Anka Muhlstein : Königinnen auf Zeit

Königinnen auf Zeit

Anka Muhlstein

Königinnen auf Zeit

Originaltitel: Reines éphémères. Mères perpétuelles Éditions Albin Michel, Paris 2001 Königinnen auf Zeit Katharina von Medici, Maria von Medici, Anna von Österreich Übersetzung: Ulrich Kunzmann Insel Verlag, Frankfurt/M 2003 ISBN 3-458-17177-0, 351 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

1559, 1560, 1610 und 1643 kamen Kinder auf den französischen Thron, und deren Mütter übernahmen die Regierungsgeschäfte:

Katharina von Medici (1519 - 1589)
Maria von Medici (1573 - 1642)
Anna von Österreich (1601 - 1666)
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Kritik

Anka Muhlstein schildert in "Königinnen auf Zeit" die Beziehungen der so verschiedenen Mütter zu ihren königlichen Söhnen. Dabei wendet sie sich nicht nur an Historiker, sondern an ein breiteres Publikum, das sich ernsthaft für diesen Abschnitt der französischen Geschichte interessiert.
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Katharina von Medici wurde am 13. April 1519 als Tochter des Regierungschefs der Republik Florenz geboren. Als ihre Mutter im Kindbett und ihr Vater vier Tage später starben, kam sie zunächst in die Obhut ihres Großonkels, des Papstes Leo X. (1475 / 1513 – 1521). Später kümmerte sich ein weiterer Onkel um sie: Papst Klemens VII. (1478 / 1523 – 1534). Dieser verheiratete das dreizehnjährige Mädchen am 28. Oktober 1533 mit Heinrich, dem einige Monate älteren Sohn des französischen Königs Franz I. (1494 / 1515 – 1547).

Kurz nach der Eheschließung starb Heinrichs älterer Bruder und er rückte zum Dauphin auf. Nach dem Tod seines Vaters Franz I. folgte ihm Heinrich II. 1547 auf den Thron. Katharina von Medici gebar in rascher Folge zehn Kinder, von denen drei sehr früh starben.

Als Heinrich II. am 30. Juni 1559 bei einem Turnier in Paris schwer verwundet wurde und elf Tage später seinen Verletzungen erlag, bestieg der älteste, seit einem Jahr mit Maria Stuart verheiratete Sohn Franz II. (1544 / 1559 – 1560) den französischen Thron. Der Fünfzehnjährige war zwar bereits volljährig, aber seine offenkundige körperliche und geistige Schwäche ließen es sinnvoll erscheinen, dass sich seine kluge, gebildete und ehrgeizige Mutter um die Regierungsgeschäfte kümmerte. Am 5. Dezember 1560 starb der Sechzehnjährige an Tuberkulose.

Nachfolger wurde sein sechs Jahre jüngerer Bruder Karl IX. (1550 / 1560 – 1574). Katharina von Medici, die für ihn die Regentschaft übernahm, schickte Maria Stuart, die Witwe des verstorbenen Königs, im Juli 1561 zurück nach Schottland und erreichte, dass Karl bereits mit dreizehn, am 17. August 1563, für großjährig erklärt wurde. Nun war sie zwar nicht mehr offiziell Regentin, musste aber auch nicht mehr befürchten, dass jemand ihrem Sohn das Thronerbe streitig machte. Faktisch leitete sie auch weiterhin die Regierung, zumal Karl IX. faul war und kaum Interesse an Staatsgeschäften zeigte. Aufgrund einer Nervenkrankheit hatte er an Wahnsinn grenzende Anfälle. Katharina von Medici verhehlte nicht, dass sie dem König ihren jüngeren Sohn Heinrich vorzog. Von Ende 1564 bis Anfang 1566 bereiste mit ihren Söhnen und einem 15 000 Menschen umfassenden Hofstaat das Land, um es kennen zu lernen und zugleich dem Volk die königliche Macht zu demonstrieren. Bei den zahlreichen Empfängen stand Katharina von Medici stets bescheiden und in schwarzen Kleidern ohne Putz hinter ihrem Sohn. Kaum jemand ahnte, welche Energie und Heftigkeit diese sich zurückhaltend gebende Frau bewegten, wie hart und diszipliniert sie arbeitete, um die Fäden in der Hand zu behalten.

