Raphaela Edelbauer : Das flüssige Land

Das flüssige Land
Das flüssige Land Klett-Cotta, Stuttgart 2019 ISBN 978-3-608-96436-3, 350 Seiten ISBN 978-3-608-19196-7 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die von Aufputsch- und Beruhigungsmitteln abhängige Physikerin Ruth Schwarz aus Wien möchte den Wunsch ihrer tödlich verunglückten Eltern erfüllen und sie in deren Geburtsstadt beerdigen. Mit Mühe findet sie den nirgendwo verzeichneten Ort. Dabei wird ihr Auto schwer beschädigt, weil die Zugangswege aufgrund von Einbrüchen in den Hohlräumen eines ehemaligen Kalkbergwerks kaum noch befahrbar sind ...
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Kritik

Bei dem Roman "Das flüssige Land" handelt es sich um eine kafkaeske Geschichte einer unzuverlässigen Ich-Erzählerin, hinter der die originelle, einfallsreiche Autorin Raphaela Edelbauer zurücktritt. Man kann "Das flüssige Land" als grotesk verdrehten Heimatroman oder auch in der Gegenwart spielende Dystopie lesen. Auf jeden Fall handelt es sich um unterhaltsame Literatur auf hohem Niveau.
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Der Tod der Eltern

Am 21. September 2007, kurz vor ihrer geplanten Antrittsvorlesung in Wien, erhält die 35-jährige an ihrer Habilitationsschrift über die Eternalität schreibende  Physikerin Ruth Schwarz die Nachricht, dass ihre Eltern bei einem Autounfall starben. Es heißt, sie seien mit Sommerreifen auf nasser Fahrbahn von der Straße abgekommen. Zugleich erfährt Ruth, dass die Eltern den Wunsch geäußert hatten, nicht in Wien, sondern in ihrem Heimatort Groß-Einland beerdigt zu werden.

Ruths Vater, Erich Schwarz, wurde als zweijähriges Kind von der Nachbarfamilie Schalla in Groß-Einland aufgenommen. Das muss 1944 oder 1945 gewesen sein. Erich Schwarz und die 1946 geborene Nachbarstochter Elisabeth Schalla wuchsen wie Geschwister auf, aber als sie in Wien studierten – sie Volkswirtschaft, er Biologie −, wurden sie ein Paar und ließen Erichs Adoption wegen des Inzestverbots vom Familiengericht aufheben. So konnten sie heiraten.

Die Suche

Ohne auch nur eine grobe Vorstellung davon zu haben, wo Groß-Einland zu finden sein könnte, fährt Ruth mit dem Auto los. Die erste Nacht verbringt sie in einem öffentlichen Toilettenhäuschen. Als sie dann Ortsverzeichnisse wälzt, stellt sie fest, dass Groß-Einland auf keiner Liste steht.

Während der Weiterfahrt fällt ihr das Schild des Gasthofs „Zur Tausendjährigen Eiche“ auf. Ihr Vater sprach davon, und sie nimmt an, dass sie in der Nähe von Groß-Einland sei. In der Gaststätte unterhält sie sich mit einem Maskenhändler, spricht mit ihm über die Blockuniversumstheorie und die Aborigines, die Zeit als einen Pfad durch die Landschaft verstehen.

Beim Tanken im Wechsel, einem Mittelgebirge im Osten Österreichs, hört sie zwei Männer, die miteinander reden. Einer der beiden sagt, er müsse zurück nach Groß-Einland. (Später wird Ruth herausfinden, dass es sich um den Hutmacher Schlaf handelt.) Ruth folgt ihm. Der Weg führt quer durch einen Wald und ist so holprig, dass Ruths Auto schweren Schaden nimmt. Immerhin gelangt sie nach Groß-Einland.

Groß-Einland

Von einem Nachtwächter erfährt sie, dass Touristen nur mit einem Meldeschein in Groß-Einland übernachten dürfen. Aber er rät ihr, den Gasthof „Zum Fröhlichen Kürbis“ aufzusuchen und sich bei der Wirtin Erna auf ihn zu berufen. Den Meldeschein könne sie dann am nächsten Tag mit einem Sonderausweis zusammen einreichen.

