Juli Zeh : Schilf

Schilf
Schilf Originalausgabe: Schöffling, Frankfurt/M 2007 ISBN 978-3-89561-431-6, 383 Seiten Taschenbuch: btb, München 2009 ISBN: 978-3-442-73806-9, 383 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Oskar arbeitet beim CERN in Genf daran, Quantenmechanik und Relativitätstheorie zu vereinigen. Dass sein Freund Sebastian in Freiburg eine Familie gegründet hat, als Physiker auf Nanotechnologie spezialisiert ist und nebenher über die Viele-Welten-Theorie nachdenkt, missfällt ihm. – Sebastians Sohn wird gekidnappt, ruft jedoch aus einem Ferienlager an und weiß nichts von einer Entführung. Kurz darauf wird ein Arzt ermordet. Die Polizei ermittelt außerdem in einem Medizinskandal ...
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Kritik

"Schilf" ist ein intellektueller Roman mit Karikatur-Figuren, die von Juli Zeh wie Marionetten bewegt werden. Lesenswert ist "Schilf" wegen origineller Ideen, ironischer Untertöne und einer glänzenden Sprache.
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Oskar und Sebastian lernen sich als Physikstudenten an der Universität Freiburg kennen und werden Freunde. Sie gelten als Exzentriker, zumal Oskar die Vorlesungen im „Cutaway mit langschößiger Jacke, gestreiften Hosen und silberner Halsbinde“ (Seite 22) besucht. Zu einer ersten Verstimmung zwischen den beiden kommt es, als sie gemeinsam eine Aufgabe über Dunkle Energie lösen, die ein Professor mit dem Spitznamen Rotkäppchen gestellt hat. Sie gehen zur Tafel. Oskar wählt die rechte Seite und beginnt, eine komplexe Formel von hinten her anzuschreiben, während Sebastian nach kurzem Zögern von vorne an derselben Formel arbeitet.

Er [Oskar] war schlicht davon ausgegangen, dass Sebastian, im Gegensatz zu ihm selbst, nicht in der Lage gewesen wäre, die Herleitung von hinten nach vorn zu schreiben. Das Schlimme war, dass diese Einschätzung zutraf. (Seite 33)

Von da an fühlt Sebastian sich Oskar unterlegen, und in die Freundschaft mengt sich etwas wie Rivalität.

Menschen wie Oskar verstehen das Leben als ein Spiel, das man gewinnen muss […] Für Oskar reicht es nicht zu gewinnen, die anderen müssen auch verlieren. (Seite 60f)

Oskar widmet sein Leben der theoretischen Physik und nimmt sich vor, die Quantenmechanik mit der Relativitätstheorie zur „Theory of Everything“ zu vereinigen. Er zieht nach Genf und fängt beim Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire (CERN) an. Sebastian bleibt in Freiburg im Breisgau, heiratet, wird Vater eines Sohnes und spezialisiert sich als Universitätsprofessor auf Nanotechnologie.

Auch wenn er auf diesem Gebiet als brillant gilt, steht er damit (aus Oskars Sicht) zu einem Theoretiker wie ein Maurermeister zum Architekten. Sebastian beteiligt sich nicht am Kampf um die Unsterblichkeit. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit der Viele-Welten-Interpretation, an deren Namen (wie Oskar findet) bereits zu erkennen ist, dass es sich nicht um eine Theorie handelt, sondern um ein Steckenpferd. (Seite 28)

„Du bist süchtig nach anderen Welten“, sagt Oskar leise. „Nach der Vorstellung, zwei verschiedene Männer zugleich sein zu können. Mindestens.“ (Seite 136)

Im „Spiegel“ wird ein Essay Sebastians über den „Zeitmaschinenmörder“ veröffentlicht. Der Untertitel lautet: „Alles was möglich ist, geschieht.“ Ein Mann mit Nachnamen Roland tötete 2007 fünf Menschen und behauptete dann, er habe ein wissenschaftliches Experiment durchgeführt, um die Viele-Welten-Theorie zu beweisen, der zufolge es statt eines Zeit-Kontinuums einen Stapel von Paralleluniversen gibt. Er sei aus dem Jahr 2015 gekommen, erklärt er, und versichert, dass 2015 alle fünf Opfer am Leben seien. In seiner Welt sei nichts geschehen, meint Roland, und der Gerichtsbarkeit des Jahres 2007 fühle er sich nicht unterworfen.

