch Kochen in Alice Nkatas Café verdienen.

 

Personenverzeichnis zu „Was im Verborgenen ruht“

Metropolitan Police

Lord Thomas Lynley, 8. Earl of Asherton: Detective Superintendent bei der Metropolitan Police, vertritt als Acting Detective Chief Superintendent seine Vorgesetzte Isabelle Ardery, die acht Wochen in einer Entzugsklinik auf der Isle of Wright verbringt; seine schwangere Ehefrau Lady Helen Clyde wurde vor der Haustür erschossen; schwierige Liebesbeziehung mit Daidre Trahair

Isabelle Ardery: Detective Chief Superintendent beim Criminal Investigation Department der Metropolitan Police, Vorgesetzte von Thomas Lynley und Barbara Havers

Barbara Havers: Detective Sergeant

Sir David Hillier: Assistant Commissioner der Metropolitan Police

Stephenson Deacon: Chef der Presseabteilung der Metropolitan Police

Mark („Boyko“) Phinney: Detective Chief Superintendent, Ehemann von Pietra Phinney und Vater von Lilybet

Winston Nkata: Detective Sergeant, in England geborener Sohn von Alice und Benjamin Nkata

Teodora („Teo“) Bontempi, geborene Adaku Obiaka: zusammen mit ihrer 7 Jahre jüngeren Schwester Rosalba von Cesare und Solange Bontempi aus einem Waisenhaus adoptierte Nigerianerin, lebt seit zwei Jahren getrennt von ihrem Ehemann Ross Carver, Detective Sergeant bei einer Sondereinheit zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen

Jade Hopwood: Detective Sergeant, Nachfolgerin von Teodora Bontempi in der Einheit von Mark Phinney

Judi MacIntosh: Sir David Hilliers Sekretärin

Dorothea Harriman: Abteilungssekretärin bei der Metropolitan Police

Marjorie Lee: digitale Forensikerin

Salvatore Lo Bianco: Inspector der Polizei in Lucca, seit Anfang Juli in England

June Taylor: Polizistin

Familie Bakole

Abeo Bakole: 62-jähriger Besitzer eines Supermarkts, einer Metzgerei und eines Fisch-Marktstandes in London, in Nigeria aufgewachsen, seit 40 Jahren in England, Ehemann von Monifa, Vater von Tanimola und Simisola; Zweitfamilie, bestehend aus der hochschwangeren Engländerin Lark und den beiden Kindern Elton und Davrina

Monifa („Nifa“) Bakole: seit 20 Jahren mit Abeo verheiratete Nigerianerin, Mutter von Tanimola und Simisola

Tanimola („Tani“) Bakole: 18-jähriger Sohn von Abeo und Monifa, College-Student, will an der Universität Wirtschaftswissenschaften studieren

Simisola („Simi“) Bakole: 8-jährige Schwester von Tanimola

Weitere Personen

Astolat Abbott: Rechtsanwältin, berät Mercy Hart

Boluwatife („Bolu“) Akin: durch künstliche Befruchtung gezeugte Tochter von Charles Akin und Aubrey Hamilton, entführt und vor den Eltern versteckt, weil befürchtet wurde, dass sie beschnitten werden sollte

Charles Akin: Vater von Boluwatife, Rechtsanwalt, stammt aus Nigeria, hieß dort Chimaobi Akinjide

Bliss: Frisörin bei „Xhosa’s Beauty“

Cesare Bontempi: Adoptivvater von Teodora und Rosalba, leitet eine Veterinärklinik bei Reading

Rosalba („Rosie“) Bontempi: Teodoras sieben Jahre jüngere Schwester, schwanger von ihrem Schwager Ross Carver

Solange Bontempi: Adoptivmutter von Teodora und Rosalba, Privatpilotin

Narissa Cameron: schwarze Dokumentarfilmerin

Ross Carver: Statiker, Vater des unehelich geborenen Sohnes Colton, Ehemann von Teodora Bontempi

