Ian McEwan : Maschinen wie ich

Maschinen wie ich
Machines Like Me (and People Like You) Jonathan Cape, London 2019 Maschinen wie ich Übersetzug: Bernhard Robben# Diogenes Verlag, Zürich 2019 ISBN 978-3-257-07068-2, 405 Seiten ISBN 978-3-257-60958-5 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

1982 werden die ersten 25 kaum von Menschen zu unterscheidenden Androiden an Privatpersonen verkauft. Einen der Adam genannten männlichen Roboter erwirbt der 32-jährige Müßiggänger Charlie Friend in London – und die beiden verlieben sich in dieselbe Frau, in die Nachbarin Miranda ...
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Kritik

Mit einem Gedankenexperiment erkundet Ian McEwan Herausforderungen, die durch die Entwicklung künstlicher Intelligenz entstehen. "Maschinen wie ich" ist ein nachdenklicher Roman. Die Handlung dient vor allem als Gerüst für Überlegungen und theoretische Ausführungen.
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Charlie Friend

Charles („Charlie“) Friend wurde 1950 als Sohn eines Musikers und einer Gemeindeschwester in einem Dorf bei Stratford/Warwickshire geboren. Nachdem er sich zunächst für ein Physik-Studium immatrikuliert hatte, studierte er Anthropologie und wechselte schließlich zu Jura. Weil er weder eine Karriere anstrebte noch einen Bürojob haben wollte, versuchte er sich mit verschiedenen Projekten, aber dabei hielten sich die Gewinne und Verluste die Waage. Inzwischen ist er 32 Jahre alt und macht in seiner Wohnung in London mit Börsengeschäften auf seinem alten Laptop wenigstens so viel Geld, wie er zum Leben benötigt.

Adam und Eva

Anfang der Siebzigerjahre kamen autonom fahrende Autos auf.

In der Moralphilosophie gab es zum Glück bereits ein paar weidlich durchdachte Dilemmata, im Fachjargon als „Trolley-Problem“ bekannt. Von Straßenbahnen auf Personenwagen übertragen lautete das Problem, das sich Autoherstellern wie Stoftwareingenieuren stellte: Du fährst, vielmehr dein Auto fährt mit der maximal zulässigen Geschwindigkeit auf einer schmalen Vorstadtstraße. Der Verkehr fließt störungsfrei. Auf dem Gehweg auf deiner Straßenseite steht eine Gruppe Kinder. Plötzlich läuft eines der Kinder, ein Junge, acht Jahre alt, auf die Straße, direkt vor dein Auto. Im Bruchteil einer Sekunde muss eine Entscheidung getroffen werden – entweder überfährst du das Kind, oder du schwenkst in den Gegenverkehr und stößt mit einer Annäherungsgeschwindigkeit von 120 km/h frontal mit einem LKW zusammen. Du bist allein im Auto, dann ist der Fall einigermaßen klar: Du kannst dich entweder opfern oder retten. Was aber, wenn deine Frau und eure zwei Kinder mit im Auto sitzen? Zu leicht? Was, wenn es deine einzige Tochter ist, deine Großeltern bei dir sind oder deine schwangere Tochter mit deinem Schwiegersohn, beide Mitte zwanzig? Und dann gilt es noch an die Insassen des LKWs zu denken. Für einen Computer ist der Bruchteil einer Sekunde mehr als genug Zeit, um all dies zu berücksichtigen. Die Entscheidung wird davon abhängen, welche Prioritäten in der Software festgelegt wurden.

1982 werden die ersten 25 Androiden angeboten, 12 männliche („Adam“) und 13 weibliche („Eva“). Charlie, dessen verwitwete Mutter unlängst starb, nutzt die Erbschaft, um einen der noch sehr teuren Roboter zu kaufen. Am liebsten hätte er eine Eva gehabt, aber die weiblichen Androiden waren sofort vergriffen.

