William Shakespeare : Titus Andronicus

Titus Andronicus

William Shakespeare

Titus Andronicus

Originaltitel: The Most LamentableRoman Tragedy of Titus Andronicus Manuskript: vor 1593 Uraufführung: London 1593 oder 1594 Neuübersetzung: Frank Günther Zweisprachige Ausgabe: dtv, München 2004 ISBN 3-423-12757-0, 276 Seiten, 12.50 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der römische Feldherr Titus Andronicus kehrt siegreich von einem Feldzug gegen die Goten zurück. Unter den Gefangenen sind die Gotenkönigin Tamora und ihre drei Söhne. Weil Titus 21 seiner 25 Söhne in dem Feldzug verloren hat, tötet er Tamoras Erstgeborenen. – Der Imperator Saturninus will Titus' Tochter Lavinia zur Frau, obwohl diese bereits seinem Bruder versprochen ist, aber dann vermählt er sich stattdessen mit Tamora, die Titus grausame Rache geschworen hat ...
Weiterlesen

Kritik

"Titus Andronicus" ist eine grausame Tragödie in 5 Akten. Shakespeare zeigt, dass Egoismus und Konkurrenz, Gewalt und Rache das Leben bestimmen; die politische Geschichte interpretiert er als blutiges Machtspiel, als Folge von Katastrophen im Zusammenleben der Menschen.
Weiterlesen

Der römische Feldherr Titus Andronicus kehrt zwar siegreich von einem Feldzug gegen die Goten zurück, aber einundzwanzig seiner fünfundzwanzig Söhne sind gefallen. Bevor er die Leichen feierlich in der Familiengruft bestattet, will er den Göttern den erstgeborenen Sohn der Gotenkönigin Tamora opfern, die mit ihren drei Söhnen Alarbus, Demetrius und Chiron in Gefangenschaft geraten war. Tamora fleht Titus um Gnade an, doch er lässt sich nicht erweichen und befiehlt, Alarbus zu töten.

Während des Feldzugs verstarb der römische Kaiser. Seine Söhne Saturninus und Bassianus konkurrieren um die Nachfolge. Der Volkstribun Marcus Andronicus verkündet zwar, das römische Volk habe seinen Bruder, den siegreichen Feldherrn Titus Andronicus, zum Nachfolger erkoren, aber der lehnt das Amt ab, und auf seinen Rat hin wird Saturninus, der ältere der beiden Kaisersöhne, als neuer Imperator ausgerufen.

Saturninus, ein verschlagener Egomane, verlangt bei seinem Amtsantritt Titus‘ Tochter Lavinia zur Frau. Obwohl Lavinia bereits mit Bassianus verlobt ist, fügt ihr Vater sich dem kaiserlichen Begehren und schenkt Saturninus außerdem als Zeichen seiner Unterwürfigkeit die gotischen Gefangenen. Beim Anblick Tamoras scheint der Kaiser seine gerade getroffene Wahl zu bedauern, und als eine seiner ersten Amtshandlungen lässt er die Gotenkönigin und ihre Söhne Demetrius und Chiron frei.

Bassianus läuft mit Lavinia davon, und die vier noch lebenden Brüder Lavinias halten zu dem bis dahin glücklichen Paar. Einer von ihnen, Mutius, stellt sich seinem Vater in den Weg, aber der zieht sein Schwert und tötet ihn.

Saturninus nimmt den Vorfall zum Anlass, Tamora anstelle von Lavinia zu seiner Frau zu machen. Als er Titus und dessen Söhne zur Rechenschaft ziehen will, vermittelt die Gotenkönigin zwischen ihnen, nicht weil sie Mitleid mit dem Feldherrn hat, im Gegenteil: Sie will sich selbst an ihm und seinen Angehörigen rächen. Auf ihren Rat hin begnadigt Saturninus Bassianus, Titus und dessen Kinder.

Während einer Treibjagd ertappen Bassianus und Lavinia die Gotenkönigin mit ihrem Liebhaber, dem intriganten Mohren Aaron, abseits von der Jagdgesellschaft in einer verfänglichen Situation. Kurz darauf kommen Demetrius und Chiron dazu. Damit der Kaiser nichts von Tamoras Untreue erfährt, erstechen sie Bassianus. Im Einverständnis mit ihrer Mutter vergewaltigen sie Lavinia und schneiden ihr anschließend die Zunge und beide Hände ab, damit sie nicht verraten kann, wer Bassianus ermordet und sie geschändet hat.

Durch eine Intrige sorgt Aaron dafür, dass Saturninus Titus‘ Söhne Quintus und Martius für die Mörder seines Bruders Bassianus hält. Vergeblich versucht Lucius, seine beiden zum Tod verurteilten Brüder zu retten. Zur Strafe wird er verbannt. Er läuft zu den Goten über.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Aaron erklärt Titus Andronicus, er könne seine zum Tod verurteilen Söhne wiederhaben, wenn er dem Kaiser dafür seine Hand schicke. Ohne zu zögern, lässt Titus sich die linke Hand abschlagen und gibt sie dem tückischen Mohr mit. Kurz darauf überbringt man Titus die abgetrennten Köpfe von Quintus und Martius.