Joseph Cotter: Deborah St. James‘ Vater

Charlie Denton: Lord Thomas Lynleys Butler

Sophie Franklin: College-Studentin, Freundin von Tani Bakole, Tochter einer Ernährungsberaterin und eines Informatikers, hat zwei ältere Brüder und eine jüngere Schwester

Dr. Aubrey Hamilton: Mutter von Boluwatife, englische Anästhesie-Ärztin

Mercy Hart: Mutter von drei Kindern, Arzthelferin und Krankenschwester, die sich als Easter Lange ausgibt

Easter Lange: weiße Kaufhaus-Verkäuferin, Tante von Mercy Hart

Lark: Zweitfrau von Abeo Bakole

Leylo und Yasir: in Deptford wohnendes Ehepaar, Leylo wurde im Alter von 16 Jahren beschnitten und wäre bei einer Totgeburt beinahe gestorben, mit Mitte 30 lässt sie sich von Dr. Philippa Weatherall operieren; Yasir ist zehn Jahre älter als sie

Neda: Geschäftspartnerin der Galeristin Padma in Peckham

Blessing Neube: Künstlerin in Zimbabwe

Alice Nkata: aus Jamaika stammende Mutter von Winston („Jewel“) und Harold („Stoney“)

Benjamin Nkata: aus Afrika stammender Vater von Winston, Busfahrer

Omorinsola: 16-jährige Jungfrau in Nigeria, die Abeo Bankole mit seinem Sohn verheiraten möchte

Floss Phinney: Mutter von Mark und Paulie Phinney

Paulie Phinney: Ehemann von Eileen, hat eines seiner beiden Pfandhäuser seinem Schwager Stuart anvertraut

Pietra („Pete“) Phinney: Ehefrau von Mark und Mutter der zehnjährigen Lilybet, deren Organe beim Kaiserschnitt im fünften Schwangerschaftsmonat noch nicht voll entwickelt waren und die deshalb schwer behindert ist

Robertson: 71-jähriger Pfleger von Lilybet Phinney

Chinara (Sarah“) Sani: Beschneiderin

Dominique Shaw: Staatssekretärin im Bildungsministerium

Deborah St. James, geb. Cotter: weiße Fotografin, Tochter von Joseph Cotter, war früher mit Lord Thomas Lynley verlobt

Simon St. James: Ehemann von Deborah, Gerichtsmediziner

Telyn: gebar im Alter von 15 Jahren den von Ross Carver gezeugten Sohn Colton, inzwischen mit Kieran glücklich verheiratet

Lim Tijani: 12 Jahre alte Freundin von Simisola Bakole, Tochter nigerianischer Eltern, leidet nach der Genitalverstümmelung unter unerträglichen Schmerzen und erhängt sich

Halimah Tijani: Lims Mutter

Tiombe: Frisörin bei „Xhosa’s Beauty“

Daidre Trahair, geb. Edrek Udy: Tierärztin, hat ihre jüngeren Geschwister Goron und Gwynder, die bisher beim Vater im Wohnwagen hausten, in ihrem Cottage in Polcare Cove an der Westküste von Cornwall untergebracht; schwierige Beziehung mit Thomas Lynley

Dr. Philippa Weatherall: Gynäkologin und Chirurgin, Privathaus auf Eel Pie Island, Praxis auf der Isle of Dogs

Vivienne Yang: Rechtsanwältin, Pflichtverteidigerin von Dr. Philippa Weatherall

Zawadi: alleinerziehende Mutter des zwölfjährigen Sohnes Ned, Gründerin und Leiterin der Hilfseinrichtung „Orchid House“

nach oben (zur Kritik bzw. Inhaltsangabe)

Bei „Was im Verborgenen ruht“ handelt es sich um Gesellschaftskritik im Gewand eines Kriminalromans. Am krassen Beispiel der aus Nigeria stammenden, in London lebenden Familie Bakole prangert Elizabeth George den Chauvinismus und die Unterjochung von Frauen an.

