Jo Nesbø : Macbeth

Macbeth
Macbeth Übersetzung aus dem Norwegischen: Don Bartlett Hogarth Press, London 2018 Macbeth Übersetzung aus dem Englischen: André Mumot Penguin Verlag, München 2018 ISBN 978-3-328-60017-6, 622 Seiten ISBN 978-3-641220808 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die Stadt wird von einer Rockerbande und einem im Hintergrund die Fäden ziehenden Drogenboss beherrscht, aber der neue Polizeichef Duncan will die gesetzmäßige Ordnung wiederherstellen. Bevor ihm das gelingt, ermordet ihn sein Untergebener Macbeth. Der wurde dazu von seiner machtgierigen Lebensgefährtin angestiftet …
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Kritik

Jo Nesbø verlegt die Handlung des Shakespeare-Dramas "Macbeth" in eine fiktive britische Industriestadt der Siebzigerjahre. Aber er folgt nicht nur den Grundzügen der Vorlage, sondern übernimmt in modifizierter Form auch das Personal in seinen einfallsreichen Thriller. Die Lektüre ist ausgesprochen spannend und unterhaltsam.
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Norse Riders

Wir befinden uns in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts in einer ungenannten nordbritischen Stadt. Kenneth, der 25 Jahre lang als Polizeichef amtiert hatte, erlag vor sechs Monaten einem Schlaganfall. Während unter dem korrupten Chief Commissioner die Kriminalität wucherte, versucht Kenneth‘ unbestechlicher Nachfolger Duncan, eine gesetzmäßige Ordnung wiederherzustellen.

Die Stadt wird von den Norse Riders terrorisiert, einer Rocker-Bande, die mit Drogen handelt. Als Inspector Duff, der Leiter des Rauschgiftdezernats, einen Tipp über eine von den Norse Riders erwartete enorme Menge Nachschub bekommt, will er die Biker mit ein paar von seinen Männern bei der Übergabe im Hafen festnehmen. Um den Erfolg der Aktion für sich allein reklamieren zu können, unterrichtet er weder seinen Chef Duncan noch Macbeth, den Leiter der SWAT-Einheit. Sweno, der Anführer der Norse Riders, kommt jedoch mit doppelt so vielen Bandenmitgliedern wie erwartet, und es gelingt ihm gleich zu Beginn des Zugriffs, einen Polizeibeamten als Geisel zu nehmen.

Glücklicherweise hat auch Macbeth von der Drogenlieferung erfahren und hält sich mit Scharfschützen auf einem der Dächer bereit. Er kann das Schlimmste verhindern. Der Lieferwagen mit dem Rauschgift durchbricht am Ende einer Verfolgungsjagd ein Brückengeländer und stürzt ins Wasser. Duff und Macbeth folgen vier Motorradfahrern, von denen einer Swenos Helm trägt. Nachdem zwei der Rocker abgebogen sind, bleiben Duff und Macbeth den beiden anderen auf den Fersen und holen sie schließlich ein. Duff erschießt den Mann, der Swenos Helm trägt, aber es handelt sich um ein anderes Bandenmitglied. Weil der andere Biker beobachtet hat, wie Duff seinen Kumpan kurzerhand erschoss, schneidet Macbeth ihm die Kehle durch, damit er später nicht als Zeuge aussagen kann.

Sweno ist entkommen. Weil er offenbar gewarnt worden war, muss es einen Maulwurf bei der Polizei geben. Der Verdacht fällt auf Cawdor, den Leiter des Dezernats für Organisierte Kriminalität. Bevor er verhaftet werden kann, erhängt er sich.

Hecate und die „Schwestern“

Dass die Norse Riders durch den Verlust der Lieferung, die Verhaftung von sieben Bandenmitgliedern und die Flucht ihres Anführers schwer angeschlagen sind, fördert die Geschäfte des einzigen Konkurrenten: Hecate, auch „Unsichtbare Hand“ genannt. Es handelt sich um einen Greis, der die Fäden aus dem Hintergrund zieht und nicht gesehen werden mag. Seine Drogenküche ist hinter den übel riechenden Pissoirs des stillgelegten Bahnhofs verborgen. Dort rühren zwei hässliche alte Thailänderinnen, die Hecate in einer Opiumhöhle in Bangkok entdeckte, die „Brew“ genannte synthetische Droge in einem Kessel an. Bei Hecates Assistenten bzw. seiner Assistentin handelt es sich um eine übergroße muskulöse Transsexuelle namens Strega.

