Stephen King : Billy Summers

Billy Summers
Billy Summers Manuskript: Juni 2019 bis Juli 2020 Scribner, New york 2021 Billy Summers Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt Wilhelm Heyne Verlag, München 2021 ISBN 978-3-453-27359-7, 719 Seiten ISBN 978-3-641-27940-0 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der bei den US-Marines zum Scharfschützen ausgebildete Kriegsveteran Billy Summers hat mit 44 Jahren genügend Geld als Profikiller verdient, um sich nach einem letzten Job aus dem Geschäft zurückziehen zu können. Aber er argwöhnt, dass ihn die Auftraggeber als Mitwisser ebenfalls beseitigen wollen ...
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Kritik

Mit großem Ehrgeiz und überbordender Fabulierfreude entwickelt Stephen King in "Billy Summers" einen fulminanten Roman ohne die von ihm gewohnten Horror-Elemente. Das Material hätte für drei Bücher gereicht, und es macht viel Spaß, die lebendige, komplexe, vielschichtige Geschichte zu lesen.
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Der Auftrag

Der 44-jährige Profikiller Billy Summers trifft sich 2019 in einer Hotelhalle in Red Bluff/Kalifornien mit zwei Männern seines Auftraggebers Nick Majarian, der dieses Mal allerdings nur als Vermittler zwischen ihm und dem Strippenzieher fungiert. Billy hat zwar ein Comic-Heft aus der Reihe „Archie’s Pals and Gals“ aufgeschlagen vor sich, denkt jedoch über den Roman „Thérèse Raquin“ von Émile Zola nach. Er legt es darauf an, für einfältig gehalten und unterschätzt zu werden. Billy Summers soll einen Häftling erschießen, wenn dieser vom Gefängnis in Los Angeles zur Anklageerhebung nach Red Bluff gebracht wird. Mit den zwei Millionen Dollar, die dafür geboten werden, will er dann seine kriminelle Karriere beenden und sich zur Ruhe setzen. Aber er weiß aus Kino und Literatur, dass Romane des Subgenres „Der letzte Coup“ immer schlecht ausgehen, und das gilt auch für den Film „Asphalt Jungle“ von John Huston, den er sich am Abend anschaut.

Bei der Zielperson handelt es sich um einen anderen Auftragskiller namens Joel Randolph Allen. Als er in Los Angeles eine feministische Schriftstellerin für eine Straßenprostituierte hielt, von ihr mit Pfefferspray abgewehrt wurde und sie daraufhin zusammenschlug, wurde er festgenommen. Zuvor hatte er in Red Bluff nach einer Poker-Runde auf zwei Männer geschossen, einen verletzt und den anderen, James Houghton, getötet. Deshalb soll er nicht in Los Angeles wegen Körperverletzung, sondern in Red Bluff wegen Mordes vor Gericht gestellt werden. Sein Anwalt kann die Überstellung zwar hinauszögern, aber wohl nicht auf Dauer verhindern.

Sobald Joel Allen über die Freitreppe des Gerichtsgebäudes hinaufgeführt wird, soll Billy Summers ihn erschießen, und zwar aus einem Fenster im 4. Stockwerk des Gerard Tower, dessen Eigner, der Unternehmer Kenneth („Ken“) Hoff, in den Plan eingeweiht ist. Billy Summers tarnt sich als Schriftsteller David Lockridge und richtet in der entsprechenden Ecksuite seine „Schreibwerkstatt“ ein. Angeblich hat er ein Alkoholproblem. Damit er dennoch die mit dem Verlag vereinbarte Deadline einhalten kann, hat ihn sein Literaturagent George Russo von New Hampshire nach Red Bluff gebracht und nicht nur das Büro im Gerard Tower, sondern auch ein Haus in Midwood gemietet. So die Legende.

Bei dem angeblichen Agenten George Russo handelt es sich in Wirklichkeit um Giorgio Piglielli, den zweiten Mann in der von Nick Majarian geführten Mafia-Familie in Las Vegas.

