Grete Hartwig-Manschinger : Rendezvous in Manhattan

Rendezvous in Manhattan
Rendezvous in Manhattan Amerikanischer Roman Originalausgabe Verlag Rudolf Cerny, Wien 1948 Neuausgabe Hg. und Nachwort: Vojin Saša Vukadinović DVB Verlag Das vergessene Buch, Wien 2021 ISBN 978-3-903244-19-1, 285 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die 22-jährige Akkordarbeiterin Edna Scarlatti begegnet 1941 zufällig dem sieben Jahre älteren Ingenieur Ray Garguin. Obwohl dessen Mutter über die Messaliance entsetzt ist, heiraten die beiden nach ein paar Monaten angesichts der bevorstehenden Einberufung Rays. 1944 erhält Agnes Garguin die Nachricht, dass ihr Sohn in Europa gefallen sei. Edna wird nun die Ehefrau eines perversen Arztes. Aber 1945 stellt sich heraus, dass Ray in einem deutschen Kriegsgefangenenlager überlebte ...
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Kritik

Grete Hartwig-Manschinger beschäftigt sich in ihrem Roman "Rendezvous in Manhattan" kritisch mit der US-amerikanischen Gesellschaft in den Vierzigerjahren. Die Handlung dreht sich um eine Aschenbrödel-Geschichte, die mit dem american dream von ungehinderten Aufstiegsmöglichkeiten korrespondiert. Sie streut nachdenkliche Passagen ein, tut das aber so geschickt, dass die linear-chronologisch entwickelte Handlung mitreißend bleibt.
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Edna Scarlatti

Edna Scarlatti wuchs mit ihrer jüngeren und frecheren Schwester Mona in der Mercer Street in Manhattan auf.

Die Nachbarn waren auch arm; die ganze Mercer Street; das ganze Viertel. Die Häuser sahen alle gleich aus, schmutzig, vernachlässigt, dunkel; kein fließendes Wasser, keine Heizkörper; hier existierten die technischen Errungenschaften nicht, für deren Erfindung und Installierung Amerika berühmt war.

Die Mutter stammt aus Irland, der Vater aus Italien. Die Mutter liegt oft wegen eines Frauenleidens im Bett, und weil der Vater meistens betrunken ist und nicht einmal seinen Job als Aushilfskellner ausüben kann, hängt die ganze Familie von Ednas Einkommen ab.

Sie arbeitet im Akkord bei „Sweetface“, einer Kosmetikfabrik in der Canal Street. Flora, die Kollegin, die am längsten dort beschäftigt ist, wird von der Vorarbeiterin Miss Swab protegiert. Als einmal für die Gewerkschaft geworben wurde, hinterbrachte Flora es dem Chef, der daraufhin die Rädelsführerin hinauswarf. „Sweetface“ ist nach wie vor nicht gewerkschaftlich organisiert.

Der Sohn des Chefs packt Edna eines Tages in einer Lagerecke, und als sie sich sträubt, bietet er ihr 10 Dollar, aber sie reißt sich los und rennt weg.

Er war der junge Chef; ungestraft durfte er sie belästigen. Wo sollte sie sich beschweren? Niemand würde ihr Glauben schenken. Sie würde auch noch den Posten verlieren. Sie war hilflos, schutzlos, ein armes Arbeitermädel.

Das mit zahlreichen Überstunden zusätzlich verdiente Geld hat Edna seit einem Jahr für eine Woche unbezahlten Urlaub gespart. Ende August 1941 bezieht die 22-Jährige ein Zimmer in der Dependance des Hotels „Seeblick“ am Greenwood-See zwischen New York und New Jersey.

Raymond Ernest Garguin

Der 29-jährige Ingenieur Raymond („Ray“) Ernest Garguin wohnt noch zu Hause bei seinen Eltern in der Villa Agnes am Greenwood-See. Die Mutter stammt aus England, der Vater aus Frankreich. Mit zur Familie gehört auch Rays ältliche Cousine Sybille, von der erwartet wird, dass sie die Hausarbeit erledigt.

Seit sechs Jahren steht Ray in einem Ingenieurbüro in New York am Zeichentisch. Seinen dreiwöchigen Urlaub im Sommer 1941 verbringt er zu Hause, mit Freundinnen und Kollegen wie Bill Ferber und Charlie Sweppenbach. Seine ersten sexuellen Erfahrungen sammelte er in einer drei Monate dauernden Affäre mit einer mehr als zehn Jahre älteren Frau, deren Ehemann auf einer Geschäftsreise war.