Einmal allerdings verlor sie die Beherrschung. Als sie erfuhr, dass ihre Tochter Margarete („Margot“) heimlich eine Romanze mit Heinrich von Guise begonnen hatte, stürzte sie sich auf das Mädchen, zerfetzte ihr die Kleider, riss sie an den Haaren und verprügelte sie. Sie zwang die neunzehnjährige Katholikin, am 18. August 1572 den Hugenotten Heinrich von Navarra zu heiraten, weil sie sich davon einen Ausgleich in der Auseinandersetzung zwischen den Konfessionen erhoffte. Aus dem gleichen Grund holte sie Admiral Gaspard Coligny (um 1470 – 1522), einen sittenstrengen und hochangesehenen Führer der Hugenotten, in den Kronrat.

Coligny gewann den König für eine protestantenfreundliche Außenpolitik und träumte bereits von einem Bündnis mit England. Auch eine Invasion Flanderns erwog er, und zwar unter dem Vorwand, den unterdrückten reformierten Untertanen des spanischen Königs beistehen zu müssen. Als Katharina von Medici merkte, dass Coligny durch seinen Einfluss auf Karl IX. ihre eigene Machtstellung gefährdete, beschloss sie, ihn töten zu lassen. Doch bei dem Anschlag am 23. August 1572 wurde er nur am Arm verletzt. Weil Katharina daraufhin einen Aufruhr befürchtete, trat sie die Flucht nach vorne an und überredete den König, die anlässlich der Hochzeit Margaretes mit Heinrich von Navarra nach Paris gereisten Hugenottenführer umzubringen. Zur Rechtfertigung des Blutbads (Bartholomäusnacht) behauptete sie, die Hugenotten hätten einen Aufstand geplant. Nur wenige von ihnen überlebten das tagelange Morden, darunter Katharinas Schwiegersohn Heinrich von Navarra, der jedoch seinem Glauben abschwören musste und das Schloss zunächst nicht mehr verlassen durfte. Margarete hasste Heinrich von Navarra und fühlte sich zweifach von ihrer Mutter verraten, der sie unterstellte, die Hochzeit nur arrangiert zu haben, um die Hugenotten nach Paris in die Falle locken zu können.

Mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versuchte Katharina von Medici, ihrem Sohn Heinrich (1551 – 1589) zur polnischen Krone zu verhelfen. Tatsächlich wurde er am 10. Mai 1573 zum König von Polen gewählt. Kurz darauf begann der an Tuberkulose erkrankte König Blut zu spucken. Subkutane Blutungen röteten seinen Schweiß. Nach seinem Tod am 30. Mai 1574 rief Katharina von Medici dessen ein Jahr jüngeren Bruder aus Polen zurück. In der Nacht auf den 18. Juni schlich Heinrich sich über Geheimtreppen aus dem Schloss in Warschau. Über Wien, Venedig und Savoyen reiste er nach Frankreich, wobei er sich in Venedig wochenlang auf Bällen vergnügte. Erst am 5. September konnte ihn seine Mutter, die ihm entgegengereist war, in Bourgoin bei Lyon begrüßen. Obwohl Heinrich III. beim Regierungsantritt bereits dreiundzwanzig Jahre alt war, behielt seine Mutter das Heft in der Hand.

Während einer Jagd gelang Heinrich von Navarra 1576 die Flucht. Dem Hugenottenführer stellten sich vor allem die Katholiken unter Heinrich von Guise entgegen. Wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen (1585 – 1589) floh der König nach Chartres. Seine Mutter blieb in Paris. Die Schwächung Spaniens durch den Untergang der spanischen Armada im Jahr 1588 wirkte sich auch auf die katholische Partei in Frankreich aus. Um die Niederlage abzuwenden beschloss der König kurz vor Weihnachten 1588, Heinrich von Guise töten zu lassen. Er lockte ihn am 23. Dezember unter einem Vorwand ins Schloss und ließ ihn dort hinterrücks erdolchen.

Katharina von Medici reagierte entsetzte auf die in ihren Augen törichte Mordtat ihres Sohnes. Sie starb kurz darauf, am 5. Januar 1589. Gefühllos stand Heinrich III. an ihrem Totenbett. Wegen der Unruhen in Paris wurde der Leichnam vorläufig in Blois beigesetzt.

