Herbert George Wells : Der Krieg der Welten

Der Krieg der Welten
Originaltitel: War of the Worlds, 1898 Der Krieg der Welten Übersetzung: Gottlieb August Crüwell Wien 1901 Neuübersetzung: Lutz-W. Wolff dtv Verlagsgesellschaft, München 2017 ISBN 978-3-423-14547-3, 319 Seiten ISBN 978-3-423-43060-9 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Als es den Marsianern auf ihrem Planeten zu kalt wird, suchen sie neuen Lebensraum näher an der Sonne und fallen deshalb auf der Erde ein: in der englischen Grafschaft Surrey. Die Aliens versuchen nicht, sich mit Menschen zu verständigen, sondern zer­stören alles mit Hitzestrahlen, schwarzem Rauch und gigantischen Kampfmaschinen. Das Militär hat keine Chance gegen sie. Aber in London endet der Vormarsch der Invasoren überraschenderweise ...
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Kritik

H. G. Wells stand der Selbstzufriedenheit des Menschen über die erreichten und noch erzielbaren Fortschritte skeptisch gegenüber und veranschaulichte in "Der Krieg der Welten" auf zugleich realistische und ironische Weise die Zerstörbarkeit der irdischen Zivilisation.
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Niemand hätte wohl in den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts geglaubt, dass die menschlichen Angelegenheiten aufmerksam und sehr genau von Wesen beobachtet wurden, die weitaus intelligenter als der Mensch waren, wenn auch genauso sterblich; dass die Menschen bei ihrem geschäftigen Treiben auf ähnliche Weise erforscht und studiert wurden, wie man mit einem Mikroskop die vergänglichen Geschöpfe mustert, die in einem Wassertropfen herumwuseln und sich vermehren. Mit unendlicher Selbstgefälligkeit und Gelassenheit gingen die Menschen auf dem ganzen Erdball ihren Geschäften nach und waren sich dabei ihrer Herrschaft über die Materie ganz sicher.

Während die Menschen auf der Erde sich allenfalls vorstellen können, dass es auf dem Mars weit unterlegene Organismen gibt, bereiten dort intelligente Wesen die Eroberung eines neuen Lebensraumes vor, weil es auf ihrem Planeten zu kalt für sie geworden ist. Als Ziel haben sie die sonnennähere, wasser- und rohstoffreiche Erde ausgewählt.

Die unmittelbare Not hat ihren Verstand geschärft, ihre Fähigkeiten gesteigert und ihre Herzen verhärtet.

1894 berichten das Lick-Observatorium auf dem Mount Hamilton in Kalifornien, der Astronom Henri Joseph Anastase Perrotin in Nizza und andere über ein grelles Licht auf dem Mars. Der Ich-Erzähler, ein Philosoph, dessen Namen wir nicht erfahren, nimmt aufgrund der späteren Ereignisse an, dass die Marsbewohner zu diesem Zeitpunkt eine gigantische Kanone gossen.

Während der nächsten Annäherung des Mars an die Erde (Opposition) werden in zehn aufeinanderfolgenden Nächten gewaltige Ausbrüche von leuchtenden Gasen auf dem Mars beobachtet. Einige Monate später glüht etwas wie eine Sternschnuppe auf und schlägt in der Heide zwischen Horsell, Ottershaw und Woking in Surrey ein. Aber der Astronom Ogilvy, der sich den Krater anschaut, stellt überrascht fest, dass es sich nicht um einen Meteoriten handelt, sondern um ein Artefakt, einen Metallzylinder. Obwohl er noch so heiß ist, dass Ogilvy sich nicht nähern kann, wird von Innen ein Deckel abgeschraubt, und Tentakel eines bärengroßen Wesens kommen zum Vorschein. Eine Delegation, die sich einige Zeit später dem Objekt mit weißer Fahne nähert, wird durch einen leuchtenden Hitzestrahl getötet, und der Boden beginnt zu brennen.

Der zum Einschlagsort geeilte Philosoph nimmt an, dass die Vorgänge mit den Beobachtungen auf dem Mars zu tun haben. Er kehrt zu seinem Haus in Maybury zurück und schildert seiner Frau, was er gesehen hat. Sie fürchtet sich vor den Außerirdischen, aber ihr Mann versucht sie zu beruhigen, indem er darauf hinweist, dass die Schwerkraft auf der Erde dreimal so hoch wie auf dem Mars sei und es den Marsianer deshalb schwerfallen müsse, sich hier fortzubewegen.

