Die letzte Metro

Die letzte Metro

Die letzte Metro

Originaltitel: Le dernier metro – Regie : François Truffaut – Drehbuch: François Truffaut, Suzanne Schiffman und Jean-Claude Grumberg – Kamera : Nestor Almendros – Schnitt : Martine Barraqué – Musik : Georges Delerue – Darsteller: Catherine Deneuve, Gérard Depardieu, Jean Poiret, Andréa Ferreol, Heinz Bennent, Paulette Dubost, Sabine Haudepin, Jean-Louis Richard, Richard Bohringer u.a. - 1980; 125 Minuten

Inhaltsangabe

Als die Deutschen Paris einnehmen, versteckt sich der jüdische Theaterdirektor Lucas Steiner im Keller, wo er von seiner Frau Marion heimlich versorgt wird. An der Seite des Nachwuchsschauspielers Bernard Granger spielt Marion die Hauptrolle in einem neuen Stück. Durch einen Lüftungsschacht hört Lucas Steiner, was auf der Bühne gesprochen wird. So spürt er auch, dass Marion sich in ihren Bühnenpartner verliebt hat, obwohl sie ihn aus Pflichtgefühl auf Distanz hält ...
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Kritik

Leise, langsam und ohne Effekthascherei bespiegelt François Truffaut in seinem exzellent besetzten Film "Die letzte Metro" das Verhältnis von Kultur und Politik.

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Paris, September 1942. Weil die deutsche Besatzung eine nächtliche Ausgangssperre verhängt hat, ist es für die Bewohner der Stadt wichtig, dass sie die letzte Metro nicht verpassen.

Lucas Steiner (Heinz Bennet), der jüdische Besitzer des „Théâtre Montmartre“ konnte den Nationalsozialisten offenbar gerade noch entkommen. Seine Freunde hoffen, dass er inzwischen in Südamerika ist. Sie ahnen nicht, dass er sich im Keller des Theaters versteckt hat und von seiner Ehefrau Marion (Catherine Deneuve) heimlich versorgt wird. Seine Absicht, sich mit Hilfe eines von Marion besorgten Fluchthelfers über die Demarkationslinie ins freie Frankreich und von dort weiter nach Spanien abzusetzen, zerschlägt sich, als die Deutschen am 11. November 1942 auch in diesem Teil Frankreichs die Kontrolle übernehmen.

Jeden Abend, wenn alle das Theater verlassen haben, schleicht Marion Steiner sich heimlich zurück, öffnet die Falltür, die zum Keller führt und kocht ihrem Mann etwas auf einer Spiritusflamme. Tagsüber leitet sie das Theater und vermeidet dabei alles, was sie in Konflikt mit den Besatzern bringen und ihren Mann gefährden könnte. Aus diesem Grund entlässt sie auch einen jüdischen Schauspieler (Jacob Weizbluth).

Jean-Loup Cottins (Jean Poiret), ein homosexueller Freund des Ehepaars, führt Regie bei den Proben für die geplante Aufführung des Stücks „Die Verschwundene“ der norwegischen Dramatikerin Karin Berger mit Marion Steiner und dem Nachwuchsschauspieler Bernard Granger (Gérard Depardieu) in den Hauptrollen.

Bernard tut alles, um die Bühnenbildnerin Arlette Guillaume (Andréa Ferreol) ins Bett zu kriegen, bis sie von Marion eng umschlungen mit der Schauspielerin Nadine Marsac (Sabine Haudepin) ertappt wird und Bernard begreift, dass die Umworbene lesbisch ist.

Durch einen Lüftungsschacht hört Lucas Steiner, was auf der Bühne gesprochen wird. So kann er die Proben verfolgen und Marion abends neue Regieanweisungen geben, die sie in Form von Anregungen an Jean-Loup Cottins weitergibt.

Jean-Loup Cottins pflegt den Kontakt zu dem einflussreichen Theaterkritiker Daxiat (Jean-Louis Richard), obwohl es sich um einen schmierigen, heuchlerischen Antisemiten handelt, denn der Kollaborateur verfügt über gute Beziehungen zu den Zensurbehörden.

Eines Tages erzählt Daxiat Marion Steiner, ihr Mann könne das Land gar nicht verlassen haben, denn sein Personalausweis sei bei einem verhafteten Fluchthelfer gefunden worden. Er rät ihr, sich von ihrem jüdischen Ehemann scheiden zu lassen, um Schwierigkeiten mit den Deutschen zu vermeiden.

