Maarten 't Hart : Die Netzflickerin

Die Netzflickerin

Maarten 't Hart

Die Netzflickerin

Originalausgabe: De nakomer B. V. Uitgeverij De Arbeiderspers, Amsterdam 1996 Die Netzflickerin Übersetzung: Marianne Holberg Arche Verlag, Zürich 1998 Sonderausgabe Piper Verlag, 2007 ISBN 3-492-24884-5, 441 Seiten, 10 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Simon Minderhout übernimmt nach dem Studium in Leiden die Apotheke seines Onkels in der Hafenstadt Maassluis. Der Fremde wird argwöhnisch beobachtet. Während der deutschen Besatzung versorgt er eine Netzflickerin heimlich mit Medikamenten für Widerstandskämpfer. Simon verliebt sich in sie und versucht herauszufinden, wo sie lebt. Er ahnt nicht, welche Folgen das 50 Jahre später für ihn haben wird ...
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Kritik

In seinem konventionell erzählten, gut durchdachten und fesselnden Roman "Die Netzflickerin" zeigt Maarten 't Hart Mechanismen auf, die zur Verunglimpfung und Vorverurteilung von Personen führen. Zugleich kritisiert er damit die Macht der Medien sowie Intoleranz und Selbstgerechtigkeit.
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Neletta Minderhout, die Ehefrau des Gemeindebeamten Jacob Minderhout in Groningen und Mutter von drei Mädchen, kommt 1914 mit siebenundvierzig Jahren noch einmal nieder. Der Junge, den die Hebamme in der Hand hält, ist tot. Überraschend folgt jedoch ein lebender Zwillingsbruder. „Der hat seinen Bruder totgetreten“, denkt Neletta und erinnert sich an heftige Bewegungen in ihrem Bauch während eines Konzertbesuches. Weil der Vater den Nachkömmling Roemer nennen möchte und die Mutter auf dem Namen Simon besteht, trägt Jacob das Kind unter dem Namen Roemer Simon Minderhout ein.

Ein kleiner Hund, der genauso alt ist wie Roemer Simon und von Jacob beim Ertränken des Wurfes übersehen wurde, schlüpft bei jeder Gelegenheit zu dem Baby in den Kinderwagen. Damit rettet er Roemer Simon das Leben, als dessen geistesgestörte Schwester Elisabeth („Bep“) den Kinderwagen in einen Fluss schiebt. Durch das Gebell des Hundes werden Schiffer auf den im Wasser treibenden Kinderwagen aufmerksam und retten den kleinen Jungen und den Hund, der daraufhin den Namen Prins erhält.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1918 rafft die spanische Grippe den Gemeindesekretär des Dorf Anloo hinweg, und Jacob Minderhout wird sein Nachfolger. Am 1. April 1919 gelingt es ihm, seinen noch nicht einmal fünf Jahre alten Sohn in die kleine Schule von Anloo zu mogeln.

Im Herbst 1922 geraten Simon und sein Schulfreund Coenraad Galema in Streit. Deshalb bietet ihm Coenraad, der einzige Sohn eines reichen Bauern, auch nicht an, den Rest in einer auf dem Heuboden gefundenen Bierflasche zu teilen, sondern trinkt sie stattdessen allein aus. Gleich darauf bricht er vor Simons Augen zusammen und stirbt: In der Flasche war kein Bier, sondern ein Pflanzenschutzmittel. Simon macht sich Vorwürfe, aber sein Vater beruhigt ihn und versichert ihm, er habe den Tod seines Freundes nicht verschuldet.

