Frank Schätzing : Limit

Limit
Limit Originalausgabe: Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009 ISBN: 978-3-462-03704-3, 1320 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die Ölkonzerne verlieren ihre Bedeutung, als der Brite Julian Orley einen Fusions-reaktor entwickelt und eine Methode, das dafür benötigte Helium-3 kostengünstig mit einem Weltraumfahrstuhl vom Mond zu holen. Während Orley 2025 eine Gruppe potenzieller Investoren in sein Mondhotel "Gaia" einlädt, erhält der Cyber-Cop Owen Jericho in Shanghai den Auftrag, die vermisste junge Dissidentin Chen ("Yoyo") Yuyun zu suchen – und gerät dadurch der globalen Verschwörergruppe "Hydra" auf die Spur ...
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Kritik

Der Plot des SF-Thrillers "Limit" von Frank Schätzing ist trivialer und weniger komplex, als man aufgrund der aufgeblähten Darstellung zunächst glaubt, und das rund 100 Figuren umfassende Personal des Romans besteht mehr aus Klischees als aus differenzierten Charakteren.
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Als US-Präsident George W. Bush 2004 neue bemannte Mondflüge ankündigt und zwei Jahre später den Bau einer Weltraumstation an einem der Mondpole ins Auge fasst, schreckt die Welt auf. Droht ein neues Wettrennen zum Mond? Wird es dabei vor allem um alternative Energiequellen gehen?

Indien investiert nach der Weltwirtschaftskrise von 2009/10 in Bildung, Hightech, Umweltschutz und entwickelt sich zur drittgrößten Volkswirtschaft der Erde nach den USA und China. Weil die USA eine Kooperation von Indien, China und Russland befürchten, ermordet ein CIA-Agent 2014 den chinesischen Botschafter in Neu-Delhi und inszeniert den Anschlag so, dass die Weltöffentlichkeit annimmt, die „Liga für ein muslimisches Großindien“ (LimGI) habe ihn verübt.

Mit Sorge beobachtet die Regierung in Washington nach dem 2015 mit chinesischer Unterstützung erfolgten Sturz des Regimes in Saudi Arabien die Annäherung Chinas und der OPEC. George W. Bush ging in seiner 2009 beendeten Amtszeit noch von der entscheidenden Bedeutung des Erdöls aus. Um sich aus der Abhängigkeit von der OPEC zu befreien, hofierte er den Staatspräsidenten von Äquatorialguinea, Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, und ignorierte dabei bewusst Berichte über Menschenrechtsverletzungen des kleptokratischen Regimes. 2020 zeichnet sich jedoch ab, dass die fossilen Brennstoffe nicht mehr lange benötigt werden, weil der Energiebedarf zukünftig mit Helium-3 gedeckt werden kann.

Der Regolith des Mondes enthält schätzungsweise 600 000 Tonnen des Isotops. Daraus lässt sich zehnmal so viel Energie gewinnen wie aus allen irdischen Öl-, Gas- und Kohlevorkommen zusammen. Allerdings suchen die Amerikaner nach einer Möglichkeit, das Gas kostengünstiger als mit herkömmlichen Shuttles vom Mond zur Erde zu transportieren. Dabei konkurrieren sie mit den Chinesen. Russland spielt bei dieser Entwicklung keine Rolle mehr.

Putin hat seinen Mafiastaat damals auf Öl und Gas gegründet, das jetzt keiner mehr haben will. (Seite 293f)

Nicht einmal die USA oder China sind noch in der Lage, die Raumfahrt aus Haushaltsmitteln zu bestreiten. Die Politiker müssen deshalb einen wachsenden Teil ihrer Macht an Technologiekonzerne abgeben, etwa an die Zheng Group und Orley Enterprises bzw. deren Gründer und CEOs, den Chinesen Zheng Pang-Wang und den Briten Julian Orley.

Julian Orley, ein früherer Filmproduzent, der zum reichsten Mann der Welt aufgestiegen ist, behauptet sich in diesem Wettstreit an der Spitze. Er greift die 1895 von dem russischen Physiker Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski veröffentlichte Idee eines bis ins All ragenden Turms auf und konzipiert einen Weltraumfahrstuhl. Um das Projekt verwirklichen zu können, muss er zunächst ein völlig neuartiges Material entwickeln: Kohlenstoffnanoröhren. Obwohl der wabenförmig strukturierte Stoff nur eine Dichte von etwa 1,3 Gramm pro Kubikzentimeter aufweist (Stahl: 7,8), beträgt die Zugfestigkeit bis zu 63 Gigapascal (Stahl: 2). Mit 35 786 Kilometer langen Kohlenstoffnanoröhren baut Julian Orley zwei Weltraumfahrstühle. Damit dauert die Fahrt zur Orley Space Station (OSS) drei Stunden.

Die Unterseite der Platten war gepflastert mit fotovoltaischen Zellen, und die Strahlen entsprangen riesigen Lasern im Innern des Bahnhofs. Die beim Beschuss erzeugte Energie setzte das Antriebssytem in Gang, sechs Paar gegeneinanderdrückende Räder pro Kabine, zwischen denen sich das Band spannte. Wurde eine Seite der Räder in Gang gesetzt, drehte sich die andere automatisch in gegenläufiger Richtung mit, und der Aufzug kletterte an dem Band nach oben. (Seite 132)

Parallel dazu entwickelt Julian Orley einen mit Helium-3 betriebenen Fusionsreaktor und ein Shuttle für den Transport des Isotops vom Mond zur OSS. Die von ihm und den USA eingerichtete lunare Helium-3-Förderstation im Mare Imbrium nimmt im August 2022 ihren Betrieb auf, und am 5. Oktober 2022 geht der erste Fusionsreaktor ans Netz. Förderroboter auf sechs Beinen, die wie monströse Käfer aussehen, durchwühlen den Regolith des Mondes. Ein Gramm davon enthält etwa 3 Nanogramm Helium-3. Das verflüssigte Gas wird in Kugeltanks gespeichert, die von spinnenartigen Be- und Entladerobotern gegen leere ausgetauscht, zum Güterbahnhof gebracht und auf den Lunar Express verladen werden. Der Zug transportiert sie mit 700 Stundenkilometern zur Mondbasis auf einer Hochebene am nordwestlichen Rand des Kraters Peary nahe des Nordpols. Von dort starten die Shuttles zur OSS.