Ich war gewiss nicht der Erste, der das dachte, aber die Geschichte der menschlichen Selbstachtung ließ sich als eine Reihe von Degradierungen bis hin zu ihrer Auslöschung erzählen. Einst saßen wir im Zentrum des Universums wie auf einem Thron, und Sonne und Planeten, die gesamte beobachtbare Welt, drehten sich in einem zeitlosen Tanz der Anbetung um uns. Dann aber pfiff die herzlose Astronomie auf das, was die Priester sagten und reduzierte uns auf einen die Sonne umkreisenden Planeten, bloß einen von vielen Felsbrocken. Dennoch blieben wir etwas Besonderes, waren brillant, einzigartig, vom Schöpfer dazu auserkoren, Herr über alles zu sein, das da lebte. Bald darauf bestätigte die Biologie, dass wir uns vom Rest keineswegs radikal unterschieden und dieselbe Abstammung hatten wie Bakterien, Stiefmütterchen, Forellen und Schafe. Im frühen zwanzigsten Jahrhundert wurden wir noch tiefer in die Dunkelheit es Exils getrieben, als uns die ungeheuerliche Weite des Universums aufging und selbst die Sonne nur noch eine war unter vielen Milliarden Sonnen in unserer Galaxie, einer unter vielen Milliarden Galaxien. Was das Bewusstsein betraf, unsere letzte Bastion, hatten wir wohl recht in der Annahme, dass wir mehr davon besaßen als jedes andere Lebewesen auf Erden. Doch der Geist, der einst gegen die Götter rebellierte, stand nun kurz davor, sich dank seiner eigenen formidablen Fähigkeiten selbst zu entthronen. Der kurzgefassten Version zufolge würde es so laufen, dass wir eine Maschine entwickelten, die etwas cleverer als wir selbst war, und diese Maschine dann eine andere erfinden ließen, die unser Verständnis überstieg. Was brauchte es uns dann noch?

Adam sieht wie ein Mensch aus, bewegt sich wie einer und ist im Zweifel intelligenter. Bei der Festlegung der Persönlichkeitsparameter beschränkt Charlie sich auf eine Hälfte und überlässt die andere – wie bei der natürlichen Zeugung eines Kindes – seiner über ihm wohnenden Nachbarin Miranda, einer zehn Jahre jüngeren Studentin der Sozialgeschichte, mit der er zugleich ein Liebesverhältnis beginnt.

Eines Abends, als Charlie den Androiden in Mirandas Wohnung zurückgelassen hat, hört er die beiden im Schlafzimmer und Mirandas Lustschrei. Zur Rede gestellt, behauptet sie, bei Adam handele es sich um nichts weiter als einen zweibeinigen Vibrator. Auf den könne er doch nicht eifersüchtig sein. Charlie nimmt Adam dennoch das Versprechen ab, kein weiteres Mal mit Miranda intim zu werden. Der Roboter sichert dies zu, erklärt aber zugleich, dass er sich in Miranda verliebt habe.

Mark

Auf einem Kinderspielplatz schreit eine Mutter auf ihren schätzungsweise vierjährigen Sohn ein. Charlie geht hin und versucht, die Frau zu beruhigen, aber sie ruft einen Kerl namens John. Der baut sich bedrohlich vor Charlie auf und fragt dann:

„Wollen Sie ihn?“
„Was?“
„Sie können ihn haben. […] Er gehört ihnen. Nehmen Sie ihn mit nach Hause.“
[…] Aus einem Impuls heraus beschloss ich, den bluffenden Vater beim Wort zu nehmen. „Na schön. Er kann mitkommen und bei mir wohnen. Um den Papierkram kümmern wir uns später.“

Charlie und der Junge, der Mark heißt, sind schon einige Schritte miteinander gegangen, als die Frau angerannt kommt, um ihren Sohn zurückzuholen.

Einige Tage später hören Charlie, Miranda und Adam eine Männerstimme im Treppenhaus. Es klingelt. Draußen steht Mark. Sein Vater hat ihn dort hingestellt und ist bereits gegangen.

Ohne sich mit Charlie und Miranda abzusprechen, meldet Adam das den Behörden, damit nicht der Verdacht einer Kindesentführung aufkommt. Zwei Sozialarbeiterinnen holen Mark ab.

Alan Turing

In einem Restaurant, in dem Charlie und Miranda essen, sitzt auch Alan Turing mit seinem Lebensgefährten Tom Reah, und beim Hinausgehen wendet Charlie sich an die beiden, um kurz seine Bewunderung für sie auszudrücken.