Zufällig trifft Ray seine frühere Schulfreundin Tessie, die ihn mit Edna bekanntmacht. Die beiden Frauen haben sich beim Frühstück im Hotel „Seeblick“ kennengelernt. Tessie wohnt allerdings im komfortablen Hauptgebäude. Sie langweilt sich, findet das Essen schlecht und hat an allem etwas auszusetzen. Deshalb ist sie froh, dass Ray sie und Edna kurzerhand mit nach Hause nimmt.

Seine Mutter Agnes denkt beim Anblick Ednas:

Das war ja ein ganz verschrecktes Kind. So schüchtern. Sie musste dumm sein. Sie sagte „bitte“ oder „danke“, und Tischmanieren hatte sie überhaupt keine.

Rendezvous in New York

Als  Edna am letzten Tag ihres Urlaubs Ray erneut über den Weg läuft, lädt er sie zu einer Bootsfahrt ein. Ihre armselige Kleidung hält er für eine Marotte. Er vermutet, dass sie in einem Büro beschäftigt ist. Weil jedoch ihre Hände so derb wie die einer Fabrikarbeiterin sind, könnte er sich vorstellen, dass sie Bildhauerin ist. Auf seine Frage lügt Edna und behauptet, sie sei bei einem Arzt als Empfangsdame angestellt. Und als er sie am nächsten Tag mit seinem Auto nach New York bringt, gibt sie eine Adresse in der Christopher Street in Greenwich Village an.

„Wo sehen wir einander heute in acht Tagen? Ja, schau mich nicht so erstaunt an. Ich bin nächsten Sonntag in New ‚York und bitte um ein Rendezvous in Manhattan. Ist das so ungewöhnlich?“

Edna und Ray

Als Ray zwei Monate lang nichts von Edna hört, fragt er in dem Mietshaus in der Christopher Street nach ihr, in das er sie hineingehen sah, aber der Portier versichert ihm, dass dort niemand mit dem Namen Scarlatti wohnt.

Nachdem die Japaner am 7. Dezember 1941 die in Pearl Harbor im Hawaii-Territorium vor Anker liegende Pazifikflotte der USA angriffen und die Achsenmächte Italien und Deutschland vier Tage später den USA den Krieg erklärten, muss auch Ray zur Musterung. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er eingezogen wird.

Da steht Edna unerwartet in der Tür der Villa Agnes am Greenwood-See. Sie ertrug den Gedanken nicht, ihn wegen des Kriegs nie mehr zu sehen und beichtet ihm nun alles.

Sie zu retten oder fallen zu lassen, war in seine Hand gegeben. Er war in einer seelischen Situation wie nie zuvor.

Er genoss die schöpferische Befriedigung, einen Menschen zu formen. Er erlebte die heldenhafte Lust, ein schwaches Weib emporzuheben zu den sieghaften Pfaden eines starken Mannes. Er badete in Ednas Anbetung.

Rays Mutter ist über die Mesalliance entsetzt. Aber am 2. Februar 1942 heiraten die beiden auf dem Standesamt, und Ray zieht mit seiner frisch angetrauten Frau in ein Zimmer in einem Mietshaus in New York. In der Hochzeitsnacht schreckt Edna vor ihm zurück, weil sie an den Vergewaltigungsversuch in der Kosmetikfabrik denkt.

Konnte man sich denn nie befreien aus der Knechtschaft der Gosse? Würden denn Schmutz und Erniedrigung in der Erinnerung ewig mit ihr sein? War man denn für den Rest seines Lebens mit Scheußlichkeit behaftet, so sehr man auch trachtete, herauszukommen aus dem Morast der sozialen Niederungen? War denn das Edle und Schöne, das Ideale und Reine für sie unerreichbar? Blieb sie ihr ganzes Leben die Tochter der Verelendeten und des Trinkers? Das arme Mädel, an dem jeder sich ungestraft die Schuhe abputzen durfte? War sie denn verfemt? War sie so verdreckt, dass sogar die Liebe für sie nur aussah wie Brunst? Etwas Tierisches, Gemeines, Niedriges?

Ray bemerkt erstaunt, dass Edna kochen kann und nicht nur Konservenbüchsen öffnen, wie die Ehefrauen seiner Freunde.

Als Edna nach ihrer Hochzeit und zwei Wochen unbezahltem Urlaub an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt, erfährt sie, dass man inzwischen eine andere Frau an ihrer Stelle eingestellt hat. Daraufhin findet sie einen besser bezahlten Job in einer Papierfabrik.

