Friedrich Ani : All die unbewohnten Zimmer

All die unbewohnten Zimmer
All die unbewohnten Zimmer Originalausgabe Suhrkamp Verlag, Berlin 2019 ISBN 978-3-518-42850-4, 495 Seiten ISBN 978-3-518-76108-3 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die Münchner Kriminalpolizei ermittelt in zwei Mordfällen. Wer die Bibliothekarin erschoss, kann man rasch aufklären, und im Fall des erschlagenen Streifenpolizisten stellt sich ein verkrachter Alleinunterhalter der Polizei. Obwohl es Zweifel an dem Geständnis gibt, meldet der von den Medien und der rechten Szene getriebene Staatsanwalt den vermeintlichen Ermittlungserfolg bei einer Pressekonferenz ...
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Kritik

Wer einen Thriller erwartet, wird von "All die unbewohnten Zimmer" enttäuscht sein, denn Friedrich Ani legt wenig Wert auf Action und Suspense. Stattdessen lässt er sich viel Zeit, ebenso schräge wie psychisch kaputte Romanfiguren zu beobachten, die vom Leben in der heutigen Welt überfordert und an den eigenen Erwartungen gescheitert sind.
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Tödliches Missverständnis

Die Kriminaloberkommissarin Fariza-Marie Nasri verfügt durch ihre Eltern sowohl über bayrische als auch syrische Wurzeln. Ihre erste Zeit bei der Polizei in München hatte sie im Drogendezernat verbracht, dann war sie 14 Jahre lang bei der Mordkommission gewesen, bis man ihr sexuelle Belästigung eines Kollegen vorwarf und ihr Chef Jakob Franck ihre Strafversetzung in die Provinz nicht verhindern konnte. Das geschah vor acht Jahren.

Jetzt, im Jahr 2018, ist sie zurück in München und gehört zu den „zwölf Aposteln“. So wird das von dem früheren Benediktinermönch Polonius Nikolai Maria Fischer geleitete Kommissariat genannt, weil es dort üblich ist, dass bei gemeinsamen Mittagessen eine Person aus dem Team etwas vorliest.

Jakob Franck ist zwar längst pensioniert, nimmt es seinen ehemaligen Kollegen jedoch noch immer ab, Menschen vom Tod ihrer Angehörigen zu benachrichtigen.

Als am Weißenburger Platz die Bibliothekarin Anna Walther erschossen und der Kriminalkommissar Max Gronsdorff auf dem Weg von seiner Wohnung zum Bäcker durch einen Schuss schwer verletzt wird, ist Fariza Nasri als Erste zur Stelle. Der Täter muss an einem Fenster gestanden haben. Die Polizistin rennt hinauf. Im 5. Stock meint Eva Holt, ihr Nachbar, der „irre Toni“, sei es gewesen. Ohne auf Verstärkung zu warten oder auch nur nachzudenken, tritt Fariza Nasri die Tür ein. Aber der Bewohner ist augenscheinlich über die Feuerleiter geflohen.

Fariza Nasris Handeln war ebenso unüberlegt und unvorsichtig, wie bei einer Geiselname in einem Supermarkt. Dort hielt ein Drogensüchtiger einer Kundin ein Messer an den Hals und verlangte das Geld aus der Kasse. Während sich ein SEK noch auf den Einsatz vorbereitete, wollte Fariza Nasri durch die Glastür hineinschauen, und als diese sich unerwartet öffnete, trat sie dem Täter furchtlos entgegen. Es gelang ihr, ihn zu überwältigen, ohne dass er die Geisel ernsthaft verletzte.– Weil sie die letzte Nacht mit dem Filialleiter Winfried („Winnie“)  Romme in dessen Wohnung am Weißenburger Platz verbrachte, war sie vor ihren Kolleginnen und Kollegen in dem Haus, aus dem der Täter geschossen hatte.

Bei dem Geflüchteten handelt es sich um den 63-jährigen Schuhmacher Anton Frey. Der in Franzensfeste geborene Italiener war vor 50 Jahren mit seinem Onkel Federigo nach München gekommen und hatte von ihm das Schuhmacher-Handwerk gelernt.

Gefasst wird Anton Frey schließlich bei der 87 Jahre alten früheren Sängerin Rita Dvorak, deren Ehemann Silvio als junger Bauarbeiter beim Einsturz eines Gerüsts tödlich verunglückt war. Damals hatte ihr Anton Frey beigestanden, der im selben Haus gewohnt hatte. Die drohende Anklage wegen Strafvereitelung bekümmert Rita Dvorak nicht, denn die Greisin leidet an Leukämie und rechnet mit ihrem baldigen Tod.