Helium-3 erlaubt es der US-Regierung, die Abhängigkeit vom Nahen Osten zu überwinden und sich zugleich vom Einfluss der Ölmultis freizumachen. Allerdings ist der nordamerikanische Staat nun auf Orley Enterprises angewiesen.

Der Betrieb der etwa 350 Kilometer über der Erdoberfläche kreisenden ISS wird 2023 eingestellt. Die internationale Raumstation dient nur noch als Museum über die Frühzeit der Raumfahrt.

China steckt in unmittelbarer Nähe der amerikanischen Helium-3-Förderstation auf dem Mond einen eigenen Claim ab und beginnt am 2. März 2023 ebenfalls mit der Gewinnung des Isotops. Weil China allerdings beim Transport auf die überholte Raketentechnik angewiesen ist, bleibt das Projekt defizitär.

Im Mai 2024 kommt es auf dem Mond zu Konflikten zwischen Chinesen und Amerikanern. Mit der sogenannten Mondkrise beschäftigt sich am 22. Mai die UN-Vollversammlung. Erst am 4. Juni lenkt China ein, und die Lage beruhigt sich wieder.

Am 19. Mai 2025 trifft auf der 550 Kilometer westlich von Ecuador im Pazifik liegenden, an Orley Enterprises vermieteten Isla de las Estrellas eine Gruppe potenzieller Investoren ein, die zum Mond reisen wird, um dort zwei Wochen in dem gerade fertiggestellten Hotel „Gaia“ zu verbringen. Die Reiseteilnehmer sind Gäste von Julian Orley und seiner Tochter Lynn, der CEO von Orley Travel, die vor fünf Jahren mit einem Burn-out-Syndrom zusammenbrach und seither psychisch labil ist. Julians Sohn Tim und seine Schwiegertochter Amber schließen sich der Gruppe ebenfalls an. (Crystal Orley, die Ehefrau des Unternehmers und Mutter Lynns und Tims, starb vor zehn Jahren in geistiger Umnachtung.)

Auf der Gästeliste stehen einige der reichsten Menschen der Welt:

  • Evelyn Chambers, die prominenteste Talklady der USA, eine bisexuelle Latina
  • Chuck Donoghue und seine Ehefrau Aileen, die den Hotel- und Casino-Konzern „Xanadu“ leiten
  • Marc Edwards, der Gründer und CEO des Mikrochip-Konzerns „Quantime“, und seine Ehefrau Mimi Parker-Edwards, eine Modedesignerin, die die Marke „Mimi Kri“ schuf
  • der kanadische Großinvestor Carl Hanna
  • Rebecca Hsu, die Gründerin und CEO des taiwanesischen Luxuskonzerns „Rebecca Hsu“
  • die deutsche Chirurgin Karla Kramp und ihre Ehefrau Eva Borelius, die CEO des Forschungskonzerns „Borelius Pharma“
  • Warren Locatelli, der Gründer und CEO des Photovoltaik-Konzerns „Lightyears“, ein Amerikaner algerisch-italienischer Abstammung, und seine japanische Ehefrau Momoka Omura
  • Mukesh Nair, ein indischer Bauernsohn, der den von ihm gegründeten Nahrungsmittelkonzern „Tomato“ leitet, und seine Ehefrau Sushma, die als Kinderärztin tätig ist
  • der weltberühmte irische Schauspieler Miles O’Keefe
  • der Schweizer Architekt und Großinvestor Walo Ögi und seine dritte Ehefrau Heidrun, eine frühere Stripperin und Pornodarstellerin
  • Oleg Rogaschow, der CEO des russischen Stahlkonzerns „Rogamittal“, und seine Ehefrau Olympiada, die alkoholkranke Tochter des früheren Staatspräsidenten Maxim Ginsburg
  • Bernard Tautou, der CEO des französisch-britischen Wasserkonzerns „Suez“, und seine Ehefrau Paulette, eine Fremdsprachenkorrespondentin
  • die Milliardenerbin Miranda Winter, die früher als Model und gelegentlich auch als Schauspielerin arbeitete

Die Reisegruppe fährt am 23. Mai mit dem Weltraumfahrstuhl von der Isla de las Estrellas zur OSS. Dort stellen sich die beiden lunaren Expeditionsleiter und Mondshuttle-Piloten vor: der Afroamerikaner Peter Black und die Dänin Nina Heedegard.

Evelyn Chambers hatte einen Traum.
Sie befand sich in einem eigenartigen Zimmer von annähernd vier Metern Höhe und etwas über fünf Metern Tiefe, zudem sechs Meter breit […]
Bei der Einrichtung des Zimmers schienen die Pläne zeitweise auf dem Kopf gestanden zu haben. Mit der Selbstverständlichkeit eines fliegenden Teppichs schwebte ein ausladendes Bett dicht über dem Boden, es gab einen Schreibtisch samt Sitzgelegenheiten, einen Computerarbeitsplatz, ein riesiges Display. Dezentes Licht illuminierte den Raum, eine mattierte Glastür verbarg Dusche, Waschbecken und WC. Das Ganze ließ an eine futuristisch gestaltete Schiffskabine denken, nur dass die bequemen, rot gepolsterten Chaiselongues unter der Decke hingen – und zwar verkehrt herum.
Am bemerkenswertesten jedoch war, dass Evelyn Chambers alle diese Eindrücke empfing, ohne auch nur mit einer Zelle ihres Körpers Kontakt zum Raum oder zu seinen Einrichtungsgegenständen zu haben. Nackt, wie sie das erlesene Zusammenspiel spanischer, indianischer und nordamerikanischer Gene geschaffen hatte, von nichts anderem umschmeichelt als frischer, auf wohlige 21 °C temperierter Luft, schwebte sie über der gewölbten, drei Meter langen Panoramascheibe der Vorderfront und betrachtete einen Sternenhimmel von solch unfassbarer Klarheit und Fülle, dass es sich nur um einen Traum handeln konnte. Knapp 36 000 Kilometer unter ihr schimmerte die Erde, das Werk eines Impressionisten.
Es musste ein Traum sein.
Doch Chambers träumte nicht.
[…] Jetzt, wo alles Licht erloschen und der Raum samt seiner Einrichtung in die Quasiexistenz entrückt war, wollte sie mit jeder Zelle ihres kortikalen Schaltwerks die Illusion auskosten, es sei gar keine schützende Hülle um sie herum vorhanden, dass sie vielmehr wie Kubricks Sternenkind allein und nackt über diesem wunderschönen Planeten schwebte. Und plötzlich sah sie winzige, schimmernde Kügelchen davontrudeln und begriff, das es ihr die Tränen in die Augen getrieben hatte. (Seite 147f)

