George Tabori : Der Spielmacher. Gespräche mit George Tabori

Der Spielmacher. Gespräche mit George Tabori

George Tabori

Der Spielmacher. Gespräche mit George Tabori

Der Spielmacher. Gespräche mit George Tabori Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2004 Hg.: Wend Kässens 158 S., ISBN 3-8031-3613-X
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Obwohl George Tabori auch Romane und Erzählungen geschrieben hat, ist er im deutschsprachigen Raum vor allem als Dramatiker und Theaterregisseur bekannt. Immer wieder setzt er sich mit dem Holocaust auseinander, dem zahlreiche Familienangehörige – darunter sein Vater – zum Opfer gefallen waren.
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Kritik

Anlässlich des 90. Geburtstags von George Tabori am 24. Mai 2004 veröffentlichte der Verlag Klaus Wagenbach unter dem Titel "Der Spielmacher" einen Band mit Gesprächen, die Tabori zwischen 1976 und 2004 über das Theater und seine eigene Arbeit geführt hatte.

 

George Tabori wurde 1914 in Budapest als zweiter Sohn des Publizisten Cornelius Tabori (1879 – 1944) und seiner Ehefrau Elsa (1889 – 1963) geboren. 1932 bis 1934 lebte George Tabori als Student in Berlin und Dresden, dann kehrte er nach Budapest zurück und zog 1935 zu seinem älteren Bruder Paul nach London. Von 1940 an arbeitete er als Korrespondent verschiedener Zeitungen in Sofia, Belgrad, Ankara, Kairo – und in Jerusalem, wo er sich 1942 mit Hannah Freund vermählte.

Seine Eltern, die er 1939 zum letztem Mal in Budapest besucht hatte, wurden 1944 von den Nationalsozialisten festgenommen. Während George Taboris Mutter der Deportation mit Hilfe eines SS-Offiziers entging, kam sein Vater in Auschwitz um.

1947 erhielt George Tabori die britische Staatsangehörigkeit, zwei Jahre später übersiedelte er jedoch in die USA, zuerst nach Los Angeles, wo er schon zuvor als Drehbuchautor gearbeitet hatte, später nach New York.

Hannah Freund und George Tabori trennten sich 1953. Im Jahr darauf heiratete der Schriftsteller Viveca Lindfors. Nach sechzehn Jahren scheiterte auch diese Ehe.

Die Bundesrepublik Deutschland besuchte George Tabori 1969 mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, um mit Martin Fried gemeinsam sein Stück „Die Kannibalen“ in der Werkstatt des Schillertheaters in Berlin zu inszenieren. Er mutete dem Publikum eine Gruppe fast verhungerter Auschwitz-Häftlinge zu, die einen Leidensgefährten umbringen, weil er heimlich ein Stück Brot gegessen hat, und einen großen, mit Schnee gefüllten Kochtopf auf ein Feuer stellen …

Vielleicht ist das Theater meine einzige Heimat. Ich habe mich immer als Fremder gefühlt. Nicht als Ungar, nicht als Engländer, nicht als Amerikaner. 1969 bin ich nach Deutschland gekommen, fragen Sie mich nicht, wieso. Vielleicht, weil das deutsche Theater damals das beste Theater der Welt war. Und es ist wahrscheinlich heute noch das beste!
(George Tabori im Gespräch mit Benjamin Henrichs, „Süddeutsche Zeitung“, 19./20. Mai 2004)

Im Alter von zweiundsechzig Jahren heiratete George Tabori Ursula Grützmacher. Zu diesem Zeitpunkt wohnte und arbeitete er bereits seit einem Jahr in Bremen. 1978 zog er nach München. 1986, zwei Jahre nach seiner Trennung von Ursula Grützmacher, wurde Ursula Höpfner seine Ehefrau. Im Jahr darauf übersiedelte er nach Wien, 1999 von dort nach Berlin.

Obwohl George Tabori auch Romane und Erzählungen geschrieben hat, ist er im deutschsprachigen Raum vor allem als Dramatiker und Theaterregisseur bekannt. Immer wieder setzt er sich mit dem Holocaust auseinander, dem zahlreiche Familienangehörige – darunter sein Vater – zum Opfer gefallen waren. Wie unter Zwang versucht er, sich und sein Publikum daran zu erinnern und das Grauen in nicht selten grotesker Weise auf der Bühne darzustellen.

Anlässlich des 90. Geburtstags von George Tabori am 24. Mai 2004 veröffentlichte der Verlag Klaus Wagenbach unter dem Titel „Der Spielmacher“ einen Band mit Gesprächen, die George Tabori zwischen 1976 und 2004 über das Theater und seine eigene Arbeit geführt hatte,

und zwar mit Rolf Michaelis, Michael Simbruk, Florian Rötzer, Annette Rupprecht, Sabine Seifert, Karsten Witte, Reinhard Palm, Ursula Voss, Andres Müry, Jörg W. Gronius, Gundula Leni Ohngemach, Peter von Becker, Ingrid Seidenfaden, Martin Schweighofer, Fritz J. Raddatz, Christine Dössel, Jörn Jacob Rohwer, Maria Sommer, Michael Verhoeven, István Eörsi, Georg Dietz, Dominik Wichmann – und Wend Kässens, dem Herausgeber des Buches.

Das Theater an und für sich funktioniert zwar besser als die Politik oder die Wirtschaft oder die persönlichen Beziehungen. Und trotzdem gibt es eine Krise. Weil es diese anderen Medien gibt. Weil das Theater nicht mehr, wie es in meiner Jugend war, der zentrale Kommunikationsort ist. Es gibt Fernsehen, Video und Kino, das ist eine ungeheure Konkurrenz […]
Und das System ist krank. Weil zuviel produziert wird. Weil es diesen selbst gemachten Leistungsdruck gibt, weil alle irgendwelche Goldmedaillen gewinnen wollen. […] Also der Goethe, heißt es, hat den Nathan in fünf Tagen inszeniert. Das war wahrscheinlich so eine Scheiße, dass das nicht einmal in Sankt Pölten angekommen wäre. Sicher hat sich ganz allgemein bei der Ästhetik viel geändert. Aber auch das ist nur ein Teilaspekt. Der Kern ist: Das Theater ist zu groß, zu reich, der Leistungsdruck verheerend.
(George Tabori 1992 im Gespräch mit Martin Schweighofer, Seite 106f)

Am Schluss des Buches „Der Spielmacher. Gespräche mit George Tabori“ sind wichtige Ereignisse in George Taboris Leben, die Uraufführungen seiner eigenen Stücke und seine Inszenierungen anderer Bühnenwerke chronologisch aufgelistet.

Georg Tabori starb am 23. Juli 2007 in Berlin.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004/2007
Textauszüge: © Verlag Klaus Wagenbach

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