Im Jahr darauf zieht die Familie Minderhout in das seit der Versetzung des Pastors Sevenster nach Terschelling leer stehende Pfarrhaus von Anloo. Simon wechselt auf das Gymnasium in Assen. Als der bigotte Rektor einmal den erkrankten Französischlehrer vertritt, sorgt Simon ungewollt für einen Skandal, indem er erklärt: „Meiner Meinung nach gibt es Gott gar nicht.“ (Seite 71) Jacob Minderhout hört sich die Beschwerden des aufgebrachten Rektors an, versucht, die Wogen zu glätten und rät seinem Sohn anschließend zu mehr Zurückhaltung bei der Äußerung seiner Ansichten. Er selbst glaubt auch nicht an Gott und lehnt jeden Bekehrungsversuch ab:

„Und meiner Meinung nach besteht die Kunst gerade darin, keine Ansichten, keine Überzeugungen, keine Meinungen und vor allem keine Prinzipien zu haben […] denn wer Prinzipien hat, will sie dem anderen aufdrängen, notfalls mit Gewalt.“ (Seite 104)

Simon wird wegen seines Statements von seiner Mitschülerin Sieberig Quanjer bewundert und angehimmelt. Bevor sie mit ihren Eltern nach Meppel zieht, verabschiedet sie sich von Simon und küsst ihn unerwartet.

Als Prins im Alter von fünfzehn Jahren stirbt, ist Simon trauriger als beim Tod seines Freundes Coenraad Galema.

Mit seinem Vater fährt er regelmäßig zu Konzerten der Groninger Orkestverenigung. Dort fällt ihm einmal eine junge Frau auf, und in der Pause redet er kurz mit ihr. Jacob rät ihm davon ab, sich mit ihr einzulassen: Er weiß, dass es sich um die Tochter des Bäckers Goudriaan handelt und ist überzeugt, dass ihr die jüdisch-orthodoxen Eltern nie den Umgang mit einem „Goi“ erlauben würden.

Außer der Musik liebt Simon die Philosophie, doch weil sein Onkel Herbert – der ältere Bruder seines Vaters – gern hätte, dass er dessen Apotheke in der kleinen Hafenstadt Maassluis übernimmt, studiert er in Leiden Pharmazie und Philosophie.

Während eines Praktikums, bei dem er zusammen mit seinem Freund Bram Edersheim assistiert, zieht er Natronlauge unvorsichtig auf und verletzt sich die Zunge so, dass er vorübergehend nicht mehr sprechen kann. Sobald es ihm wieder besser geht, trifft er sich mit Ditta Krouwel, einer fröhlichen Verkäuferin, die nur zu reden aufhört, wenn er sie küsst.

In seiner Examensarbeit setzt Simon sich mit dem Antisemitismus auseinander, den verabscheut. Martin Luther hält er für den schlimmsten Antisemiten vor Hitler.

De facto klang in der deutschen Philosophie und letzten Endes auch in Mein Kampf das donnernde Echo von Luthers rabiatem Antisemitismus nach. (Seite 154)

Als die Deutschen Holland besetzen, warnt Jacob seinen Sohn vor ihnen:

„Ich weiß, wie die Deutschen sind. Bei normalen Menschen musst du eine Peitsche nehmen, um sie zur Arbeit anzuhalten, aber Deutsche musst du mit der Peitsche schlagen, damit sie aufhören zu arbeiten.“ (Seite 158f)

Als Jacob gerüchtweise erfährt, dass Simon Kontakt mit einem Deutschen hatte, warnt er ihn vor dem Gerede. Simon klagt, der Deutsche, der inzwischen aus Maassluis abgezogen wurde, sei der Einzige gewesen, mit dem er über Musik habe sprechen können, übrigens auch über jüdische Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy.

„Du lebst hier unter Menschen, die Musik Katzengejammer nennen, die ihr ganzes Leben lang nur ein Buch, ein einziges Buch, die Bibel, gelesen haben […], die sage und schreibe den Titel eines einzigen Gemäldes kennen, Die Nachtwache, und alles, was sie dir davon erzählen können, ist, dass es, Gott sei’s geklagt, soviel gekostet hat.“ (Seite 173)

Weil die Bewohner von Maassluis den Freigeist und Musikliebhaber Simon argwöhnisch beobachten, bleibt es ihm auch verwehrt, sich dem Widerstand anzuschließen. Er organisiert zwar die Flucht von ein paar Leuten nach England, aber ein deutsches U-Boot bringt den von einem Sohn der Witwe Vroombout gesteuerten Fischkutter auf – und das verbessert Simons Image nicht gerade.

