Håkan Nesser : Das zweite Leben des Herrn Roos

Das zweite Leben des Herrn Roos

Håkan Nesser

Das zweite Leben des Herrn Roos

Originalausgabe: Berättelse om herr Roos Albert Bonniers, Stockholm 2008 Das zweite Leben des Herrn Roos.Ein Fall für Inspektor Barbarotti Übersetzung: Christel Hildebrandt btb Verlag, München 2009 ISBN: 978-3-442-75172-3, 526 Seiten, 21.95 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Im Alter von 59 Jahren gewinnt Valdemar Roos 2 Millionen Kronen im Toto. Ohne seiner Familie etwas davon zu sagen, kündigt er seine Stelle, kauft sich heimlich eine abgelegene Kate und verbringt dort die Tage, während seine Frau glaubt, er sei im Büro. In der Kate bleibt er nicht lang allein: Eine 21-Jährige, die aus einem Erziehungsheim fortlief, sucht dort Zuflucht, und Roos nimmt sie freundlich auf. Anna wird allerdings von einem Drogendealer verfolgt ...
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Kritik

In "Das zweite Leben des Herrn Roos" geht es Håkan Nesser weniger um die Aufklärung eines Ver-brechens, als um problematische Beziehungen und eine außergewöhn-liche Freundschaft. Die Darstellung wirkt etwas ausgewalzt.
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Ante Valdemar Roos gilt als Langweiler. Der Neunundfünfzigjährige wohnt in der schwedischen Kleinstadt Kymlinge und arbeitet seit 1980 als kaufmännischer Leiter der Firma Wrigmans Elektriska in Svartö nördlich von Kymlinge. Das Unternehmen, das früher elektrische Haushaltsgeräte herstellte, produziert inzwischen nur noch Thermoskannen. Valdemars Vater Eugen Sigismund Roos, der das Warenlager einer Schuhfabrik geleitet hatte, erhängte sich 1961 [Suizid]. Damals war Valdemar zwölf Jahre alt. Seine erste Ehe scheiterte nach sieben Jahren. Lisen zog mit dem Sohn Greger nach Berlin. Sie kam 1998 bei einer Bergbesteigung im Himalaya ums Leben. Im Jahr davor hatte Valdemar Roos die elf Jahre jüngere Krankenschwester Alice Ekman geheiratet, die aus ihrer ersten Ehe zwei Töchter mitbrachte: Signe und Wilma sind inzwischen zwanzig bzw. sechzehn Jahre alt.

Im Sommer 2008 ändert sich das gleichförmige Leben des Herrn Roos mit einem Schlag: Er gewinnt 2 Millionen Kronen im Toto. Anstatt die Freude mit seiner Familie zu teilen, behält er die Neuigkeit für sich. Den Gewinn legt er auf einem neuen Konto an, von dem niemand außer ihm etwas erfährt. Einen Teil des Geldes verwendet er, um sich am 27. August mit Hilfe des Immobilienmaklers Espen Lund von der fünfundachtzigjährigen Anita Lindblom eine Kate im Wald zu kaufen, die keinen Wasseranschluss hat und vom nächsten Gehöft – Rödmossen – zwei Kilometer entfernt ist. Die Schlüsselübergabe findet am 1. September statt. Ohne Gründe dafür anzugeben, kündigt Valdemar Roos bei Walter Wrigman. Weiterhin verlässt er jeden Morgen zur gewohnten Zeit das Haus, aber statt nach Svartö fährt er nach Lograna. So heißt der Ort vierzig Kilometer westlich von Kymlinge, an dem seine Kate steht. Abends kehrt er nach Hause zurück, als wäre er im Büro gewesen.

Als Valdemar Roos am 8. September wieder nach Lograna kommt, liegt der Schlüssel nicht in der Dachrinne, und die Türe ist offen. Jemand hat in der Kate übernachtet. Offenbar eine Frau. Ihr Rucksack, eine Gitarre und andere Sachen liegen herum. Sie selbst scheint sich im Wald versteckt zu haben.