Seit die Quantenmechanik herausgefunden hat, dass kleinste Teilchen vor dem Moment ihrer Beobachtung nicht in einem, sondern in vielen, einander überlagernden Zuständen vorliegen, ist die Multiversen-Idee nicht nur eine philosophische Bequemlichkeit, sondern eine konsistente Interpretation. (Seite 209)

Für eine live im ZDF-Wissenschaftsmagazin „Zirkumpolar“ übertragene Diskussion fahren Oskar und Sebastian nach Mainz. Enttäuscht von sich fährt Sebastian noch in der Nacht zurück, statt in seinem Hotelzimmer zu schlafen. Er ist froh, dass die Einschaltquote von „Zirkumpolar“ gering ist und die Kollegen am Physikalischen Institut grundsätzlich keine populärwissenschaftlichen Sendungen anschauen.

Am Universitätsklinikum in Freiburg kommt es zum einem Skandal, als wiederholt Herzpatienten während der Operation verbluten. Man stellt Strafanzeige gegen Chefarzt Schlüter. Einem Gerücht zufolge sollten nicht zugelassene Pharmaka erprobt werden. Sebastians Ehefrau Maike, die in der Innenstadt von Freiburg eine Galerie für moderne Kunst betreibt, weiß auch nicht mehr darüber, obwohl sie mit Schlüters Oberarzt Ralph Dabbeling im selben Radsportverein ist und des Öfteren mit ihm zusammen trainiert.

Während der Schulferien reist Maike für drei Wochen zum Radfahren nach Airolo. Ihr zehnjähriger Sohn Liam soll die Zeit in einem Pfadfinderlager in Gwiggen bei Bregenz verbringen. Und Sebastian will die drei Wochen nutzen, um ungestört an einem Essay mit dem Titel „Eine Langzeitbelichtung oder Vom Wesen der Zeit“ zu arbeiten.

Nachdem Maike sich verabschiedet hat, fährt Sebastian mit Liam im Auto los. Der Junge schläft ein und wacht auch nicht auf, als sein Vater tankt. Als er Sebastian sich gerade in der Toilette die Hände wäscht, klingelt sein Handy. Eine Frau namens Vera Wagenfort fordert ihn auf, mit niemandem zu sprechen und auf weitere Anweisungen zu warten. Sebastian kennt keine Frau, die Vera heißt. Sein Auto ist weg. Man hat seinen Sohn entführt. Die Frau ruft wieder an:

„Herr Professor, man hat mich beauftragt, Ihnen eine Botschaft zu überbringen. Einen einzigen Satz. Es hieß, Sie würden verstehen […] Dabbeling muss weg. […] Ich bin angewiesen, auf Nachfrage hinzuzufügen: Dann wird alles gut. Haben sie das verstanden?“ (Seite 75f)

Was soll das? Will der in die Kritik geratene Chefarzt, dass sein Oberarzt als Mitwisser beseitigt wird? Hat er sich für die Aufgabe einen Mann ausgesucht, dessen Frau mit Ralph Dabbeling befreundet ist, damit die Polizei Eifersucht für das Tatmotiv hält?

Einige Zeit später steht Sebastians Wagen wieder auf dem Parkplatz des Rasthofes, allerdings ohne Liam und mit herausgerissenen Zündkabeln.

Am nächsten Morgen ruft Sebastian im Ferienlager an und erklärt, sein Sohn könne wegen einer Grippeerkrankung nicht daran teilnehmen.

Um Liam zu retten, ist Sebastian bereit, Ralph Dabbeling zu ermorden. Zum Glück hat der Mediziner weder Frau noch Kind.

Schließlich wartet er an einer bei Radsportlern beliebten Strecke am Schauinsland auf Dabbeling. Dabei begegnet er dem Rentner Franz Drayer, der unterwegs ist, um Schmetterlinge zu fangen. Als er einen Radsportler kommen sieht, bei dem es sich um Dabbeling handeln könnte, spannt Sebastian an einer abschüssigen Stelle, an der die Radler bis zu 60 Stundenkilometer schnell sind, zwischen zwei Bäumen ein dünnes Stahlseil über die Straße. Der Sportler sieht es aufblitzen, kann aber nicht mehr ausweichen oder bremsen. Das Stahlseil trennt ihm den Kopf ab. Sebastian rollt es wieder auf und wirft es zu Hause in die zur Leerung bereitstehende Mülltonne.

Angespannt wartet er auf eine entsprechende Meldung in den Nachrichten. Was wenn er den Falschen erwischt hat? Erst am Abend heißt es, Oberarzt Ralph Dabbeling sei mit seinem Rad tödlich verunglückt.

