Patrick Modiano : Aus tiefstem Vergessen

Aus tiefstem Vergessen

Patrick Modiano

Aus tiefstem Vergessen

Originalausgabe: Du plus loin de l'ouli Éditions Gallimard, Paris 1996 Aus tiefstem Vergessen Übersetzung: Elisabeth Edl Carl Hanser Verlag, München 2000 ISBN: 3-446-19848-2, 159 Seiten, 29.80 DM (D) dtv, München 2014 ISBN: 978-3-423-14432-2, 159 Seiten, 9.90 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Ein 1945 geborener Schriftsteller, dessen Namen wir nicht erfahren, glaubt 1994 in Paris die gleichaltrige Frau zu erkennen, mit der er 30 Jahre zuvor drei oder vier Monate verbrachte. Bis auf ein kurzes Wiedersehen vor 15 Jahren hat er nie wieder von ihr gehört, und nun wagt er es nicht, sie anzusprechen, denn es könnte sein, dass sie ihn vergessen hat. Stattdessen erinnert er sich an die Zeit mit ihr, von der er sich ebenso wenig lösen kann wie von der Verletzung seiner Gefühle durch das zweimalige Verschwinden der Frau, die sich vor 30 Jahren Jacqueline und vor 15 Jahren Thérèse nannte ...
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Kritik

Der poetische Roman ist aus Erinne­rungen an eine kurze Liebes­ge­schich­te komponiert. Patrick Modiano deutet vieles nur an und stellt mehr Fragen, als er beantwortet. Was bei einem Thriller stören würde, verleiht "Aus tiefstem Vergessen" etwas Schwebendes.
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Der im Sommer 1945 geborene Ich-Erzähler, dessen Namen wir nicht erfahren, bricht im Alter von 20 Jahren sein Studium ab und verlässt das Elternhaus. Schriftsteller möchte er werden. Um sich ein billiges Hotelzimmer nehmen zu können, gibt er sich als volljährig aus. Das erforderliche Geld versucht er mit dem Verhökern einiger antiquarischer Bücher zu verdienen.

Auf der Place Saint-Michel fragt ihn ein gleichaltriges Paar nach dem nächsten Postamt. Sie kommen ins Gespräch, und er begleitet die beiden zu ihrem Hotel am Quai de la Tournelle. Gérard Van Bever und Jacqueline sind die einzigen Gäste im Hôtel de la Tournelle, das in Kürze schließen wird, weil geplant ist, die Zimmer umzubauen und als Apartments anzubieten. Das Paar wohnt seit zwei Monaten in Paris. An den Wochenenden spielen Van Bever und Jacqueline in Provinzkasinos, zum Beispiel in Dieppe, Forges-les-Eaux oder Bagnoles-de-l’Orne.

Sie fuhren gewöhnlich am Samstag los und kehrten am Montag mit einem gewissen Betrag zurück, den sie gewonnen hatten und der nie über tausend Franc lag.

In den nächsten Tagen treffen sie sich noch mehrmals zu dritt. Als Van Bever erstmals allein nach Forges-les-Eaux fährt und Jacqueline in Paris zurücklässt, weil sie sich erkältet hat, erzählt sie dem neuen Freund, sobald der Winter vorbei sei, wolle sie mit Gérard nach Mallorca ziehen. Kürzlich lernten sie den dort lebenden amerikanischen Schriftsteller William McGivern kennen. Der lud sie ein, zu ihm zu kommen, und Jacqueline hofft, dass er ihnen hilft, ein Haus auf der Mittelmeerinsel zu finden. Allerdings reicht das Geld für die Reise noch nicht.

Im Café Dante sagt Jacqueline zwar, sie könne ohne Gérard nicht leben, aber am Abend nimmt sie ihren Begleiter mit ins Zimmer. Dort riecht es nach Äther. Der sei gut gegen ihren Husten, behauptet sie und lässt ihn auch etwas Äther schnüffeln. Am nächsten Morgen gegen sechs verlassen sie das Hotel. Mit den Worten „Ich habe Gérard versprochen, diesen Dreck nicht mehr zu nehmen“ wirft sie das Ätherfläschchen in einen Gully. Sie sitzen noch nicht lange in einem Café in der Nähe des Hotels, als sie Van Bever aus einem Auto steigen sehen. Er sei von Forges-les-Eaux weiter nach Dieppe gefahren und habe dort 3000 Francs gewonnen, berichtet er. Dann erkundigt er sich, was Jacqueline getan habe. Sie sei mit dem gemeinsamen Freund im Kino gewesen, lügt sie.