Im Mittelpunkt steht die in Nigeria und Somalia, aber auch in anderen Gebieten Afrikas, des Mittleren Ostens und des Maghreb nach wie vor weit verbreitete Genitalverstümmelung der Mädchen (Female Genital Mutilation, FGM), die in England zwar verboten ist, aber auch dort im Verborgenen praktiziert wird, sowohl von traditionellen Beschneiderinnen als auch von Ärztinnen („medikalisierte“ Beschneidungen). Dabei werden erogene Zonen des weiblichen Genitals – die Klitoriseichel und die inneren Schamlippen (Labia minora) – mehr oder weniger stark beschnitten oder ganz entfernt (Sunna, Klitoridektomie, Exzision).

Geschlechtsreife Mädchen, die nicht genitalverstümmelt sind, gelten als unsauber und wertlos auf dem Heiratsmarkt. Die Beschneidung soll die für sündhaft gehaltene sexuelle Erregung der Frau beim Koitus verhindern. Tatsächlich ist der Geschlechtsverkehr für eine Frau mit Genitalverstümmelung und Infibulation nicht lustvoll, sondern schmerzhaft. Außerdem können beispielsweise durch eine erhöhte Infektionsgefahr gesundheitliche Komplikationen auftreten.

Elizabeth George erwähnt in ihrem Roman „Was im Verborgenen ruht“ auch, dass eine Ärztin (Dr. Philippa Weatherall), die verstümmelte Genitalien operativ rekonstruiert, eine Spezialausbildung in Frankreich absolviert hat. Tatsächlich gilt der ungarisch-stämmige Arzt Pierre Foldès (*1951) in Paris als Pionier der Rekonstruktion verstümmelter weiblicher Genitalien (Hubert Prolongeau: Victoire sur l’excision. Pierre Foldès, le chirurgien qui redonne l’espoir aux femmes mutilées, 2006).

Es ist wichtig, dass die Bestseller-Autorin Elizabeth George ein breites Publikum darauf aufmerksam macht, wie grausam – und wie weit verbreitet – die weibliche Genitalverstümmelung ist.

Im ersten Kapitel („21. Juli“) ihres Romans „Was im Verborgenen ruht“ beginnt Elizabeth George nacheinander vier Handlungsstränge, deren Zusammenhang sich erst im weiteren Verlauf der Lektüre erschließt. Auch die Anzahl der Romanfiguren (siehe Inhaltsangabe) erschwert es den Leserinnen und Lesern anfangs, sich eine Übersicht zu verschaffen.

Auf fast 800 Seiten entwickelt die amerikanische Schriftstellerin Elizabeth George (*1949) mit großem Einfallsreichtum ein komplexes Handlungs- und Beziehungsgefüge mit zahlreichen Wendungen. Trotz einiger Längen bietet sie mit „Was im Verborgenen ruht“ eine spannende Lektüre zu einem bedeutsamen Thema.

Der Untertitel lautet „Ein Inspector-Lynley-Roman“. Tatsächlich handelt es sich bei „Was im Verborgenen ruht“ um den 22. Band der 1988 mit „A Great Deliverance“ („Gott schütze dieses Haus“, 1989) begonnenen, in England spielenden Romanreihe über den aristokratischen Ermittler Lord Thomas Lynley und seine aus einfachen Verhältnissen stammende Kollegin Barbara Havers.

Im Vergleich zu früheren Bänden der Romanreihe, in denen Elizabeth George der privaten Geschichte Inspector Lynleys breiten Raum eingeräumt hat, beschäftigt sie sich in „Was im Verborgenen ruht“ weniger mit ihm und seiner komplizierten Beziehung mit Daidre Trahair. Stattdessen dreht sich die Handlung vor allem um die Familie Bakole.

Den Roman „Was im Verborgenen ruht. Ein Inspector-Lynley-Roman“ von Elizabeth George gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Stefan Wilkening.

nach oben (zur Kritik bzw. Inhaltsangabe)

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2022

Female Genital Mutilation (FGM)

Wolf Wondratschek - Mozarts Friseur
"Mozarts Friseur" ist eine schräge, humorvolle Milieustudie in einer ironisch funkelnden, virtuosen Sprache.
Mozarts Friseur