Rays Vater wird auf dem Weg zum Bäcker von LKW überfahren und stirbt im Fordham Hospital. Die Witwe Agnes Garguin, der die Einkommen der beiden Männer fehlen, wohnt nun in der Bronx und muss arbeiten. Sybille zieht nach Washington, wo sie sich erfolgreich für eine Bürotätigkeit beworben hat. Ray zieht daraufhin mit Edna zu seiner Mutter, um das Geld für die Zimmermiete zu sparen.

Krieg

Am 10. Mai 1942 erhält Ray seine Einberufung und muss sich in einem Schulungslager in New Jersey melden. Nach der Grundausbildung wird er in ein Militärlager im Mittleren Westen versetzt, wo es erlaubt ist, Ehefrauen und Kinder mitzubringen. Aber bald darauf muss er nach England in den Krieg, und Edna bleibt am Flughafen von Chicago allein zurück.

Sie quartiert sich wieder bei ihrer Familie in der Mercer Street ein.

In der Bevölkerung sind viele der Meinung, die USA sollten sich besser aus dem Krieg in Europa heraushalten.

Die Japaner sollte man natürlich ausrotten, das war ja sowieso ein gelbes, minderwertiges Volk, aber wozu musste man denn so viele Truppen und Schiffe nach Europa senden? Dort hätten wir doch nichts verloren. Nazideutschland war doch für uns keine Gefahr, die wollten nichts von uns. Wir sollten lieber von ihnen lernen, wie man lästige Minoritäten behandelt.

Anne, eine mit Edna befreundete frühere Kollegin bei „Sweetface“, erzählt:

„Ich habe eine Kusine, die ist verlobt. Ihr Bräutigam ist in Island stationiert. Nun hat er mit einer Einheimischen ein Verhältnis. Was sagst du dazu? Wenn die Männer einmal ein paar Monate ausgehungert sind, dann graust ihnen vor gar nichts mehr.“

Mona erklärt ihrer älteren Schwester, sie wolle die blöde Schule abschließen, sich dann aber nach einer Bürotätigkeit umsehen, die es ihr ermöglicht, sich einen jungen Chef zu angeln – und das soll dann lediglich ein Sprungbrett für einen weiteren Aufstieg in der Gesellschaft sein.

Kurz darauf klingelt ein Polizist. Weil der Vater nicht da und die Mutter krank ist, lässt Edna sich von ihm zu dem Jugendrichter bringen, der über eine Gruppe von Mädchen zu urteilen hat, die bei einem tödlich endenden Streit in einem Bordell dabei waren. Die 13 Jahre alte Mona ist eines der Mädchen. Sie gesteht ihrer Schwester, dass sie und ihre Freundinnen sich schon des Öfteren am Times Square von Matrosen oder Soldaten ansprechen und auf ein Gefrorenes einladen ließen. Für ein paar Dollar zogen sie sich auch vor den Männern aus, aber mehr war da nicht. Mona kommt mit einem Jahr in einer Besserungsanstalt davon.

Kurz nach dem Beginn der Invasion der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 erhält Agnes Garguin ein Telegramm aus Washington mit der Nachricht, dass ihr Sohn Raymond Ernest Garguin gefallen sei.

In der Trauer um Ray kommen sich die beiden grundverschiedenen Frauen näher. Während der Woche arbeiten beide, aber samstags und sonntags verabreden sie sich.

Als Agnes in ihrer Wohnung einen Herzanfall erleidet, ist Edna bei ihr zu Besuch. Vergeblich versucht sie, telefonisch einen Arzt zu rufen. Im Treppenhaus stößt sie auf eine Gruppe von Gästen eines Nachbarn, die sich gerade verabschiedet haben und am Aufzug warten. Einer von ihnen ist zufällig Arzt und kümmert sich um Agnes Garguin.

Edna und Dr. Connawer

Dr. William („Bill“) Charles Connawer schaut auch in den nächsten Tagen vorbei, obwohl sich die Patientin bereits besser fühlt. Dabei geht es dem 57 Jahre alten Mann um Edna. Am 16. November 1944 heiratet er die 25-Jährige.

Er liebte sie nicht. Er wollte ihren Körper haben. Er hatte sie geheiratet, weil er in seinem Alter anstrengender Verhältnisse müde geworden war.

Um seiner Angetrauten Schliff und Umfangsformen beizubringen, stellt Bill Connawer die Anstandsdame Mrs Lindsay ein, die von der Überlegenheit der US-amerikanischen Gesellschaft überzeugt ist.