Soldaten rücken an und umzingeln den Krater.

Ein zweiter Zylinder landet im Kiefernwald an den Byfleet Golf Links ein paar Kilometer östlich des ersten Einschlags.

Kurz vor sechs Uhr abends, als ich mit meiner Frau im Gartenhaus beim Tee saß und über die bevorstehende Schlacht sprach, hörte ich plötzlich eine gedämpfte Explosion von der Heide und danach eine heftige Schießerei. Kurz darauf folgte ganz in der Nähe von uns ein wuchtiger, nachhallender Schlag, der den Boden erzittern ließ. Ich lief auf den Rasen hinaus und sah, wie die Baumkronen rund um das Orientalische Institut in rauchende rote Flammen aufgingen, während der Turm der kleinen Kirche daneben in Trümmer fiel. Die Kuppel der Moschee war verschwunden, und der Dachstuhl des Instituts selbst sah aus, als ob ein Hundert-Tonnen-Geschütz es beschossen hätte. Einer unserer Schornsteine platzte, als hätte ein Schuss ihn getroffen. Die Trümmer rutschten über das Dach herunter, und ein Haufen kaputter Ziegel landete im Blumenbeet vor meinem Arbeitszimmer.

In der Gegend ist niemand mehr sicher. Der Erzähler läuft deshalb zum Wirt des „Spotted Dog“ und leiht sich einen Einspänner. Damit macht er sich mit seiner Frau und dem Dienstmädchen auf den etwa 12 Meilen weiten Weg nach Leatherhead, wo er Verwandte hat. Dort bittet er einen Cousin, seine Frau zu beschützen. Er selbst will nach Maybury zurückkehren.

Unterwegs trifft er auf eine dreibeinige, augenscheinlich von einem Marsianer gesteuerte Kampfmaschine, die höher als die meisten Häuser ist. Erschrocken reißt er am Zügel. Das Fuhrwerk kippt um, und die Deichsel bricht. Unweit der Unglückstelle entdeckt er die Leiche des Wirts vom „Spotted Dog“.

Von einem versprengten Kutscher der Artillerie, dem er Schutz in seinem Haus gewährt, lässt er sich über die aktuelle Lage aufklären. Die militärischen Kampfeinheiten haben bisher nichts gegen die Marsianer ausrichten können. Die Städte Weybridge und Shepperton sind zerstört. Beide Männer kommen zu dem Schluss, dass sie nicht in der Gegend bleiben können. Der Soldat will sich in London zurückmelden, und der Philosoph beabsichtigt, seine Frau von Leatherhead nach Newhaven zu bringen.

Unterwegs sieht er, wie eine Granate den Kontrollraum am oberen Ende einer der gewaltigen Kampfmaschinen samt dem Marsianer darin zerfetzt.

Der enthauptete Koloss wankte wie ein betrunkener Riese, fiel aber nicht um. Wie durch ein Wunder behielt er das Gleichgewicht und marschierte weiter in Richtung Shepperton […] Unkontrolliert marschierte er in einer geraden Linie weiter, kollidierte mit dem Kirchturm und kippte ihn um wie ein Rammbock. Dann stolperte er weiter und stürzte außerhalb meiner Sichtweite mit einem heftigen Aufprall in den Fluss.

Erst in der Themse explodiert das Ungetüm und löst eine kochende Flutwelle aus.

Die Briten bringen 116 Geschütze gegen die Marsianer in Stellung, können jedoch Zerstörung von Richmond, Kingston und Wimbledon nicht verhindern. Die Marsianer verschießen Kanister, die beim Aufschlag platzen und einen tödlichen schwarzen Rauch ausströmen lassen, der schwerer als Luft ist und sich am Boden ausbreitet. Ein vierter Zylinder trifft ein. Der Krieg gegen die Marsianer ist nicht zu gewinnen.

Weil es kein Durchkommen nach Leatherhead gibt, ändert der Philosoph seine Pläne. Er will nun versuchen, seinen jüngeren, in London Medizin studierenden Bruder zu erreichen.

Später erfährt er, wie dieser den Krieg der Welten erlebte.