Bei der Einbrecherin handelt es sich um Anna Gambowska. Ihre Mutter Krystyna Gambowska stammt aus einer Kleinstadt südlich von Warschau und war 1984 nach Schweden gekommen. Als Anna am 1. August 1987 in Örebro geboren wurde, war ihr Vater Krzysztof bereits mit einer anderen Frau zusammen. Im Februar 2008 mietete Anna eine eigene Wohnung in Örebro. Zwei Monate später lernte sie den fünf Jahre älteren Kroaten Stefan („Steffo“) Ljubomir Rakic kennen, der bald darauf bei ihr einzog. Während Anna bis dahin nur Haschisch konsumiert hatte, brachte der Dealer sie dazu, sich Heroin zu spritzen. Als ihre Mutter das merkte, schaltete sie das Jugendamt ein. Am 1. August, ihrem 21. Geburtstag, kam Anna in das Erziehungsheim Elvafors. Dort hielt sie es nicht lange aus. Am 6. September floh sie im Morgengrauen. Sie ging ein Stück zu Fuß, und als sich ein Auto näherte, hielt sie den Daumen hoch. Der Fahrer hielt an und nahm sie mit. Unterwegs bot er ihr Geld für Nacktfotos und bog auf einen Waldweg ab. Noch im Auto schlug Anna ihm seine Kamera auf den Kopf, und er sackte hinter dem Steuer zusammen. Sie lief in den Wald. Als sie den Anlasser hörte, atmete sie auf, denn sie hatte schon befürchtet, den Mann erschlagen zu haben.

Erst nach einiger Zeit wagt Anna es, sich dem Besitzer der Kate zu zeigen. Valdemar Roos nimmt sie freundlich auf.

Krystyna Gambowska ist nach Polen gereist, um ihrer todkranken Mutter beizustehen. Anna leiht sich Valdemars Handy und ruft sie an, denn sie möchte ihr mitteilen, dass sie nicht mehr im Heim ist. Um ihre besorgte Mutter zu beruhigen, nennt sie auch den Ort, an dem sie sich befindet: Lograna.

Valdemar nimmt Anna mit in die Stadt, und sie kaufen zusammen Vorräte ein. Anschließend essen sie in einem Restaurant. Dabei werden sie von Karin Wissman gesehen, einer Freundin von Alice Ekman-Roos.

Am nächsten Tag wundert Valdemar sich über eine SMS:

Warum versteckst du dich vor mir? Du gehörst mir, ich komme bald zu dir. S (Seite 229)

Anna weiß, was das bedeutet: Steffo telefonierte wohl mit ihrer Mutter, und Krystyna gab ihm die Nummer des Handys, von dem Anna sie angerufen hatte. Vermutlich erwähnte sie auch den Ort Lograna. Anna befürchtet, dass Steffo hier auftauchen wird.

Während einer Autofahrt erhält Valdemar einen Anruf seiner Frau. Alice fragt ihn, wer die junge Frau sei, mit der er in Ljungmans‘ Restaurant gesehen wurde. Er leugnet kurzerhand, dort gewesen zu sein und wirft schließlich das Handy entnervt ins Handschuhfach. Dabei geht es kaputt.

Zwei Tage nach dem letzten Telefongespräch mit Valdemar wendet Alice sich an einen Patienten des Krankenhauses, in dem sie als Krankenschwester tätig ist. Es handelt sich um ihren früheren Mitschüler Gunnar Barbarotti, von dem sie weiß, dass er bei der Polizei in Kymlinge arbeitet.

Bei Gunnar Barbarotti handelt es sich um den Sohn eines Italieners und einer Schwedin.