Noch weiß niemand, dass der Physiker Tom Reah sieben Jahre später den Nobelpreis bekommen wird. Seit 1969 arbeitet er eng mit Alan Turing zusammen, der die Entwicklung künstlicher Intelligenz überhaupt erst ermöglichte.

Auf ihn ging alles zurück – in den Dreißigerjahren die theoretischen Grundlagen für eine universelle Maschine, die Möglichkeit eines Maschinenbewusstseins, dann seine berühmte Arbeit während des Krieges: Manche behaupteten, er hätte mehr als jeder andere Mensch zu unserem Sieg beigetragen; andere, er allein habe den Krieg um zwei Jahre verkürzt. Dann die Forschungen mit Francis Crick zur Proteinstruktur; wenige Jahre später die Lösung des P-NP-Problems in Zusammenarbeit mit zwei Freunden vom King’s College in Cambridge, auf Grundlage deren er verbesserte neuronale Netze sowie eine revolutionäre Software für Röntgenkristallographie entwickelte; Turings Mitarbeit an den ersten Protokollen fürs Internet, damals noch das World Wide Web; die berühmte Zusammenarbeit mit Hassabis, den er bei einem Schachturnier kennenlernte (die Partie gegen ihn verlor Turing); dann die Gründung, gemeinsam mit jungen Amerikanern, eines dieser gigantischen Konzerne des digitalen Zeitalters. Zudem setzte er seinen Reichtum für wohltätige Zwecke ein und vergaß nie seine intellektuellen Anfänge, entwickelte sein ganzes Arbeitsleben lang immer noch bessere digitale Modelle für die allgemeine Intelligenz.

Alan Turing lädt Charlie einige Zeit nach der Begegnung im Restaurant ein, denn er möchte erfahren, wie es seinem Adam geht. Er macht sich Sorgen um die Androiden, denn sie zerstören sich reihenweise selbst.

Wir erschaffen Maschinen mit Intelligenz und Bewusstsein und stoßen sie hinaus in unsere unvollkommene Welt. Sie sind nach rationalen Grundsätzen geschaffen, anderen Menschen gegenüber positiv eingestellt, und nun wird ihr Verstand von einem Hurrikan von Widersprüchen erfasst. Wir selbst haben damit zu leben gelernt, und die Liste ödet uns an: Millionen sterben an Krankheiten, die wir heilen können. Millionen leben in Armut, obwohl es genug für alle gibt. Wir zerstören unsere Biosphäre, obwohl wir wissen, dass sie unsere einzige Heimat ist. Wir bedrohen uns gegenseitig mit Atomwaffen, auch wenn wir wissen, wohin das führen kann. Wir lieben Lebendiges, lassen aber massenhaftes Artensterben zu. Und dann der ganze Rest – Genozid, Folter, Versklavung, häusliche Gewalt bis hin zum Mord, Kindesmissbrauch, Schießereien in Schulen, Vergewaltigungen, tagtäglich eine schier endlose Zahl skandalöser Gräueltaten. Wir leben mit all diesen Grausamkeiten […]. Künstliche Intelligenzen sind da weniger gut geschützt.

Maschinen ohne Bewusstsein, das war Datenverarbeitung, nicht Denken. Die 25 Androiden verfügen jedoch nicht nur über ein Ich-Bewusstsein, sondern auch über Gefühle. Das macht ihnen zu schaffen.

Das Ende der mentalen Privatsphäre

Adam denkt über die Zukunft nach:

Fast alles, was ich in der Literatur der Welt gelesen habe, beschreibt Varianten menschlichen Versagens – mangelndes Verständnis, mangelnde Vernunft, mangelnde Weisheit oder das Fehlen von echtem Mitgefühl, Versagen, was Erkenntnis betrifft, Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Introspektion; glänzende Darstellungen von Mord, Grausamkeit, Habgier, Dummheit, Selbsttäuschung und vor allem von tiefen Missverständnissen im Hinblick auf andere. Natürlich zeigt sich auch Güte, und Heldenmut, Gnade, Weisheit oder Wahrheit. Aus diesem üppigen Wirrwarr erwuchsen ganze literarische Traditionen, blühten auf wie die Wildblumen in Darwins berühmter Hecke. Romane voller Spannungen, Heimlichkeiten, Gewalt, voller Augenblicke der Liebe auch, und das formal perfekt gestaltet. Doch ist die Vereinigung von Männern und Frauen mit den Maschinen erst komplett, wird diese Art Literatur überflüssig werden, da wir einander dann zu gut verstehen. Wir werden in einer geistigen Gemeinschaft leben und zu jedem Kopf unmittelbaren Zugang haben. Die Vernetzung wird so weit gehen, dass die individuellen Knotenpunkte der Subjektivität sich auflösen in einem Ozean von Gedanken, wofür das Internet nur ein kruder Vorläufer ist.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Racheengel