Sebastian legt das Handy und das schnurlose Telefon vor sich auf den Tisch. Er will für die Kidnapper erreichbar sein und nach ihrem Anruf sofort losfahren, um Liam zu holen. Doch keiner der beiden Apparate klingelt. Gegen drei Uhr nachts hält Sebastian es nicht mehr aus. Er ruft Oskar in Genf an und berichtet ihm, er habe einen Mann umgebracht. „Dabbeling?“, fragt Oskar sogleich und möchte wissen, ob Sebastian aus Eifersucht gehandelt habe. Als dieser ihm von der Entführung und Erpressung erzählt, rät Oskar ihm, bei der Polizei Anzeige zu erstatten und Liam suchen zu lassen.

Rita Skura, eine eineindreißig Jahre alte unverheiratete, kinderlose Kriminalkommissarin, übernimmt die Ermittlungen, und die Polizeipsychologin drängt Sebastian, seine Frau zu verständigen. Die Polizei richtet eine Fangschaltung ein. Doch statt der Erpresser meldet sich Liam. Er befindet sich, wie geplant, im Ferienlager in Gwiggen und weiß nichts von einer Entführung. Offenbar schlief er noch immer, als er pünktlich hingebracht wurde.

Sebastian holt ihn vorzeitig zurück. Maike bricht ihren Urlaub ebenfalls ab. Sie glaubt nicht an die Entführung, und als sie erfährt, dass Ralph Dabbeling ermordet wurde, verdächtigt sie Sebastian als Täter. Offenbar handelte er aus Eifersucht.

Weil der Polizeipräsident annimmt, dass Rita Skura mit den Ermittlungen in dem Medizinerskandal, dem Mord- und dem Entführungsfall überfordert sei, beordert er Kriminalhauptkommissar Schilf von Stuttgart nach Freiburg.

Schilf ist Anfang fünfzig. Er lebt seit vier Wochen mit einer zehn Jahre jüngeren Freundin zusammen. Julia hatte mit sechzehn begonnen, Modell für Aktzeichnungen zu stehen; im Verlauf der Zeit waren die Künstler berühmter und die Honorare höher geworden. Weil Schilf seit kurzem weiß, dass er wegen eines Gehirntumors (Glioblastoma multiforme) nicht mehr lang leben wird, fühlt er sich frei, nach seinem eigenen Gutdünken zu handeln.

In der Bahn, auf dem Weg von Stuttgart nach Freiburg, liest Schilf im „Spiegel“ einen Artikel über den „Zeitmaschinenmörder“, den er 2007 verhaftete. Er war mit dem Mann zufällig in einem Café ins Gespräch gekommen. Freimütig hatte Roland von seinem „wissenschaftlichen Experiment“ erzählt. Schließlich forderte Schilf eine Polizeistreife an. Während er auf ihr Eintreffen wartete, plauderte er weiter mit dem „Zeitmaschinenmörder“.

Schon als Kind war er [Schilf] begeistert von der Idee, die Welt könne in Wahrheit ganz anders beschaffen sein, als die menschlichen Sinne sie zeigen. (Seite 165)

In Freiburg wird Schilf von Rita Skura abgeholt. Sie kennt ihn, denn er war ihr Ausbilder. Die ehrgeizige Kommissarin befürchtet, dass er ihr die Fälle wegnimmt, aber Schilf verspricht ihr, sich auf die Entführung zu konzentrieren, ihr also den Mord und den Medizinerskandal zu überlassen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Schlüter wird von Rita Skura während einer Visite überrumpelt. Der Chefarzt beschwert sich darüber, wie ein Mörder behandelt zu werden. Wegen der Gerüchte über die Erprobung nicht zugelassener Präparate weigern sich bereits einige Patienten, die von ihm verordneten Medikamente zu nehmen. Für die Tatzeit des Mordes hat er ein Alibi: Er war im Kurzurlaub im Montreux Palace Hotel am Genfer See.

Schilf spricht mit dem Vater des angeblich entführten Kindes und schaut sich am Tatort des Mordes um. Dort trifft er auf den Schmetterlingsjäger Franz Drayer, der ihm einen Mann beschreibt, den er hier zur Tatzeit sah.

Beim nächsten Telefongespräch mit Julia meint Schilf:

„Den Mörder habe ich gefunden. Jetzt kommt es darauf an, ihn vor der Polizei zu schützen.“
„Ich dachte, du arbeitest für die Polizei?“
„Das macht die Sache nicht einfacher.“ (Seite 265)

Schilf fährt zu Oskar nach Genf. Der Physiker fragt ihn, ob Sebastian gestanden habe. Nach dem Gespräch mit Oskar kennt Schilf auch den Entführer, aber Ralph Dabbelings Tod ergibt keinen Sinn. Den muss Schilf erst noch herausfinden.

