Liebe ist kälter als der Tod

Liebe ist kälter als der Tod

Liebe ist kälter als der Tod

Originaltitel: Liebe ist kälter als der Tod - Regie: Rainer Werner Fassbinder - Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder - Kamera: Dietrich Lohmann - Schnitt: Rainer Werner Fassbinder alias Franz Walsch - Musik: Peer Raben und Holger Münzer - Darsteller: Ulli Lommel, Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder, Hans Hirschmüller, Katrin Schaake, Peter Berling, Hannes Gromball, Gisela Otto, Ingrid Caven, Ursula Strätz, Irm Hermann, Les Olvides, Wil Rabenbauer, Peter Moland, Anastassios Karalas, Rudolf Waldemar Brem, Yaak Karsunke, Kurt Raab u.a. - 1969; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Franz, ein armseliger Zuhälter aus der Münchner Vorstadt, der seine Freundin Joanna auf den Strich schickt, weigert sich, einem Verbrechersyndikat beizutreten. Die Gangster setzen den eiskalten Killer Bruno auf ihn an, der ihn durch gemeinsame Gewalttaten zur Zusammenarbeit mit dem Syndikat zwingen will. Franz dagegen glaubt, einen neuen Freund gewonnen zu haben. Als Bruno und Franz einen Banküberfall planen, verrät Joanna sie der Polizei ...
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Kritik

Bei "Liebe ist kälter als der Tod" handelt es sich um Rainer Werner Fassbinders Debütfilm. Die Inszenierung in dem minimalistischen Schwarzweißfilm wirkt steif und artifiziell, die Einstellungen sind quälend lang, und kahle Zimmerwände bilden den Hintergrund.
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Franz (Rainer Werner Fassbinder), ein armseliger Zuhälter aus der Münchner Vorstadt, der seine Freundin Joanna (Hanna Schygulla) auf den Strich schickt, weigert sich, einem Verbrechersyndikat beizutreten. Die Gangster setzen den eiskalten Killer Bruno (Ulli Lommel) auf ihn an, der ihn jedoch nicht umbringen, sondern nur gefügig machen soll.

Als Bruno nach München fährt, sitzt ihm eine attraktive Frau (Katrin Schaake) gegenüber und versucht, mit ihm zu flirten. Bruno sagt ihr, er habe schon in seiner Jugend einen anderen totgeprügelt. Dann nimmt er sich Geld aus ihrer Handtasche.

Von Prostituierten (Gisela Otto, Ingrid Caven, Ursula Strätz) erfährt Bruno, wo er Franz finden kann.

Franz erzählt Bruno, die Freunde eines ermordeten Türken seien hinter ihm her, weil sie ihn zu Unrecht für den Täter hielten. Die beiden Männer besorgen sich bei einem mit Waffen handelnden Schuhmacher (Peter Berling) eine Pistole. Damit tötet Bruno den Freund des ermordeten Türken (Anastassios Karalas) und die Zeugin Erika (Monika Nüchtern). Dann erschießt er einen von Franz zusammengeschlagenen Freier Joannas (Hannes Gromball). Als ein motorisierter Streifenpolizist (Rudolf Waldemar Brem) die Ausweise von Bruno, Franz und Joanna kontrollieren will, ermordet Bruno ihn ebenfalls. Durch die gemeinsamen Gewaltverbrechen will er Franz an sich binden und schließlich zur Zusammenarbeit mit dem Syndikat zwingen. Franz dagegen glaubt, einen neuen Freund gewonnen zu haben und bietet ihm Joanna an. Bruno knöpft ihr die Bluse auf. Weil Joanna, die Bruno nicht leiden kann, dabei verächtlich lacht, ohrfeigt Franz sie. „Warum hast du das getan?“, fragt sie. „Weil du Bruno ausgelacht hast. Und Bruno ist mein Freund“, erwidert Franz. „Und ich?“ „Du? Du liebst mich sowieso!“

Wegen der Ermordung des Türken und der Kellnerin Erika wird Franz von Kommissar (Yaak Karsunke) vernommen. Währenddessen schläft Joanna mit Bruno und geht mit ihm gemeinsam einkaufen, aber nur, weil sie ihn durchschaut hat und mehr von ihm erfahren will: Als Bruno und Franz einen Bankraub planen, verrät Joanna sie der Polizei. Bruno wird bei dem Überfall erschossen. Mit dem Toten im Auto flüchten Franz und Joanna vor der Polizei. Unterwegs werfen sie die Leiche aus dem Wagen auf die Landstraße. „Ich habe die Polizei angerufen“, gesteht Joanna. „Nutte!“, schimpft Franz und fährt weiter.

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Rainer Werner Fassbinder sagte über „Liebe ist kälter als der Tod“: „Dies ist ein Film gegen Gefühle, weil ich glaube, dass alle Gefühle missbrauchbar sind und auch tatsächlich missbraucht werden.“ Bruno, Franz und Joanna suchen nach Liebe, aber sie sind nicht in der Lage, sich zu artikulieren bzw. zu kommunizieren. Deshalb imitieren sie Rollen aus Gangsterfilmen, ohne sich dessen bewusst zu sein: Ihr Denken und Handeln ist sozusagen aus zweiter Hand.

Bei „Liebe ist kälter als der Tod“ handelt es sich um Rainer Werner Fassbinders Debütfilm. Die Inszenierung des minimalistischen Schwarzweißfilms wirkt steif und artifiziell, die Einstellungen sind teilweise quälend lang, und den Hintergrund bilden häufig kahle weiße Zimmerwände.

Die Dreharbeiten fanden im April 1969 statt. Die nächtliche Fahrt an den entlang der Landsberger Straße stehenden Prostituierten vorbei übernahm Rainer Werner Fassbinder von Jean-Marie Straub. Es handelt sich um eine nicht verwendete Einstellung aus dessen Film „Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter“. „Liebe ist kälter als der Tod“ ist denn auch „Claude Chabrol, Eric Rohmer, Jean-Marie Straub, Linio und Cuncho“ gewidmet. (Sind mit „Linio und Cuncho“ Gringo und Chunco aus „Töte Amigo“ (1966) von Damiano Damiani gemeint?)

Unverkennbar ist die Figur Brunos eine Hommage an Alain Delon in „Der eiskalte Engel“ (1967) von Jean-Pierre Melville.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002 / 2005

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