Ellen Sandberg : Das Erbe

Das Erbe
Das Erbe Originalausgabe Penguin Verlag, München 2019 ISBN 978-3-328-10402-5, 503 Seiten ISBN 978-3-641-23668-7 (eBook) ISBN 978-3-328-10635-7 (Taschenbuch)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Mona Lang erbt überraschend das Mietshaus einer entfernten Verwandten in München. Dabei wird sie mit der Raffgier anderer Menschen konfrontiert. Als sie herausfindet, dass der Besitz des Anwesens mit Untaten in der Vergangenheit verknüpft ist, zieht sie sich nicht auf ihr formales Recht zurück ...
mehr erfahren

Kritik

Der Roman "Das Erbe" kreist um die Restitution jüdischen Eigentums und die Frage, ob jemand für von älteren Generationen verübtes Unrecht verantwortlich ist. Ellen Sandberg gelingt es, aus einem ernsten Thema einen lebendigen, packenden und spannenden Lesestoff zu machen.
mehr erfahren

Mona

Mona Lang ist seit zwölf Jahren mit einem Architekten liiert, lebt seit zehn Jahren mit ihm in Berlin und arbeitet als Bauzeichnerin in seinem Atelier. Als er ihr 2018 eröffnet, dass er bereits seit einem halben Jahr eine Liebesbeziehung mit einer Kollegin aus Potsdam habe, verliert Mona ihre Bleibe und ihren Arbeitsplatz.

Sie beschließt, in ihre Geburtsstadt München zurückzukehren, wo sie soeben von einer entfernten Verwandten ihrer Mutter ein Mietshaus in Schwabing geerbt hat. Klara Benedicte Hacker starb am 25. Juli 2018 im Alter von knapp 94 Jahren. Mona kannte sie kaum und sah sie zuletzt vor vier Jahren beim 70. Geburtstag ihres Vaters Martin Lang. Niemand aus der Familie hat sie über Klaras Tod benachrichtigt. Mona setzt sich mit Klaras Steuerberater Oliver Sander in Verbindung, der zugleich als Hausverwalter für sie tätig war und gern auch Mona weiterhilft. Sie zieht in Klaras Wohnung und kann ihr Glück kaum fassen: Das gepflegte Haus mit elf Mieterparteien ist 12 Millionen Euro wert. Auch das Rücklagenkonto ist gut gefüllt.

„Mona wird das Richtige tun“, soll Klara gesagt haben, als sie kurz nach Martins Geburtstagsfeier Mona als Alleinerbin einsetzte. „Mona hat einen moralischen Kompass.“ Die Erbin weiß jedoch nicht, was Klara von ihr erwartete.

Monas 67 Jahre alte Mutter Claudia verlangt von ihr den Corinth, den Klara ihr angeblich versprochen hatte und dessen Wert auf 100.000 Euro geschätzt wird.

„Dir ist doch klar, dass du Klaras Erbe nicht behalten kannst. Es steht mir zu. Jahrelang habe ich mich um sie gekümmert.“ Ihre Mutter listete auf, was sie alles für Klara getan hatte, als wäre sie ein schwerer Pflegefall gewesen. […]

Ihren Eltern ging es gut, und es war ihnen immer gut gegangen. Gehobener Mittelstand mit zwei Einkommen über dem Durchschnitt. Papa im Vertriebsmanagement bei großen Konzernen und ihre Mutter als rechte Hand des Anwalts der Münchner Bussi-Gesellschaft. Das Haus war abbezahlt, die Lebensversicherungen ausbezahlt und die Rente angemessen. Es ging ihnen gut. Die Kinder waren allesamt – Mona natürlich ausgenommen – so prächtig geraten, dass man mit ihnen angeben konnte. Julian arbeitete bei Airbus und war mit Anfang vierzig bereits weit in der Führungsebene aufgestiegen. Seine britische Ehefrau Catherine war angeblich entfernt mit dem Königshaus verwandt. Außerdem war Julian Vater zweier wunderbarer Töchter. Ruth, die ältere, hatte ein Einser-Abi hingelegt. Alice, die jüngere, absolvierte derzeit ein Schuljahr in England. Und aus Monas jüngerer Schwester Heike – die mit ihren beiden unehelichen Kindern von zwei Männern reichlich Anlass zur Kritik geben würde – hatte Mama flugs eine Heldin gemacht. Eine tapfere alleinerziehende Mutter. Heike machte nie etwas falsch, während Mona nie etwas richtig machte.