Rita Skura schickt Polizeiobermeister Schnurpfeil nach Gwiggen. Dort erfährt er, dass der Mann, der Liam abholte, nicht der war, der ihn gebracht hatte. Das bestätigt Schilfs Theorie, dass Oskar die Entführung Liams vortäuschte.

Inzwischen vernimmt Rita Skura Sebastian, der ein volles Geständnis ablegt. Zu seiner Verwunderung lässt sie ihn anschließend frei, statt ihn zu verhaften.

Im Rahmen seiner Ermittlungen schaut Schilf sich eine Aufzeichnung der Diskussion von Oskar und Sebastian in der ZDF-Sendung „Zirkumpolar“ an. Er glaubt, den Satz „das ist Dabbeling“ zu hören. Dann versteht er, dass von Doublethink die Rede ist, vom „Zwang, zwei Dinge, die einander widersprechen, gleichermaßen für wahr zu halten“ (Seite 330). Das also war mit „Dabbeling muss weg“ gemeint.

Um Sebastian darüber aufzuklären, fährt er erneut zu ihm. An der Zimmerdecke baumelt statt einer Lampe eine Drahtschlinge, und auf dem Boden liegt ein umgestürzter Stuhl. Sebastians Suizidversuch schlug fehl. Als Schilf ihm erklärt, dass der Satz nicht „Dabbeling muss weg“, sondern „Doublethink muss weg“ hieß, begreift er, dass Oskar ihm einen Streich spielte. Nun fällt ihm ein, dass es sich bei Vera Wagenfort um Oskars Vorzimmerdame handelt. Vermutlich rechnete Oskar sogar damit, dass er sie am Telefon erkennen und den Scherz durchschauen würde.

„Oskar hat ein Paralleluniversum inszeniert“, sagt er [Schilf]. „Liam wurde entführt und gleichzeitig auch nicht. Sebastian sollte erkennen, was es bedeutet, wenn man sich auf die Wirklichkeit nicht verlassen kann. Wie es wäre, wenn es kein Entweder-oder, sondern nur ein Sowohl-als-auch gäbe.“ (Seite 358)

Durch Zufall wurde aus dem Streich ein Mord.

„Sebastian ist zwischen den Universen verrutscht.“ (Seite 358)

Auch die Todesfälle im Universitätsklinikum werden aufgeklärt. Ursache war die Verwechslung von Pillen durch eine Schwesternschülerin: Sie gab den Herzpatienten versehentlich ein Blutverdünnungsmittel statt eines Sedativums.

Schilf und Rita Skura holen Ralph Dabbelings Kopf aus der Gerichtsmedizin und packen ihn in eine Kühltasche. Sie fordern Oskar auf, nach Freiburg zu kommen, im Panorama-Hotel auf dem Schauinsland zu übernachten und am nächsten Morgen einen Waldspaziergang zu machen. Dort bereiten sie zusammen mit Sebastian und Schnurpfeil rechtzeitig alles vor. Der Physiker und der Polizeiobermeister tragen das gleiche Radsportdress. Als Oskar sich dem Tatort nähert, glänzt ein über die Straße gespanntes Drahtseil. Schnurpfeil kommt auf einem Fahrrad angerast. Metallteile wirbeln durch die Luft. Im nächsten Augenblick sieht Oskar Sebastian am Straßenrand liegen, und als er sich umdreht, stehen Schilf und Rita Skura hinter ihm. Die Kommissarin hält einen abgetrennten Kopf in der Hand.

Schilf bricht tot zusammen.

Wir haben nicht alles gehört, dafür das meiste gesehen, denn immer war einer von uns dabei.
Ein Kommissar, der tödliches Kopfweh hat, eine physikalische Theorie liebt und nicht an den Zufall glaubt, löst seinen letzten Fall. Ein Kind wird entführt und weiß nichts davon. Ein Arzt tut, was er nicht soll. Ein Mann stirbt, zwei Physiker streiten, ein Polizeiobermeister ist verliebt. Am Ende scheint alles anders, als der Kommissar gedacht hat – und doch genau so. Die Ideen des Menschen sind die Partitur, sein Leben ist eine schräge Musik.
So ist es, denken wir, in etwa gewesen. (Seite 7)

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Der Roman „Schilf“ handelt zwar von einem wahnwitzigen Mord, aber Juli Zeh benutzt die Thriller-Elemente nur als Versatzstücke für eine absurde Geschichte über eine exzentrische Männerfreundschaft und Anspielungen auf physikalische Theorien über die Zeit, Parallel-Universen und Überlagerungszustände (Quantenmechanik, Gedankenexperiment „Schrödingers Katze“). Auch einen Gedanken von George Orwell greift sie auf: In „1984“ werden die Menschen dazu gebracht, etwas gleichzeitig für wirklich und unwirklich zu halten bzw. in der Wahrheit nur eine Möglichkeit von vielen zu sehen.