„Ach, das rückständige Europa! Die sind eben nicht so weit entwickelt wie wir.“

Bigamie

Kurz nachdem Ednas Mutter im Frühjahr 1945 gestorben ist – sie war noch keine 50 Jahre alt –, erhält Agnes Garguin ein Telegramm vom Kriegsministerium, in dem ihr mitgeteilt wird, dass ihr Sohn lebt und unter den Kriegsgefangenen in einem von den Alliierten befreiten Lager war. Die Deutschen hatten Ray nach der Schlacht um Saint-Lô im Sommer 1944 gefangen genommen.

Edna lebt also ungewollt in Bigamie.

Ray kehrt ausgezehrt nach New York zurück und erfährt, dass man ihn für tot hielt. Als Edna ihm von ihrer zweiten Eheschließung berichtet, wirft er ihr vor, damit nicht einmal ein halbes Jahr lang gewartet zu haben. Er wolle die Scheidung, erklärt er und wirft sie hinaus.

Seine Mutter ist nun doch froh, dass Edna aus dem Spiel ist und sie ihren Sohn allein aufpäppeln kann. Insgeheim malt sie sich allerdings aus, dass Ednas zweiter Ehemann stirbt und die Witwe dann mit einer großen Erbschaft zu Ray zurückkehrt.

Bill Connawer geht davon aus, dass Edna nicht auf den Luxus verzichten werde, den er ihr bietet. Er will die Verhältnisse von seinem Rechtsanwalt klären lassen und quartiert Edna vorsichtshalber im Hotel Waldorf Astoria ein.

Am nächsten Tag geht Edna zu Ray, der allein zu Hause ist, weil seine Mutter arbeitet. Sie versucht, ihm ihr Verhalten zu erklären, aber er ist verbittert, und als sie meint, er könne sie nicht für die schlimmen Kriegserlebnisse verantwortlich machen, hält er ihr vor, auch nichts zur Verhinderung des Kriegs getan zu haben.

„Was hätte ich tun können? Ich, ein Niemand?“
„Wenn die Niemande nur ein Interesse gehabt hätten an den Vorgängen in der Welt, dann hätte das Weltgewissen nicht so ruhig schlafen können. Aber du und ich und wir alle dachten, was geht es denn uns an, wenn Minoritäten versklavt werden, Jugend ermordet, Kinder vergast, irgendwo, das ist nicht unsere Sache, das ist weit weg, Konzentrationslager sind eine innerdeutsche Angelegenheit […]. Und wir machten noch Geschäfte mit Nazideutschland, wir sagten kein Wort, als Lindbergh und Konsorten ihre Sympathien für das Regime offen kund taten, wir Niemande schwiegen.“

„Unsere Staatsmänner sind wirtschaftliche Isolationisten, wir sind seelische. Wir denken nur an unser persönliches Glück und glauben, es ist unabhängig von dem, was in der Welt vorgeht. Wir sind nicht reif für unsern eigenen technischen Fortschritt. Unsere Flugzeuge bringen uns in wenigen Stunden an einen andern Kontinent, sobald wir aber dort sind, sagen wir: das geht uns gar nichts an. Die Welt schrumpft zusammen und wir haben noch nicht gelernt, wie man mit den andern zusammenlebt […]. Wir sind so dumm und unerzogen, dass wir, während des Nachbars Haus brennt, die ‚Decke über unsern Kopf ziehen und befriedigt sagen: es ist ja nicht mein Haus. Wenn uns schon unsere angebliche christliche Nächstenliebe nicht veranlasst, hinauszustürzen, um löschen zu helfen, dann sollten wir wenigstens Verstand genug haben, um zu argwöhnen, das Feuer könnte auf unser Haus übergreifen. Unser kindischer, gieriger Egoismus wird uns noch teuer zu stehen kommen.“

Edna begreift, dass Ray nicht gewillt ist, ihr zu verzeihen. Um im Hotel endlich schlafen zu können, schluckt sie Veronal.

Man bringt sie ins Krankenhaus, wo die Ärzte drei Tage lang bezweifeln, dass sie die Vergiftung überleben wird.

Ray liest davon in der Zeitung. Er eilt ins Krankenhaus und erklärt Edna, dass er sich nun doch für eine Annullierung ihrer zweiten Ehe einsetzen werde.