Drei Identitäten

Es ist zwar geplant, dass Billy Summers nach dem Schuss auf Joel Allen von zwei Mafiosi in einem als Werkstattauto der Stadtwerke von Red Bluff getarnten Fahrzeug weggebracht werden soll, doch obwohl er seit 2008 mehrmals für Nick Majarian gearbeitet hat, vertraut er ihm nicht und bereitet heimlich etwas anderes vor,

Zu diesem Zweck verkleidet er sich mit Perücke, Schnurrbart und Silikonbauch in Dalton Curtis Smith aus Stowe, der als IT-Spezialist viel auf Montage herumreist und mietet über den Immobilienmakler Merton Richter eine Souterrainwohnung in Red Bluff.

Es ist gar nicht so einfach, die drei Mobiltelefone für Billy Summers, Dalton Smith und David Lockridge auseinanderzuhalten.

Von den Nachbarinnen und Nachbarn in Midwood wird „David Lockridge“ herzlich aufgenommen. Diese Mitmenschlichkeit berührt ihn so, dass er sich dazu hinreißen lässt, auf einem Jahrmarkt in Cody für Shanice, die achtjährige Tochter von Jamal und Corinne („Corrie“) Ackerman, einen Plüsch-Flamingo zu schießen − worauf die Mutter prompt fragt, wo er gelernt habe, so geschickt mit einem Gewehr umzugehen.

Auch im Mietshaus in Red Bluff zeigen die Mitbewohner Beverly („Bev“) und Don Jensen Interesse an ihm. Als das Ehepaar nach dem Tod von Bevs Mutter Annette verreist, um die Beerdigung zu organisieren und bei der Testamentsvollstreckung dabei zu sein, übernimmt es Dalton Smith, die Zimmerpflanzen zu gießen.

Die Geschichte von Benjy Compson

Um im Gerard Tower seine Rolle zu spielen und zugleich die Zeit totzuschlagen, beginnt Billy Summers, seine Autobiografie zu schreiben: „Die Geschichte von Benjy Compson“. Weil er damit rechnet, dass Nick Majarian oder dessen Männer auf dem zur Verfügung gestellten Laptop mitlesen und das Image des tumben Killers aufrechterhalten möchte, verfasst er den Text nach dem Vorbild von William Faulkner in „Schall und Wahn“ in der Sprache eines Kindes.

Darlene, die alleinerziehende Mutter von ihm und seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Catherine („Cathy“) Ann, arbeitete an der Mangel einer Wäscherei, und sie wohnten in einem Trailerpark. Als Cathy neun Jahre alt war, trat ihr der betrunkene Freund der Mutter, vor Billys Augen die Brust ein. Daraufhin erschoss Billy ihn. Im geschriebenen Text nennt er sich Benjy Compson, seine Mutter Arlene, seine Schwester Cassie und den Mann Bob Raines.

Darlene Summers wurde das Sorgerecht für den Sohn entzogen, und der Deputy Franklin Winfield Scott Malkin fuhr ihn zur Pflegefamilie Stepenek in Evansville, deren Haus wohl nur noch durch Farbe zusammengehalten wurde („The House of Everlasting Paint“) und gegenüber einem Schrottplatz stand. Die Stepeneks lebten von dem Geld, das sie vom Staat für die 14 Kinder in ihrer Obhut bekamen.

Um diesem Elend zu entfliehen, meldete sich Billy mit 17 zum United States Marine Corps und ließ sich zum Scharfschützen ausbilden. Fünf Jahre lang gehörte er zu den Marines.

Er kämpfte im Irak und war 2004 im Camp Baharia bei Falludscha stationiert. Während der Operation Phantom Fury im November 2004 gehörte er zu den „Hot Nine“, die Haus für Haus nach versteckten Feinden durchsuchten. Dabei gerieten sie in einen Hinterhalt. Die Einheit wurde aufgerieben.

Billys Kamerad Johnny Capps überlebte zwar, aber ihm mussten beide Beine amputiert werden. Nach der Rückkehr in die USA kamen die beiden Kriegsveteranen erneut in Kontakt. Johnnys Cousin Joey, der den Familiennamen Cappizano beibehalten hatte, gehörte zu einer Mafia-Familie an der Ostküste und machte ihn mit Elmer Randolph („Bucky“) Hanson in New York bekannt, der Billy seither zur Seite steht und der Einzige ist, dem er voll vertraut. Die Cousins überredeten Billy damals, einen Mann in New Jersey zu erschießen, der eine Angehörige der Familie Cappizano und andere Frauen verprügelt hatte. Das war Billys erster Auftragsmord.