Beim Exodus aus London trifft der Bruder auf die Ehefrau und die jüngere Schwester des Arztes George Elphinstone aus Stanmore, die mit einer kleinen, von einem Pony gezogenen Kutsche unterwegs sind und ihn mitnehmen. In Chelmsford beschlagnahmt ein „Komitee zur öffentlichen Versorgung“ ihr Pony, und sie müssen die Flucht zu Fuß fortsetzen. Bei Tillingham gelingt es ihnen, mit einem Schiffskapitän handelseinig zu werden, der mit seinem Raddampfer Flüchtlinge nach Ostende bringen will. Es sind zwar bereits über hundert Passagiere an Bord, von denen einige ihr letztes Geld für die Überfahrt ausgegeben haben, aber die geldgierige Besatzung wartet noch auf weitere Flüchtlinge und legt erst ab, als die Marsianer die Küste erreichen und mit den riesigen Kampfmaschinen ein Stück weit ins Meer hinein marschieren, um Flüchtlingsboote und -schiffe anzugreifen.

Währenddessen versteckt sich der Philosoph mit einem Pfarrer in einem leeren Haus in Halliford, in dessen Speisekammer sie ausreichend Vorräte finden. Der fünfte Zylinder schlägt direkt dort ein, verschüttet die beiden Männer in den Ruinen des Gebäudes. Durch einen Mauerschlitz können die Eingeschlossenen in den neuen Krater blicken. Sie beobachten, wie die Marsianer sich von Menschen ernähren.

Sie waren Köpfe, praktisch nur Köpfe. Eingeweide hatten sie nicht. Sie fraßen nicht und verdauten auch nicht. Stattdessen saugten sie anderen Lebewesen das Blut aus und injizierten es direkt in ihre Adern. Ich habe es selbst beobachtet und werde an der entsprechenden Stelle davon berichten.

Die physiologischen Vorteile der Direkteinspritzung sind nicht zu leugnen, wenn man daran denkt, wie viel Zeit bei uns Menschen auf das Verzehren und Verdauen von Nahrung verschwendet wird. Unsere Körper sind zur Hälfte mit Drüsen, Organen und Röhren gefüllt, die damit beschäftigt sind, alle möglichen heterogenen Nahrungsmittel in Blut zu verwandeln.

Ihre Körper schliefen nie, so wie ja auch unser Herz nicht schläft. Da sie keine großen Muskelapparate hatten, die sich hätten erholen müssen, konnten sie auf solche periodischen Bewusstlosigkeiten verzichten. Sie ermüdeten kaum oder gar nicht, wie es schien.

Manches wahre Wort ist als Witz formuliert worden, und tatsächlich finden wir bei den Marsianern das Ergebnis einer Unterdrückung der animalischen Seite des Organismus durch den Intellekt.

Immer wieder ertappt der Philosoph den Pfarrer in den folgenden Tagen beim heimlichen Essen von Vorräten. Am sechsten Tag stellt er sich dem Geistlichen in den Weg, verlangt Disziplin von ihm und teilt alles noch in der Speisekammer Vorhandene so ein, dass es weitere zehn Tage reicht. Aber der Pfarrer beginnt am achten oder neunten Tag, herumzuschreien und will schließlich ins Freie. Aus Angst vor der Entdeckung schlägt der Erzähler ihn nieder. Offenbar wurden die Marsianer durch den Lärm bereits aufmerksam, denn der Schlitz in der Mauer verdunkelt sich, ein Tentakel schlängelt sich durch die Öffnung und sucht den Raum ab. Während der Erzähler sich unter den Kohlen im Keller versteckt, findet der Marsianer den Pfarrer. Er zieht nicht nur ihn aus den Trümmern des Hauses, sondern räumt auch die Speisekammer leer.

Am 15. Tag stöbert ein Hund vor dem Mauerschlitz herum. Der Erzähler, der seit Tagen nichts mehr gegessen und nur selten etwas Wasser getrunken hat, wundert sich darüber. Als er erstmals wieder hinauszuschauen wagt, stellt er fest, dass sich keine Marsianer mehr im Krater aufhalten.

Endlich kann er die Ruine verlassen. In einem Garten, der noch nicht ganz von dem roten Unkraut überwuchert ist, das die Marsianer mitbrachten und das sich rasant ausgebreitet hat, findet er Zwiebeln und Mohrrüben.

Das rote Unkraut zerfällt so rasch wie es sich ausbreitete. Es muss von einer Pflanzenkrankheit befallen sein.

