Willibald Karl (Hg.) : Trudering, Waldtrudering, Riem

Trudering, Waldtrudering, Riem

Willibald Karl (Hg.)

Trudering, Waldtrudering, Riem

Trudering, Waldtrudering, Riem Erstausgabe: Buchendorfer Verlag, München 2000 Neuauflage: Volk Verlag, München 2003 ISBN 3-937200-06-1, 267 S.
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der Name "Trudering" leitet sich von dem Bauern Truchtaro ab, der sich hier um 500 ansiedelte: Aus dem Hof Truchtaro wurde schließlich das Dorf Truchteringa. 1932 schlossen sich Waldtrudering und die seit 1818 zu einer Gemeinde zusammengefassten Dörfer Kirch- und Straßtrudering der Stadt München an. Trudering wurde 1972 an das S-Bahn- und 1999 auch an das U-Bahn-Netz der Großstadt angeschlossen.
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Kritik

In dem Stadtteilbuch "Trudering, Waldtrudering, Riem. Münchens ferner Osten" wird die Geschichte dieses Gebiets in 17 Beiträgen dargestellt, die mit über 200 Abbildungen illustriert sind.
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Archäologische Funde beim Bau des Riemer Flughafens, etwa sechshundert Meter nördlich der Gronsdorfer Kirche, zeugen von den keltischen Bewohnern des Gebiets vor rund 2800 Jahren. Der Name „Trudering“ leitet sich von dem Bauern Truchtaro ab, der sich hier um 500 ansiedelte: Aus dem Hof Truchtaro wurde schließlich das Dorf Truchteringa. Hiltiprant, ein Verwandter des Agilolfingerherzogs Tassilo, vermachte 772 die Hälfte des Ortes dem Bischof von Freising, also der Kirche. Von da an ist zwischen Kirch- und Straßtrudering zu unterscheiden. An der Ecke Tanga- / Waldtruderingerstraße steht ein Uta-Brunnen. Bei Uta soll es sich um eine Angehörige des bayrischen Herzogshauses gehandelt haben, die nach dem Tod ihres Ehemanns gegen Ende des 11. Jahrhunderts weitere Ländereien in Trudering der Kirche schenkte, in diesem Fall der Ortskirche, bei der es sich damals um eine Filiale der Pfarrei Bogenhausen handelte.

Trudering wurde 1572 von der Pest heimgesucht, 1632 von den Schweden geplündert, und im letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts erlagen achtzig Prozent der Truderinger einer Typhusepidemie.

1838 wurde die Kirche „St. Peter und Paul“ zur Pfarrkirche erhoben. Die Kirchen in Riem und Gronsdorf sowie die Kapelle in Haar – alle mit eigenem Friedhof – galten fortan als Filialen der Pfarrkirche in Kirchtrudering.

Der bayrische Landtag beschloss 1809 die Abschaffung der Grundherrschaft, die mit einem Gesetz aus dem Jahr 1848 endgültig durchgesetzt wurde. Allerdings mussten die befreiten Bauern ihre Grundherren entschädigen. Viele der betroffenen Familien zahlten fünfzig Jahre lang Raten, manche sogar bis 1919. Aufgrund der finanziellen Belastung mussten auch einige Höfe zwangsversteigert werden.

Neben der Kirche „St. Peter und Paul“ wurde im Herbst 1850 ein Schulgebäude bezugsfertig. Seit 1835 waren die Kinder im „Schlössl“, dem ehemaligen Wolfbauernhof, unterrichtet worden. Noch früher, bereits im 18. Jahrhundert, hatten die Truderinger Kinder beim Klausner in St. Veit Schulunterricht bekommen.

An der neuen Bahnstrecke Haidhausen – Rosenheim wurde am 1. Oktober 1870 die Station Trudering eröffnet. Als man am 1. Mai 1897 eine weitere Station in Gronsdorf einrichtete, begannen Münchner, die es sich leisten konnten, sonntags Ausflüge in den Wald zwischen der späteren Turnerstraße, Haar und Keferloh zu machen. Ein erstes Grundstück wurde 1903 in „Waldtrudering“ an der Ecke Wasserburger Landstraße / Phantasiestraße parzelliert. Zwei Jahre später konnten die Ausflügler in der Restauration „Phantasie“ einkehren. Gartenhäuschen ohne Wasser- und Stromanschluss entstanden. Als die Besiedelung Waldtruderings zunahm, errichtete man 1922 einen Wasserturm (abgerissen: 1972), in den das Wasser aus einem Pumpwerk neben der zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierenden Kirche „Christi Himmelfahrt“ strömte. Nun brauchten keine privaten Brunnen mehr gegraben werden; nach und nach wurden die Häuser an die Wasserversorgung angeschlossen.