Seither hat er mehr als ein Dutzend Männer erschossen, die es seiner Ansicht nach aus moralischen Gründen verdienten.

Der Schuss

Drei Monate lang dauert es, bis endlich die Überstellung es Mörders Joel Allen von Los Angeles nach Red Bluff angekündigt wird. Billy Summers baut das Präzisionsgewehr zusammen und schneidet ein kreisrundes Loch in die Scheibe des Fensters im Gerard Tower, das sich nicht öffnen lässt.

Vor dem Gerichtsgebäude steht ein einziges Fernsehteam bereit. Die anderen Medienleute sind in Cody, wo seit dem Morgen ein Lagerhaus brennt. Die Reporterin Andrea Braddock von Channel 6 berichtet über die Ankunft des Sheriffs mit Joel Allen − und ihr Kameramann George Wilson filmt dann auch, wie der Verbrecher auf der Freitreppe durch einen Kopfschuss getötet wird.

Wie verabredet, werden in der Nähe zwei Bühnenblitze gezündet, um die Menschen auf den Straßen und an den Fenstern zu verwirren.

Billy Summers hat sich auffallende Kleidung besorgt, wie sie der bei einem Inkasso-Unternehmen im Gerard Tower tätige Paradiesvogel Colin White trägt. Während er an dem wie ein Werkstattauto der Stadtwerke aussehenden Fluchtfahrzeug vorbeigeht, wo ihn die Mafiosi Dana und Reggie erwarten, wendet er den Kopf zur anderen Seite und fragt eine neben ihm laufende Passantin, was denn los sei.

Unbehelligt gelangt er in die gemietete Souterrainwohnung.

Medienleute befragen Nachbarinnen und Nachbarn des angeblichen Schriftstellers David Lockridge in Midwood, und Billy Summers bedauert es zutiefst, dass er die Menschen dort täuschen musste. Die Polizeichefin Lauren Conlee berichtet im Fernsehen, dass der Schütze rasch über Fingerabdrücke identifiziert worden sei und man Straßensperren eingerichtet habe. Aus den Nachrichten erfährt Billy außerdem, dass Ken Hoff tot in seinem Auto aufgefunden wurde. Die Polizei geht von einem Suizid aus, aber Billy nimmt an, dass die Gangster den Zeugen zum Schweigen brachten und ist nun umso stärker davon überzeugt, dass auch er ermordet werden sollte.

Alice

In einer Regennacht hört Billy ein Auto, und als er aus dem Kellerfenster schaut, beobachtet er, wie drei überdrehte junge Männer ein ohnmächtiges Mädchen aus dem Fonds zerren, liegen lassen und davonfahren.

Wenn Billy nicht möchte, dass der nächste Passant den Notruf wählt und die Polizei dann von Tür zu Tür geht, um mögliche Zeugen zu befragen, muss er das Opfer hereinholen. Er trägt nur Boxershorts, die draußen nass werden und herunterrutschen, während er die bewusstlose junge Frau ins Haus trägt. Er zieht ihr die klatschnasse Kleidung aus und streift ihr eines seiner T-Shirts über. Ihren Papieren entnimmt er, dass sie gerade 21 Jahre alt geworden ist, aus Kingston/Rhode Island stammt und Alice Maxwell heißt.

Als sie zu sich kommt, kann sie sich nur noch daran erinnern, dass der 24-jährige Student Tripp Donovan sie überredete, zu ihm in die Wohnung zu kommen, die er sich mit zwei anderen Kerlen teilt. Zweifellos mischten ihr die drei Männer K.-o.-Tropfen in ein Getränk und vergewaltigten sie dann. Davon darf ihre Mutter nichts erfahren.

Es dauert nicht lang, bis Alice begreift, dass es sich bei ihrem Retter um den gesuchten Mörder des Häftlings Joel Allen handelt. Dass sie ihm dennoch vertraut und bei ihm bleibt, führt Billy zunächst auf das Stockholm-Syndrom zurück.