„Meinen Sonderausweis?“
„Ein Dokument, das es erlaubt, amtliche Papiere einen Tag zurückzudatieren. Sie gelten dann bereits vor Ausstellungszeitpunkt.“

Das Leitungswasser im „Fröhlichen Kürbis“ ist milchig-weiß. Ursache sind die seit dem Mittelalter bekannten Kalkvorkommen, die ab 1890 von dem Großindustriellen Winfried Kneiss abgebaut wurden.

Ruth liest die Geschichte vom Pergerhannes, dem mythischen Gründer der Siedlung. Hans Perger, ein reicher Gerbermeister, hatte schon 1629 mit dem Vortrieb eines ersten Schachtes begonnen. Ein Jahr, nachdem er im März 1635 zum letzten Mal hinabgestiegen war, verschwanden 22 Menschen in der Tiefe, und am 28. Dezember 1640 riss ein Erdbeben die Bewohner aus dem Schlaf.

In den Schächten und Stollen richtete die Wehrmacht 1939 eine Nebenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen zur Produktion von Munition ein. Ein paar Jahre später zerbombten die Alliierten Groß-Einland, weil in den unterirdischen Anlagen Flugzeugteile hergestellt wurden. Nach dem Krieg war an einen Wiederaufbau nicht mehr zu denken. Deshalb überschüttete man die Ruinen mit 16.000 Kubikmetern Beton und errichtete die Stadt auf diesem Fundament nach historischen Fotografien neu.

Eine maßstabsgetreue Replik. Von einigen wenigen Gebäuden aber hatte man keine Bilder gemacht und sie beim Wiederaufbau schlicht vergessen, weswegen unmerklich der Raster verrutscht war, sich eine Karte über die andere gelegt hatte und diese die erste verdrängt hatte – an manchen Stellen nur um wenige Zentimeter, an anderen um einige Meter. Groß-Einland war verrückt.

Inzwischen sind immer weitere Hohlräume eingestürzt. Teile von Groß-Einland haben sich abgesenkt, Straßen sind dadurch unpassierbar geworden, viele Häuser weisen Risse auf, und der Kirchturm hängt bedenklich schief.

Ruths erste Zeit in Groß-Einland

An meinem [Tisch im Gasthaus „Zum Fröhlichen Kürbis“] gab es Schwester Elfriede, die mich an Witwe Bolte erinnerte, aber durchaus feinsinnige Tendenzen besaß und mich alle paar Tage um eine Interpretation der Maxwellschen Gleichungen oder Ähnliches bat. Sie war eine leidenschaftliche Amateurin auf dem Feld der Wissenschaft, was insofern bemerkenswert war, da sie am Tage eine Suppenküche auf Rädern betrieb und hauptsächlich damit zugange war, Karotten und Sellerie zu würfeln. Jede einzelne der Ableitungen, die ich ihr zwischen Besteckgarnituren auf Servietten schrieb, verstand sie falsch und brachte meist am nächsten Abend eigene Wunderformeln mit; Wolpertinger aus Relativitätstheorie und Unschärferelation, die zum Beispiel besagten, dass sich mithilfe einer Silberspule und ein wenig Chlorlösung vorwärts in der Zeit reisen ließe.

Nach einer Woche besinnt Ruth sich darauf, dass sie sich dringend um die Beerdigung ihrer Eltern kümmern müsse und vereinbart telefonisch einen Termin mit einem Bestattungsunternehmen. Aber noch vor dem Termin wird sie zur Gräfin gerufen.

Eine Frau und ein Mann führen Ruth hinauf zum Schloss Weidenheim. Ulrike Gräfin Knapp-Korb-Weidenheim erzählt Ruth, das auf stabilen Felsen gebaute Schloss gehöre seit über 500 Jahren ihrer Familie. Sie selbst sei mit Ruths Vater zur Schule gegangen und habe auch ihre Mutter gut gekannt. Die beiden seien bis zuletzt fast jede Woche in Groß-Einland gewesen, auch in der Nacht vor dem Unfall. Die Gräfin bietet Ruth eine Anstellung an:

„Sie arbeiten die Hälfte des Tages für mich, die andere Hälfte können Sie für Ihre Habilitationsschrift aufwenden. Ich würde dafür sorgen, dass Sie alle Materialien dafür bekämen, die Sie brauchen, jegliche Literatur anschaffen, die Sie benötigen und Ihnen freilich nicht nur ein volles Gehalt, sondern von mir aus das Doppelte zahlen.“

Die Gräfin plant, die Aushöhlung („das Loch“) zu einer der größten Kunstaktionen der Welt zu machen („Tourismus im großen Stil“).