Nach der Premiere des neuen Stücks verreißt Daxiat das Stück und die Inszenierung („verjudeter Nihilismus“). Nur den Schauspieler Bernard Granger lobt er. Als Daxiat und Bernard in einem Restaurant aufeinandertreffen, fordert der Schauspieler den Kritiker auf, sich bei Marion Steiner zu entschuldigen, und weil Daxiat sich weigert, zerrt er ihn auf die Straße, um sich mit ihm zu prügeln. Aber der feige Journalist wehrt sich nicht, und Bernard wird von anderen Männern zurückgehalten.

Daxiat findet heraus, dass das Dokument, mit dem Lucas Steiner das Theater seiner Frau überließ, zurückdatiert wurde. Es ist also ungültig. Wenn Daxiat mit dieser Information zu den Behörden geht, wird das „Théâtre Montmartre“ einem anderen Besitzer zugesprochen. Marion Steiner wagt sich daraufhin selbst zu den Deutschen. Dr. Dietrich, mit dem sie sich telefonisch verabredet hat, erschoss sich in der Nacht. An dessen Stelle nimmt Oberleutnant Bergen (László Szabó) sie mit in sein Büro, aber als er zudringlich wird, läuft Marion davon.

Lucas Steiner plant inzwischen bereits eine Inszenierung des „Zauberberg“.

Ohne Wissen seiner Theaterkollegen unterstützt Bernard die Résistance und beschafft seinem Freund Christian Leglise (Jean-Pierre Klein) ein zur Bombe umgebautes Grammophon, das kurz darauf bei einem Attentat explodiert. Einige Zeit später will er sich mit Christian in einer Kirche konspirativ treffen, aber dabei wird er Zeuge, wie sein Freund von der Gestapo festgenommen wird. Daraufhin teilt er Marion seine Absicht mit, das Theater innerhalb eines Monats zu verlassen und sich ganz in den Dienst der Résistance zu stellen.

Während einer Aufführung tauchen zwei angebliche Luftschutz-Beauftragte, bei denen es sich in Wirklichkeit um Gestapo-Offiziere handelt, im „Théâtre Montmartre“ auf und wollen den Keller inspizieren. Während der Theaterdiener Raymond Boursier (Maurice Risch) die Deutschen hinzuhalten versucht, führt Marion kurz entschlossen Bernard in den Keller und weiht ihn auf diese Weise in ihr Geheimnis ein, damit er ihrem Mann hilft, die Spuren seines Aufenthalts zu beseitigen und sich hinter Gerümpel zu verstecken. So wird denn auch bei der Durchsuchung nichts gefunden.

Obwohl Marion sich gegenüber Bernard distanziert verhält, spürt Lucas längst, dass seine Frau den jungen Schauspieler liebt und ihre Gefühle nur unterdrückt, weil sie sich ihrem Mann verpflichtet fühlt. Tatsächlich ist sie hin- und hergerissen zwischen Leidenschaft und Loyalität.

Nachdem Bernard seine Sachen gepackt hat, kommt Marion, um sich von ihm zu verabschieden. Unvermittelt schließt Bernard die Tür seiner Garderobe, küsst sie, und sie lieben sich am Boden.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Nach achthundertdreizehn Tagen und Nächten kann Lucas Steiner endlich sein Versteck verlassen: Von der Bevölkerung umjubelt, zieht Charles de Gaulle an der Spitze der Freifranzosen am 25. August 1944 durch den Arc de Triomphe und über die Champs Élysées in Paris ein.

Paris, Spätsommer 1944. Bernard liegt verwundet in einem Krankenhaus und erhält Besuch von Marion. Sie habe ihn nicht vergessen können, sagt sie, und alles für ihn aufgegeben, doch er schickt sie fort. – Mit dieser Szene endet das neue Stück im „Théâtre Montmartre“. Lucas Steiner, der von Bernard und Marion auf die Bühne geholt wird, erhält stehende Ovationen.

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Leise, langsam und ohne Effekthascherei erzählt François Truffaut vom Leben in einem kleinen Pariser Theater während der deutschen Besatzung. Mit einem Kaleidoskop kleiner Ereignisse bespiegelt der Film „Die letzte Metro“ das Verhältnis von Kultur und Politik. Während sich der jüdische Theaterdirektor im Keller verstecken muss, wird auf der Bühne gespielt, und die Mitglieder des Ensembles schlagen sich mit verschiedenen Schwierigkeiten herum. Im Mittelpunkt steht die starke, zwischen Liebe und Treue hin- und hergerissene Ehefrau des Untergetauchten, die von Catherine Deneuve eindrucksvoll gespielt wird.

Für „Die letzte Metro“ gab es 1981 zehn „Césars“, einen „Golden Globe“ und eine „Oscar“-Nominierung.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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