Heike erwartet „fürs Erste“ 50.000 Euro von Mona, und der Bruder Julian schlägt vor, seine Tochter Ruth kostenlos im Schwanenhaus wohnen zu lassen. Mona weist alle Forderungen zurück, und Julian eröffnet ihr daraufhin wutschnaubend, was offenbar alle in der Familie außer ihr längst gewusst haben: Sie ist nur seine und Heikes Halbschwester. Nicht Martin ist ihr Vater, sondern dessen Bruder Gernot Lang, der seine Schwägerin vergewaltigt hatte und inzwischen gestorben ist.

Dem Grundbuch entnimmt Mona, dass der Kaufmann Samuel Roth das Grundstück 1899 von dem Landwirt Joseph Ulmer erworben hatte und darauf 1901 das Schwanenhaus errichtete. 1931 erbte es sein Sohn, der Fabrikant Jakob Roth, und im Juli 1938 ging der Besitz an den bis dahin als Mieter mit seiner Familie im Haus wohnenden Staatsanwalt Ernst-Friedrich Hacker über, der es 1949 seiner Witwe Cosima hinterließ. Bei deren Tod im Jahr 1969 erbte die Tochter Klara das Schwanenhaus.

Weitere Nachforschungen ergeben, dass Ernst-Friedrich Hacker das Anwesen für 10 Prozent des Marktwerts von Jakob Roth erwarb.

Sabine

Sabine Gombrowski lebt in Hamburg und bessert die monatliche Zuwendung, die sie als Hartzerin bekommt, durch Putzjobs auf. Die Tochter Natalie ist 17, der Sohn 16 Jahre alt. Deren Vater Harry ist längst ausgezogen, schaut aber hin und wieder vorbei und lebt wie seine Exfrau von Hartz IV und Gelegenheitsjobs.

Als Sabine ihre 95-jährige demente Großmutter Erika Gombrowski in ein Pflegeheim bringt und die Wohnung ausräumt, stößt sie auf Tagebuch-Aufzeichnungen vom Februar 1945 und erfährt, dass die Großeltern 1944 geheiratet hatten. Erika war als Köchin des Ehepaars Hasso und Charlotte von Pollke auf dem Gut Achbach in Mecklenburg beschäftigt. Während Karl Gombrowski im Krieg war, floh Erika im Februar 1945 mit den von Pollkes nach Bunsbüll bei Hamburg – und dabei starb ihr drei Monate alter Sohn Karl.

Aus diesen Informationen ergibt sich für Sabine die Frage, wer ihr laut Urkunde am 7. November 1944 in Parchim geborener und im Frühjahr 2018 gestorbener Vater Karl Gombrowski war. Wurde das am 21. Februar erfrorene Kind vielleicht mit dem fünf Tage später in Bunsbüll ums Leben gekommenen fast gleichaltrigen Sohn des Ehepaars von Pollke vertauscht? War Heinrich von Pollke der Vater von Sabine und ihrem Bruder Karl („Charlie“)? War nicht ein Klempner, sondern der adelige Erbe eines Guts ihr Vater?

Die Großmutter ist dement, die Mutter starb vor 20 Jahren – es gibt niemanden, den Sabine noch fragen könnte. Um Material für einen DNA-Vergleich zu beschaffen, schleicht sich Sabine als Putzhilfe in die Seniorenresidenz ein, in der noch eine von Pollke lebt und nimmt unbemerkt Haare aus einer Bürste mit. Aber die Analyse ergibt, dass Sabine weder mit Erika Gombrowski noch mit den von Pollkes verwandt ist. Ihr Vater wurde also tatsächlich als Kind vertauscht, aber nicht mit Heinrich von Pollke. Der Traum von einer großen Erbschaft zerplatzt.