„Wir denken an die zwei- bis dreifache Kapazität der Documenta. Erster Schritt wird es sein, das Loch zum UNESCO-Weltkulturerbe erklären zu lassen.“

Ruth wundert sich darüber, dass die angeblich verheiratete Gräfin immer nur allein auftritt, aber als sie Bewohner von Groß-Einland darauf anspricht, merkt sie, dass es sich bei dem Thema um ein Tabu handelt.

Bestattung

Am zehnten Tag ihres Aufenthalts in Groß-Einland fällt Ruth ein, dass sie den Termin mit dem Bestattungsunternehmen versäumte. Nachdem sie endlich Särge ausgesucht und den Vertrag mit dem Bestatter unterschrieben hat, telefoniert Ruth mit ihrer in Graz aufgewachsenen Tante in Wien, um noch ein paar Fragen zu klären.

„Ich rufe wegen des Begräbnisses an. Ich habe lange gebraucht, um alles vorzubereiten, wegen all der unvorhergesehenen Probleme. Es war so schwierig, Groß-Einland überhaupt zu finden, und dann war es wieder fast unmöglich, hier einen Grabplatz zu bekommen.“
„Ruth?“, fragte die Tante am anderen Ende zögerlich. „Ruth, bist du es? Geht es dir gut? Wir haben dich vor einer Woche vermisst gemeldet, wir dachten, du hättest dir etwas angetan.“

Ruth ist entsetzt, als sie von ihrer Tante erfährt, dass die Eltern vor drei Tagen in Wien beerdigt wurden. Man missachtete also deren ausdrücklichen Wunsch nach einer letzten Ruhestätte in der Heimat. Und Ruth hat soeben einen unnötigen Vertrag geschlossen. Immerhin erhält sie für die Summe, die sie dem Unternehmen zu überweisen hat, einen Beerdigungsgutschein.

1945

Ruth forscht nach und findet heraus, dass am Ostermontag, dem 2. April 1945, alle 2000 Häftlinge des Nebenlagers III / Mauthausen / Gau Groß-Wien aus dem Bergwerk unter Groß-Einland getrieben wurden, in dem sie Flugzeugteile zusammengeschraubt hatten. 1200 von ihnen schickte man auf einen Todesmarsch ins Burgenland. Die anderen 800, die ohne Schuhe im Schnee standen, sollten von der zurückgelassenen Wachmannschaft − zehn Mann, von denen sechs kaum die Volljährigkeit erreicht hatten − mit Benzininjektionen getötet werden. Ruth wundert sich darüber, dass die örtliche Gedenkstätte lediglich 34 Opfern gewidmet ist. Was geschah mit den 766 anderen? Ganz abgesehen davon, dass zehn Mann nicht in der Lage gewesen wären, sie alle innerhalb von kurzer Zeit mit Benzininjektionen zu töten.

Das Haus

Ruth fällt ein zur Vermietung oder zum Verkauf angebotenes Haus auf. Es gefällt ihr auf Anhieb, und falls sie in Groß-Einland bliebe, müsste sie auch niemandem erklären, warum sie vor ihrer Antrittsvorlesung verschwand. Bevor sie sich versieht, finanziert die Gräfin − die offenbar über jeden Schritt der Bewohner von Groß-Einland unterrichtet wird − den Kauf des Hauses für sie. Erst dann liest Ruth, wem das Haus gehört hatte: ihren Großeltern Petra und Joseph Schalla.

Sie schuldet nun der Gräfin einen Frondienst, und dabei geht es ihr wie den meisten Bewohnern von Groß-Einland, zum Beispiel auch der Wirtin Erna.