Tim und Amber Orley lieben sich in der Schwerelosigkeit:

[…] vielleicht, weil seine Fantasien nach so vielen Jahren ehelichen Alltags immer noch ausschließlich um seine Frau kreisten, sodass er keinen anderen Hintern liebkosen und seine Hand in kein anderes Delta gleiten lassen wollte als das ihre, was ihn für Seitensprünge in etwa so sehr qualifizierte wie eine Dampflok zum Verlassen der Gleise, und weil er sich auch in den einsamen Momenten der Selbstbespaßung niemand anderen vorstellen mochte als Amber; vielleicht, weil der goldene Schnitt ihrer Erscheinung durch kein hinzugekommenes Jahr ins Unvorteilhafte gesetzt worden war – ein Hoch auf die Gene! – und ihre Brüste im Auftrieb der Schwerelosigkeit zu jenem legendenträchtigen Stand zurückfanden, der ihn zu Anfang ihrer Beziehung glauben gemacht hatte, reife Melonen zu umklammern; vielleicht auch, weil er beim Versuch, die Verschlüsse ihres Bademantels auseinanderzufummeln, in die entgegengesetzte Ecke des Moduls getragen wurde, was ihn nur umso mehr erregte, da sie lachend in den Schwingen des geöffneten Mantels hing wie ein zum Sündenfall bereiter Engel – was immer der Grund sein mochte, jedenfalls reagierte sein Körper allen Widrigkeiten der Schwerelosigkeit zum Trotz, als da waren Blutunterversorgung des Lendenbereichs, Desorientierung und leichte Übelkeit, mit einer wahren Mondrakate von Ständer.
[…] Sie nahm seine galaktische Erektion mit sichtlichem Interesse in Augenschein, ebenso ratlos wie belustigt.
[…] Amber schwebte ihm entgegen wie auf einem Leitstrahl, umfasste seine Schultern und schlang die Beine um seine Hüften. Kurz balancierte ihr Geschlecht auf seinem, eine Artistin auf der Nase eines Seelöwen.
„Ich glaube, Kopplungsmanöver gehören zu den anspruchsvollsten Manövern im Weltall“, flüsterte sie, presste sich gegen ihn, sank herab und nahm ihn in sich auf. (Seite 207ff)

Nach der Ankunft auf dem Mond am 26. Mai nimmt die Reisegruppe im Lunar Express Platz, der sie in weniger als zwei Stunden von der Peary-Basis am Nordpol zum 1300 Kilometer entfernten Hotel „Gaia“ im Vallis Alpina bringt. Weil der Mond aufgrund seiner geringen Masse keine Atmosphäre hat und es also keinen Luftwiderstand gibt, ist der Hochgeschwindigkeitszug nicht stromlinienförmig, sondern eckig wie eine alte Elektrolokomotive. Im „Gaia“ werden die illustren Gäste von der Hoteldirektorin Dana Lawrence begrüßt.

Julian Orley leidet unter Schlaflosigkeit und verlässt gegen Ende der Nacht sein Zimmer. Durch ein Fenster glaubt er den einfahrenden Lunar Express zu sehen, und in einem Korridor begegnet er Carl Hanna. Weil Orley den Eindruck hat, als sei der vierundvierzigjährige Kanadier von draußen hereingekommen, lässt er später die Aufnahmen der Überwachungskameras prüfen. Er muss sich getäuscht haben, denn auf keinem der Bilder ist etwas Verdächtiges zu sehen, und der Lunar Express stand wohl die ganze Nacht im Bahnhof des Hotels. (Erst später stellt sich heraus, dass die Video-Aufzeichnungen manipuliert wurden.)

Tu Tian, der Gründer und CEO von „Tu Technologies“, eines chinesischen Unternehmens für Holografie und virtuelles Ambiente, überredet am 26. Mai 2025 in Shanghai seinen Freund Owen Jericho, die vermisste fünfundzwanzigjährige Studentin Chen („Yoyo“) Yuyun zu suchen. Yoyo, die Tochter des ebenfalls mit Tu Tian befreundeten Autohändlers Chen Hongbing, gilt als Dissidentin, denn sie bildet mit fünf anderen Internet-Guerilleros zusammen „Die Wächter“, eine Gruppe, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte in China einsetzt. In der Nacht zum 25. Mai verschwand sie.

Owen Jericho ist Engländer. Er arbeitete als Cyber Cop bei New Scotland Yard, als er 2019 Joanna kennenlernte, eine Chinesin, die seit 2017 in London Kunst studierte. Nachdem ihr Vater Pan Zemin, der damalige Vizeumweltminister Chinas, 2020 an einem Gehirnschlag gestorben war, kehrte Joanna zu ihrer einsamen Mutter nach Shanghai zurück. Owen Jericho folgte seiner Geliebten und fing beim Shanghai Department for Cybercrime (Cypol) an, aber nach drei Monaten trennte Joanna sich von ihm. Die Künstlerin ist inzwischen mit Tu Tian verheiratet.