Anton Frey gesteht, 1974 als 19-Jähriger im Auftrag seines Onkels Federigo für 500 D-Mark einen Brandanschlag auf ein Restaurant in Schwabing verübt zu haben, bei dem der 28 Jahre alte Pächter Rudolpho Leopoldi im Keller erstickt war. Der Fall blieb unaufgeklärt, aber der Täter fürchtete all die Jahre, dass jemand Rudolpho Leopoldi rächen würde. Zuletzt verdächtigte er die Bibliothekarin Anna Walther als Auftragsmörderin, und als er sah, wie sie über den Weißenburger Platz auf das Haus zukam, in dem er wohnte, schoss er aus dem Fenster.

Er ahnt nicht, dass Anna Walther von seinem in Südtirol gebliebenen Bruder Paolo gebeten worden war, ihm die Nachricht vom Tod des Vaters zu überbringen. Weil er nicht ans Telefon ging, wollte sie persönlich bei ihm vorbeikommen.

Zweiter Mordfall

Während die Patriotische Allianz Deutschlands (PAD) in München auf die Straße geht und sowohl die Parteivorsitzende, die 47-jährige Bankkauffrau Tine Helfrich, als auch der 61 Jahre alte Bundestagsabgeordnete und Immobilienmakler Gebhard Worms ihre Reden halten, trennt ein Polizeiaufgebot die PAD-Anhänger von den Gegendemonstranten.

Der 28 Jahre alte Polizeiobermeister Philipp Werneck und der vier Jahre jüngere, mit ihm befreundete Polizeimeister Tim Gorden fahren am Rand des Geschehens Streife. Sie beobachten zwei Kinder, die aus der Auslage vor einem Obstgeschäft Äpfel stehlen und in eine Seitenstraße rennen. Philipp Werneck springt aus dem Auto und hetzt ihnen nach.

Tim Gorden wartet im Streifenwagen auf ihn. Unter den Passanten kommt Unruhe auf. Ein Mann – später stellt sich heraus, dass es sich um den Schriftsteller Wolfgang Berger handelt – kommt gelaufen und ruft etwas. Er hat kein Handy und fordert Umstehende auf, die Polizei zu alarmieren, denn er stieß in der Seitenstraße auf die Leiche eines jungen Beamten.

Die Ermittler stellen den blutigen Pflasterstein sicher, mit dem Philipp Werneck augenscheinlich erschlagen wurde.

Jakob Franck überbringt dem Vater des Ermordeten noch am selben Tag die Nachricht. Bei Ralph Werneck, handelt es sich um einen von Weimar nach München gezogenen verbitterten Klempner, dessen Frau inzwischen in Frankreich lebt und der von seiner Stieftochter Sandra behauptet, sie sei als „Nutte im Puff“ zu finden. Dass sein Sohn Philipp tot ist, will Ralph Werneck zunächst nicht wahrhaben.

„Sie sind nicht mal ein richtiger Bulle, Sie sind ein alter Mann, der mit seinem Alter nicht klarkommt und sich wichtigmachen muss. […]
Glauben Sie, ich krieg nicht mit, was draußen los ist?
Ich bin jeden Tag unter Leuten; ich hör, was die sagen, was die denken, wie die jeden Cent umdrehen bei der Reparatur einer Spüle. Alles nicht billig, doch was sein muss, muss sein. Das zahlen die Leute; und dann hören sie, wie anderee in ihren warmen Staatswohnungen sitzen und sich um nichts kümmern müssen, erledigt alles der Staat.
Seh ich jeden Tag, das alles. Nicht mehr lang, das garantier ich Ihnen; der Widerstand rollt an; Wiederschauen, Schmarotzer; bald wird sauber gemacht in allen Ecken, gründlich […]“

Eines Tages würden sie begreifen, dass sie Marionetten waren und keinen Finger breit besser als die Negersklaven, die misshandelt und verkauft und verarscht worden waren. Der einzige Unterschied bestand in der Hautfarbe; heute waren die Sklaven weiß und hausten in gut geheizten Wohnungen mit perfekt funktionierenden Sanitäranlagen. Verarscht und ausgelacht; wenn er ihnen erklärte, dass sie sich gegen die Bonzen in den Parlamenten und die neuen Neger mit ihren raffinierten Tricks und verlogenen Kriegsgeschichten wehren müssten – eines Morgens würden sie nämlich aufwachen und kein Dach mehr über dem Kopf und kein eigenes Land mehr vor der Haustür haben –, stimmten sie ihm zu; und das war’s.