Sabine nimmt eine andere Spur auf. Ihre Großmutter erhielt einen vom 12. Juli 1968 datierten Brief aus München. Eine Cosima Hacker teilte ihr mit, dass ihr der Name Marija Jablonski unbekannt sei. Weitere Nachforschungen ergeben, dass Erika Gombrowski im November 1949 auf den kleinen Sohn ihrer für zwei Tage nach München gefahrenen Nachbarin Mirjam (nicht Marija) Jablonski aufpasste. Als die Witwe nicht zurückkam, gab Erika den Jungen als ihren eigenen Sohn aus – und präsentierte ihn auch ihrem Ehemann Karl, der am 2. Dezember 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause kam und nichts vom Tod seines Sohnes im Flüchtlingstreck erfahren hatte.

Warum Mirjam Jablonski 1949 nach München gefahren war? Ihr scheint dort ein Haus in der Elisabethstraße gehört zu haben. Das hätte dann ihr Sohn – also Sabines Vater – geerbt, aber der wusste offenbar nichts von der Vertauschung und hielt Karl und Erika Gombrowski für seine Eltern.

Sabine sieht eine neue Möglichkeit für eine große Erbschaft, und Harry unterstützt sie bei ihrem Vorhaben, um selbst etwas abzubekommen.

Mona

Im Klaras Nachlass fällt Mona das abgegriffene Foto eines Kindes auf. Auf der Rückseite steht: „Mein kleiner Timon, Februar 1949“.

Kürzlich lernte sie einen Anlageberater aus Norddeutschland namens Timon („Tim“) Jablonski kennen, der ihr erklärte, er sei nach München gekommen, um mehr über seine verschollene Großmutter Jablonski herauszufinden. Mona hat sich in ihn verliebt, und als sie im Verlauf ihrer Nachforschungen zu der Überzeugung gelangt, dass er als Erbe von Mirjam Jablonski zwar keinen rechtlichen, aber einen moralischen Anspruch auf das Schwanenhaus habe, beabsichtigt sie, es zu verkaufen. Mit einem Drittel des Erlöses will sie eine Stiftung gründen und den Rest mit Tim teilen.

Während er bei ihr im Schwanenhaus ist, klingelt es. Vor der Tür steht eine Frau. Sie heiße Sabine Gombrowski, erklärt sie, und sei die rechtmäßige Besitzerin dieses Hauses. Als Mona begreift, dass es sich bei dem vermeintlichen Freund in ihrer Wohnung um den Bruder dieser Sabine Gombrowski handelt, wirft sie ihn ebenso wie seine Schwester hinaus. Offenbar hatte sich Karl Gombrowski unter falschem Namen und ohne Wissen seiner Schwester an sie herangemacht und ihr etwas vorgespielt, um vom Verkauf des Schwanenhauses zu profitieren.

Aufgrund der Erfahrung sagt Mona nun den geplanten Verkauf des Hauses wieder ab. Und als der von Sabine Gombrowski beauftragte Rechtsanwalt Volker Buchensteiner die Restitution des Besitzes verlangt, hält Mona mit dem von Oliver Sand vermittelten Anwalt Dr. Volker Wiest dagegen.

Klara

1934 zieht der Staatsanwalt Ernst-Friedrich Hacker mit seiner Frau Cosima und der Tochter Klara in eine Mietwohnung im vierten Stockwerk des Schwanenhauses in München-Schwabing. Klara freundet sich rasch mit Mirjam an, der gleichaltrigen Tochter des Hauseigentümers Jakob Roth und dessen Ehefrau Esther.

Als die Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten immer schlimmer wird, beschließt Jakob Roth, mit seiner Familie in die USA auszuwandern. Im Frühjahr 1938 setzt er seinen bisherigen Mitarbeiter Alfons Wagner als Strohmann für seine Parfümerie im Erdgeschoss des Schwanenhauses und seine Manufaktur ein. Am 4. Juli 1938 verkauft er das Anwesen für 10 Prozent des Marktwerts seinem Freund Ernst-Friedrich Hacker, der sich in einem separaten Vertrag verpflichtet, es später zu gleichen Bedingungen zurückzugeben.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Nachdem die Familie Roth auch ihren Hausrat für Spottpreise an Nachbarn verscherbelt hat, fährt die Gestapo vor und verhaftet das Ehepaar, während die Tochter nicht zu Hause ist.