Als der Ich-Erzähler das Paar wiedersieht, sitzen die beiden mit einem schätzungsweise 35-jährigen Mann zusammen im Café. Van Bever stellt den Fremden als Pierre Cartaud vor. Er brachte Van Bever mit seinem Auto von Dieppe nach Paris zurück.

Am anderen Morgen wacht der zukünftige Schriftsteller auf, weil es an der Tür klopft. Es ist Jacqueline. Sie wartet dann vor dem Gebäude, bis er angezogen ist und geht mit ihm in ein Café. Gérard sei nach Athis-Mons gefahren, um Auszüge aus dem Geburtsregister zu besorgen, erklärt Jacqueline. Sie müssten sich neue Pässe ausstellen lassen, weil sie die alten vor drei Monaten in Belgien verloren hätten. Als ihr Begleiter sich nach Cartaud erkundigt, sagt sie, er arbeite als Zahnarzt am Boulevard Haussmann, neben dem Musée Jacquemart-André. Cartaud leihe ihnen möglicherweise das Geld für die Reise nach Mallorca, fügt sie hinzu. Später kehren sie in das Zimmer des Erzählers im Hôtel de Lima zurück und lieben sich.

Neben dem Musée Jacquemart-André findet er eine Zahnarztpraxis. „Doktor P. Robbes – P. Cartaud“ steht an der Tür, aber niemand öffnet. Der angehende Schriftsteller setzt sich in ein Café mit verglaster Terrasse, und zwar so, dass er den Hauseingang im Blick behalten kann. Nach längerer Zeit steigen Cartaud und Jacqueline aus einem Auto und betreten das Haus.

Am Nachmittag des nächsten Tages entdeckt der Erzähler Jacqueline und Van Bever im Café Dante. „Und Cartaud? Wie war’s gestern am Boulevard Haussmann?“, fragt er scheinbar leichthin. Jacqueline erblasst.

Bevor Van Bever am Samstag nach Forges-les-Eaux fährt, bittet er den gemeinsamen Freund, auf Jacqueline zu achten. Sie nimmt ihn mit in ihr Zimmer und erklärt ihm, sie erwarte einen Anruf von Cartaud. Ob er ihr am Vortag am Boulevard Haussmann aufgelauert habe, fragt sie und sagt dann:

„Ich wollte nicht, dass wir vor Gérard darüber sprechen … Es wäre ihm Ihnen gegenüber peinlich gewesen … Aber mir lag daran, Ihnen zu sagen, dass er über alles Bescheid weiß …“
Sie blickte mir gerade in die Augen, herausfordernd:
„Vorläufig kann ich nicht anders … Wir brauchen diesen Typen …“

Als Cartaud anruft, schlüpft Jacqueline aus dem Bett und zieht sich an. Cartaud wolle sie zum Essen ausführen, erklärt sie und bittet den gleichaltrigen Liebhaber, ihr einen Gefallen zu tun: Sie gibt ihm einen Schlüssel zu Cartauds Wohnung und Praxis am Boulevard Haussmann, den sie heimlich nachmachen ließ. Er soll einen Koffer aus einem Einbauschrank neben dem Fenster holen, während Cartaud mit ihr im Restaurant isst.

In den Räumen findet der Erzähler Visitenkarten von Pierre Robbes, Zahnarzt, aber auch einen vor einem Jahr für Pierre Cartaud, geboren am 15. Juni 1923 in Bordeaux (Gironde), ausgestellten Personalausweis. Der Koffer ist abgesperrt. Beim Weggehen erkundigt der Dieb sich beim Concierge nach Doktor Robbes und erfährt, dass dieser sich in seinem Haus in Behoust aufhält.