„Wer sind Sie überhaupt? Kommen hier rein, sitzen da, sagen mir ins Gesicht, dass mein Sohn tot ist. […]
Mein Sohn ist nicht tot. […] Hier findet eine Verwechslung statt. […]
Sie sind auf der Sonnenseite, nehmen hie und da einen Job an; ich versteh das, rumsitzen ist Mist, wer macht das schon freiwillig? Die schwarzen Schnorrer, die Türken, die haben Zeit, denen wird das Geld in den Arsch geblasen von unseren Politbonzen, die können rumsitzen, unsereins nicht. Sie auch nicht. Das respektier ich; leider falsche Hausnummer. […]“

„Dafür werd ich Sie zur Rechenschaft ziehen. Dass Sie mir hier Zeug erzählen und mich hinhalten und mich mit Lügen vollscheißen. Und mein Sohn liegt irgendwo rum, niemand kümmert sich um ihn. Dafür wirst du büßen, alter Mann; du wirst noch bereuen, dass du heut aufgestanden bist. Du bist fertig, alter Mann, deine Zeit ist um, das schwör ich dir im Namen meines Sohnes.“

Tim Gorden erfährt von Laura Klein, die kürzlich ihre Liebesbeziehung mit Philipp Werneck beendet hatte, dass ihn sein älterer Kollege und vermeintlicher Freund als lästige Klette empfunden und verächtlich über ihn geredet habe. Das trifft ihn schwer. Er ist ohnehin psychisch angeschlagen, seit seine Mutter Paula vor acht Jahren die Familie verlassen hat.

Hauptkommissar André Block leitet die Ermittlungen im Mordfall Philipp Werneck, aber als er auch nach Tagen noch keine Ergebnisse vorweisen kann und die Medien Druck machen, entzieht ihm der Polizeipräsident Dr. Ralph Bachus die Leitung der Soko Philipp und übergibt sie Polonius Fischer, der in drei Monaten in Pension gehen wird.

Mordgeständnis

Zur gleichen Zeit erhält der Privatdetektiv Tabor Süden den Auftrag, nach Jeremias Soltau zu suchen, einem erfolglosen 57 Jahre alten Alleinunterhalter mit dem Künstlernamen Jerry. Tabor Süden war früher bei der Vermisstenstelle der Münchner Kriminalpolizei tätig. Nachdem der mit ihm befreundete Kollege Martin Heuer in einen Müllcontainer geklettert war und sich mit der Dienstwaffe erschossen hatte, quittierte Tabor Süden den Polizeidienst und wechselte zu der Detektei von Edith Liebergesell am Sendlinger Tor, für die er inzwischen nur noch sporadisch arbeitet.

Jeremias Soltau wurde von seiner Frau Fiona geschieden und hat auch kaum noch Kontakt zur in Berlin lebenden Tochter. Seine Lebensgefährtin Ute From, eine Verkäuferin, hat ihn bei der Polizei als vermisst gemeldet und die Detektei Liebergesell eingeschaltet.

Als Tabor Süden bei der Befragung eines früheren Kollegen des Alleinunterhalters (Richard Emig) und eines Groupies (Linda „Lucy“ Hofmann) dem Gesuchten auf die Spur kommt, beobachtet er, wie Jeremias Soltau das Polizeipräsidium betritt.

Jeremias Soltau gesteht, den jungen Streifenpolizisten mit einem Pflasterstein erschlagen zu haben, und eine DNA-Spur an dem Mordwerkzeug stimmt mit seiner überein. Dennoch zweifelt Polonius Fischer an der Selbstbeschuldigung.

Das hält den Oberstaatsanwalt Dr. Sebastian Aberle nicht davon ab, eilig eine Pressekonferenz einzuberufen und im Beisein des Polizeipräsidenten und des Leiters der Pressestelle (Claus Witte) den vermeintlichen Ermittlungserfolg zu verkünden.

„Der Mann hat gestanden, der Mann hat getötet, nichts anderes will ich in den Akten lesen.“

Familie Massoud

Vor sechs Jahren floh der syrische Christ Samir Massoud mit den beiden Söhnen Hasim und Mohamed vor dem Krieg in seiner Heimat nach München. Seine Frau Mayla, die ihre kranke Mutter Afifa nicht im Stich lassen wollte, blieb ebenso wie ihr Bruder Abbas in Aleppo zurück. Sie kamen alle ums Leben, als ihr Haus von einer Bombe getroffen wurde.