Hecates Drogenmischerinnen sprechen Macbeth und seinen befreundeten Kollegen Banquo auf dem Weg vom Parkplatz zum Polizeipräsidium an. Die Männer halten sie zunächst für armselige Straßenprostituierte, bleiben jedoch stehen, als die Frauen sie bei ihren Namen rufen. Strega kommt dazu. Die drei „Schwestern“ – so nennen sie sich – überbringen Grüße von Hecate und sagen Macbeth nicht nur seine bevorstehende Beförderung zum Leiter des Dezernats für Organisierte Kriminalität voraus, sondern prophezeien ihm zugleich den Karrieresprung zum Chief Commissioner.

Macbeth, Duff, Banquo – und Lady

Noch am selben Tag erfüllt sich der erste Teil der Prophezeiung: Duncan ernennt Macbeth zum Leiter des Dezernats für Organisierte Kriminalität, und dieser sorgt dafür, dass Banquo sein Stellvertreter wird.

Macbeths Mutter starb im Kindbett, und der Vater hatte sie während der Schwangerschaft verlassen. Der Junge lebte schon lange im Waisenhaus, als er sich mit einem gleichaltrigen Neuen anfreundete: Duff. Als dieser herausfand, dass Macbeth Nacht für Nacht von Direktor Lorreal missbraucht wurde, stiftete er ihn dazu an, den Verbrecher zu töten. Eines Nachts schlichen sich die beiden zu Lorreal, aber Macbeth brachte es nicht fertig, den Schlafenden zu erstechen. Duff übernahm es für ihn. Nach dem Waisenhaus-Aufenthalt wurde Macbeth drogensüchtig. Banquo nahm den 15-Jährigen mit nach Hause und kümmerte sich mit seiner Frau Vera um ihn. Ein Jahr später bekam das Ehepaar den Sohn Fleance. Als dieser fünf Jahre alt war, starb Vera. Das war vor 14 Jahren und ein Jahr, nachdem Macbeth von der Polizeischule aufgenommen worden war.

Seit vier Jahren lebt Macbeth mit Lady zusammen, der Inhaberin des Casinos Inverness. Ladys Mutter war depressiv und gewalttätig, ihr arbeitsloser, alkoholkranker Vater missbrauchte sie, bis sie mit 13 schwanger wurde und die Eltern sie hinauswarfen. Noch am selben Tag schlief sie mit dem erstbesten Mann. Sie prostituierte sich. Später führte sie ein Bordell und schließlich richtete sie das Inverness ein. Lady gilt als ungekrönte Königin der Stadt.

Macbeth lernte sie bei einem Einsatz im Casino kennen. Ein Spiel- und Drogensüchtiger namens Ernest Collum hatte aus Frustration über eine Pechsträhne den Croupier Jack als Geisel genommen. Macbeth schaltete Collum aus, bevor dieser Jack erschießen konnte, indem er ihm mit einem geworfenen Dolch die Halsschlagader zerschnitt. Die Bombe, mit der Collum gedroht hatte, wurde in den Toilettenräumen gefunden und es gelang, den Zeitzünder anzuhalten.

Jack Bonus hörte nach der Geiselnahme als Croupier auf und arbeitet seither als Rezeptionist im Inverness.

Duncans Ermordung

Als Lady von der Prophezeiung hört, redet sie Macbeth ein, er müsse Duncan töten, damit sich auch der zweite Teil erfülle.