Jericho befragt am 27. Mai Yoyos Mitbewohner in der WG, zwei Studenten. Zhang Li gibt offen zu, nichts über die Vermisste zu wissen und interessiert sich auch nicht weiter für sie. „Grand Cherokee“ Wang Jintao behauptet, dem Privatdetektiv helfen zu können und tut so, als könne er herausfinden, wo Yoyo sich versteckt. Er hat zwar keine Ahnung, was mit Yoyo passiert ist, aber Jericho ist bereits der Zweite, der nach ihr fragt. Vor ihm war bereits der Chinese Kenny Xin da. Deshalb glaubt der Student, für frei erfundene Informationen über seine Mitbewohnerin viel Geld verlangen zu können. Kenny Xin trifft sich mit ihm vor Betriebsbeginn an der Achterbahn „Silver Dragon“ am World Financial Center in Shanghai. Als er merkt, dass sein Gegenüber blufft, schlägt er zu. Grand Cherokee flieht über die Gleise, aber Xin startet den Zug, und der Student stürzt mehrere hundert Meter in die Tiefe.

Xin ermordet die „Wächter“ Yin Ziyi, Tony Sung, Jin Jia Wei und „Maggie“ Xiao Meiqi. Nur Yoyo und „Daxiong“ Guan Guo leben noch. Von Yoyo will Xin den Computer haben. Jericho kommt dazu, und es beginnt eine wilde Verfolgungsjagd auf Airbikes, bei der Yoyo den Laptop der Studentin an sich nimmt, bevor er von ihr getrennt wird.

Mit Hilfe seines eigenen Computers, den er Diane nennt, verschafft Jericho sich Zugang zu Yoyos Daten und begibt sich dann in die virtuelle Welt von „Second Life“. Wie erhofft, trifft er Yoyo in Cyber-Shanghai. Sie erzählt ihm, warum sie in der Nacht zum 25. Mai aus ihrer Wohnung floh. Um unbemerkt von Cypol mit anderen Dissidenten kommunizieren zu können, hatte sie im weißen Rauschen einer fremden E-Mail testweise die Botschaft „Catch me if you can“ versteckt. Als ihr auffiel, dass die abgefangene E-Mail bereits eine verschlüsselte Nachricht im weißen Rauschen enthielt, ließ sich die E-Mail nicht mehr zurückhalten. Offenbar wurde die Methode schon von einer anderen Gruppe benutzt, und durch Zufall hatte sie eine der Parasiten-Mails erwischt. Der Empfänger der Geheimnachricht verfolgte den Weg der E-Mail zurück, attackierte ihren Computer und identifizierte sie.

Yoyo ruft ihren Vater an, um sich zurückzumelden, aber das Telefon wird von Kenny Xin abgehoben. Er hat Chen Hongbing in seiner Gewalt, droht damit, ihn zu erschießen und zwingt Yoyo auf diese Weise, ihm ihren Computer zu bringen. Durch Jerichos Eingreifen entkommen Chen Hongbing und Yoyo dem Killer.

Es gelingt Jericho und Yoyo, die zufällig entdeckte, von Xin an die Köpfe einer Organisation namens „Hydra“ verschickte Botschaft teilweise zu entschlüsseln. Es geht darin um den Plan, einen gewissen Andre Donner in Berlin zu liquideren. In der deutschen Hauptstadt gibt es tatsächlich einen Mann mit diesem Namen: Es handelt sich um einen Holländer, der einige Zeit in Kapstadt gelebt hatte und im Dezember 2024 das südafrikanische Spezialitäten-Restaurant „Mantu“ in Berlin eröffnete. Um ihn zu warnen und mehr über die „Hydra“ herauszufinden, fliegt Tu Tian mit Yoyo und Jericho am 29. Mai in seinem Privatjet von Shanghai nach Berlin.

Andre Donner heißt eigentlich Jan Kees Vogelaar. Er wurde 1962 in Südafrika als Sohn holländisch-stämmiger Einwanderer geboren. Nach dem Studium an der Militärakademie wurde er Unteroffizier bei der Koevoet, einer paramilitärischen Einheit der südafrikanischen Polizei, die zwischen 1978 und 1989 in Südwestafrika (heute: Namibia) die SWAPO bekämpfte. Ende der Achtzigerjahre verlegte er sich auf Waffenhandel, und 1995 fing er bei dem privat geführten Söldnerunternehmen „Executive Outcomes“ an. Einige Jahre später gründete er unter dem Namen „Mamba“ ein eigenes Sicherheitsunternehmen. Seine Spur verlor sich 2007 in Kenia. Beim Putsch des westafrikanischen Generals Juan Alfonso Nguema Mayé 2017 in Äquatorialguinea tauchte Vogelaar wieder auf, und zwar als persönlicher Sicherheitsberater des neuen Machthabers. Er baute den äquatorialguineischen Geheimdienst „EcuaSec“ auf.

Präsident Mayé ließ sich 2022 auf ein chinesisch-äquatorialguineisches Abkommen ein: Unter der Leitung der Zheng Group wurde auf der Insel Bioko im Golf von Guinea eine Raketenabschussbasis errichtet. Es heißt, dass von dort am 15. April 2024 ein Nachrichtensatellit ins All geschossen wurde.

Einige Wochen später, am 28. Juni 2024, beschuldigte Mayé in einer Fernsehansprache Amerikaner, Europäer, Russen und Chinesen, noch immer eine Ausbeutermentalität zu haben. Und er drohte Peking mit Enthüllungen über den Raketenabschuss. Kurz darauf starben er und seine Entourage bei einem Umsturz, der Juan Aristide Ndongo an die Macht brachte. Vogelaar setzte sich mit seiner afrikanischen Ehefrau Nelé nach Berlin ab, wo sie unter falschem Namen ein Restaurant eröffneten.

Nachdem Jan Kees Vogelaar von Yoyo und Jericho erfahren hat, dass jemand ihn zu töten beabsichtigt, will er Berlin am 30. Mai mit Nelé verlassen. Bevor ihm das gelingt, wird sein Freund Leto ermordet. Kenny Xin und der ehemalige IRA-Terrorist Mickey Reardon überfallen Nelé. Mit der Drohung, ihr ein Auge auszustechen, erpresst der Chinese den früheren Sicherheitsberater Präsident Mayés, ihm die Übergabe aus Malabo herausgeschmuggelter Dossiers zu versprechen. Die Dokumente befinden sich auf einem im gesicherten Archiv des Unternehmens „Crystal Brain“ in Berlin aufbewahrten Gedächtniskristall. Vogelaar holt ihn und übergibt ihn Xin. Der hat trotzdem vor, das Ehepaar zu erschießen. In seiner Not bietet Vogelaar dem Chinesen an, Yoyo und Jericho zu verraten. Er habe ihnen den Gedächtniskristall für 100 000 Euro angeboten, erklärt er. Die Übergabe sollte an diesem Vormittag im Telephos-Saal des Pergamonmuseums zwischen ihm und Jericho erfolgen.