Auf Jacquelines nach Äther riechendem Bett liegend, wartet er auf ihren Anruf. Sie fordert ihn auf, ihre Kleidungsstücke in einer Reisetasche zu verpacken, seine eigenen Sachen aus dem Hôtel de Lima zu holen und dann im Café Dante auf sie zu warten. Als sie dort eintrifft, berichtet sie, dass Cartaud mit ihr und einem Paar in einem Restaurant unweit der Place Pereire zu Abend gegessen habe.

„Wir müssen aus Paris verschwinden, alle beide … Sind Sie einverstanden?“
Natürlich war ich einverstanden. […]
„Und Gérard, warten wir denn nicht auf ihn?“, fragte ich sie.
Sie schüttelte den Kopf.

In dem gestohlenen Koffer finden sie lediglich zwei dünne Bündel Banknoten, ein Paar Handschuhe, Bücher über Zahnchirurgie und eine Heftmaschine. Sie wollen nach Mallorca. Um jedoch die Spur zu verwischen, fahren sie erst einmal nach London. Dort hofft Jacqueline, das Geld für die Weiterreise nach Mallorca auftreiben zu können.

„Wir brauchen bloß ein wenig Geld, um nach Mallorca zu fahren. […]
Auf Mallorca sind wir alle Sorgen los. Du könntest deine Bücher schreiben …“

Zwei oder drei Wochen nach ihrer Ankunft in London lernen sie die gleichaltrige Linda Jacobsen kennen. Als die Engländerin erfährt, in welch schäbigem Hotel sie wohnen, verabredet sie sich mit dem Paar für den nächsten Tag und verspricht, jemanden mitzubringen, der helfen könne. Der etwa 40 Jahre alte Mann heißt Peter Rachman. Er verdient sein Geld durch den An- und Weiterverkauf von Immobilien. Bis Rachman eine geeignete Bleibe für die beiden Franzosen gefunden hat, sollen sie bei Linda in einem Haus wohnen, das ihm gehört. Fürs Erste gibt er ihnen ein himmelblaues Kuvert mit 100 Pfund. Nachdem er sie mit seinem Jaguar zum Hotel gebracht hat, damit sie ihre Sachen holen können, fährt er mit ihnen und Linda weiter zur Badeanstalt Lido im Hyde Park, wo er mit einem zehn Jahre jüngeren Drehbuchautor namens Michael Savoundra verabredet ist. Der hofft darauf, dass Rachman seinen nächsten Film mit dem Titel „Blackpool Sunday“ finanziert.

Statt Rachman liest der angehende Schriftsteller das Drehbuch – und lässt sich davon zu einem Romananfang inspirieren.

Am ersten Abend ertappen die neuen Mitbewohner Linda mit einem anderen Mann. Sie sagt:

„Ich kann mich doch auf Sie verlassen? Wenn wir Peter sehen, dann darf er nicht erfahren, dass ich hier Besuch kriege … Er ist sehr eifersüchtig.“

Bald darauf treffen sie und Linda sich mit Michael Savoundra in einem Lokal in Notting Hill. Dort setzt sich der jamaikanische Musiker Edgerose zu ihnen, der Linda augenscheinlich gut kennt. Unerwartet kommt Rachman herein, geht mit starrem Blick auf ihren Tisch zu und schlägt Linda mit dem Handrücken ins Gesicht.

Einige Zeit später sieht der Erzähler auf Jacquelines Bett einen himmelblauen Umschlag mit 300 Pfund liegen, und er erinnert sich, wie Rachman bei der Übergabe des ersten Geldkuverts zu Jacqueline sagte: „Zahlen Sie es mir in Naturalien zurück …“.

Rachman erzählt dem angehenden Schriftsteller, dass er in Lemberg geboren worden und bei Kriegsende aus einem Lager geflohen sei. Er hat seltsame Gewohnheiten:

Wenn er im Restaurant aß, nahm er sein eigenes Besteck mit, und vor dem Essen inspizierte er die Küchen, um zu überprüfen, ob sie sauber waren. Er badete dreimal am Tag und rieb sich mit Synthol ein. In den Cafés bestellte er eine Flasche Mineralwasser und bestand darauf, sie eigenhändig zu öffnen, und er trank direkt aus der Flasche, um zu vermeiden, dass seine Lippen ein Glas berührten, das womöglich schlecht abgewaschen war.
Er hielt Mädchen aus, die viel jünger waren als er, und brachte sie in Wohnungen unter […]. Er besuchte sie am Nachmittag, und ohne sich auszuziehen, ohne irgendwelche Präliminarien, verlangte er, dass sie ihm den Rücken zukehrten, und nahm sie sehr schnell, auf eine kalte und mechanische Art, als würde er sich die Zähne putzen.