Die Gelegenheit dafür schaffen sie bei der Feier zu Macbeth‘ Beförderung im Inverness. Duncan übernachtet mit zwei Leibwächtern im Casino. Macbeth schleicht sich unbemerkt ins Zimmer des Chief Commissionars, bringt es jedoch – wie im Fall des Waisenhaus-Direktors – nicht fertig, den Schlafenden zu erdolchen. Verzweifelt geht er zum Bahnhof und besorgt sich von Strega etwas Brew. Dann kehrt er zurück und versucht es erneut. Duncan öffnet die Augen. Macbeth will den Raum verlassen, aber als er sieht, wie Duncan nach einer unter dem Kopfkissen versteckten Waffe greift, schleudert er ihm einen Dolch in den Hals und tötet ihn.

Am Morgen hofft Macbeth, den Mord geträumt zu haben. Die Leibwächter Andrianov und Hennessy, denen am Vorabend Benzodiazepine in die Getränke gemischt wurden, schnarchen in ihrem Zimmer, das mit dem Duncans durch eine Zwischentür verbunden ist.

Duff kommt, um den Chief Commissioner abzuholen. Während Macbeth ihn aufhält, beschmiert Lady die Leibwächter mit Duncans Blut und steckt ihnen die Mordwaffe zu.

Schließlich entdeckt Duff im Beisein Macbeth‘ die Leiche des Chief Commissionars. Macbeth geht allein nach nebenan, täuscht eine Gegenwehr der Leibwächter vor und erschießt beide.

Banquo und Fleance

Offiziell heißt es, die Leibwächter seien korrupt gewesen und hätten Duncan wahrscheinlich im Auftrag der Norse Riders ermordet. Macbeth vertraut Banquo an, was in der Nacht nach der Feier wirklich geschah und fordert seinen Freund auf, den Deputy Commissioner Malcolm aus dem Weg zu räumen, der kommissarisch die Aufgaben des Polizeichefs übernommen hat.

Banquo überfällt daraufhin Malcolm in der Parkgarage und zwingt ihn, mit ihm zum Hafen zu fahren. Mit der Drohung, seiner Tochter Julia etwas anzutun, bringt Banquo ihn dazu, einen mit der Schreibmaschine getippten Abschiedsbrief zu unterschreiben, in dem er behauptet, die Leibwächter Andrianov und Hennessy für Duncans Ermordung gedungen zu haben. Aber Malcolm weigert sich, mit einer um den Bauch gewickelten schweren Eisenkette ins Wasser zu springen, und Banquo bringt es nicht übers Herz, ihn zu töten. Stattdessen fährt er ihn zum Flughafen.

Später versichert er Macbeth, Malcolm werde es aus Sorge um seine Tochter nicht wagen, sich noch einmal zu melden.

Macbeth beginnt, an der Loyalität seines Freundes Banquo zu zweifeln. Vielleicht will dieser ihn töten und Malcolm zurückholen, um die Karriere seines ebenfalls bei der Polizei angestellten Sohnes Fleance zu fördern. Vorsichtshalber wendet sich Macbeth an die Norse Riders und beauftragt sie, Banquo und Fleance umzubringen. Banquo arbeite mit der Konkurrenz zusammen, lügt er und verspricht als Gegenleistung für den Mord die Freilassung der sieben inhaftierten Bandenmitglieder.

Aus Sorge um die Sicherheit seines Sohnes gibt Banquo ihm während einer Autofahrt die Adresse einer kleinen Wohnung in Dolphin, die Vera erbte und in der er seinen greisen Cousin Alfie untergebracht hat. Fleance soll hinfahren und bis auf weiteres dort bleiben. Bevor Banquo aussteigen kann, werden sie von Rockern verfolgt. Banquo rast schließlich in das Juweliergeschäft Jacob & Sons, weil er weiß, dass in so einem Fall ein Alarm ausgelöst und automatisch zur Polizei durchgestellt wird.

Es taucht jedoch kein Streifenwagen auf. (Dafür hat Macbeth gesorgt.) Vater und Sohn fliehen weiter. Auf der Kenneth-Brücke stößt der durch Schüsse schwerverletzte Banquo seinen Sohn aus dem Wagen.