Als Vogelaar im Pergamonmuseum Mickey Reardon entdeckt, der eigentlich auf Nelé aufpassen sollte, befürchtet er, dass sie bereits tot ist. In seinem Zorn borgt er sich von einer Zeichnerin einen spitzen Bleistift. Den rammt er Reardon durchs rechte Auge ins Gehirn. Dann ruft er laut nach Jericho, um ihn vor dem ebenfalls anwesenden Xin zu warnen. Xin erschießt Vogelaar, aber Jericho entkommt ihm. Im Keller des „Mamba“ entdeckt der Privatdetektiv Nelé. Sie wurde mit Handschellen an ein Heizungsrohr gefesselt. Jericho befreit sie und erfährt, dass ihr Mann Xin zwar den Gedächtniskristall aus dem Archiv brachte, aber noch über ein Duplikat verfügte, das er dem Privatdetektiv im Museum übergeben wollte. „Er ist das Duplikat!“, erklärt Nelé. Im nächsten Augenblick wird sie von Xin getötet.

Aufgrund von Nelés Ausruf vermutet Jericho das Duplikat in Vogelaars Glasauge. Tu Tian und Yoyo geben sich deshalb als chinesische Ermittler aus und verschaffen sich Zugang zu Vogelaars Leiche im Institut für Rechtsmedizin der Charité. Während Tu die Doktorandin Svenja Maas ablenkt, drückt Yoyo dem Toten das Glasauge heraus. Der Betrug wird von Svenja Maas rasch entdeckt, und Marika Voss, die Direktorin des Instituts, alarmiert die Polizei. Während Tu und Yoyo noch mit einem Leihwagen zum Hotel zurückfahren, bestellt Jericho ein Skycab, das sie zum Flughafen bringen soll. Im letzten Augenblick entkommen sie mit dem Privatjet.

Das Glasauge enthält einen Gedächtniskristall mit Aufzeichnungen von Jan Kees Vogelaar und dazugehörige Kopien von Dokumenten. Es geht vor allem um den Raketenstart 2022 in Äquatorialguinea. Die dafür zuständige chinesische Gruppe wurde von Kenny Xin geführt. Vertraute Xins montierten in der vorletzten Nacht vor dem Raketenstart unter strengster Geheimhaltung die Fracht in die Raketenspitze. Es handelte sich um ein Landegerät. Vogelaar behauptet, dass damit eine Mini-Nuke ins All transportiert wurde, die Xin nach dem Tod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il und der Wiedervereinigung Koreas auf dem Schwarzmarkt erworben hatte. Um sie ins All schießen zu können, suchte Xin einen korrupten Machthaber, der nicht viel fragte. Den fand er in Juan Alfonso Nguema Mayé.

Beim Ziel der Mini-Nuke muss es sich um ein Objekt im Weltraum handeln, von dessen Existenz bzw. Errichtung Xin zum Zeitpunkt des Abkommens mit Äquatorialguinea bereits wusste. Weil Jericho vermutet, dass es sich um das Mondhotel „Gaia“ handeln könnte, das gerade mit einem Jahr Verzögerung eröffnet wird, ruft er die zentrale Sicherheitsabteilung von Orley Enterprises in London an. Edda Hoff nimmt seine Warnung entgegen und gibt sie an Lynn Orley im „Gaia“ weiter. Als Jericho sich noch einmal meldet, wird er mit der Sicherheitschefin Jennifer Shaw verbunden. Sie unterrichtet Julian Orley und fragt dessen Tochter, warum sie nach dem ersten Anruf nichts unternommen habe. Weil ihr der Hinweis viel zu vage und spekulativ vorgekommen sei, meint Lynn verärgert.

Als Jennifer Shaw die Warnung erhält, befinden sich Julian Orley und seine Gäste auf einer Exkursion mit dem Mondshuttle „Ganymed“ zum Aristarchus-Plateau. Nachdem Carl Hanna die Funksprüche zwischen Mond und Erde mitgehört hat, stößt er Peter Black in eine Schlucht, tötet auch das Ehepaar Parker-Edwards und flieht mit einem Rover zur „Ganymed“. Warren Locatelli, der Zeuge der Morde wurde, verfolgt ihn und schleicht sich nach ihm an Bord des Shuttles. Die anderen Mitglieder der Reisegruppe wundern sich, als sie sehen, wie die „Ganymed“ abhebt und wegfliegt.

Hanna überwältigt den CEO von „Lightyears“, aber fernab der lunaren Stützpunkte macht er eine Bruchlandung. Zwar gelingt es ihm und Locatelli, sich aus dem Wrack des Shuttles zu befreien, doch als der Geröllhang abrutscht, auf dem sie sich befinden, wird Locatelli von Felsen erschlagen. Hanna setzt seinen Weg allein fort.

Die Kommunikation zwischen den Mondshuttles, „Gaia“ und der Unternehmenszentrale in London bricht zusammen. Sophie Thiel, die stellvertretende Hoteldirektorin, bittet den Chefkoch Alex Kokoschka, Tim Orley schnellstmöglich einen Zettel zu überbringen, aber Tim achtet in der Aufregung über den Blackout nicht auf Kokoschka. Der liest deshalb selbst, was Sophie Thiel geschrieben hat. Sie beschuldigt ihre Vorgesetzte, Dana Lawrence, zu den Verschwörern zu gehören. Die Hoteldirektorin, die inzwischen Sophie Thiel erschossen hat, tötet das Ehepaar Donoghue, das mitbekam, was auf dem Zettel steht, und ihre Mitarbeiterin Ashwini Anand, die Zeugin des Mordes wurde. Sie kämpft mit Kokoschka, der schließlich in ein sich schließendes Schott gerät und zerquetscht wird. Danach behauptet Dana Lawrence, sie habe den Koch als Hannas Komplizen entlarvt und nicht verhindern können, dass er die Donoghues und Ashwini Anand ermordete. Durch die Schüsse wurden Versorgungsleitungen beschädigt, Feuer bricht aus, Schotten riegeln automatisch Hotelbereiche ab. In dem Inferno sterben viele der Eingeschlossenen.