Fünf Stunden täglich sitzt Ruth an ihrem Schreibtisch im Schloss und wirtschaftet in ihren Zetteltürmen, ohne auch nur einen Schritt in irgendeiner Sache vorwärts zu kommen. Jede Woche fertigt sie eine Powerpoint-Präsentation an.

Parallel zu ihrer sinnlosen Arbeit im Schloss forscht Ruth über die Frage nach, was 1945 mit den KZ-Häftlingen passierte. In den Fünfzigerjahren stand eine Familie aus Groß-Einland vor Gericht, weil man auf ihrem Hof drei Leichen gefunden hatte, aber den Angeklagten konnte nichts nachgewiesen werden. 30 Jahre später fielen bei Bagger-Arbeiten menschliche Knochen zu Hunderten aus der Erde.

Der Boden wurde zugestampft, anstandshalber ein unbezeichnetes Kreuz hineingestemmt und der Casus erneut gemeinschaftlich vergessen.

Alle 71 Grundstücke, auf denen sterbliche Überreste auftauchten, wurden von der Familie der Gräfin aufgekauft, die in den Vierzigerjahren noch keinen Adelstitel beansprucht hatte, sondern als Industriellen-Familie aufgestiegen war.

Im Gemeindearchiv liest Ruth die Aufzeichnungen von Johann Kienagl, einem Jungen aus Wien, der 1942 bis 1946 jedes Jahr im Sommer seinen kinderlosen Onkel in Groß-Einland besuchte, den Nachbarn der Familien Schwarz und Schalla. Im Sommer 1944 waren die Schwarz‘ nicht mehr da. Offenbar handelte es sich bei Ruths Großeltern väterlicherseits um Juden. Johann Kienagl beobachtete, wie die SS das leerstehende Haus durchsuchte. Außerdem sah er, wie Ruths anderer Großvater, Joseph Schalla, nachts einen schweren Sack forttrug. Der zweijährige Sohn – Ruths Vater Erich Schwarz – tauchte dann bei den Schallas auf. Den Chronisten kann Ruth nicht mehr dazu befragen, denn Johann Kienagl. der wohl an TBC litt, starb 1950 im Alter von 20 Jahren.

Das Fest

Nach jahrelanger Vorbereitung wird nun das festliche Kunstspektakel für den 29. September des folgenden Jahres angekündigt, also für 2013.

Wir arbeiteten die letzten Monate unter unmenschlichem Druck, und von meiner Habilitation war schon lange keine Rede mehr.

Im Freibad läuft plötzlich das Wasser durch einen Riss im Boden aus, und die gerade noch planschenden Kinder, die unvermittelt auf dem Trockenen liegen, müssen von ihren Müttern aus dem Becken gezogen werden. Die Absenkungen verstärken sich. Ohne Allradantrieb kommt man nicht einmal mehr zum Supermarkt.

Beim Fest soll Ruth eine der Reden halten, aber bisher hat sie sich noch nicht mehr als den Titel überlegt: „Das flüssige Land“. Sie hat auch gar nicht vor, der Erwartung zu entsprechen, sondern beabsichtigt, die Gäste und Medienvertreter über die Vorgänge in Groß-Einland am Ende des Zweiten Weltkriegs aufzuklären.

Kurz vor dem Fest erhält Ruth endlich ihr Auto zurück, das sie am Tag nach ihrer Ankunft zur Reparatur in die Werkstatt gebracht hatte. Damit will sie unmittelbar nach ihrem Auftritt aus Groß-Einland fliehen. Als sie mit ihrer Tante in Wien telefoniert und ankündigt, dass sie nach drei Jahren zurückkommen werde, sagt diese:

„Sechs, Ruth, du bist seit sechs Jahren weg.“

Nicht am 29., sondern schon am 15. September beginnt das Fest mit einem Umzug der 500-köpfigen Marschkapelle, der 4000 Touristen folgen.

Ruth begegnet noch einmal dem Maskenhändler, der von der Gräfin beauftragt wurde, die Kostüme für das Fest zu liefern.