Ein paar Meter weiter findet man bald darauf Banquos kopflose Leiche, und die Polizei vermutet, dass sein Sohn ebenfalls tot sei.

Power

Macbeth, der neue Chief Commissioner, vertraut Police Officer Seyton die Führung des SWAT-Teams an, das er nicht zuletzt für seine persönliche Sicherheit verantwortlich macht. Schutz verspricht ihm auch Hecate. Der glaubt zu wissen, dass Macbeth von keinem Menschen getötet werden könne, den eine Frau geboren hat. „Und bevor nicht die alte Bertha wieder fährt, wird niemand Sie aus dem Amt drängen können.“ Damit meint Hecate die alte Lokomotive, die auf einem Podest vor dem stillgelegten Bahnhof steht. Sie wurde nach Bertha Birnam benannt, einer Köchin auf der Baustelle der Bahnstrecke nach Capitol. Hecate gibt Macbeth darüber hinaus Power, eine Droge, die weitaus stärker als Brew ist.

Zwei Massaker an einem Tag

Nachdem ein Rocker Banquos Kopf in einem Paket überbracht hat, veranlasst Macbeth, dass die sieben inhaftierten Norse Riders aus Mangel an Beweisen aus dem Gefängnis entlassen und zum Clubhaus der Biker gebracht werden, wo ihre Ankunft gefeiert wird – bis das SWAT-Team das Gebäude mit schweren Waffen beschießt und alle Clubmitglieder mit ihren Angehörigen umbringt: 16 Biker, 6 Frauen und einen Säugling.

Macbeth, der das befohlen hat, schickt das SWAT-Team noch am selben Tag nach Fife, wo Duff mit seiner Familie wohnt. Hecate warnte ihn vor seinem Freund, der inzwischen ahnt, dass Duncan von Macbeth erdolcht wurde und schon lange die Leitung des Dezernats für Organisierte Kriminalität anstrebt.

In einer Pressekonferenz heißt es später, die Norse Riders hätten die Polizisten angegriffen, die sich dem Clubhaus näherten. Den Tod des Babys verheimlicht die Polizei. Duff wird beschuldigt, den Norse Riders polizeiinterne Informationen weitergegeben zu haben. Beim Versuch, ihn zu verhaften, sei er Seytons Aufforderung, mit erhobenen Händen aus seinem Haus zu kommen, nicht nachgekommen, sondern habe auf den Anführer des SWAT-Teams geschossen. Beim Sturm auf das Gebäude habe Duff die Familienmitglieder als Schutzschild missbraucht und sei geflohen. Meredith und die beiden Kinder Ewan und Emily sind tot.

Lady schlafwandelt

Der Psychiater Dr. Alsaker behandelt Lady seit ein paar Tagen mit Hypnose, weil sie schlafwandelt. Mitten in der Nacht wird Macbeth von Jack, der ihm sein Leben verdankt, aufs Flachdach des Casinos gerufen. Lady steht im Nachthemd an der Dachkante, wie schon des Öfteren, aber diesmal hält sie ein totes Kind an die entblößte Brust. Es ist das im Clubhaus der Norse Riders getötete Baby, das Macbeth in einem Schuhkarton mitbrachte. Lady glaubt, es handele sich um Lily, ihre eigene kleine Tochter, mit der sie als Jugendliche überfordert war und die sie deshalb mit dem Kopf gegen die Wand schleuderte.

Angus

Angus vom SWAT-Team, der Theologie studiert hatte und dann vom Glauben abgefallen war, ist entsetzt über die Massaker. Deshalb trifft er sich mit Inspector Lennox und Caithness, der Leiterin der Spurensicherung, konspirativ in der stillgelegten Estex-Fabrik. Dort klärt er die Kollegen über Macbeths Befehle auf und versucht, sie gegen den Verbrecher aufzuwiegeln. Aber Lennox erklärt ihm, dass die örtliche Polizei nicht berechtigt sei, interne Ermittlungen durchzuführen. Das sei den Behörden in der Hauptstadt Capitol vorbehalten.