Mirjam findet vorübergehend Zuflucht bei Familie Hacker, bis sie im Dezember 1938 mit einem Kindertransport nach England gelangt und von dem Bäcker-Ehepaar Paul und Betty Harris in Wigginton aufgenommen wird.

Jakob und Esther Roth werden beschuldigt, ihr Vermögen nicht vollständig gemeldet und damit gegen eine Verordnung vom 26. April 1938 verstoßen zu haben. Die Ermittlungen leitet Polizeihauptmann Ferdinand Loibl – offiziell aufgrund einer anonymen Anzeige. (Mona Lang wird später herausfinden, dass Cosima Hacker ihrem früheren Schulfreund Loibl entsprechende Hinweise gegeben hatte.) Nach der Verbüßung ihrer Haftstrafe werden Jakob und Esther Roth in das Vernichtungslager Belzec in Polen deportiert, wo sie im Februar 1942 kurz nach einander ums Leben kommen.

Mirjam Roth flieht 1943 vor Paul Harris‘ Übergriffen nach London und wird von dem Ehepaar Thomas und Fiona Scott aufgenommen. Durch sie lernt sie Rafal Jablonski kennen, einen Offizier im polnischen Geschwader der Royal Air Force. Die beiden heiraten im Mai 1944, aber Rafal Jablonski wird noch vor der Geburt seines Sohnes abgeschossen.

Die Witwe Mirjam Jablonski nimmt 1949 wieder Kontakt mit ihrer Freundin Klara und deren Vater Ernst-Friedrich Hacker auf, der nach der Entnazifizierung als Richter in München amtiert. Er ist sofort bereit, Mirjam das Schwanenhaus zu überlassen, aber am Tag vor ihrer Anreise muss er wegen eines Blinddarmdurchbruchs ins Krankenhaus und wird notoperiert. Er stirbt zwei Tage später, am 7. November 1949 im Alter von 55 Jahren.

Mona

Obwohl das Treppensteigen auch Klara schwer fiel, widersetzte sie sich den Forderungen der Mieter, einen Aufzug einzubauen. Oliver Sander unterstützt nun die neue Eigentümerin Mona bei der Verwirklichung der Pläne. Um Platz für den Liftschacht zu schaffen, müssen in einigen Wohnungen die Abstellkammern abgetrennt werden.

Mona wundert sich darüber, dass es in ihrer Wohnung keinen Abstellraum gibt. Als sie genauer nachsieht, entdeckt sie hinter einem Wandspiegel und einer Kommode eine zugemauerte Tür. Oliver Sander hilft ihr, eine Öffnung in die Wand zu schlagen. Es handelt sich tatsächlich um den früheren Abstellraum. Darin liegt eine mumifizierte Leiche.

In einem daneben abgestellten Koffer findet Mona einen Ausweis auf den Namen Mirjam Jablonski, eine Bahnfahrkarte von Hamburg nach München vom 6. November 1949 und eine Zweitausfertigung des Vertrags, den Jakob Roth am 4. Juli 1938 mit Ernst-Friedrich Hacker über die Rückgabe des Schwanenhauses geschlossen hatte.

Als Klara damals von der Arbeit nach Hause kam, lag Mirjam tot am Boden. Ihre Mutter hatte die Besucherin im Streit mit einer Bronzefigur erschlagen. Klara hielt zu ihrer Mutter und half ihr, die Tote zunächst auf dem Dachboden zu verstecken. Später schafften sie die inzwischen mumifizierte Leiche in die Abstellkammer und mauerten diese zu.

Mona und Oliver verständigen die Polizei, und ein Kommissar mit dem Namen Konstantin Dühnfort übernimmt den Fall.