„Wissen Sie noch, wie wir uns damals getroffen haben? Im Gasthaus zur Tausendjährigen Linde?“
„Ich erinnere mich“, sagte ich schwerfällig und richtete mich auf. „Das müsste eigentlich hier in der Nähe sein, aber ich war trotzdem nie wieder dort.“
„Nein, es ist über hundert Kilometer entfernt.“

Im letzten Augenblick ändert Ruth ihre Pläne und schleudert die Stofftasche mit den Originaldokumenten und den für die Journalisten bestimmten Kopien ihrer Enthüllungen in das Loch, das am Ende des Festes mit der Injektion riesiger Mengen eines von ihr erfundenen Gemisches von Benzin und Beton gefüllt werden soll. Dass diese Substanz im Boden das Absterben der Vegetation verursachen wird, weiß Ruth aufgrund ihrer Experimente .

Statt ans Rednerpult zu treten, steigt sie ins Auto. Schon beim Abbiegen in den Wald reißt ihre Stoßstange ab, aber sie schafft es durch die Forst- auf die asphaltierte Hauptstraße.

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Bei „Das flüssige Land“, dem für den Deutschen Buchpreis 2019 nominierten Debütroman von Raphaela Edelbauer, handelt es sich um eine surreale, kafkaeske Geschichte einer unzuverlässigen drogenabhängigen Ich-Erzählerin. Sie spielt in den einsturzgefährdeten Kulissen einer pittoresken österreichischen Stadt, die sich über den Hohlräumen eines ehemaligen Kalkbergwerks befindet. Die trotz des seit 1919 geltenden Adelsaufhebungsgesetzes von einer Gräfin beherrschte biedere Gesellschaft mit archaischen und feudalen Zügen verdrängt offenbar die Judenverfolgung und die Ermordung von KZ-Häftlingen unter dem NS-Regime. Die Protagonistin erforscht die Verbrechen ebenso wie es wohl schon ihre Eltern taten (die möglicherweise deshalb ums Leben kamen), aber kurz vor den geplanten Enthüllungen wirft sie ihr Material in das riesige Loch, das noch am selben Tag zugeschüttet werden soll, und flieht aus der Stadt. (Ob sie es bis nach Wien schafft, bleibt offen.)

Selbstverständlich dient „das Loch“ in „Das flüssige Land“ als Metapher für psychische Abgründe und verdrängte Verbrechen gleichermaßen. Das ist vielleicht zu offensichtlich, ebenso wie die Parallele der Injektionen auf Benzinbasis, mit der 1945 KZ-Häftlinge ermordet und in der Gegenwart die Hohlräume unter der Stadt gefüllt werden. Entscheidender ist, dass Raphaela Edelbauer „Das flüssige Land“ mit großem Einfallsreichtum auskleidet. Das ist alles sehr originell und unterhaltsam wie beispielsweise die Szene mit dem plötzlich leerlaufenden Freibad, Aber die Autorin hätte auf die eine oder andere Passage verzichten und das Buch kürzen können. Das gilt nicht zuletzt für astrophysikalische Ausführungen über Schwarze Löcher und den Eternalismus (Blockuniversum), also die Vorstellung, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren.

„Das flüssige Land“ kann man als grotesk verdrehten Heimatroman oder auch in der Gegenwart spielende Dystopie lesen. Auf jeden Fall handelt es sich um unterhaltsame Literatur auf hohem Niveau.

Raphaela Edelbauer wurde 1990 in Wien als Tochter der Ethnologin Gabriele Schätzle-Edelbauer und des Philosophen und Schriftstellers Henri Harald Edelbauer geboren. Sie studierte zunächst Sprachkunst und danach Philosophie in Wien. 2018 las sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt eine Passage aus ihrem damals noch unveröffentlichten Roman „Das flüssige Land“. Sie erhielt den Publikumspreis und das Stadtschreiber-Stipendium der Stadt Klagenfurt. 2019 schaffte sie es mit „Das flüssige Land“ auf die Short List für den Deutschen Buchpreis.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2019
Textauszüge: © J. G. Cotta’sche Buchhandlung

Georges Simenon - Der Mann, der den Zügen nachsah
In seinem fesselnden, grotesken Roman über die Entsozialisierung eines betrogenen, desillusionierten Mannes lässt Georges Simenon am Ende die Frage offen, ob der Protagonist gescheitert ist oder ob er sich aus den Zwängen des bürgerlichen Lebens befreit hat.
Der Mann, der den Zügen nachsah