Daraufhin wendet sich Angus an den Radioreporter Walter („Walt“) Kite, der in den Pressekonferenzen der Polizei durch kritische Fragen aufgefallen ist. Angus erklärt ihm, es werde zwei Tage dauern, die Vorwürfe vor der Veröffentlichung zu überprüfen.

Aus Sorge um sich und seine Familie informiert Walt Kite jedoch stattdessen Macbeth und erklärt sich bereit, Angus in einen Hinterhalt zu locken. Lennox ermordet Angus, und Seyton hilft ihm, die Leiche in einem der Öfen der Estex-Fabrik zu verbrennen.

Tourtell

Die Wahl des Bürgermeisters steht an. Tourtell, der für eine zweite Amtszeit kandidiert, redet mit Macbeth, weil er befürchtet, dass der Chief Commissioner gegen ihn antreten könnte. Als Gegenleistung für einen Verzicht verlangt Macbeth die Schließung des Casinos Obelisk durch die Spielbankenaufsicht der Stadt.

Nach der Ausschaltung der Konkurrenz glauben Lady und Macbeth, den Bürgermeister in der Hand zu haben, denn er wurde mehrmals mit einem minderjährigen Jungen gesehen. Gerüchte darüber könnten einen Skandal auslösen und Tourtell zwingen, auf die Kandidatur zu verzichten. Und dann würde Macbeth sich um das Amt des Bürgermeisters bewerben, und zwar als Mann aus dem Volk für das Volk.

Duff

Duff versteckte sich nach der Ermordung seiner Frau und der beiden Kinder zunächst im Wrack von Banquos Auto, das wegen der Ermittlungen in der Tiefgarage des Polizeipräsidiums abgestellt worden ist. Im Handschuhfach fand er einen Zettel mit dem Hinweis „sicherer Unterschlupf“ und der Adresse eines gewissen Alfie in Dolphin. (Das hatte Banquo für seinen Sohn notiert.)

Weil er weiß, dass die Passagierlisten von Flugzeugen und Passagierschiffen kontrolliert werden, heuerte er unter dem Namen Cliff Johnson als Smutje auf dem Frachter MS Glamis an. Ausgerechnet der Schiffsingenieur Hutchinson, mit dem er sich prügelte, warnt ihn vor der Ankunft in Capitol vor der geplanten Verhaftung. Hutchinson hörte zufällig, wie der Kapitän über Funk meldete, einen Verdächtigen an Bord zu haben, auf den die Personenbeschreibung in einem Fahndungsaufruf passe. Die Polizei wies den Kapitän an, darüber zu schweigen, um Duff nicht vorzuwarnen und kündigte an, ihn im Hafen von Capitol festzunehmen.

Seyton fliegt nach Capitol und wartet mit Kollegen der zuständigen Polizeibehörden auf die Ankunft der MS Glamis. Macbeth‘ Befehl lautet, Duff nicht festzunehmen, sondern zu töten. In der angegebenen Kajüte finden die Polizisten nicht Duff, sondern Hutchinson vor. Wütend erschießt Seyton den Schiffsingenieur.

Als der Lotse vor der Hafeneinfahrt an Bord kam, ging Duff in Hutchinsons Kleidung an Bord des Bootes und erklärte, er sei Schiffsingenieur und müsse möglichst rasch in Capitol ein für die Weiterfahrt der MS Glamis benötigtes Ersatzteil besorgen.

Auf diese Weise gelang es ihm, Seyton zu entkommen. In dem auf dem Zettel angegebenen „sicheren Unterschlupf“ stößt Duff auf Fleance und Malcolm.

Bald darauf erhält Caithness einen anonymen Anruf: Ohne nähere Erklärungen nennt man ihr ein bestimmtes Hotelzimmer. Es ist das, in dem Caithness sich regelmäßig mit Duff getroffen hatte, bis dieser kürzlich die Affäre beendete, weil er seine Frau nicht länger betrügen wollte. In dem Zimmer wird die Leiterin der Spurensicherung von Duff, Malcolm und Fleance begrüßt.

Anschlag auf Hecate

Lady stiftet Macbeth dazu an, Hecate zu beseitigen.