Als er am 21. Februar 1960 zur Welt kam, waren sein Vater Giuseppe Barbarotti und seine Mutter Maria Larsson sich in einer einzigen Sache vollkommen einig. Sie wollten nie wieder etwas miteinander zu tun haben.
In allen anderen Dingen waren sie unterschiedlicher Meinung. Beispielsweise was den Namen des frischgeborenen Knaben (3880 Gramm, 54 Zentimeter) betraf. Giuseppe war der Meinung, er solle italienisch klingen, Schwedisch war die Sprache von Bauern und Trotteln, und wollte man dem Jungen einen guten Start ins Leben bieten, dann war es wichtig, dass er einen Namen bekam, der etwas taugte […]
Schließlich kam es zu einem Kompromiss, auf den klugen Rat von Marias älterer Schwester Inger hin, die ganz allein eine Würstchenbude in Katrineholm betrieb […]
Also wurde es Gunnar, nach dem dahingeschiedenen und schmerzlich vermissten älteren Bruder der Schwestern, und Barbarotti nach dem Kindesvater – der, noch während die Mutter auf der Wöchnerinnenstation lag, es für das Beste hielt, seine Siebensachen zu packen und zurück nach Bologna zu ziehen […] (Håkan Nesser: Mensch ohne Hund, Übersetzung: Christel Hildebrandt, btb, München 2007, 541 Seiten, 978-3-442-75148-8, 19.95 €)

Nach dem Jura-Studium in Lund fing Gunnar Barbarotti bei der Polizei an. Seine erste Ehe scheiterte 2001 nach fünfzehn Jahren. Inzwischen lebt der achtundvierzigjährige Kriminalinspektor mit seiner zweiten Ehefrau Marianne Grimberg (sie behielt ihren Mädchennamen) und den Kindern in einem „Villa Pickford“ genannten Holzhaus auf einem Ufergrundstück in Kymlinge. Die Kinder, die Gunnar Barbarotti mit Helene gezeugt hatte, sind inzwischen zwanzig, vierzehn und zwölf Jahre alt: Sara, Lars und Martin. Zwei weitere Kinder brachte Marianne aus ihrer ersten Ehe mit: den sechzehnjährigen Johan und die zwei Jahre jüngere Jenny. Zur Zeit wohnt auch Mariannes zehn Jahre älterer arbeitsloser Bruder Roger Grimberg in der Villa Pickford.

Im Krankenhaus liegt Gunnar Barbarotti, weil er bei Reparaturarbeiten vom Hausdach stürzte und statt auf dem weichen Rasen mit dem linken Bein in einer herumstehenden Schubkarre landete. Das gebrochene Bein ist nun eingegipst.

Alice Ekman-Roos hat noch keine Vermisstenanzeige aufgegeben. Sie fragt Gunnar Barbarotti um Rat, und auf ihre Bitte hin erkundigt er sich telefonisch bei Wrigmans Elektriska in Svartö nach Ante Valdemar Roos. Dort erfährt er, dass der kaufmännische Leiter vor einem Monat kündigte und seither nicht mehr in der Firma war. Das verblüfft Alice noch mehr als den Kriminalinspektor.

Als Barbarotti nach ein paar Tagen mit seinem Gipsbein wieder zum Dienst erscheint, teilt sein Vorgesetzter, Kommissar Asunander, ihn für die Aufklärung der sogenannten Schmierfinkenaffäre ein. Er soll herausfinden, wer seit geraumer Zeit in Kymlinge Hauswände besprüht.

Auf eigene Faust stellt Gunnar Barbarotti jedoch auch Nachforschungen über Valdemar Roos an, und seine sechs Jahre jüngere Kollegin Eva Backman unterstützt ihn dabei.

Die Zeitung veröffentlicht ein Foto von Valdemar Roos. Daraufhin ruft die Kassiererin Yolanda Wessén bei der Polizei an und berichtet, der Vermisste habe seit einiger Zeit regelmäßig in einem Laden in Rimmersdal eingekauft. Der Immobilienmakler Espen Lund informiert die Polizei am 29. September über den Verkauf der Kate in Lograna am 27. August und fährt mit Gunnar Barbarotti und Eva Backman hin. Vor der Hütte liegt die Leiche eines Mannes, der augenscheinlich durch einen Messerstich in den Bauch getötet wurde. In der Nähe steht ein Skooter, den der Besitzer Johannes Augustsson in Lindesberg als gestohlen gemeldet hatte. Ein in der Kate vergessener Sack mit Schmutzwäsche deutet darauf hin, dass Valdemar Roos sich nicht allein dort aufhielt, sondern zusammen mit einer jungen Frau.