Lange Zeit nimmt der Philosoph an, die Menschheit existiere nicht mehr und er sei der letzte Mensch. Aber auf dem Hügel in Putney stößt er auf den Artilleristen, den er bereits kennt. Der berichtet, dass in Wimbleton ein sechster Zylinder einschlug und die Marsianer inzwischen eine Flugmaschine gebaut haben. Es ist zu befürchten, dass sie nicht nur Surrey und London, sondern die ganze Erde unterwerfen.

Es wird wohl eine Million Jahre lang keine Konzerte mehr geben; es wird keine Royal Academy of Arts mehr geben und keine hübschen kleinen Mahlzeiten im Restaurant. Wenn Sie sich amüsieren wollen, dann ist das Spiel vorbei. Wenn Sie feine Manieren oder ein Problem damit haben, Erbsen mit dem Messer zu essen und Cockney-Dialekt zu hören, dann vergessen Sie’s lieber. So was wird nicht mehr gebraucht.

Die beiden Überlebenden nehmen an, dass die Marsianer nicht vorhaben, die Menschheit zu vernichten, sondern wie Vieh zu halten, und der Soldat geht davon aus, dass sich die meisten Menschen damit abfinden.

Und wenn eine Menge Leute das Gefühl haben, dass man eigentlich etwas tun müsste, dann werden die Schwachen und diejenigen, die sich mit einem Haufen komplizierter Gedanken schwach machen, ganz schnell eine Tut-lieber-nichts-Religion erfinden, sehr heilig und heuchlerisch, die darauf hinausläuft, dass man sich der Verfolgung und dem Willen des Herrn unterwerfen muss.

Der Artillerist will sich jedoch nicht fangen und mästen lassen, sondern im Londoner Untergrund eine neue Gesellschaft aufbauen, die Marsianer ausspionieren, von ihnen lernen. Eines Tages, so hofft er, werden Männer aus dem Untergrund Kampfmaschinen erbeuten und die Marsianer mit ihren eigenen Waffen vernichten. Weil der Erzähler das für Hirngespinste hält, trennt er sich von dem Soldaten und geht allein weiter nach London. Unterwegs bricht er in eine verlassene Gastwirtschaft ein, in der er etwas zu essen und zu trinken findet.

In London hört er ein schauerliches Heulen. Er kommt an einer zerstörten Maschine vorbei. Es sieht so aus, als habe der sie steuernde Marsianer die Kontrolle verloren. Inzwischen wurde er von streunenden Hunden zerfetzt. Nachdem das Heulen abgebrochen ist, stößt der Erzähler auf weitere Marsianer. Sie sind alle tot. Die meisten Kampfmaschinen sind umgestürzt. Augenscheinlich wurden die Außerirdischen ebenso wie das rote Unkraut von Mikroben getötet, die es auf dem Mars nicht gibt und gegen die sie deshalb keine Abwehrkräfte besaßen.

Erst als sich der Philosoph in Sicherheit wähnt, erleidet er einen Nervenzusammenbruch.

Zum Bewusstsein kam ich erst wieder im Haus von freundlichen Menschen, die mich am dritten Tag in St. John’s Wood gefunden hatten, wo ich schluchzend und jubelnd durch die Straßen getaumelt war.

Von den Rettern erfährt er, dass die Marsianer Leatherhead vollständig zerstörten. Er muss davon ausgehen, dass seine Frau und sein Cousin unter den Toten sind. Traurig kehrt er nach Maybury zurück. In seinem Haus trifft er auf seine Frau und den Cousin, die ihrerseits glaubten, er sei nicht mehr unter den Lebenden.

Allmählich kehren die Flüchtlinge auch wieder nach London zurück, aber es bleibt die Frage, ob ein weiterer Angriff vom Mars drohe. Aufgrund von Beobachtungen geht man jedoch bald davon aus, dass die Marsianer statt der Erde die Venus kolonialisiert haben. Möglicherweise erweist sich der Krieg der Welten am Ende für die Menschheit als nützlich, dann nämlich, wenn dadurch das selbstgefällige Zukunftsvertrauen schwindet, „das die fruchtbarste Quelle der Dekadenz ist“.