Jacqueline verlässt meist um Mitternacht mit Linda das Haus und kommt um 3 Uhr zurück.

Sie öffnete leise die Tür. Ich tat so, als ob ich schliefe.
Und dann, nach einigen Tagen, lag ich bis zum Morgengrauen wach, doch ihren Schritt im Treppenhaus habe ich nie wieder gehört.

Erst 15 Jahre später glaubt er, sie wiederzusehen. Er lebt inzwischen wieder in Paris, weiß jedoch nicht, ob er bleiben oder auf der Suche nach dem argentinischen Dichter Hector Pedro Blomberg nach Buenos Aires ziehen soll. Das Buch, an dem er schreibt, trägt den Titel „Hafendichter und Hafenromanciers“. Sie steigt aus einem Auto, trägt ein gelbes Sommerkleid und eine Sonnenbrille. Ihr Haar trägt sie viel kürzer als früher. Obwohl er ihr Gesicht nicht sehen kann, erkennt er sie am Gang. Zwar folgt er ihr, wagt es jedoch nicht, sie einzuholen, denn vielleicht würde sie sich gar nicht mehr an ihn erinnern. Die Liaison vor 15 Jahren hatte nur drei oder vier Monate gedauert.

Als er an einem der nächsten Abende erneut vor dem Haus herumstreicht, in das sie ging, findet dort eine Party statt, und er mischt sich unter die Gäste. Ob er mit dem Gastgeber Darius befreundet sei, fragt ihn jemand. Er antwortet, nein, mit Jacqueline, aber mit dem Namen können die anderen nichts anfangen. Zuletzt kommt ein Paar, das in der Wohnung darunter wohnt: Georges und Thérèse Caisley. Der Schriftsteller fragt Thérèse – die Frau, die er vom Auto zum Haus gehen sah –, ob sie den Sommer hindurch in Paris bleibe, und sie antwortet, dass sie in einer Woche mit ihrem Mann nach Mallorca reisen werde; dort besäßen sie ein Haus, in dem sie jedes Jahr die Sommermonate verbringen. Als er wissen möchte, ob ihr Mann Kriminalromane schreibe, lacht sie laut:

„Warum sollte er Kriminalromane schreiben?“ […]
„Ich habe ihn mit jemand anders verwechselt, der in Spanien wohnt … William McGivern …“
Sie blickte mir gerade in die Augen, zum ersten Mal.

Er bricht mit den Caisleys zusammen auf. Vor dem Fahrstuhl verabschiedet er sich, weil das Paar sich anschickt, die Treppe zu benutzen. Aber Thérèse Caisley sagt zu ihrem Mann, sie habe ihre Handtasche im Auto vergessen und steigt mit dem Schriftsteller zusammen in den Lift.

„Du hast dich nicht sehr verändert“, meint sie und bietet ihm an, ihn nach Hause zu fahren. Stattdessen steuert sie den Bois de Boulogne an und hält dort im Dunkeln.

Am nächsten Tag zieht es ihn wieder zu der Adresse. Darius, den er auf der Straße trifft, berichtet ihm, dass die Caisleys am Morgen nach Mallorca abgereist seien.

Er hört nie wieder von Thérèse Caisley.

Weitere 15 Jahre später, am 1. Oktober 1994, glaubt er, Jacqueline in der Metro zu sehen. Sie steigt an der oberirdischen Station Corvisart aus, und er folgt ihr zu einem Lebensmittelgeschäft. Nachdem sie eingekauft hat, geht sie in ein Café, und er sieht durch die Scheibe, dass sie am Tresen in Bier trinkt.

Ich wollte sie nicht ansprechen oder ihr weiter nachgehen, um ihre Adresse herauszufinden. Nach all diesen Jahren fürchtete ich, sie würde sich nicht mehr an mich erinnern.