Mit einer Melania-Trump-Maske vor dem Gesicht überfällt er Tripp Donovan, Hank Flanagan und Jack Martinez in deren Wohnung. Er versprach Alice, dass er sie nicht umbringen werde und hält sich daran, lässt nur Tripp Donovan mit einem Stabmixer ein wenig nachempfinden, wie sich eine Vergewaltigung anfühlt.

Danach fährt er mit Alice zu Bucky Hanson, der sich inzwischen von New York in sein Sommerhaus außerhalb von Sidewinder/Colorado zurückgezogen hat.

Vom Hotel Overlook, das es früher in Sichtweite gegeben haben soll, glaubt Billy manchmal die Ruine zu sehen. Und er hat den Eindruck, dass sich die Heckentiere auf einem angeblich aus dem Hotel stammenden Gemälde bewegen.

Showdown 1

Nick Majarian überwies Billy zwar eine halbe Million Dollar als Vorschuss, aber die Erfolgsprämie in Höhe von eineinhalb Millionen bleibt aus. Damit findet Billy sich nicht ab. Wichtiger als das Geld ist es ihm, den Verräter zur Rechenschaft zu ziehen.

Weil die Polizei ebenso wie die Mafiosi nach einem einzelnen Mann suchen, begleitet Alice ihren Retter nach Paiute/Nevada, wo Nick Majorian auf einem Promontory Point genannten Anwesen residiert. Bucky hat seinem Schützling bei dem Gebrauchtwagenhändler Ricky Patterson einen klapprigen Pick-up gekauft und Alice gefälschte Papiere auf den Namen Elizabeth Anderson beschafft.

Während Alice in einem Motel auf Billy wartet, fährt er zum Lieferanteneingang von Promontory Point. Eine Frau, die er auf Anfang 70 schätzt, wendet sich vom Blumenbeet ab und stellt sich in den Weg. Trotz seiner Verkleidung als Latino-Gartenarbeiter erkennt sie ihn und greift ihn mit einer Schaufel an. Aber auch er weiß, wen er vor sich hat: Marge Macintosh, die Mutter von Frank Macintosh („Frankie Elvis“), der zu Nick Majarians Männern gehört. Mit einem Faustschlag setzt er sie vorübergehend außer Gefecht.

Um ins Herrenhaus eindringen zu können, muss er auch ihren Sohn niederschlagen. Später wird Billy erfahren, dass Frank Macintosh eine Hirnblutung erlitt und deshalb geistig behindert ist.

Nick Majarian sitzt mit seinem Buchhalter Mark Abromowitz vor dem Fernseher. Dana Edison verschanzt sich in der Toilette und schießt, als er Billy vor der Tür wähnt. Der tötet ihn durch die zersplitterte Tür. In der Aufregung fällt Nick die Ziffernkombination für das Türschloss des Panikraums nicht ein, und es bleibt ihm nichts anderes übrig, als Billy Rede und Antwort zu stehen.

Erst einmal beteuert er, dass Billys Vermutung, Giorgio Piglielli sei ermordet worden, falsch ist. Der übergewichtige Mafioso halte sich in Brasilien auf, erklärt Nick Majarian, um für eine erforderliche Operation an seiner Leber abzunehmen.

Nick verrät, dass er den Mordauftrag von dem 64-jährigen Medienmogul Roger Klerke erhielt, der über ein Imperium von Zeitungen, Zeitschriften, Webportalen, Streaming-Diensten, Filmstudios und Fernsehsender verfügt. Weil dazu auch Channel 6 gehört, begreift Billy, warum das Team dieses Senders Joel Allens Ermordung auf der Freitreppe des Gerichtsgebäudes in Red Bluff exklusiv filmte. Die anderen Medienleute waren durch das in einem Lager gelegte Feuer weggelockt worden.