Gerald Palstein, der strategische Leiter des Ölkonzerns EMCO in Irving, Texas, entging am 21. April 2025 in Calgary, Alberta, nur knapp einem Mordanschlag. Weil er stolperte, traf ihn die Kugel in die Schulter statt in den Kopf. Loreena Keowa, die Chefreporterin des Fernsehsenders „Greenwatch“, eine Umweltaktivistin vom Indianerstamm der Tlingit, versucht herauszufinden, wer auf Palstein schoss und was er für Motive hatte. Zu diesem Zweck wertet sie alle verfügbaren Fernsehaufnahmen des Anschlags aus. Ein in einer bestimmten Sequenz zu sehender Mann kommt ihr verdächtig vor. Außerdem findet Loreena Keowa heraus, dass zweieinhalb Jahre vor dem Anschlag auf Palstein der strategische Leiter des spanisch-argentinischen Ölkonzerns Repsol auf einer Inspektionsreise in Lima verschwand. Unmittelbar davor, am 1. September 2022, hatte Alejandro Ruiz noch an einem globalen Branchentreffen im Sinopec-Kongresszentrum am Rand von Chaoyang, einem Stadtbezirk im Nordosten Pekings, teilgenommen. Von einem anschließenden Geheimtreffen im Privathaus von Joe Song, des strategischen Leiters des chinesischen Ölkonzerns Sinopec, war Ruiz vorzeitig aufgebrochen. Vermutlich hatte er die dort vereinbarten Pläne missbilligt.

Am 29. Mai 2025 taucht unvermittelt Lars Gudmundsson unter, der Chef der von dem Sicherheitsunternehmen „Eagle Eye“ für Gerald Palstein abgestellten Bodyguards. Einen Tag später wird Loreena Keowa von ihm erschossen. Die Intendantin Susan Hudsucker und die gesamte Redaktion von „Greenwatch“ fallen einem Massaker zum Opfer. Die Büros werden durchwühlt.

Als Yoyo einige Zeit später die Fernsehaufnahmen von dem Mordanschlag in Calgary sieht, erkennt sie in dem Mann, den Loreena Keowa für den Attentäter hielt, Kenny Xin.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Jericho findet heraus, dass am 2. August 2024 – dreieinhalb Monate nach dem Raketenstart in Äquatorialguinea – ein Astronaut namens Vic Thorn bei einer Extravehicular Activity auf der OSS ums Leben kam. Der außerplanmäßige Außeneinsatz war erforderlich geworden, weil ein „Humanoid Robotic System for Extravehicular Demands“ (Huros-ED) bei der Reparatur eines verklemmten Manipulators an dem Shuttle, mit dem Thorn an diesem Tag zur Mondbasis fliegen sollte, versagt hatte.

[Das Huros-ED] stoppte. Jemand in seinem zentralen Steuermodul sagte „Verdammte Scheiße!“, was Huros-ED-4 zu einer raschen Rückfrage veranlasste. Obschon auf Abtastung der menschlichen Stimme programmiert, vermochte er in der Äußerung keinen sinnstiftenden Befehl zu erkennen. Die Zentrale verzichtete auf eine Wiederholung, also tat er vorerst nichts, als sich den Schaden zu besehen. In einem der Gelenke des Manipulators waren winzige Splitter verkeilt. Eine lange und tiefe Scharte verlief quer oberhalb der Gelenkstruktur, klaffend wie eine Wunde. Auf den ersten Blick schien die Elektronik intakt zu sei, ein reiner Materialschaden also, indes schwerwiegend genug, dass er den Manipulator veranlasst hatte, sich abzuschalten.
Die Zentrale wies ihn an, das Gelenk zu reinigen.
Huros-ED-4 verharrte.
Wäre er ein Mensch gewesen, hätte man sein Verhalten als unschlüssig bezeichnen können. Schließlich bat er um weitere Informationen, womit er auf eine eigene, vage Weise zum Ausdruck brachte, dass ihn die Sache überforderte. So revolutionär die Baureihe sein mochte – sensorbasierte Steuerung, Rückkopplung von Sinneseindrücken, flexibles und autonomes Handeln –, änderte sie doch nichts daran, dass Roboter Maschinen waren, die in Schablonen dachten. Er sah die Splitter und sah sie doch nicht. Wohl wusste er, dass sie da waren, nicht aber, was sie waren. Ebenso registrierte er den Riss, vermochte ihn allerdings mit keiner ihm bekannten Information in Übereinstimmung zu bringen. Damit existierten die defekten Stellen für ihn nicht. Als Folge war ihm schleierhaft, was genau er eigentlich reinigen sollte, also reinigte er gar nichts.
Ein Hauch Bewusstsein, und Roboter hätten ihre Existenz als wirklich sorgenfrei empfunden […] (Seite 14f)

Wenn Thorn nicht tödlich verunglückt wäre, hätte er am 2. August 2024 das Kommando über die Peary-Basis auf dem Mond übernommen. Jericho ahnt, dass die Mini-Nuke noch nicht detonierte, weil Thorn nicht mehr dazu gekommen war, sie scharf zu machen. Was er nicht wissen kann: Nach dem Ausfall des Astronauten sorgte Kenny Xin dafür, dass die ehemalige Mossad-Agentin Dana Lawrence von Orley Enterprises mit einer Empfehlung des stellvertretenden Sicherheitschefs Andrew Norrington als Direktorin des im Bau befindlichen Mondhotels „Gaia“ eingestellt wurde. Unter dem Decknamen „Ebola“ leitet sie nun die Aktion auf dem Mond.