Eva Backman erinnert sich an einen Anruf ihres Vaters Sture Backman. Der an Altersdemenz erkrankte Greis lebt seit zweieinhalb Jahren bei Evas älterem Bruder Erik und dessen Ehefrau Ellen auf dem zwei Kilometer von Lograna entfernten Hof Rödmossen. Vor ein paar Wochen erzählte er seiner Tochter, er habe im Wald einen Mord beobachtet, aber sie achtete nicht weiter darauf, denn sie hielt es für ein Hirngespinst des verwirrten alten Mannes. Nun besucht sie ihren Vater in Rödmossen und fragt ihn, an was er sich erinnern könne. Sture Backman berichtet, er habe zuerst eine Frau und dann einen Mann aus der Kate stürzen sehen. Der Mann habe eine Eisenstange geschwungen, und die Frau habe ihm ein Messer in den Bauch gerammt. Als Sture das viele Blut sah, bekam er Angst und entfernte sich so rasch wie möglich. Seither meidet er den Ort.

Schließlich meldet sich Sonja Svensson, die Leiterin des Erziehungsheims Elvafors, und zeigt das Verschwinden Anna Gambowskas am 6. September an. Sie habe so lange damit gewartet, um der Einundzwanzigjährigen die Chance zu geben, von sich aus zurückzukehren, behauptet Sonja Svensson.

Ein Mann namens Johan Johansson gibt zu Protokoll, er habe am 6. September in der Nähe von Elvafors eine Anhalterin mitgenommen, von der er wenige Minuten später niedergeschlagen und ausgeraubt worden sei.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Währenddessen sind Valdemar Roos und Anna Gambowska mit dem Auto unterwegs. Steffo hatte Anna mit einem Eisenrohr am Kopf erwischt. Die Platzwunde heilt inzwischen, aber Anna leidet unter Kopfschmerzen, erbricht sich immer wieder und spürt ihren rechten Arm nicht mehr. Einmal fällt sie im Schlaf aus dem Bett und zittert in einem kurzen epileptischen Anfall. An den Schlag kann sie sich nicht erinnern. Sie weiß nur noch, dass sie ein Küchenmesser gepackt hatte, bevor sie vor Steffo davonrannte.

Valdemar hob eine größere Menge Bargeld ab. Nach mehrtägigen Aufenthalten in Halmstad und Malmö sind die beiden jetzt in Deutschland.

Beim Verlassen einer Autobahnraststätte in der Nähe von Emden stellt Valdemar fest, dass ein Reifen platt ist. Während Anna im Fond schläft, wechselt er am Rand der Autobahneinfahrt das Rad. Als er damit fertig ist, taucht ein Polizist auf und will die Papiere sehen. Weil dem Beamten das halb von der Rücksitzbank gerutschte, zitternde und krank aussehende Mädchen verdächtig vorkommt, fordert er den Fahrer des Wagens auf, die Hände aufs Autodach zu legen. Da gerät Valdemar Roos in Panik. Er schlägt den Polizisten mit dem Wagenheber nieder, springt hinters Steuer und gibt Gas.

Ein paar Kilometer vor der niederländischen Stadt Maardam hält Valdemar Roos am 7. Oktober bei einem Motel. Nachdem er Anna ins Bett gebracht hat, fährt er noch einmal los.

Bald darauf ruft Greger Roos, der seit fünfzehn Jahren in Maardam wohnt, bei der Polizei in Kymlinge an. Sein Vater, den er seit der Beerdigung seiner Mutter vor zehn Jahren in Berlin nicht mehr gesehen habe, sei überraschend bei ihm aufgetaucht und habe ihm ein an die Polizei in Kymlinge adressiertes Kuvert übergeben. Daraufhin fliegen Gunnar Barbarotti und Eva Backman sofort nach Holland.