Der König überlebte seine Mutter nur um acht Monate: Am 2. August 1589 wurde der Achtunddreißigjährige von einem Dominikanermönch ermordet. Dadurch erlosch das Haus Valois im Mannesstamm.

Der rechtmäßige Thronerbe, Heinrich von Navarra, musste noch jahrelang Krieg gegen die katholische Liga führen, bis er im Alter von einundvierzig Jahren 1594 in Chartres gekrönt werden und als König Heinrich IV. in Paris einziehen konnte. Ein zweites Mal hatte er im Jahr zuvor die Konfession gewechselt: „Paris ist eine Messe wert!“ Seine Ehe mit Margarete ließ er vom Papst annullieren.

Heinrich von Navarra war kräftig und gesund, „nicht von der übertriebenen Raffinesse der dekadenten Gesellschaft der Valois angekränkelt“, aber er verlor den Verstand, wenn es um Liebschaften ging.

Am 5. Oktober 1600 folgte er dem Vorschlag des Großherzogs der Toskana und heiratete dessen siebenundzwanzigjährige Nichte Maria von Medici, mit deren Mitgift er seine Schulden tilgen konnte. Am 27. September 1601 brachte sie einen Stammhalter zur Welt, der auf den Namen Ludwig getauft wurde. Über dessen Kindheit und Jugend berichtete sein Arzt Jean Héroard von der Geburt bis 1617 in nahezu täglichen Aufzeichnungen.

Schon als Kind wollte Ludwig keine andere Autorität als die seines Vaters akzeptieren. Seine Erzieherin, Baronin von Montglat, griff deshalb des Öfteren zur Peitsche, um ihn zu züchtigen.

Am 14. Mai 1610 wurde Heinrich IV. erstochen. Als der Kanzler der Königin klarmachte, dass der achtjährige Ludwig XIII. die Krone erbte, blickte sie ihren Sohn verwundert an. Sie waren sich fremd, und offenbar hatte es nie so etwas wie Mutterliebe zwischen ihr und ihm gegeben; später hasste sie ihn sogar. Bei der Amtseinführung und später bei der Krönung in Reims ertrug das königliche Kind stundenlange Zeremonien; drei Tage nach der Krönung musste Ludwig neunhundert Skrofulösen die Hand auflegen und jedes Mal sagen: „Der König berührt dich, Gott heilt dich.“ Mit der Regentschaft bis zu Ludwigs Volljährigkeitserklärung (16. September 1614) wurde Maria von Medici betraut.

Sie wurde von ihrer geld- und machtgierigen Jugendfreundin Leonora Galigai (um 1572 – 1617) beherrscht, die mit ihr nach Paris gekommen war. Zwei Monate nach dem Tod Heinrichs IV. wurde Leonoras Ehemann, Concino Concini (um 1575 – 1617), zum Staatsrat ernannt, und im September erhielt er den Titel „Marquis d’Ancre“. Außerdem raffte das intrigante Ehepaar ein märchenhaftes Vermögen zusammen.

1615 setzte Maria von Medici eine Doppelhochzeit durch: König Ludwig XIII. wurde am 25. November mit der spanischen Infantin Anna von Österreich (1601 – 1666) vermählt, und seine Schwester Elisabeth (1602 – 1644) mit dem ältesten Sohn des spanischen Königs. Nach der Hochzeitsfeier wollte Ludwig sich in seine Gemächer zurückziehen, aber man legte ihn ins Bett seiner Frau, und seine Mutter achtete darauf, dass die beiden die Ehe vollzogen. Das Erlebnis der Hochzeitsnacht scheint nicht berauschend gewesen zu sein, denn danach dauerte es Jahre, bis Ludwig sich seiner Frau wieder näherte.

Mit fünfzehn beschloss Ludwig XIII., sich von der Bevormundung seiner Mutter zu befreien und ordnete an, den Marquis d’Ancre zu verhaften beziehungsweise im Fall seiner Gegenwehr zu töten. Tatsächlich erschossen königliche Gardisten den Marquis am 24. April 1617 beim Versuch der Festnahme. Leonora wurde am 8. Juli hingerichtet. Maria von Medici versuchte alles, um von Ludwig empfangen zu werden, doch er wusste um ihre Ausstrahlung und verbannte sie nach Blois. Von dort gelang ihr am 22. Februar 1619 die Flucht.