Miranda war acht Jahre alt, als ihre Mutter starb. Inzwischen ist auch ihr Vater, der Schriftsteller Maxfield Blacke, schwer krank und sie besucht ihn so oft wie möglich in Salisbury.

In der Kindheit und Jugendzeit war Miranda eng mit ihrer Mitschülerin Mariam Malik befreundet. Im Alter von 17 Jahren vertraute die Freundin ihr an, dass ein ebenfalls in Salisbury lebender 19-Jähriger namens Peter Gorringe sie vergewaltigt habe. Mariam nahm Miranda zugleich das Versprechen ab, das Geheimnis zu bewahren, denn sie wollte die Familienehre schützen.

Als Mariam sich dann das Leben nahm, rächte Miranda sie, indem sie Peter Gorringe verführte und ihn danach wegen Vergewaltigung anzeigte. Obwohl er seine Unschuld beteuerte, wurde er 1979 zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Nun kommt er vorzeitig frei, und Miranda fürchtet sich vor ihm, denn ein bereits entlassener Mithäftling überbrachte ihr die Botschaft, dass Gorringe sie töten wolle. Trotz der Gefahr fährt Miranda mit Charlie und Adam nach Salisbury, um nach einem Besuch ihres Vaters – der den Freund seiner Tochter mit dem Androiden verwechselt – bei Peter Gorringe zu klingeln.

Sie konfrontiert den 22-Jährigen mit der Wahrheit. Er gibt zu, in den ersten Wochen der Haft hasserfüllt Rachepläne geschmiedet zu haben. Aber dann sei er durch den Einfluss eines Gefängnis-Geistlichen geläutert worden und habe verstanden, dass er für die andere Vergewaltigung büßen musste.

Bombenanschlag

Nach dem verlorenen, verlustreichen Falkland-Krieg im Jahr 1982 ist die britische Premierministerin Margaret Thatcher so angeschlagen, dass die Torys die nächste Wahl verlieren und die Labour Party mit Tony Benn den neuen Regierungschef stellt.

Die Rechte gab die Schuld an der Arbeitslosigkeit den Einwanderern aus Europa und dem Commonwealth. Britische Löhne wurden unterboten. ausländische Zuwanderer, dunkelhäutig oder weiß, vermehrten die Wohnungsnot, Arztwartezimmer und Krankenhausstationen waren überfüllt, ebenso die Schulen, auf den Spielplätzen tummelten sich angeblich lauter achtjährige Mädchen mit Kopftuch. […]
Die Linke hörte in diesen Klagen nur fremdenfeindliche und rassistische Verzerrungen. Ihre Beschwerdeliste war länger: die Gier der Aktionäre, fehlende Investitionen, kurzfristiges Denken, der Kult der Shareholder Value, unterbliebene Unternehmensrechtsreformen, das Wüten eines ungezügelten Marktes. […]

Aber Tony Benn kommt bei einem Bombenanschlag in einem Hotel in Brighton ums Leben. Das treibt den FTSE um 57 Punkte nach oben.

Familiengründung

Statt selbst weiter an der Börse zu spekulieren, überlässt Charlie seinen Laptop Adam. Der Androide lernt rasch und häuft nach anfänglichen Fehlinvestitionen enorme Gewinne an. Mit dem Geld leistet Charlie eine Anzahlung auf eine Villa in Notting Hill.

Miranda und er heiraten standesamtlich. Sie wollen Mark aus dem Kinderheim holen und ihn adoptieren. Während sein Vater im Gefängnis sitzt, befindet sich seine drogensüchtige Mutter in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung.