Samir Massoud, der in Aleppo ein kleines Restaurant betrieb, arbeitet in München als Koch. Seine Söhne sind inzwischen neun bzw. elf Jahre alt. Sie waren die beiden Obstdiebe, denen der Streifenpolizist Philipp Werneck nachrannte. Weil sie sich unter einer Bauplane versteckten, entwischten sie ihm. Dann lag der Polizist tot am Boden. Die Kinder beobachteten, wie ihr gutmütiger Nachbar Jeremias Soltau sich der Leiche näherte und den Pflasterstein anfasste, mit dem der Polizist erschlagen worden war.

Mitten in der Nacht weckt Hasim seinen älteren Bruder Mohamed. Er musste zur Toilette. Der Vater saß noch vor dem Fernsehgerät, und auf dem Bildschirm sah Hasim den toten Polizisten und den angeblichen Mörder. Die beiden Jungen befürchten, dass die Polizei auch nach ihnen fahndet und reißen deshalb am nächsten Morgen aus, statt zur Schule zu gehen. Aber sie werden am Hauptbahnhof aufgegriffen.

Obwohl die Kinder lediglich als Zeugen gesucht wurden heizt eine Schlagzeile wie „Flüchtlingskinder unter Mordverdacht?“ die Stimmung an.

Es stellt sich heraus, dass Jeremias Soltau die beiden Nachbarkinder am Tatort sah und es für möglich hielt, dass sie den Polizisten erschlagen hatten. Um sie und ihren Vater vor einer Abschiebung zu bewahren, wollte er sich selbst opfern. Sein eigenes Leben sei ohnehin verpfuscht, meint er.


Spoiler-Warnung:
Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Micha und Flori

Der 36-jährige, in der PAD aktive Malermeister Micha Gerg und sein Kumpan Florian („Flori“) Hauser, ein 24 Jahre alter Lehrersohn, trafen außerhalb der bereits erwähnten Demonstrationen zufällig in einer Seitenstraße auf den Streifenpolizisten Philipp Werneck, der sich nach den beiden Apfeldieben umsah. Wieso er hier herumstehe, statt die PAD-Demonstranten zu beschützen, fragten sie ihn. Darüber kam es zu einem Streit, und Micha Gerg erschlug den Polizisten mit einem Pflasterstein.

Als die Medien einen Monat nach dem Mord von den beiden jungen Zeugen berichten, befürchtet Florian Hauser, dass ihnen die Polizei auf die Spur kommen könnte, aber Micha Gerg meint:

„Wir sind in Bayern; die zwei Schratzen sind übermorgen wieder in Arabien, dafür ist gesorgt; das kümmert niemand, was die gesehen haben. Deswegen ist der Ralph auf dem Weg zum Vater der Schratzen; um ihm klarzumachen, was hier los ist, wer hier das Sagen hat. Der Alte fährt mit nach Arabien, ist logisch.“

Mit Ralph meint er den Vater des toten Polizisten, der ihm nicht nur eine Pistole verkaufte, sondern es auch übernimmt, bei Samir Massoud zu klingeln und ihn an der Wohnungstür niederzuschlagen. Dabei wird der Vater der beiden Kinder so schwer verletzt, dass die Krankenhausärzte kaum eine Überlebenschance sehen.

Micha Gerg beabsichtigt, sich nach Ostdeutschland abzusetzen, wo die politische Bewegung ohnehin stärker ist als in Bayern. Aber bevor er dazu kommt, umstellt ein SEK die Pension in München, in der er sich seit Tagen mit Florian Hauser aufhält. Unerwartet kommt er aus der Tür, erfasst sofort die Situation und eröffnet mit der auf Ralph Werneck zugelassenen Waffe das Feuer. Bevor er von der Polizei erschossen wird, tötet Micha Gerg eine Passantin mit einem Schuss in den Rücken. Bei der Frau handelt es sich um Lisa Kraus, die Mutter der Pensionswirtin Anna Nickel.

Noch ein toter Polizist

Als Tim Gordon mit einem Zweitschlüssel in die Wohnung seines als Hauptkommissar bei der Münchner Polizei beschäftigten Vaters Christopher schaut, findet er ihn erstochen und verblutet vor.

André Block übernimmt die Leitung der Ermittlungen in dem neuen Mordfall.

Als Leserinnen bzw. Leser wissen wir bereits, was geschah.