Aufgewühlt wendet sich Mona an Oliver, der längst zum Freund geworden ist:

„Jemanden wie Sie brauche ich jetzt. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Wenn ich Charlie und seine Schwester informiere, dass es Mirjams DNA gibt, werden sie einen Vergleichstest machen lassen, und dabei wird herauskommen, dass sie Mirjams Enkelkinder sind. Ich weiß das einfach. Ihre Geschichte passt, und wie schon gesagt, Tim … Charlie sieht seinem Großvater Rafal ähnlich. Ich bin mir zu … sagen wir, zu neunzig Prozent sicher, dass ihr Vater Mirjams Sohn ist. Nach dem erfolgreichen Test gibt es zwei Möglichkeiten. Ich überschreibe den beiden das Haus und erfülle damit die Vereinbarung, die Jakob Roth und Ernst-Friedrich Hacker getroffen haben. Oder wir gehen vor Gericht. Und da kommt jetzt die Vereinbarung der Freunde ins Spiel. Sabine und Charlie wissen nichts davon. Fairerweise müsste ich ihnen das sagen. Wenn ich sie nicht informiere, werden sie den Prozess verlieren. Sie lesen offenbar keine Zeitung. Jedenfalls haben sie sich bisher nicht bei meinem Anwalt gemeldet und einen Gentest von Mirjams Leiche gefordert. Wenn das so bleibt, hätten sie zu wenig, um zu gewinnen. Und ich wäre fein raus.“

Trotz ihrer Abscheu vor der Raffgier der Geschwister Gombrowski – deren Abstammung von Mirjam inzwischen durch DNA-Vergleiche bewiesen ist – beschließt Mona am Ende, ihnen das Anwesen zu überschreiben. Weil Jakob Roth und Ernst-Friedrich Hacker die Rückabwicklung des Besitzwechsels zu gleichen Bedingungen vereinbart hatten, schlagen die Anwälte bei der Ausarbeitung der Schenkungsverträge vor, dass Mona beim anstehenden Verkauf des Schwanenhauses 10 Prozent des Erlöses erhält. Das sind mehr als eine Million Euro. Mit dem Geld kann Mona eine schöne, von Oliver vermittelte Wohnung in Haidhausen mieten und ohne finanzielle Sorgen anfangen, ein Buch über ihre Erfahrungen mit dem Schwanenhaus zu schreiben.

Sabine Gombrowski versuchte vergeblich zu verhindern, dass ihr Bruder ebenso viel bekam wie sie selbst.

Endlich war das Schwanenhaus verkauft und das Geld da. Zehn endlos lange Wochen hatte das gedauert. […] Nun stoppte Harry nichts und niemand mehr. Schon gar nicht Sabine. Er wollte seinen Lamborghini. Eine Viertelmillion für eine Blechkiste. Das war verrückt. Mit diesem Gedanken kehrte das Gefühl zurück, über den Tisch gezogen worden zu sein. Ihr hätte wesentlich mehr zugestanden. Sabine fühlte sich betrogen und zu kurz gekommen. Sie gönnte Charlie keinen Cent ihres Erbes, aus dem durch juristische Winkelzüge eine Schenkung geworden war, von der er profitierte. Genau wie die Nachfahrin der Mörder. Zehn Prozent für Mona Lang! Und vom Rest die Hälfte für Charlie. Papa würde im Grab rotieren, wenn er das wüsste. Und jetzt kam auch noch das Finanzamt daher. Es war ja irre, was die wollten. Wenn Sabine daran dachte, bekam sie hohen Blutdruck. Deshalb hatte sie jetzt einen Steuerberater. Harry hatte ihr dazu geraten. Ein Steuerberater kannte alle Tricks. Am Ende würde er mehr rausholen, als sie ihm an Honorar zahlen musste. Gestern war sie bei einem gewesen. Der hatte überschlagen, wie hoch die Steuer auf die Schenkung sein würde, und ihr war regelrecht übel geworden. Das war Raub!