Im Dezember 1940 stirbt seine Mutter Neletta.

Beim einsamen Schlittschuhlaufen im Januar 1942 wird er von einer Unbekannten angesprochen, die sich auf seinen Freund Bram Edersheim beruft, Hillegonda als Namen angibt, erzählt, dass sie eine Lehre als Netzflickerin mache und offenbar für einen kranken Widerstandskämpfer ein rezeptpflichtiges Medikament erbittet.

Wenige Tage bevor der Strand am 20. April 1942 für die Öffentlichkeit gesperrt wird, radelt Simon mit Freunden noch einmal dorthin. Bei ihm sind die Engländerin Alice Esknied, die von ihrem Ehemann, einem niederländischen Lotsen, verlassen wurde, der Geiger und Dirigent Aaron Oberstein und dessen Ehefrau Ruth sowie Bram und Anna Edersheim. Vom 2. Mai an muss auch in den Niederlanden der Judenstern getragen werden. Zwei Monate später beginnen die Deportationen [Holocaust]. Die Edersheims und die Obersteins tauchen unter, aber Simon sieht hilflos zu, wie das Ehepaar Colthof und die Familie Van Gelderen in seiner Nachbarschaft abgeholt werden.

Die Netzflickerin kommt im Dezember 1942 erneut in die Apotheke, weil sie Nachschub braucht. Während eines gemeinsamen Spaziergangs fragt sie Simon nach dem Gebäude Sursum Corda, und er zeigt es ihr.

Am 18. März 1943 setzen verirrte alliierte Bomben Maassluis in Brand. Zusammen mit zwei Deutschen kümmert Simon sich um die Verletzten.

Einige Zeit später taucht die Netzflickerin wieder auf und bittet Simon um einen Schlafplatz. Er überlässt ihr das Gästezimmer auf dem Dachboden, doch weil sie sich vor den Spinnen fürchtet, schlüpft sie zu ihm ins Bett, und sie lieben sich. Am nächsten Morgen verlässt sie ihn und will ihm auch nichts über ihre Kontakte zum Widerstand verraten. Doch als sie wieder einmal in die Apotheke kommt, um Medikamente zu holen, folgt Simon ihr nach Schiedam. Danach fährt er mehrmals mit dem Rad nach Schiedam, um nach ihr zu suchen. Im Sommer 1944 entdeckt er zwei junge Männer, die er mit ihr zusammen sah. Er beschattet sie. Die Männer tun sich mit anderen zusammen, bis sie zu acht sind. Offenbar haben sie ihren Verfolger bemerkt, denn sie kreisen ihn ein und schlagen ihn zusammen.

– – –

Im Alter von achtzig Jahren lebt Simon in einer Seniorenwohnung.

Eines Tages schneiden ihm sieben junge Motorradfahrer den Weg ab. Einer von ihnen verlangt von ihm 10 000 Gulden und droht ihm, andernfalls publik zu machen, dass Simon während des Zweiten Weltkriegs niederländische Widerstandskämpfer an die Deutschen verraten habe. Simon lässt sich mit der ihm absurd erscheinenden Beschuldigung zwar nicht erpressen, doch kurz darauf erscheint im kostenlosen Anzeigenblättchen ein Artikel, dessen Inhalt ein paar Tage von „Rotterdams Nieuwsblad“ und dann auch von Radio und Fernsehen aufgegriffen wird: Acht junge Widerstandskämpfer überfielen im September 1944 die in dem Gebäude Sursum Corda in Maassluis untergebrachte Zuteilungsstelle für Lebensmittelmarken, um damit Untergetauchte zu versorgen. Einer der Männer war wegen eines Leberleidens auf Medikamente angewiesen, die eine junge Netzflickerin bei dem Apotheker Simon M. besorgte. Simon M. wurde dabei beobachtet, wie er der Frau und den Männern in Schiedam nachspionierte. Vermutlich verriet er sie an die Deutschen, denn sie wurden Ende 1944 festgenommen und erschossen.