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1895 rechnete Herbert George Wells nicht mehr mit einer Zukunft als Naturwissenschaftler, aber der Erfolg seines Romans „Die Zeitmaschine“ ließ ihn auf eine Karriere als Schriftsteller hoffen. Im Mai 1895 zog er mit der Studentin Amy Catherine („Jane“) Robbins, die bald darauf seine zweite Ehefrau wurde, nach Woking in Surrey. Dort begann er im Herbst, einen Verleger für den Vorabdruck seines neuen Romans „Der Krieg der Welten“ zu suchen, der vor allem in dieser Gegend spielt. Der Vorabdruck erfolgte von April bis Dezember 1897 in „Pearson’s Magazine“ und in „Cosmopolitan“. Als Buch erschien „The War of the Worlds“ im Januar 1898 (William Heinemann, London).

Gottlieb August Crüwell legte 1901 eine erste deutsche Übersetzung vor: „Der Krieg der Welten“. Eine Neuübersetzung von Lutz-W. Wolff erschien 2017 in der dtv Verlagsgesellschaft mit einem umfangreichen Anhang, bestehend aus einem Nachwort des Übersetzers („Ein Schauplatz besonderer Gräueltaten“), Anmerkungen und Fußnoten sowie eine tabellarische Biografie von Herbert George Wells („Zeittafel“). Die Neuübersetzung von Lutz-W. Wolff gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Andreas Fröhlich (ISBN 978-3-86231-848-3).

Herbert George Wells führte Phänomene wie die Unsichtbarkeit von Menschen („Der Unsichtbare“, 1897), Zeitreisen („Die Zeitmaschine“, 1895), und Außerirdische („Der Krieg der Welten“, 1898) in die Literatur ein. Damit prägte er die Science-Fiction-Literatur wie kein Zweiter.

Der englische Schriftsteller stand der Selbstzufriedenheit der viktorianischen Gesellschaft über die erreichten und noch erzielbaren Fortschritte skeptisch gegenüber. In „Der Krieg der Welten“ veranschaulicht er auf zugleich realistische und ironische Weise die Zerstörbarkeit der irdischen Zivilisation. Zugleich führte er seinen Landsleuten vor Augen, wie sich wohl native Völker in Amerika, Afrika und Asien gefühlt haben müssen, wenn sie von Europäern überfallen wurden.

Ehe wir sie [die Invasoren vom Mars] verurteilen, sollten wir uns daran erinnern, wie rücksichtslos unsere eigene Spezies nicht nur Tiere wie zum Beispiel den Bison oder den Dodo, sondern auch unterlegene Teile der menschlichen Rasse ausgelöscht hat.

„Der Krieg der Welten“ ist nicht zuletzt eine böse Satire auf Kolonialismus und Imperialismus, in der das britische Empire ausgerechnet von einer besonders primitiven Lebensform gerettet wird.

H. G. Wells überlässt in „Der Krieg der Welten“ das Wort einem namenlosen Ich-Erzähler, der scheinbar berichtet, wie er die Invasion der Marsianer erlebte, sein fragmentarisches Wissen über die Vorgänge durch die Befragung anderer Menschen erweiterte und darüber nachdachte. Das wirkt sehr authentisch

Orson Welles: Der Krieg der Welten (1938)

Mit einer von Howard Koch geschriebenen und von Orson Welles inszenierten einstündigen Hörspielfassung von „Der Krieg der Welten“ in Form einer fiktiven Radioreportage löste die American Broadcasting Corporation am 30. Oktober 1938 (Halloween) in New York und New Jersey unabsichtlich zumindest Ansätze einer Massenpanik aus, weil einige Hörerinnen und Hörer ungeachtet eines entsprechenden Hinweises zu Beginn der Sendung glaubten, es handele sich um authentische Reportagen über die Invasion feindlicher Außerirdischer in Grover’s Mill (New Jersey).

Eine deutsche, von Robert Schnorr übersetzte Version des Hörspiels von Howard Koch wurde 1977 vom WDR ausgestrahlt (Regie: Klaus Schöning).

Joseph Sargent: Die Nacht als die Marsmenschen Amerika angriffen (1975)

Über die Wirkung des Hörspiels, durch das Orson Welles berühmt wurde, drehte Joseph Sargent den Film „Die Nacht als die Marsmenschen Amerika angriffen“.