Roger Klerke beabsichtigte, statt seines unsoliden älteren Sohnes Patrick dessen jüngeren Halbbruder Devin zum Nachfolger an der Spitze des Konzerns zu machen. Damit wollte Patrick Klerke sich jedoch nicht abfinden, und er erpresste seinen Vater mit Material, das Roger Klerkes Vorliebe für minderjährige Prostituierte beweist. Offenbar verfügte er auch über Fotos, die zeigen, wie der Unternehmer in Tijuana eine zehnjährige Mexikanerin missbrauchte. Daraufhin wandte sich der Vater an Nick Majarian, und der beauftragte den Profikiller Joel Allen, Roger Klerkes Sohn Patrick zu erschießen. Um einen Raubmord vorzutäuschen, durchwühlte Joel Allen anschließend die Wohnung des Toten. Dabei muss er zumindest auf Teile des Belastungsmaterials gestoßen sein, denn nachdem man ihn wegen der Körperverletzung in Los Angeles festgenommen hatte, drohte er für den Fall einer Anklageerhebung wegen Mordes in Red Bluff mit Enthüllungen. Der Medienmogul ließ deshalb den Scharfschützen Billy Summers von Nick Majarian auf den Häftling ansetzen und bestand darauf, dass nach dessen Ermordung auch Zeugen wie der Täter und Mitwisser wie Ken Hoff sicherheitshalber zum Schweigen gebracht werden sollten.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Showdown 2

Über Giorgio Piglielli und Judy Blatner, die Leiterin eines exklusiven Escort-Services, lässt Billy dem Päderasten eigens aufgenommene Fotos von Alice zuspielen, auf denen sie wie ein Teenie aussieht. Roger Klerke beißt an und bestellt das Mädchen auf sein riesiges Anwesen Eos bei Montauk. Billy gibt sich als Cousin des New Yorker Zuhälters Darren Byrne aus, der Roger Klerke schon mehrmals junge Mädchen vermittelte.

Nach eingehender Begutachtung über eine Kamera am Tor dürfen Billy und Alice weiterfahren. Am Hauseingang werden sie von Roger Klerkes Assistenten William Petersen erwartet. Billy alias Steve Byrne musste zwar seine Schusswaffe beim Tor ablegen, sprüht seinem Gegenüber jedoch Carfentanyl ins Gesicht und setzt ihn dadurch außer Gefecht.

Roger Klerke trägt einen seidenen Pyjama. Alice zielt mit einer kleinen Pistole auf seine Geschlechtsteile, trifft ihn aber in den Bauch. Mit einem Schuss aus der Waffe des Assistenten tötet Billy ihn.

Das Tor öffnet sich automatisch, als sich Billy und Alice von innen mit dem Auto nähern. Er hält an, um seine Pistole aufzuheben. Da taucht Marge Macintosh auf und schießt auf ihn, um ihren Sohn zu rächen. Zwar tötet Billy sie im nächsten Augenblick mit einem Kopfschuss, aber er ist verletzt.

Das Ende

Alice kehrt zu Bucky Hanson zurück und schreibt dort Billys auf einem USB-Stick gespeicherte Geschichte zu Ende. „Billy Summers. Geschichte eines Verlorenen“ lautet der Titel des Buches.

Bei seiner Verletzung handelte es sich um einen Streifschuss oberhalb der Hüfte. Nachdem Billy und Alice Verbandsmaterial gekauft hatten, machten sie sich auf den Rückweg zu ihrem väterlichen Freund Bucky Hanson. Sie übernachteten in einem Motel, und während Alice schlief, schlich Billy sich davon. Er hinterließ ihr einen Brief, in dem er erklärte, er werde sich auf dem nahen Rasthof einen Trucker suchen, der bereit sei, ihn irgendwo hin mitzunehmen.

Bucky liest das Geschriebene und weiß, dass es in Wirklichkeit anders war. Alice berichtet ihm, was tatsächlich geschah.

Marge Macintosh traf Billy in den Bauch. Alice besorgte ihm Oxycodon-Tabletten und schluckte selbst Adderall, um wach zu bleiben. Sie schafften es nicht bis nach Sidewinder. Billy starb unterwegs. Alice und Bucky begruben ihn.

Billy hat Alice Geld hinterlassen, und Bucky kennt sowohl die Konten als auch die Zugangsdaten. Alice fängt an der Colorado State University in Fort Collis zu studieren an. Schriftstellerin möchte sie werden.