Die Kapitelüberschriften sind beinahe so lang wie in einem Barockroman:

  • Erstes Kapitel in sieben Teilen. Sebastian schneidet Kurven. Maike kocht. Oskar kommt zu Besuch. Die Physik gehört den Liebenden.
  • Zweites Kapitel in sieben Teilen, in dem die erste Hälfte des Verbrechens geschieht. Der Mensch ist überall von Tieren umgeben.
  • Drittes Kapitel in sieben Teilen. Höchste Zeit für den Mord. Erst läuft alles nach Plan und dann doch nicht. Es ist nicht ungefährlich, einen Menschen beim Warten zu zeigen.
  • Viertes Kapitel in sieben Teilen. Rita Skura hat eine Katze. Der Mensch ist ein Loch im Nichts. Mit Verspätung kommt der Kommissar ins Spiel.
  • Fünftes Kapitel, in dem der Kommisar den Fall löst, ohne dass die Geschichte deshalb zu Ende wäre.
  • Sechstes Kapitel in sieben Teilen. Der Kommissar hockt im Farn. Ein Zeuge, auf den es nicht ankommt, hat seinen zweiten Auftritt. Manch einer fährt nach Genf.
  • Siebstes Kapitel, in dem der Täter gestellt wird. Am Ende entscheidet der innere Richter. Ein Vogel steigt auf.

 

Wer einen spannenden Krimi mit farbigen Figuren, plausiblen Handlungen und realistischen Situationen erwartet, wird von „Schilf“ enttäuscht sein. „Schilf“ ist ein intellektueller Roman mit Karikatur-Figuren, die von einer auktorialen Erzählerin wie Marionetten bewegt werden. Lesenswert ist „Schilf“ wegen origineller Ideen, ironischer Untertöne und einer glänzenden Sprache.

Für mich hat das Buch zwei Hälften. Es gibt echte Romanfiguren, das sind Sebastian und Oskar, die sehr eng zusammen gehören. Im Grunde sind das zwei Facetten derselben Figur. Oskar hat alle schwarzen und alle Kopf-Eigenschaften bekommen und Sebastian alle hellen und gefühlsbetonten. Die Polizisten kommen dagegen aus einer anderen Welt. Sie sind wie Comic-Figuren, haben etwas Groteskes und Satirisches.
(Juli Zeh in einem Interview mit Jenny Hoch, Der Spiegel, 13. Oktober 2007)

Den Roman „Schilf“ von Juli Zeh gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Tatja Seibt (Bearbeitung: Petra Meyenburg, Regie Gottfried von Einem, Berlin 2007, 6 CDs, ISBN: 978-3-89813-687-7). Bettina Bruinier und Katja Friedrich bearbeiteten den Roman „Schilf“ für die Bühne. Die Erstaufführung fand am 13. Dezember 2007 im Münchner Volkstheater unter der Regie von Bettina Bruinier statt.

Claudia Lehmann verfilmte den Roman „Schilf“ von Juli Zeh.

Originaltitel: Schilf – Regie: Claudia Lehmann – Drehbuch: Leonie Terfort, Claudia Lehmann, nach dem Roman „Schilf“ von Juli Zeh – Kamera: Manuel Mack – Schnitt: Nikolai Hartmann – Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel – Darsteller: Mark Waschke, Stipe Erceg, Bernadette Heerwagen, Nicolas Treichel, Sandra Borgmann, Bernhard Conrad, Paul T. Grasshoff u.a. – 2012; 90 Minuten

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009 / 2012
Textauszüge: © Schöffling

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Julia Zange - Die Anstalt der besseren Mädchen
Julia Zange wechselt in "Die Anstalt der besseren Mädchen" zwischen nüchternem Realismus, Ironie und skurrilem Surrealismus. Was den Leser fesselt, ist denn auch weniger der Inhalt, als die Atmosphäre.
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