Inzwischen hat Marcus Andronicus seine verstümmelte Nichte Lavinia gefunden und zu ihrem verzweifelten Vater gebracht. Lavinia nimmt einen Stab in den Mund und schreibt damit die Namen Demetrius und Chiron in den Sand.

Tamora bekommt heimlich ein Kind, und weil es schwarz ist, beauftragt sie eine Krankenschwester, es zu Aaron zu bringen, damit dieser es töte. Aaron will jedoch, dass sein Sohn lebt: Er ersticht die Krankenschwester und flieht mit dem Kind. Unterwegs wird er von den Goten aufgegriffen, die unter Lucius‘ Führung gegen Rom marschieren.

Als die Nachricht von den anrückenden Goten den Kaiserpalast erreicht, schlägt Tamora ein Treffen des Imperators mit Lucius in Titus‘ Haus vor. Als Racheengel verkleidet, besucht sie Titus mit ihren ebenfalls maskierten Söhnen und redet ihm ein, er könne sich an seinen Gegnern rächen, wenn er sie zusammen mit Lucius in sein Haus einlade. Titus tut so, als erkenne er Tamora nicht und behält ihre beiden Begleiter da. Sobald Tamora fort ist, lässt er Demetrius und Chiron von seinen Getreuen überwältigen und schneidet ihnen die Kehle durch.

Aus Blut und Knochenmehl der beiden Jungen bereitet er eine Pastete zu, die er bei dem angeblichen Versöhnungsmahl mit Lucius der Kaiserin und dem Kaiser vorsetzt. Während die beiden davon essen, führt er Lavinia herein, bezichtigt Demetrius und Chiron, sie geschändet und verstümmelt zu haben und bricht ihr mit einem Ruck das Genick, um sie von ihrem Leid zu erlösen. Saturnius will Demetrius und Chiron holen lassen und zur Rede stellen, aber Titus erklärt der Tafelrunde, die beiden seien bereits da – in Form der Pastete. Hasserfüllt rammt er Tamora einen Dolch in den Hals, Saturninus stürzt sich auf Titus und ersticht ihn, wird aber im nächsten Augenblick von Lucius getötet.

Auf Wunsch des römischen Volkes proklamiert Marcus Andronicus seinen Neffen Lucius zum neuen Kaiser.

nach oben

„Titus Andronicus“ ist eine Rachetragödie von William Shakespeare in 5 Akten, teils in Versen, teils in Prosa. Die Titelfigur ist frei erfunden.

T. S. Eliot tat „Titus Andronicus“ als eines der dümmsten jemals geschriebenen Theaterstücke ab. Tatsächlich wirken die Figuren im Vergleich zu Charakteren wie beispielsweise Hamlet oder Lady Macbeth undifferenziert. Es handelt sich um eines der grausamsten und blutrünstigsten Bühnenstücke Shakespeares, dessen Autorenschaft immer wieder bezweifelt wurde.

In „Titus Andronicus“ demonstriert William Shakespeare, dass Egoismus und Konkurrenz, Gewalt und Rache das Leben bestimmen; die politische Geschichte interpretiert er als blutiges Machtspiel, als Folge von Katastrophen im Zusammenleben der Menschen.

Das dramatische Potenzial des Stücks offenbart sich insbesondere bei modernen Bearbeitungen wie zum Beispiel der Verfilmung durch Julie Taymor: „Titus“. – Friedrich Dürrenmatt machte aus Shakespeares Tragödie eine Komödie „Titus Andronicus“ (Uraufführung: 1970; Verlag Die Arche, Zürich 1970, 79 Seiten). Heiner Müller verwendete sie als Vorlage für sein Bühnenstück „Anatomie Titus Fall of Rome Ein Shakespearekommentar (Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1986, 102 Seiten; Uraufführung: Bochum 1993). Die Bearbeitung von Botho Strauß kam 2005 in Berlin unter dem Titel „Schändung“ auf die Bühne (Hanser Verlag, München 2005, 89 Seiten).

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

Julie Taymor: Titus

William Shakespeare (Kurzbiografie)
William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum (Verfilmung 1999)
William Shakespeare: Romeo und Julia (Verfilmung 1996)
William Shakespeare: König Heinrich V. (Verfilmung 1989)
William Shakespeare: Der Kaufmann von Venedig (Neuversion 2016)
William Shakespeare: Viel Lärm um nichts (Verfilmung 1993)
William Shakespeare: Hamlet (Verfilmung 1990 / 1996 / Neuversion)
William Shakespeare: Maß für Maß
William Shakespeare: Macbeth (Verfilmung 1971)
William Shakespeare: Das Wintermärchen (Cover-Version)
William Shakespeare: Der Sturm (Verfilmung)

Richard Powers - Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz
Richard Powers wechselt in "Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz" von Kapitel zu Kapitel zwischen drei Handlungssträngen. Zwei spielen in den 80-er Jahren, einer von 1914 bis 1945. Essayistische Einschübe erschweren die Lektüre des überambitionierten Romans.
Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz

Richard Powers

Drei Bauern auf dem Weg zum Tanz

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.