Macbeth verabredet sich mit dem heimlichen Strippenzieher in der Penthouse-Suite des Obelisk. Er will so tun, als sei der Koffer, den er bei sich hat, mit Geld gefüllt. Tatsächlich handelt es sich um die Bombe, die der verzweifelte Casino-Besucher Ernest Collum vor vier Jahren hinterließ. Der Zeitzünder läuft wieder. Bei Macbeth‘ Ankunft bleiben noch 22 Minuten bis zur Detonation. Ein Casino-Angestellter serviert ihm Champagner und erklärt, sein Gesprächspartner werde sich ein wenig verspäten.

Hecate hat jedoch gar nicht vor, in die Falle zu laufen. Stattdessen sucht er Lady im Inverness auf und demonstriert ihr auf diese Weise, dass der geplante Anschlag scheitern wird.

Macbeth wartet eine Viertelstunde. Dann wird es ihm zu gefährlich. Zunächst befürchtet er, die Tür sei verschlossen, aber dann gelingt es ihm doch, sie zu öffnen. Als er bereits einige Stockwerke tiefer ist, hört er, wie ganz oben zwei Kellner aus dem Aufzug steigen. Er rennt noch einmal hinauf und fordert die beiden Jungen auf, ihm zu folgen. Sie erreichen die Straße, als die Penthouse-Suite explodiert.

Wer warnte Hecate?

Macbeth ahnt nicht, dass sowohl Jack Bonus als auch Inspektor Lennox zu den Informanten des Drogenbosses gehören. In diesem Fall wurde Hecate von Jack Bonus gewarnt.

Anschlag auf den Bürgermeister

Weil Tourtell ahnt, dass Macbeth vorhat, Gerüchte über ihn zu streuen, gesteht er im Radio eine außereheliche Affäre. Seine Frau habe ihm damals verziehen, und im Einvernehmen mit ihr habe er sich um die frühere Geliebte und deren Sohn gekümmert. Weil die allein erziehende Mutter inzwischen todkrank sei, habe er seinen fünfzehneinhalb Jahre alten Sohn Kasi vor zwei Wochen zu sich geholt.

Als Tourtell und Kasi bei Edith am Krankenbett im St. Jordi’s Hospital sitzen, taucht Lennox auf. Die Polizei habe ernst zu nehmende Hinweise auf einen geplanten Anschlag gegen den Bürgermeister, lügt er und fordert Tourtell auf, ihm zum Streifenwagen zu folgen. Angeblich hat er Befehl, ihn sicher nach Hause zu bringen.

Kasi kommt ebenfalls mit. Seyton beobachtet es vom Dach eines Parkhauses aus. Neben ihm liegt Olafson, ein Scharfschütze des SWAT-Teams, mit einem Präzisionsgewehr. Lennox, dem inzwischen Bedenken gekommen sind, hält sich in der Schusslinie und warnt den Bürgermeister. Seyton befiehlt Olafson, keine Rücksicht auf den Kollegen zu nehmen. Das Geschoss wäre stark genug, einen menschlichen Körper zu durchschlagen und eine zweite Person dahinter ebenfalls zu treffen. Aber Lennox‘ Rückgrat fängt die Kugel ab. Er stürzt auf den Bürgermeister und fordert ihn auf, mit ihm wie den Panzer einer Schildkröte auf dem Rücken zum nahen Auto zu kriechen. Den herbeieilenden Chauffeur erschießt Olafson.

Kasi rennt weg. Der Bürgermeister bleibt unverletzt. Lennox überlebt querschnittgelähmt.

Eine Falle für Macbeth

Caithness ruft Macbeth an und behauptet, man habe eine Leiche gefunden. Man sei sich nicht sicher, ob es sich um Fleance handele. Macbeth möge kommen, um den Toten zu identifizieren. An der angebenen Stelle liegt ein menschlicher Körper unter einer Decke. Macbeth erkennt die Schuhe, die Fleance zuletzt trug. Aber als er die Decke anhebt, zielt Duff mit einer Schrotflinte auf ihn.