Armand Jean du Plessis, Kardinal von Richelieu (1585 – 1642), der seine politische Karriere nicht zuletzt der Königinmutter verdankte, vermittelte zwischen den beiden und stellte einen vorübergehenden Frieden zwischen ihnen her. In dieser Zeit teilten sich der König, Maria von Medici und Richelieu als leitender Minister die Macht.

Der König glaubte, er brauche seine Mutter, um ruhig regieren zu können, Richelieu brauchte Maria, solange er nicht das uneingeschränkte Vertrauen des Königs besaß, und Maria war zu Unrecht überzeugt, dass sie niemanden brauchte. (Seite 188)

Als Maria von Medici im November 1630 versuchte, Richelieu zu verdrängen, hielt der König zu seinem Minister. Darüber kam es zum endgültigen Bruch zwischen Mutter und Sohn. Maria von Medici floh im Juli 1631 in die spanischen Niederlande. Die Mutter des französischen Königs sowie der englischen und der spanischen Königin starb am 3. Juli 1642 vereinsamt und missachtet in Köln.

Nach zweiundzwanzig Ehejahren und vier Fehlgeburten kam Anna von Österreich am 5. September 1638 mit einem Stammhalter nieder: Ludwig XIV. Zwei Jahre später gebar sie einen zweiten Sohn, der auf den Namen Philipp getauft wurde (1640 – 1701). Das Verhältnis des Königspaars verbesserte sich dadurch zwar nicht, aber aus der kinderlosen, leicht angreifbaren Spanierin mit ungewisser Zukunft war die Mutter des zukünftigen französischen Königs geworden, und das festigte ihre Stellung ungemein. Anders als bei den Beziehungen Katharinas zu ihren Kindern oder gar Marias zu ihrem Sohn entwickelte sich zwischen Anna und dem kleinen Ludwig ein inniges Mutter-Kind-Verhältnis. Im Gegensatz zu Katharina und Maria von Medici war die spanische Königstochter allerdings auch selbst in einer harmonischen Familie aufgewachsen. Ausdrücklich riet Anna den Erziehern, das Kind nur im äußersten Notfall auszupeitschen und dann darauf zu achten, dass es keine anderen Zeugen gab, um es nicht unnötig zu beschämen. Tatsächlich war Hausarrest die schlimmste in der Erziehung des Dauphins jemals angewandte Strafe, und Anna zog es ohnehin vor, ihn durch gutes Zureden und vernünftige Erklärungen zu überzeugen.

Vermutlich war Ludwig XIII. homosexuell. Henri Coëffier de Guzé, Marquis de Cinq-Mars (1620 – 1642) scheint die Veranlagung des Königs zu seinem eigenen Vorteil genutzt zu haben, obwohl er ihn abstoßend fand und Frauen bevorzugte. Als der Marquis merkte, dass Richelieu ihn durchschaute, versuchte er den König zur Ermordung des Kardinals anzustiften. Mit Hilfe Annas fand Richelieu schließlich Beweismaterial dafür, dass der Marquis de Cinq-Mars mit dem Staatsfeind Spanien konspirierte, also Landesverrat beging. Obwohl Richelieu unter schmerzhaften Abszessen litt, ließ er sich in einer Sänfte von Paris nach Béziers tragen, um dort den König über die Rolle seines Günstlings aufzuklären. Da Ludwig XIII. gerade von Hämorrhoiden gepeinigt wurde, lagen die beiden Männer während der vierstündigen Unterredung am 28. Juni 1642 im Bett. Anschließend reiste der König nach Paris, während der Leitende Minister in Südfrankreich blieb und dafür sorgte, dass der Marquis de Cinq-Mars am 12. September enthauptet wurde. Dann kehrte auch er nach Fontainebleau zurück. Obwohl er schlimme Schmerzen und Erstickungsanfälle erdulden musste, arbeitete er weiter, denn vor seinem Tod wollte er unbedingt noch durchsetzen, dass der König die Gefolgsleute des Landesverräters verbannte und Jules Mazarin (1602 – 1661) als Nachfolger im Amt des Ersten Ministers akzeptierte. Tatsächlich gelang ihm das, bevor er am 4. Dezember 1642 verschied.