„Werde nur gesund! Und dann werden wir, du und ich und unsere Kinder diese Welt neu aufbauen.“

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Grete Hartwig-Manschinger beschäftigt sich in ihrem Roman „Rendezvous in Manhattan“ kritisch mit der US-amerikanischen Gesellschaft in den Vierzigerjahren. Die Handlung dreht sich um eine Aschenbrödel-Geschichte, die mit dem american dream von ungehinderten Aufstiegsmöglichkeiten korrespondiert. Mrs Lindsay ist von der Überlegenheit der US-amerikanischen Gesellschaft überzeugt, aber Grete Hartwig-Manschinger zeigt den krassen Gegensatz zwischen dem Alltag von Angehörigen des Proletariats und der Mittelschicht. Sie veranschaulicht nicht nur die Ausbeutung der Akkordarbeiterinnen, sondern auch das Streben nach Konsum, vorzeigbaren Anschaffungen und Freizeitvergnügungen. Es geht um Vorurteile, aber das Thema Rassendiskriminierung in den USA wird allenfalls gestreift.

Grete Hartwig-Manschinger streut nachdenkliche und gesellschaftskritische Passagen ein, tut das aber so geschickt, dass die linear-chronologisch und fast ausschließlich aus der Perspektive der Protagonistin Edna entwickelte Handlung mitreißend bleibt.

Der Herausgeber Vojin Saša Vukadinović hat sprachliche Eigenheiten der Autorin Grete Hartwig-Manschinger in „Rendezvous in Manhattan“ absichtlich beibehalten, auch wenn es sich streng genommen um Grammatikfehler handelt. Amüsant ist das, wenn Ray in Manhattan einen „D-Zug“ nimmt, aber selbstverständlich keinen Schnellzug, sondern die Subway Linie D von Harlem nach Coney Island.

Er musste den Park durchqueren, und zur 125. Straße hinunter nach Harlem gehen. Von dort aus konnte er den D-Zug nehmen; das war die beste Verbindung.

Obwohl das N-Wort inzwischen als rassistisch verpönt ist, bleibt es in „Rendezvous in Manhattan“ stehen.

Wir verdanken es Albert C. Eibl und seinem DVB Verlag (Verlag Das vergessene Buch), dass der Roman „Rendezvous in Manhattan“ von Grete Hartwig-Manschinger wieder verfügbar ist.

Margarethe („Grete“) wurde am 19. April 1899 in Wien als jüngere Tochter des Soziologen Theodor Hartwig (Herzl) und seiner Frau Catharina („Käthe“) geboren. Der Vater, der vom Judentum zur katholischen Konfession konvertiert war, verließ die Familie. Grete studierte nach der Matura Gesang und Tanz, denn sie wollte Sängerin oder Schauspielerin werden.

1929 heiratete sie den drei Jahre jüngeren Komponisten Kurt Manschinger (1902 – 1968). Nach dem „Anschluss“ Österreichs floh das Paar 1938 in die Tschechoslowakei, wo Gretes Vater Theodor Hartwig von Berta Skribany, seiner dritten Ehefrau, in Brünn (Brno) vor den Nationalsozialisten versteckt wurde. Bei der Weiterreise trafen Grete Hartwig-Manschinger und ihr Mann in England Melanie („Mela“) und Robert Spira (1893 – 1967; 1888 – 1967) wieder. Mela war Gretes ältere Schwester, der jüdische Rechtsanwalt Robert Spira ihr Schwager. Die beiden waren ebenfalls emigriert. Als am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg begann, wurden Kurt Manschinger und Robert Spira als enemy aliens auf der Isle of Man interniert, aber 1940 konnten Grete Hartwig-Manschinger und ihr Mann nach Boston und von dort weiter nach New York reisen (wo der Komponist das Pseudonym Ashley Vernon wählte).

Nach dem Krieg blieben Mela und Robert Spira mit Käthe Hartwig in London, Theodor Hartwig und Berta Skribany in Brünn, Grete Hartwig-Manschinger und Kurt Manschinger in New York.

Käthe Hartwig starb am 18. April 1956, ihr Ex-Mann Theodor am 5. Februar 1958. Das Leben der Schauspielerin, Schriftstellerin, Übersetzerin und Sprachlehrerin Mela Spira endete am 24. April 1967, und der Witwer Robert Spira nahm es sich wenige Tage später selbst.

Grete Hartwig-Manschinger verlor ihren Ehemann am 23. Februar 1968 und erlag am 5. April 1971 einem Herzanfall.

Zu Lebzeiten hatte sie nur einen Roman veröffentlichen können: „Rendezvous in Manhattan“ 1948 im Verlag Rudolf Cerny in Wien.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2021
Textauszüge: © DVB Verlag

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