In der Inhaltsangabe nicht erwähnte Figuren:

Gerard Tower in Red Bluff: Hausverwalter Steven Broder; Pförtner Ivy Dean; Rechtsanwälte Jim Albright, John Colton, Harry Stone; Phyllis („Phil“) Stanhope, Mitarbeiterin der Steuerberatungskanzlei

Billy Summers‘ Nachbarschaft in Midwood: Witwe Jane Kellogg, Paul und Denise Ragland, Pete und Diane Fazio

Nick Majarians Männer: Paulie Logan

Pflegekinder der Stepeneks in Evansville: Sara Peabody, Jimmy Dykeman, Peggy Pye, Robin Maguire alias Ronnie Givens, Gadsden Drake alias Glen Dutton

Irak: Ammar Jassim

Marines im Irakkrieg: Rudy Bell („Taco“), Peter Cashman, Joe Kleczewski („Big Kiew“), Albie Stark, George Dinnerstein, Feldsanitäter Clay Briggs („Pille“) ..

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Stephen King ist berühmt für seine mit übernatürlichen Phänomenen einhergehenden Horror-Romane. In „Billy Summers“ verzichtet er jedoch auf alles Unheimliche und spielt nur kurz auf das aus „Shining“ bekannte Hotel Overlook in den Bergen von Colorado an. Und während der Schriftsteller Jack Torrance − der Protagonist von „Shining“ − im Hotel Overlook verrückt wird, finden Billy Summers und Alice Maxwell durch Schreiben zu sich selbst.

Mit großem Ehrgeiz und überbordender Fabulierfreude entwickelt Stephen King in „Billy Summers“ einen fulminanten Roman. Erst auf Seite 256 schießt der Auftragskiller Billy Summers. Bis dahin bereitet er im Wesentlichen seine Flucht vor, und dabei denkt sich Stephen King ebenso gründlich wie detailliert in die Situation hinein. Das Material hätte für drei Bücher gereicht. Es gibt zwei Showdowns, zwei Varianten des Ausgangs, einen Roman im Roman und zwei fiktive Erzählerstimmen. Auch wenn nicht alle Zusammenhänge einer kritischen Prüfung standhalten würden, macht es viel Spaß, die komplexe, vielschichtige Geschichte zu lesen.

Der Profikiller Billy Summers will nur noch diesen einen Auftrag ausführen und sich dann zur Ruhe setzen. Aber aus Kino und Literatur weiß er, dass zu dem Subgenre „Der letzte Coup“ kein Happy End gehört.

Ein Mörder als Titelheld und Identifikationsfigur? Bei Stephen King kein Problem, denn er zeichnet Billy Summers als widersprüchlichen Charakter. Dass er nur Aufträge für die Ermordung böser Menschen annimmt, wirkt ein wenig blauäugig, aber er wird zum Sympathieträger, wenn er sich aktiv auf die Aufnahme in die neue Nachbarschaft einlässt und mit den Kindern spielt. Später stellt er eigene Interessen zurück, um einer jungen Frau nicht zu schaden. Statt mit seiner Intelligenz und Belesenheit zu prahlen, gibt er sich gegenüber anderen Gangstern eher einfältig und legt es wie Simplicius darauf an, unterschätzt zu werden.

Den Gegenspieler dieses bösen und zugleich guten Protagonisten, einen skrupellosen Medienmogul, stellt Stephen King als durch und durch verkommen dar.

Ebenso farbig, lebendig und anschaulich wie die Charaktere sind die Dialoge und Szenen. Geschickt streut Stephen King Andeutungen ein, die Schlimmes erahnen lassen − und zögert die Auflösung dann hinaus, um den Spannungsbogen hoch zu halten. Wenn auf Billy Summers geschossen wird und er seine Begleiterin mit der Bemerkung, es sei nur ein Streifschuss, zu beruhigen versucht, erinnert das an eines seiner Erlebnisse im Irak-Krieg. Souverän spielt Stephen King mit solchen Spiegelungen, aber auch mit Identitäten, literarischen Querverweisen, Stilmitteln, Genres und der Sprache. Als sich jemand darüber wundert, dass der als Schriftsteller getarnte Profikiller schon frühmorgens zu seiner „Schreibwerkstatt“ geht (an deren Fenster die Schusslinie zur Freitreppe des Gerichtsgebäudes beginnt), sagt er, er habe eine Deadline.

Den Roman „Billy Summers“ von Stephen King gibt es auch als Hörbuch, gelesen von David Nathan.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2021

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