Ein halbes Jahr später, am 14. Mai 1643 – auf den Tag genau 33 Jahre nach seinem Vater –, starb König Ludwig XIII., und sein vierjähriger Sohn Ludwig XIV. folgte ihm auf den Thron. Die Königinmutter Anna von Österreich ernannte am 18. Mai Mazarin zum Mitglied des Kronrats. Zu dem Kardinal, den sie seit 1632 kannte und der jahrelang der wichtigste Berater Richelieus gewesen war, hatte sie ein unverbrüchliches Vertrauen. Obwohl Mazarin und Anna von Österreich die eigentlichen Machthaber waren, zeigten sie selbst im Familienkreis, dass sie Ludwig XIV. als Monarchen respektierten. Am 7. September 1651 wurde er für großjährig erklärt.

Unter dem Eindruck der englischen Revolution hatte sich 1648/49 das Parlament in Paris gegen den Absolutismus erhoben. 1652/53 schloss sich ein von Spanien unterstützter Aufstand des Adels an. Nach der militärischen Niederwerfung dieser „Fronde“ war der Weg frei für das „Sonnenkönigtum“.

Erst als Ludwig sich 1659 in Maria Mancini, eine Nichte Mazarins, verliebte, und ihm seine Mutter klarzumachen versuchte, dass er es seinem Amt schuldig sei, seine Braut nicht nach Gefühlen, sondern nach der Staatsräson auszusuchen, wurde der Einundzwanzigjährige erstmals widerspenstig. Uneigennützig setzte auch Mazarin sich dafür ein, dass der König nicht seine Nichte, sondern die Infantin heiratete. Schließlich nahm Ludwig Vernunft an und vermählte sich mit Maria Theresia (1638 – 1683), der ältesten Tochter des spanischen Königs Philipp IV. Allerdings vergnügte er sich auch weiterhin mit zahlreichen anderen Frauen und zeugte eine Reihe illegitimer Kinder.

Nach dem Tod Mazarins am 9. März 1661 übernahm König Ludwig XIV. persönlich das Amt des Ersten Ministers. Seine Mutter hatte bereits in den Jahren zuvor Schritt für Schritt auf ihre politische Einflussnahme verzichtet.

Im Mai 1664 wurden bei Anna von Österreich Knoten in einer Brust festgestellt. Krebs war damals unheilbar. Nach einem längeren Siechtum starb sie am 20. Januar 1666.

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1559, 1560, 1610 und 1643 kamen Kinder auf den französischen Thron, und deren Mütter übernahmen die Regierungsgeschäfte: Katharina von Medici (1519 – 1589), Maria von Medici (1573 – 1642) und Anna von Österreich (1601 – 1666). Katharina von Medici tat alles, um ihren drei Söhnen Franz II., Karl IX. und Heinrich III. die Krone zu erhalten, blieb bei offiziellen Anlässen stets hinter ihnen, leitete aber ihre eigene Machtstellung von ihnen ab. Maria von Medici hasste ihren Sohn Ludwig XIII. und versuchte ihm zu schaden, bis er sich mit fünfzehn von ihrer Bevormundung befreite. Anders als bei den beiden Medici-Königinnen und ihren Söhnen entwickelte sich zwischen Anna von Österreich und Ludwig XIV. eine innige Mutter-Sohn-Beziehung. Sobald sie wusste, dass sie die Regierungsgeschäfte dem König und seinem Leitenden Minister Mazarin überlassen konnte, zog sie sich freiwillig aus ihrer Machtposition zurück.

Anka Muhlstein schildert in drei getrennten Blöcken die Beziehungen der so verschiedenen Mütter zu ihren königlichen Söhnen. Dabei wendet sie sich nicht nur an Historiker, sondern an ein breiteres Publikum, das sich ernsthaft für diesen Abschnitt der französischen Geschichte interessiert und auch die Geduld für akribische, detaillierte, an einigen Stellen sogar ein wenig ausufernde Darlegungen aufbringt. Dafür werden die Leserinnen und Leser von „Königinnen auf Zeit“ durch ebenso präzise wie elegante Formulierungen und farbige Anekdoten belohnt.

Hilfreich sind die Stammbäume (Seiten 24f und 284), die Zeittafel (Seite 326ff) und das Namensregister mit Lebensdaten und kurzen Erläuterungen (Seite 326ff).

Die Historikerin Anka Muhlstein wurde 1935 in Paris geboren. Seit 1974 lebt sie in New York. Sie ist dort mit dem Bestseller-Autor Louis Begley verheiratet.

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003
Textauszug: © Insel Verlag

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