Die Schulkinder mussten morgens bis nach Kirchtrudering gehen oder – wenn die Eltern es sich leisten konnten – mit der Eisenbahn von Gronsdorf nach Trudering fahren. Erst ab Frühsommer 1930 gab es eine dreiklassige Grundschule an der Spitzwegstraße (die später nach der Waldschule umbenannt wurde). Auch zur Messe mussten die Gläubigen aus Waldtrudering nach Kirchtrudering. Um den Kirchgang zu erleichtern, stiftete die Gemeinde Waldtrudering am 7. März 1932 ein Grundstück an der Waldschulstraße, neben dem erwähnten Pumpwerk, für den Bau einer eigenen Kirche. Im Frühjahr 1933 begannen die Bauarbeiten, und am 12. November wurde die Kirche „Christi Himmelfahrt“ geweiht. Otto Lederer übernahm am 1. Dezember das Amt des Seelsorgers.

Am 1. April 1932 schlossen sich Waldtrudering und die seit 1818 zu einer Gemeinde zusammengefassten Dörfer Kirch- und Straßtrudering der Stadt München an; aus selbstständigen Gemeinden wurde ein Stadtteil. Riem folgte diesem Schritt sieben Jahre später.

In Riem entstand 1937 bis 1939 ein neuer Zivilflughafen, der den Verkehrsflughafen auf dem Oberwiesenfeld ablöste.

Die Waldschule erwies sich bald als zu klein. Deshalb baute man 1938/39 eine neue Schule an der Turnerstraße. Vier Jahre nach der Eröffnung, Ende August 1943, wurde das Schulhaus wegen des Krieges in ein Hilfskrankenhaus umgewandelt, und die Schulkinder, soweit sie nicht in einem Kinderverschickungslager waren, mussten erneut in die Waldschule gehen. Erst ab Ende April 1948 stand die Turnerschule wieder für den Schulunterricht zur Verfügung.

Bei einem gescheiterten Startversuch am 6. Februar 1958 zerschellte ein Flugzeug in Riem. Bei den 23 Toten handelte es sich um Journalisten und die Mitglieder des Fußballclubs Manchester United. Am 17. Dezember 1960 streifte ein gerade in Riem gestartetes Flugzeug die Paulskirche in München und stürzte brennend auf eine Straßenbahn. 52 Menschen starben. Vier Menschen kamen am 30. August 1984 bei einem missglückten Landeanflug in Riem ums Leben. Trümmer eines Sportflugzeugs setzten am 11. August 1987 in Trudering einen städtischen Bus, Autos und ein Schnellrestaurant in Brand. Neun Menschen starben. Wenn auch die unmittelbar benachbarte Tankstelle getroffen worden wäre, hätte es zu einer noch schlimmeren Katastrophe kommen können. Am 12. Mai 1989 verloren die vier Insassen eines Privatflugzeugs ihr Leben, als sie kurz nach dem Start in ein Wohnhaus in Kirchtrudering stürzten.

Nach langwierigen juristischen Auseinandersetzungen begannen im November 1980 die Bauarbeiten für einen neuen Flughafen im Erdinger Moos. Am 16. Mai 1992 landete die letzte Maschine in Riem. In einer jahrelang vorbereiteten, aufwändigen logistischen Aktion verlegte man den Flugbetrieb in einer Nacht vom alten zum neuen – nach dem ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß benannten – Airport.

Am 1. Mai 1972 hielt der erste S-Bahn-Zug in Trudering. Den S-Bahn-Anschluss verdanken die Truderinger den Olympischen Spielen 1972 in München. Dass Trudering und Riem seit 29. Mai 1999 auch an das U-Bahn-Netz der Großstadt angeschlossen sind, geht auf die Eröffnung des neuen Messegeländes auf dem ehemaligen Flughafengelände am 14. Februar 1998 zurück. Die Bauarbeiten am U-Bahn-Tunnel in Trudering waren monatelang durch einen Aufsehen erregenden Unfall unterbrochen worden. Ein Bauarbeiter und zwei Fahrgäste hatten ihr Leben verloren, als ein städtischer Bus am 20. September 1994 in einen sich plötzlich auftuenden Krater eingebrochen war.

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Willibald Karl und seine Mitautoren Karl Bachmaier, Xaver Erlacher, Georg und Gundula Kronawitter, Johann Lermer, Vera Sprau, Peter Wagner und Rudolf Widermann stellen in dem Stadtteilbuch „Trudering, Waldtrudering, Riem. Münchens ferner Osten“ die Geschichte dieses Gebiets vor. Sie veranschaulichen ihre Darlegungen durch die Schilderung von Einzelschicksalen und Familiengeschichten und illustrieren sie mit über 200 Abbildungen.

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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