Christopher Gordon hatte vor acht Jahren mit einer internen Anzeige wegen sexueller Belästigung dafür gesorgt, dass seine Kollegin Fariza-Marie Nasri strafversetzt und ihre Karriere ruiniert worden war. Nun rächte sie sich dafür, indem sie sich von ihm in seine Wohnung einladen ließ und ihn mit einem Obstmesser erstach.

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Wer einen Thriller erwartet, wird von „All die unbewohnten Zimmer“ enttäuscht sein, denn Friedrich Ani legt wenig Wert auf Action und Suspense. Stattdessen lässt er sich viel Zeit, ebenso schräge wie psychisch kaputte Romanfiguren zu beobachten, die vom Leben in der heutigen Welt überfordert und an den eigenen Erwartungen gescheitert sind. (Es gibt in „All die unbewohnten Zimmer“ noch einige Verlorene mehr als die in der Inhaltsangabe genannten.) Dabei versucht Friedrich Ani nicht, das Verhalten der Personen zu erklären, sondern beschränkt sich auf die unspektakuläre Beobachtung.

Der melancholische Roman „All die unbewohnten Zimmer“ dreht sich darüber hinaus um die Migrationsthematik, die Ausbreitung rechten Gedankenguts und die Ablehnung der politischen Elite bzw. des „Systems“, um Populismus, die Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland sowie Machtverhältnisse.

Der erste Mordfall ist am Ende des ersten der fünf Teile des Buches aufgeklärt und spielt dann keine Rolle mehr. Im zweiten Teil überbringt Jakob Franck Ralph Werneck in München die Nachricht vom Tod des Sohnes Philipp. Im nächsten Augenblick sind wir in Aleppo, und damit beginnt die Schilderung eines Flüchtlingsschicksals. Die Teile 3 und 4 sind noch fragmentarischer; da wechselt Friedrich Ani übergangslos zwischen einer ganzen Reihe von Handlungssträngen, von denen er einige dann im letzten Teil zusammenführt.

Erzählt wird vor allem aus der Sicht eines distanzierten Beobachters der verschiedenen Personen. Eingestreut sind Passagen, in denen Fariza-Marie Nasri in der Ich-Form zu Wort kommt.

Bemerkenswert ist, dass Friedrich Ani in „All die unbewohnten Zimmer“ drei seiner aus anderen Romanen bekannten Ermittler zusammenführt: Polonius Fischer, Jakob Franck und Tabor Süden.

Verwunderlich sind Sprachschnitzer, die offenbar weder dem Autor noch dem Lektorat auffielen. Beispielsweise trägt ein Polizist dieselbe Uniform wie sein Kollege (Seite 152). Am häufigsten stolpert man beim Lesen über Fehler bei der indirekten Rede. Da wird der Konditional verwendet: gäbe statt gebe (Seite 298), wäre statt sei (Seite 395). Und einmal wechselt Friedrich Ani innerhalb eines Satzes die Form:

Von Indra erfuhr Süden, dass sie mit dem Vater ihres Sohnes nie verheiratet war, ihre Mutter immer noch lebte und ihr Vater vor fünfzehn Jahren gestorben sei. (Seite 296)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2019
Textauszüge: © Suhrkamp Verlag

Friedrich Ani (kurze Biografie / Bibliografie)

Friedrich Ani: Idylle der Hyänen (Verfilmung)
Friedrich Ani: Süden und der Straßenbahntrinker
Friedrich Ani: Kommissar Süden und der Luftgitarrist (Drehbuch)
Friedrich Ani: Hinter blinden Fenstern (Verfilmung)
Friedrich Ani: M. Ein Tabor Süden Roman
Friedrich Ani: Idylle der Hyänen (Verfilmung)
Friedrich Ani und Ina Jung: Das unsichtbare Mädchen (Drehbuch)
Friedrich Ani: Der namenlose Tag
Friedrich Ani: Ermordung des Glücks. Ein Fall für Jakob Franck

Bernhard Schlink - Olga
In seinem Roman "Olga" entwickelt Bernhard Schlink die Lebens­geschich­te einer charakterstarken Frau. Im ersten Teil hören wir einem aukto­rialen Erzähler zu, im zweiten einem dem Autor ähnelnden Ich-Erzähler. Im dritten Teil lesen wir eine Reihe von Briefen Olgas – und erfahren auf diese Weise auch ihre Geheimnisse.
Olga

 

 

 

Deutscher Buchpreis 2018
(Vorstellung des Romans der Preisträgerin und zehn weiterer Bücher der Finalisten)


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