Duff will Macbeth festnehmen, aber der entkommt ihm.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Show Down

Kasi wird aufgegriffen und als Geisel ins Inverness gebracht. Macbeth ruft Tourtell an und droht, dessen Sohn am nächsten Morgen den Kopf abzuhacken, falls der Bürgermeister nicht bis dahin den Notstand ausgerufen hat. Das würde alle Macht beim Chief Commissioner bündeln.

Noch am selben Abend findet Macbeth Lady tot im Bett vor: Sie hat sich einen goldenen Schuss gesetzt.

Lennox lässt sich von der Sekretärin Priscilla im Rollstuhl zum Bahnhof schieben. Dort schickt er sie weg und wartet, bis Strega auftaucht und ihn in das verborgene Labor hinunterträgt. Er benötige einen Schuss, sagt er zu Hecate. Eine der Schwestern am Kessel bereitet daraufhin eine Injektion vor. Nachdem sie den Kolben gedrückt hat, lässt Lennox eine von seinem Großvater aus dem Ersten Weltkrieg mitgebrachte Stielhandgranate M24 über den Boden rollen. Die Explosion zerfetzt die Einrichtung. Lennox, Strega und eine der Thailänderinnen sind sofort tot. Die andere Schwester überlebt schwer verletzt. Jack Bonus entkommt. Hecate kriecht mit aufgerissenem Bauch über den Boden der Toilettenanlage und fleht einen einäugigen Junkie an, ihn zu töten. Es ist ausgerechnet der Junge, dem er vor längerer Zeit für eine Portion Brew ein Auge abverlangte.

Am nächsten Morgen verkündet der Bürgermeister im Radio, dass er im Interesse der Stadt seinen geliebten Sohn Kasi opfern werde, statt Macbeth durch die Ausrufung des Notstands zum Diktator zu machen.

Malcolm versammelt sich mit zahlreichen Freiwilligen am Bahnhof.

Der einzige Panzerwagen, über den die Polizei verfügt, wird von Seyton und Olafson zerschossen, die sich mit Macbeth im Inverness verschanzt haben. Die Insassen kommen dabei ums Leben. Fleance fährt zusammen mit zwei anderen Männern im Feuerwehrauto zur Rückseite des Casinos und steigt über eine Leiter aufs Dach. Auf einer Treppe im Inneren des Gebäudes schießt Macbeth auf ihn, und der 19-Jährige stürzt verletzt zu Boden.

Seyton schickt sich an, die gefesselte Geisel zu erschießen. Macbeth will jedoch nicht, dass ein wehrloses Kind ermordet wird, und als Seyton nicht auf ihn hört, tötet er ihn mit einem Dolchwurf.

Einige Männer besorgen sich Vorschlaghämmer und fangen an, den Sockel unter der aufgestellten Lokomotive zu zertrümmern. Endlich sinkt Berthas Vorderteil, und über die abschüssige Strecke rollt sie unaufhaltsam mit Duff und Caithness im Führerhaus auf das Inverness zu, durchbricht die Mauern und reißt einen böhmischen Kronleuchter von der Decke, dessen Trümmer Macbeth umwerfen.

Von der Empore aus zielt Olafson auf Duff, aber da taucht Fleance blutüberströmt auf und erschießt den Scharfschützen.

Während Caithness Kasi und Fleance in Sicherheit bringt, spricht Duff mit Macbeth, der von Glassplittern übersät am Boden liegt. Macbeth wusste bereits, dass Duffs Mutter von Sweno in Stoke ermordet worden war, bevor der Junge ins Waisenhaus kam. Aber erst jetzt erfährt er, dass der Mord noch vor Duffs Geburt geschehen war. Sweno hatte der Schwangeren mit dem Schwert den Bauch aufgeschlitzt und dabei auch die Stirn des Ungeborenen geritzt. Duff ist also ein Mensch, der nicht von einer Frau geboren wurde. Macbeth greift in seine Jacke. Duff vermutet, dass er einen Dolch ziehen möchte und ersticht ihn reflexartig mit Swenos Schwert, das er aus der Asservatenkammer geholt hat. Als er dann nachsieht, stellt er fest, dass Macbeth unbewaffnet war.