Carl Hanna heißt in Wirklichkeit Neil Gabriel. Er ist kein Kanadier, sondern wurde 1981 in den USA geborgen. Neil Gabriel war der CIA-Agent, der 2014 den chinesischen Botschafer in Neu-Delhi ermordete, um ein Zusammengehen Indiens und Chinas zu verhindern. Vor sieben Jahren schied er aus dem Geheimdienst aus. Nachdem Gerald Palstein wegen seiner Schutzverletzung ausgefallen war, konnte er sich der Reisegruppe anschließen. Seine Aufgabe ist es, die Zündung der Atombombe vorzubereiten.

Julian Orley und seinen überlebenden Gästen gelingt es, Hanna auf dem vollautomatisierten amerikanischen Helium-3-Fördergebiet einzuholen. Momoka Omura will den Tod ihres Ehemanns Warren Locatelli rächen. Doch in ihrer Wut übersieht sie einen der gigantischen Füße einer Fördermaschine und wird zerquetscht.

Hanna schafft es am 31. Mai bis zur unbemannten amerikanischen Förderstation. Dort steht ein fast voll beladener Güterzug. Während spinnenförmige Roboter die letzten Helium-3-Kugeltanks auf einen Waggon heben, kauert er sich in eine Ecke. Der automatische Lunar Express bringt ihn mit 700 Stundenkilometern zur Peary-Basis.

Als Orley und die Reisegruppe die Förderstation erreichen, ist Hanna schon fort. Der nächste Zug wird erst am übernächsten Tag abfahren. Weil die Sauerstoffvorräte nicht so lange reichen, beschließt der Unternehmer, mit sogenannten Grasshoppers, die er auf der Förderstation vorfindet, zur bemannten chinesischen Förderstation aufzubrechen.

Dort berichtet er dem Kommandanten Jia Keqiang, was geschehen ist. (Von der Zerstörung des Mondhotels „Gaia“ weiß er allerdings noch nichts.) Jia Keqiang tut so, als seien durch den befürchteten atomaren Anschlag auch die Chinesen auf dem Mond gefährdert und rechtfertigt auf diese Weise gegenüber seinen Vorgesetzten auf der Erde die unbürokratische Soforthilfe für den Briten.

Mittels der chinesischen Kommunikationssatelliten erreicht Orley die Konzernzentrale in London. Jennifer Shaw, Andrew Norrington und Edda Hoff klären ihn darüber auf, dass auch sie keinen Kontakt zum „Gaia“ haben. Von Owen Jericho erfährt er, dass die Mini-Nuke nicht länger im Mondhotel, sondern in der Peary-Basis vermutet wird.

Die Überlebenden aus dem „Gaia“ flogen inzwischen mit dem Mondshuttle „Kallisto“ zur Peary-Basis. Nachdem der Kommandant Leland Palmer und sein Stellvertreter Tommy Wachowski von der Katastrophe im Mondhotel und der am Aristarchus-Plateau verschollenen Reisegruppe gehört haben, stellen sie zwei Suchmannschaften zusammen. Nina Heedegard soll weiterhin die „Kallisto“ fliegen und Kyra Gore, die Pilotin der Peary-Basis, die „Io“. Dana Lawrence sorgt dafür, dass sich möglichst viele Leute an der Suchaktion beteiligen. Dadurch fällt es ihr leichter, unbemerkt zu dem Versteck zu gelangen, in dem Hanna während seines nächtlichen Einsatzes die Mini-Nuke platzierte.

Hanna erschießt nach seinem Eintreffen auf der Peary-Basis Tommy Wachowski. Als er den Zeitzünder der Atombombe einstellen will, merkt er, dass die Uhr bereits läuft. Offenbar hielt „Ebola“ ihn für verloren und machte die Mini-Nuke selbst scharf.

Um die inzwischen aufgekommenen Zweifel an ihrer Rolle zu zerstreuen, tötet Dana Lawrence ihren Mitverschworenen Carl Hanna und behauptet, den Verbrecher an der Flucht gehindert zu haben.

In der Konzernzentrale in London wundert Andrew Norrington sich darüber, dass ihm sein Computer vorübergehend den Zugriff verweigert. Kurze Zeit später heißt es auf dem Display, er sei bereits angemeldet. Da weiß der stellvertretende Sicherheitschef von Orley Enterprises, dass sich jemand an seinen Daten zu schaffen macht. Tatsächlich lädt Yoyo gerade den Inhalt seiner Festplatte herunter.

Weil Kenny Xin befürchtet, dass Norrington als Mitglied der „Hydra“ enttarnt werden könnte, erschießt er ihn.

Die Ärztin Minnie DeLucas, die in der Peary-Basis für Lebenserhaltungssysteme zuständig ist und die Möglichkeit untersucht, Nutztiere auf dem Mond zu züchten, findet die versteckte Mini-Nuke und bringt sie zu Leland Palmer und der Astronomin Annie Jagellovsk. Der Kommandant setzt sich sofort mit Kyra Gore und Nina Heedegard in Verbindung. Weil die „Kallisto“ näher als die „Io“ ist, eilt Nina Heedegard herbei, nimmt die tickende Bombe an Bord und fliegt wieder los, um sie in einen Mondkrater abzuwerfen. Auf diese Weise werden die Auswirkungen der atomaren Explosion minimiert.

Doch am 2. Juni unterrichtet Bernhard Lee, der Direktor des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, Orley Enterprises darüber, dass am 15. April 2024 noch eine zweite Mini-Nuke ins All befördert wurde.

Tatsächlich hatte Kenny Xin zwei Mini-Nukes besorgt. Beide wurden von dem Landegerät zum Mond gebracht. Eine davon versteckte Carl Hanna auf der Peary-Basis. Die andere sollte mit dem Mondshuttle „Charon“ zur OSS gebracht werden. Per Zeitzünder wären dann beide Weltraumstationen zerstört worden.

Lynn Orley überrascht Dana Lawrence, als diese in der „Charon“ hinter der Wandverkleidung nach der zweiten Mini-Nuke sucht. Bevor Lynn die Bombe packen kann, gelingt es Dana Lawrence, den Zeitzünder einzuschalten. Die beiden Frauen kämpfen. Lynn wird verletzt. Nachdem es ihr gelungen ist, die Terroristin einzusperren, startet sie mit dem Shuttle und der Bombe an Bord. Per Funk unterrichtet sie ihren Vater. Julian Orley tötet daraufhin Dana Lawrence. Erst kurz vor der Zündung wirft Lynn die Mini-Nuke ab. Zu diesem Zeitpunkt ist sie 45 000 Kilometer von der OSS entfernt.