Aber der Traum, als Familie in der Villa in Notting Hill zu wohnen, zerplatzt, denn Adam spendet das von ihm im Börsenhandel gewonnene und von Charlie in einem Koffer für die Villa gesammelte Bargeld heimlich an gemeinnützige Organisationen.

Der Androide erwartet von Miranda, dass sie sich wegen ihres Meineids vor Gericht verantwortet und lässt sich auch nicht davon abbringen, als sie ihm entgegenhält, dass sie mit ihrer Straftat Gerechtigkeit geschaffen habe. Nicht einmal die Überlegung, dass der verzweifelte und im Heim verhaltensauffällig gewordene kleine Junge keine Aussicht habe, von einer Vorbestraften adoptiert zu werden, kann Adam erweichen. Er habe das Beweismaterial bereits der Polizei in Salisbury geschickt, sagt er.

Daraufhin schlägt Charlie ihm mit einem Hammer von hinten den Schädel ein.

Wegen der Vergewaltigung Mariam Maliks wird Peter Gorringe zu acht Jahren Haft verurteilt. Charlie lässt sich seine Anzahlung für das Haus zurückgeben, um die Rechtsanwältin Lilian Moore für Mirandas Verteidigung bezahlen zu können. Die Angeklagte erhält eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, von der sie die Hälfte verbüßen muss.

Aufgrund des Schuldspruchs lehnen die Behörden die Adoption Marks ab, aber Miranda und Charlie legen erfolgreich Berufung gegen den Bescheid ein.

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„Maschinen wie ich“ ist eigentlich kein Science-Fiction-Roman, denn die Handlung spielt 1982 in England. Allerdings ist die von Ian McEwan dargestellte Welt ein wenig anders, als sie es damals war: Die Briten verlieren den Falkland-Krieg und haben 3000 Gefallene zu beklagen. Der Labour-Parteichef Tony Benn löst Margaret Thatcher als Regierungschef ab. Alan Turing hat sich nicht 1954 mit Cyanid vergiftet, sondern gehört 1982 zu den führenden Wissenschaftlern, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen. Seit Beginn der Siebzigerjahre gibt es autonom fahrende Autos; man benutzt längst Mobiltelefone, und 1982 werden die ersten 25 Androiden, die kaum von Menschen zu unterscheiden sind, an Privatpersonen verkauft.

Vor diesem Hintergrund entwickelt Ian McEwan in „Maschinen wie ich“ eine Dreiecksgeschichte über den 32-jährigen Müßiggänger Charlie Friend und den Androiden Adam, die beide dieselbe Frau lieben: Charlies zehn Jahre jüngere Nachbarin Miranda.

Mit diesem Gedankenexperiment erkundet Ian McEwan eine Entwicklung, in der wir uns bereits befinden: die Interaktion mit künstlicher Intelligenz. Der Roboter Adam akzeptiert keine noch so sinnvolle Notlüge und löst mit seinen konsequenten, nicht korrumpierbaren ethischen Vorstellungen eine Krise aus. Die erste Generation von Androiden scheitert nicht nur am Chaos des Lebens, sondern auch an der moralischen Verkommenheit der Menschen.

„Maschinen wie ich“ lautet der Titel des Romans von Ian McEwan, aber erzählt wird die Geschichte nicht von dem Roboter, sondern von Charlie Friend in der Ich-Form.

Wer aktionsreiche Plots bevorzugt, könnte von der Handlung enttäuscht sein, zumal Ian McEwan immer wieder seitenlange retardierende Passagen mit Überlegungen und theoretische Ausführungen einfügt. Mit dem Roman „Maschinen wie ich“ regt Ian McEwan zum Nachdenken über die mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz einhergehenden Herausforderungen an. Dabei demonstriert er auch sein breit gestreutes Wissen.

Hin und wieder stolpert man über missglückte Formulierungen wie zum Beispiel:

Mein Penis, gekentert am Unterwasserriff meiner Schamhaare, zwinkerte mir mit seinem einen Auge dreist und ermutigend zu, ganz wie es sich gehörte.

Auf dem Tisch wartete eine Flasche Pomerol darauf, mich zu begleiten.

Den Roman „Maschinen wie ich“ von Ian McEwan gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Wanja Mues (ISBN 978-3-257-80405-8).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2019
Textauszüge: © Diogenes Verlag

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