Ende

Malcolm wird neuer Chief Commissioner und befördert Caithness zur Leiterin der Mordkommission. Sie und der Witwer Duff setzen ihre Liebesbeziehung fort.

Einige Jahre später trifft Sweno sich mit Jack Bonus. Die beiden glauben, es sei an der Zeit, wieder einen großangelegten Drogenhandel in der Stadt aufzubauen, denn aufgrund des Rückgangs der Kriminalität sind inzwischen auch Polizeikräfte abgebaut worden.

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Jo Nesbø verlegt die Handlung des Shakespeare-Dramas „Macbeth“ in eine fiktive britische Industriestadt der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts. Aber er folgt nicht nur den Grundzügen der Vorlage, sondern übernimmt in modifizierter Form auch das Personal, darunter Macbeth und Lady (Macbeth), Duff bzw. Macduff, Duncan, Malcolm, Banquo und Fleance, Hecate und die drei Hexen bzw. Gift mischenden Schwestern, Lennox und Angus. Im Original wird Macbeth prophezeit, er habe nichts zu befürchten, solange sich nicht der Wald von Birnam auf das Schloss Dunsinane zubewege. In „Macbeth. Blut wird mit Blut bezahlt“ wird daraus eine abgestellte, nach der Baustellenköchin Bertha Birnam getaufte Lokomotive. Jo Nesbø wandelt Shakespeares Ideen ab und kreiert daraus einen originellen Thriller. Der ist mehr als zehnmal so lang wie der Text der Königstragödie, aber prall mit Einfällen gefüllt.

Dass Macbeth – von seiner machtgierigen Frau bzw. Lebensgefährtin angestachelt – alle Menschen beseitigt, von denen er glaubt, dass sie ihn auf seinem Weg ganz nach oben behindern könnten, gilt sowohl für das grausame Shakespeare-Drama als auch den an Action reichen Kriminalroman. Jo Nesbø hat noch eine kräftige Portion Kapitalismus-Kritik hinzugefügt.

Die packende Handlung entwickelt sich chronologisch, stringent und temporeich. Eine Reihe von Einzelheiten taucht früh auf und gewinnt erst im weiteren Verlauf an Bedeutung. Das ist gut durchdacht. Jo Nesbø wechselt ständig zwischen den verschiedenen Handlungsfäden und Blickwinkeln. Die Lektüre ist ausgesprochen spannend und unterhaltsam.

Auf Seite 291 hat sich ein amüsanter Fehler in die Übersetzung eingeschlichen: Da sagt Hecate zu Macbeth, er stehe an einem Kreuzweg. Gemeint ist jedoch keine Nachbildung der Via Dolorosa, sondern eine Wegkreuzung.

Den Roman „Macbeth. Blut wird mit Blut bezahlt“ von Jo Nesbø gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Wolfram Koch.

Anlässlich des 400. Todestages von William Shakespeare bat der 1917 von Leonard und Virginia Woolf gegründete Verlag The Hogarth Press einige Schriftsteller um Neuerzählungen zu Werken von William Shakespeare. Der Knaus Verlag als Partner des Projekts in Deutschland hat bisher folgende Bände veröffentlicht:

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2018
Textauszüge: © Penguin Verlag

William Shakespeare: Macbeth

Jo Nesbø: Schneemann
Jo Nesbø: Leopard
Jo Nesbø: Headhunter (Verfilmung)
Jo Nesbø: Die Larve
Jo Nesbø: Der Sohn
Jo Nesbø: Durst

Robert Harris - Konklave
Mit "Konklave" bietet Robert Harris aufschlussreiche Unterhaltung auf hohem Niveau. Er veranschaulicht in seinem farbigen, spannenden Roman am Beispiel eines Mikrokosmos, wie Politik funktioniert. Kenntnisreich mischt Robert Harris tatsächliche Regelungen, Fakten und Fiktion.
Konklave