Harry kann es kaum erwarten, von Sabines neuem Vermögen einen Lamborghini zu kaufen. Bei der Probefahrt nimmt er sie mit. Auf der Autobahn zeigt das Tacho 243 Stundenkilometer, als plötzlich ein Lieferwagen vor ihnen auf die linke Spur wechselt …

Romanfiguren, die nicht in der Inhaltsangabe erwähnt wurden

Bernd: Architekt, Monas Lebensgefährte bis 2018
Clarissa: Architektin, Bernds neue Partnerin
Gertrud: langjähriges Dienstmädchen der Familie Hacker
Carina Heymann: im Zentrum für Humangenetik in Martinsried beschäftigte Wissenschaftlerin
Adele Hofbauer: verwitwete Mieterin im Schwanenhaus, die 1969 mit ihrem Ehemann eingezogen war
Martin Jessen: Galerist in Düsseldorf
Ulrike Mayerhof: Enkelin von Ferdinand Loibl, der die Ermittlungen gegen das Ehepaar Roth leitete
Gregor Meisinger: Staatsanwalt, Vertreter der Anklage gegen das Ehepaar Roth
Holger Messmer: Kommilitone von Ernst-Friedrich Hacker, mit dem sich dieser kurz vor seinem Tod berät
Gesine Reinhardt: auf das Thema Restitution jüdischer Vermögen spezialisierte Historikerin
Katharina Sander: Oliver Sanders tödlich verunglückte Ehefrau
Steffi: Monas Freundin
Gerda Wagner: Ehefrau von Alfons Wagner
Patricia Weber: Oliver Sanders Büroleiterin
Candice Wilcox: Pilotin aus Minnesota, nach dem Krieg lesbische Freundin von Cosima Hacker
Melissa Wittock: Reporterin der Zeitung „Münchner Blick“
Yannick: Heike Langs Lebensgefährte

nach oben (zur Kritik bzw. Inhaltsangabe)

Der Roman „Das Erbe“ von Ellen Sandberg kreist um das Thema Zwangsarisierung und Restitution jüdischen Eigentums. Damit ist auch die Frage verknüpft, ob jemand für das von älteren Generationen verübte Unrecht verantwortlich ist. Die Protagonistin Mona Lang wäre jedenfalls rechtlich nicht verpflichtet, auf ihr Erbe zu verzichten, aber sie hält moralische Normen für entscheidender als juristische. Zugleich wird sie mit der Raffgier anderer Menschen konfrontiert.

Ellen Sandberg entwickelt die komplexe Geschichte in „Das Erbe“ zwar in der dritten Person, aber aus drei verschiedenen Perspektiven im Wechsel. Klara Hacker begleiten wir vom Sommer 1938 bis Sommer 2018, Sabine Gombrowski von August 2018 bis Mai 2019 und Mona Lang von September 2018 bis Juli 2019.

Beim Lesen kann man sich mit Mona Lang identifizieren, auch wenn man nicht immer so moralisch integer wie sie handeln würde. Klara Hackers Verhalten ist dagegen ambivalent. Und Sabine Gombrowski wird von Ellen Sandberg als raffgierige Hartzerin überspitzt dargestellt und vorgeführt.

Wie in ihren anderen Büchern beschäftigt sich Ellen Sandberg auch in ihrem Roman „Das Erbe“ mit einem ernsten Thema. Wieder gelingt es ihr, daraus einen lebendigen, packenden und spannenden Lesestoff zu machen.

Den Roman „Das Erbe“ von Ellen Sandberg gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Thomas M. Meinhardt.

nach oben (zur Kritik bzw. Inhaltsangabe)

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2021
Textauszüge: © Penguin Verlag 2019

Ellen Sandberg: Die Vergessenen
Ellen Sandberg: Der Verrat
Ellen Sandberg: Die Schweigende
Inge Löhnig: Der Sünde Sold
Inge Löhnig: In weißer Stille
Inge Löhnig: So unselig schön
Inge Löhnig: Sieh nichts Böses
Inge Löhnig: Unbarmherzig

Moses Wolff - Liebe machen
Dass sich die Wege von Götz und Dagmar immer wieder für einen Augenblick kreuzen, wirkt märchenhaft. "Liebe machen" ist locker, kurzweilig und unterhaltsam. Moses Wolff bietet mit seinem Roman eine leichte, unkomplizierte Lektüre in einfacher Sprache.
Liebe machen