Als Drahtzieher der Verschwörergruppe „Hydra“ werden Joe Song und Gerald Palstein entlarvt. Die Strategen der Ölkonzerne Sinopec und EMCO wollten mit der Zerstörung der OSS und der Basis am Nordpol des Mondes den weiteren Abbau von Helium-3 beenden und damit ihre Branche vor dem Untergang retten. Palstein hatte sich von Kenny Xin in die Schulter schießen lassen, damit Carl Hanna an seiner Stelle als Gast Julian Orleys zum Mond reisen konnte.

Joe Song wird in Peking verhaftet. Gerald Palstein erhält während eines Aufenthalts in Venedig Besuch von Julian Orley. Bevor der Brite sich wieder zurückzieht, legt er dem Ölmanager eine Pistole hin. Als er an den im Treppenhaus wartenden Interpol- und MI6-Agenten vorbeigeht, sagt er: „Geben Sie ihm eine Minute.“

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Wer den Science-Fiction-Thriller „Limit“ von Frank Schätzing lesen möchte, muss einiges an Geduld und Durchhaltevermögen mitbringen. Das liegt nicht nur am Umfang des Buches (1320 Seiten), sondern vor allem auch an der Art der Darstellung. Auf den ersten 300 Seiten von „Limit“ geschieht nichts weiter, als dass eine Gruppe im Mai 2025 zum Mond reist und in China die Tochter eines Autohändlers vermisst wird. Statt in die Handlung einzusteigen, beschreibt Frank Schätzing das Szenario und verliert sich dabei in zu viele Erläuterungen. Die Bildungshuberei endet auch nicht, als die Handlung endlich in Gang kommt. Beispielsweise referiert Schätzing auf den Seiten 659 bis 685 eine teils reale, teils fiktive Geschichte Äquatorial-Guineas. Durch solche Einschübe wird die Spannung immer wieder zurückgenommen.

Überhaupt baut Frank Schätzing in „Limit“ weniger auf Suspense als auf Action-Szenen, bei denen er offenbar bereits an eine Verfilmung dachte. Allerdings wirkt eine auf dreiundzwanzig Seiten (508 bis 530) dargestellte Verfolgungsjagd im Roman weniger spektakulär als im Kino. Eindruck schinden will Frank Schätzing auch mit Gewaltexzessen, Cybersex-Szenen, zotigen Beschreibungen der weiblichen Figuren und bildhaften Darstellungen von Vorgängen, die mit menschlichen Ausscheidungen zu tun haben.

Sofort sah er die Leichen, den Jungen mit dem weggeschossenen Gesicht, das sterbende, sich drehende Mädchen, aus dessen zerfetzer Schulterarterie hellrote Fontänen schossen, ihren abgetrennten Arm […] (Seite 531)

Ihre Brüste zwängten sich unwillig in ein Kleid, das mit knapper Not die planetare Wölbung ihres Hinterns bedeckte. (Seite 53)

„Wer unterwegs ein gewisses Bedürfnis verspürt – einfach laufen lassen. Ihr geschätztes Pipi wird in einer dicken Schicht Polyacrylat gebunden, niemand muss befürchten, dass es die Beine herabplätschert.“ (Seite 171)

Offenbar strengte sich Frank Schätzing an, mit „Limit“ den Erfolg seines Bestsellers „Der Schwarm“ zu übertreffen. Dabei schoss er weit übers Ziel hinaus.

Der Plot von „Limit“ ist trivialer und weniger komplex, als man aufgrund der aufgeblähten Darstellung zunächst glaubt, und das rund hundert Figuren umfassende Personal des Romans besteht mehr aus Klischees als aus differenzierten Charakteren. Einige technische Ideen und Erläuerungen sind interessant, aber es gibt auch unplausible und unwahrscheinliche Zusammenhänge, etwa wenn die chinesische Dissidentin Chen („Yoyo“) Yuyun wahllos eine E-Mail abfängt und dabei ausgerechnet eine von der verbrecherischen Organisation „Hydra“ manipulierte erwischt.

Die Sprache des auktorialen Erzählers in „Limit“ ist betont salopp:

Zu guter Letzt hatte DeLucas jede Rücksichtnahme fahren lassen, Lynn […] Prügel für den Fall angedroht, dass sie nicht unverzüglich in die Puschen kam. (Seite 1192)

Sie warf die Ögis aus den Betten, beide gottlob unkompliziert und schnell von Kapee. (Seite 1192)

Mit dieser Ausdrucksweise biedert sich Frank Schätzing jungen Leserinnen und Leser an. Die Sprachkultur fördert er damit nicht, und überzogene Metaphern passen nicht dazu:

[…] während die Nacht ihre Röcke rafft […] (Seite 148)

Bei einem Satz wie dem folgenden weiß man nicht, ob Frank Schätzing witzig sein wollte oder einfach nur verkehrt gedacht hat:

Wangs Großmutter behauptete, ihre Erblindung sei mit einer Reihe von Vorteilen einhergegangen, deren erfreulichster sei, nicht länger dem Anblick ihrer Familienmitglieder ausgesetzt zu sein. (Seite 271)

Ein Zeichen mangelnder Sorgfalt ist es, wenn Namen im Personenverzeichnis nicht mit denen im Text übereinstimmen (z. B.: Nina / Lisa Hedegaard).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009
Textauszüge: © Kiepenheuer & Witsch

Frank Schätzing: Tod und Teufel
Frank Schätzing: Die dunkle Seite
Frank Schätzing: Lautlos
Frank Schätzing: Der Schwarm
Frank Schätzing: Nachrichten aus einem unbekannten Universum
Frank Schätzing: Breaking News

Don Winslow - Pacific Private
Bei "Pacific Private" von Don Winslow handelt es sich um eine spannende und unterhaltsame Lektüre. Aber die Figuren sind eindimensional, und der Thriller wirkt wie eine nicht ganz ernst gemeinte Fingerübung des Autors.
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