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Ein – ebenso wie Patrick Modiano – im Sommer 1945 geborener Schriftsteller, dessen Namen wir nicht erfahren, glaubt 1994 in Paris die gleichaltrige Frau zu erkennen, mit der er 30 Jahre zuvor drei oder vier Monate verbrachte. Bis auf ein kurzes Wiedersehen vor 15 Jahren hat er nie wieder von ihr gehört, und nun wagt er es nicht, sie anzusprechen, denn es könnte sein, dass sie ihn vergessen hat.

Aus dieser Grundidee entwickelt Patrick Modiano einen zauberhaften Roman. Dabei wird der Titel „Aus tiefstem Vergessen“ konterkariert, denn zumindest der Protagonist hat die Liebe vor 30 Jahren ebenso wenig vergessen wie die Verletzung seiner Gefühle durch das zweimalige Verschwinden der Frau, die sich vor 30 Jahren Jacqueline und vor 15 Jahren Thérèse nannte. Noch immer hängt er der verlorenen Liebe nach. Aus den Erinnerungen daran ist der melancholische Roman komponiert. Der Protagonist empfindet sie als wertvollen Schatz, aber zugleich auch als Belastung.

Patrick Modiano versteht sich in „Aus tiefstem Vergessen“ darauf, fast alles ungeklärt zu lassen und vieles nur anzudeuten. Er widersteht der Versuchung, alles zu erläutern und wirft lieber Fragen auf als sie zu beantworten. Warum trennt Jacqueline sich 1964 von Gérard Van Bever, obwohl sie kurz zuvor noch meinte, sie könne ohne ihn nicht leben? Was veranlasst sie, in London ohne ein Wort des Abschieds zu verschwinden? Warum ändert sie ihren Namen? Es ist zu bezweifeln, dass sie und Van Bever ihre Pässe in Belgien verloren – aber mehr erfahren wir darüber nicht. Und was führt Pierre Cartaud im Schilde? Das lässt Patrick Modiano alles offen. Jacqueline bzw. Thérèse bleibt für den Protagonisten trotz einiger intimer Stunden eine unerreichbare Frau. Sie ist für ihn ebenso wenig durchschaubar wie für uns Leser. Sie und die anderen Charaktere hat Patrick Modiano nur leicht skizziert und nicht gründlich ausgearbeitet. Bei einem einfachen Thriller würde das stören, aber ein poetischer Roman auf hohem literarischen Niveau wie „Aus tiefstem Vergessen“ erhält dadurch etwas Schwebendes.

Es passiert nicht viel in diesem Buch – das sagt sich so leicht. In Wirklichkeit geht es natürlich um alles: das Vergehen der Zeit, das Verschwinden der Jugend, die Schmerzen der Erinnerung, die Schatten der Liebe. Aber es gibt kaum einen, der davon mit so leichter Hand schreiben kann, so einfach und klar und unaufgeregt. Es ist wie im Leben: Während man sich noch fragt, wann endlich etwas passiert, sind alle Entscheidungen schon gefallen. Man hat es nur nicht gemerkt. Was im Herzen so leicht wog, entpuppt sich auf einmal doch als gewichtigeres Erlebnis. Je unzuverlässiger die Erinnerungen werden, desto mehr gewinnen sie an Schwerkraft. Am Ende lasten sie umso schwerer auf der Seele, je weniger man sie fassen kann. Diese doppelte Bewegung könnte man Modianos Unschärferelation nennen. (Michael Althen, www.michaelalthen.de)

2014 wurde Patrick Modiano mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014
Textauszüge: © Carl Hanser Verlag

Patrick Modiano (Kurzbiografie / Bibliografie)

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J. M. G. Le Clézio - Der Goldsucher
J. M. G. Le Clézio verwendet in seinem Roman "Der Goldsucher" Versatzstücke eines Abenteuer-romans, um die Geschichte einer Läuterung bzw. Selbstfindung zu entwickeln. Er versteht es, dem Leser Bilder, Eindrücke und Stimmungen zu vermitteln.
Der Goldsucher

J. M. G. Le Clézio

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