Originaltitel: The Night That Panicked America – Regie: Joseph Sargent – Drehbuch: Nicholas Meyer, nach dem Theaterstück „Invasion from Mars“ von Howard Koch – Kamera: Jules Brenner – Schnitt: Bud S. Isaacs, George J. Nicholson, Tony Radecki – Musik: Frank Comstock – Darsteller: Vic Morrow, Cliff De Young, Michael Constantine, Walter McGinn, Eileen Brennan, Meredith Baxter, Tom Bosley, Will Geer, Paul Shenar, John Ritter, Granville Van Dusen, Burton Gilliam, Joshua Bryant, Liam Dunn, Shelley Morrison u.a. – 1975; 90 Minuten

Jeff Waynes Musik-Version von Der Krieg der Welten (1978)

Auf der Grundlage des Romans von H. G. Wells schrieb Jeff Wayne 1978 das Konzeptalbum „Jeff Wayne’s Musical Version of the War of the Worlds“ / „Jeff Waynes Musik-Version von Der Krieg der Welten“. Als Erzähler hören wir in der Originalversion Richard Burton, in der deutschen Fassung Curd Jürgens.

Byron Haskin: Kampf der Welten (1953)

1953 kam die erste Verfilmung des Romans „Der Krieg der Welten“ ins Kino. Für die Visual Effects gab es 1954 einen „Oscar“.

Kampf der Welten – Originaltitel: The War of the Worlds – Regie: Byron Haskin – Drehbuch: Barré Lyndon, nach dem Roman „Der Krieg der Welten“ von H. G. Wells – Kamera: George Barnes – Schnitt: Everett Douglas – Musik: Leith Stevens – Darsteller: Gene Barry, Ann Robinson, Les Tremayne, Bob Cornthwaite u. a. – 1953; 85 Minunten

Tim Burton: Mars Attacks! (1996)

Tim Burton machte sich unter dem Titel „Mars Attacks!“ über das Thema lustig.

Originaltitel: Mars Attacks! – Regie: Tim Burton – Drehbuch: Jonathan Gems – Kamera: Peter Suschitzky – Schnitt: Chris Lebenzon – Musik: Danny Elfman – Darsteller: Jack Nicholson, Glenn Close, Annette Bening, Pierce Brosnan, Danny DeVito, Martin Short, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Rod Steiger, Tom Jones, Jim Brown, Lukas Haas, Natalie Portman, Pam Grier u.a. – 1996; 105 Minuten

Roland Emmerich: Independence Day (1996):

Auch Roland Emmerich orientierte sich in seinem Katastrophenfilm „Independence Day“ an „Der Krieg der Welten“ von Herbert George Wells. Nur sind es bei ihm keine Bakterien, sondern Computerviren, denen die Aliens nicht gewachsen sind.

Originaltitel: Independence Day – Regie: Roland Emmerich – Drehbuch: Dean Devlin und Roland Emmerich – Kamera: Karl Walter Lindenlaub – Schnitt: David Brenner – Musik: David Arnold – Darsteller: Bill Pullman, Mary McDonnell, Jeff Goldblum, Judd Hirsch, Margaret Colin, Will Smith, Vivica A. Fox u.a. – 1996; 150 Minuten

Timothy Hines: Der Krieg der Welten (2005)

Timothy Hines arbeitete an einer werkgetreuen Filmadaptation des Romans „Der Krieg der Welten“ von Herbert George Wells, als die USA am 11. September 2001 von Islamisten angegriffen wurden. Wegen des Terroranschlags wurden die Dreharbeiten bis 2004 unterbrochen und erst im Frühjahr 2005 abgeschlossen. Den Film gibt es nur auf DVD.

Originaltitel: The War of the Worlds – Regie: Timothy Hines – Drehbuch: Timothy Hines und Susan Goforth, nach dem Roman „Der Krieg der Welten“ von H. G. Wells – Kamera: Timothy Hines – Schnitt: Timothy Hines – Musik: Jamie Hall – Darsteller: Anthony Piana, Jack Clay, James Lathrop, Darlene Sellers, John Kaufmann, Jamie Lynn Sease, Susan Goforth, W. Bernard Bauman u.a. – 2005; 180 Minuten

Steven Spielberg: Krieg der Welten (2005)

Unter dem Titel „War of the Worlds“ („Krieg der Welten“) drehte Steven Spielberg im Winter 2004/05 in zweiundsiebzig Tagen eine spektakuläre, 138 Millionen Dollar teure Filmversion: „Krieg der Welten“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004 / 2009 / 2017
Textauszüge: © dtv Verlagsgesellschaft

Steven Spielberg: Krieg der Welten

Herbert George Wells (kurze Biografie / Bibliografie)
Herbert George Wells: Die Zeitmaschine
Herbert George Wells: Der Unsichtbare
Herbert George Wells: Der Krieg der Welten

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