Valdemar Roos fährt mit dem Wagen aufs Land und wandert ein Stück weit. Dann setzt er sich hin, trinkt aus einer mitgebrachten Flasche Whisky und schreibt in sein Notizbuch:

Die Ereignisse, diese so verdammt überschätzten Ereignisse, sind nichts anderes als Klammern um den Zwischenraum. Es ist gut, wenn ihr das im Gedächtnis behaltet, die ihr blind in der Welt herumhetzt und glaubt, ihr wäret auf dem Weg irgendwohin – alles befindet sich in den Pausen. (Seite 500)

Im Umschlag finden Gunnar Barbarotti und Eva Backman ein langes Schreiben. Valdemar Roos gesteht, Stefan Ljubomir Rakic erstochen zu haben, weil Anna Gambowska von dem jungen Mann angegriffen worden sei. Auf der Flucht habe er einen Polizeibeamten niedergeschlagen, und das bedaure er sehr. Jetzt sei er dabei, sich selbst das Leben zu nehmen.

Anna Gambowska wird im Gemejnte Hospital in Maardam gefunden. Sie war bei dem Versuch, ihr Motelzimmer zu verlassen, zusammengebrochen. Aufgrund des Schlags mit der Eisenstange litt sie an einem Subduralhämatom. Nach einer Operation sind die Ärzte zuversichtlich, dass sie sich wieder erholen wird. Aber an den Tathergang kann Anna sich nach wie vor nicht erinnern. Und da Valdemar Roos verschwunden bleibt, kann nicht geklärt werden, wer Stefan Ljubomir Rakic erstach.

Immerhin gelingt es Gunnar Barbarotti, die Schmierfinkenaffäre aufzuklären. Bei den Sprayern handelt es sich um Jimmy und Billy, die beiden Söhne von Kent Blomgren, dem Betreiber der Sanierungsfirma Zerberus in Kymlinge, der durch die Graffiti immer wieder lukrative Sonderaufträge bekam.

Eva Backman will sich trotz ihrer drei Kinder von ihrem langweiligen Ehemann Wilhelm („Ville“) scheiden lassen. Sie fragt ihren Kollegen Gunnar Barbarotti, was mit den Männern los sei, und er meint:

„Nun ja, es ist irgendwie ein Mangel oder ein Leerraum, der ausgefüllt werden muss. Auf jeden Fall haben wir von Anfang an einen Defekt, den ihr Frauen nicht habt. Eine Art Fragezeichen … einige versuchen, es ganz einfach mit Sport auszugleichen, es gibt nichts Unkomplizierteres als Sport … nein, ich kann es nicht richtig ausdrücken.“ (Seite 523)

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Håkan Nesser lässt sich in „Das zweite Leben des Herrn Roos“ viel Zeit, die beiden Hauptfiguren Ante Valdemar Roos und Anna Gambowska vorzustellen: fast die Hälfte des Buches verwendet er dafür. Dementsprechend taucht Inspektor Gunnar Barbarotti trotz des Untertitels „Ein Fall für Inspektor Barbarotti“ nicht vor Seite 249 auf. Aber nun wird auch diese Romanfigur erst einmal eingeführt, und es vergeht noch einige Zeit, bis die Polizei auf Seite 352 eine Leiche findet. Obwohl es einen Toten gibt, geht es in „Das zweite Leben des Herrn Roos“ nicht in erster Linie um die Aufklärung eines Verbrechens, sondern Håkan Nesser beschäftigt sich mehr mit seinen Hauptfiguren und problematischen Beziehungen von Paaren beziehungsweise Eltern und Kindern. Im Mittelpunkt steht die außergewöhnliche Freundschaft eines neunundfünfzigjährigen Durchschnittsmenschen, der aus seinem gewohnten Leben ausbricht, und einer Einundzwanzigjährigen, die aus einem Erziehungsheim geflohen ist. Das hat durchaus seinen Reiz, aber besonders einfallsreich ist die Darstellung nicht. Sie geht mehr in die Breite als in die Tiefe und wirkt mitunter etwas ausgewalzt. Håkan Nesser entwickelt die verschiedenen Handlungsstränge parallel und wechselt zwischen den Perspektiven von Valdemar Roos, Anna Gambowska und Gunnar Barbarotti.

Übrigens sind die Orte Kymlinge und Maardam fiktiv.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010
Textauszüge: © btb

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