Entsetzt ruft Simon bei Aaron Obersteins Tochter Joanna und deren Ehemann Alexander Goudveyl an. Aaron nimmt ab. Der alte Mann, dessen Ehefrau Ruth in Auschwitz ermordet wurde, hütet das Haus für seine Tochter und den Schwiegersohn, die sich vorübergehend in England aufhalten. Simon sucht Zuflucht bei ihm, und Aaron freut sich über seine Gesellschaft.

Als Simon ihm von dem Erpressungsversuch erzählt, wundert Aaron sich, dass der junge Mann seinen Trumpf so rasch ausspielte und mit seiner Beschuldigung zur Presse ging. Ob Simon die Netzflickerin nach dem Krieg wiedergesehen habe, fragt er. Simon stellte damals Nachforschungen an, doch als er erfuhr, dass sie inzwischen mit einem Mann namens Bram Cornalyn verheiratet war, hörte er damit auf.

Cynthia Winter spricht in ihrer Fernseh-Talkshow mit vier älteren Damen über Simon: Die erste – Ditta Krouwel, jetzt Weltevreden – will eine kurze Affäre mit ihm gehabt haben, die zweite (Mevrow Schuitmaker, geborene Goudriaan) erzählt, er habe sie bei einem Konzertbesuch durchdringend angesehen, die dritte (Sieberg Quanjer, jetzt Toornvlier) erinnert sich, wie Simon als Gymnasiast in Assen die Existenz Gottes leugnete, und die vierte, eine Krankenschwester in Dennenoord, die Simons Halbschwester Bep betreute, hörte davon, dass Simon seinen Zwillingsbruder im Bauch der Mutter totgetreten haben soll. Man entdeckt Simons Examensarbeit „Judenhass in der deutschen Philosophie“. Ein Experte meint im Fernsehen, er habe noch keine Zeit gehabt, sie gründlich zu studieren, aber es sei wohl so, dass Simon Minderhout Bausteine aus der gesamten deutschen Philosophie zusammentrug, um seinen Antisemitismus zu untermauern.

Eine Journalistin namens Wendela Tervuuren macht sich an Simon und Aaron heran und tut so, als wolle sie helfen, die Dinge zurechtzurücken. Auf diese Weise gelingt es ihr, die Männer auszuhorchen und Material für einen langen Artikel im „Vrij Nederland“ mit dem Titel „Die Wahrheit über Simon Minderhout“ zu sammeln.

Im Fernsehen tritt ein Psychotherapeut auf, der die Familie Galema kennt. Er berichtet nicht nur, dass Simon als Kind Hühner mit Steinen bewarf, sondern auch, dass Simon dabei war, als Coenraad Galema Gift aus einer Flasche trank. Die Familie Galema gehe davon aus, dass es sich um einen Mordanschlag gehandelt habe. Vielleicht hatte Simon die Aufgabe, seinen Freund dazu zu animieren, aus der Flasche zu trinken. Andernfalls hätten sich die beiden Jungen doch den Inhalt geteilt. Der Psychotherapeut stellt die Frage, wer Simons Studium bezahlt habe und äußert die Vermutung, dass Schweigegeld im Spiel gewesen sein könnte.

Es sind die Galemas, die so denken, nicht ich. Als praktizierender Psychotherapeut kann ich dem lediglich hinzufügen, dass wir es bei Simon Minderhout zweifellos mit einem Fall schwerer affektiver Verwahrlosung zu tun haben. Er war ein unerwünschter Nachkömmling. (Seite 393)

Simon merkte sich zwar die Nummer des Motorrads, mit dem ihm der Erpresser den Weg versperrt hatte, aber die Maschine wurde vor einiger Zeit als gestohlen gemeldet. Als er mit Aaron im Fernsehen die Nachrichten anschaut, sieht er das Motorrad wieder. Der Fahrer verursachte einen schweren Verkehrsunfall und wurde ins Academisch Ziekenhuis in Leiden eingeliefert. Aaron ruft dort an, gibt sich als besorgter Großvater aus und erfährt, dass der verletzte Motorradfahrer Bram Cornalyn heißt. Bram Cornalyn wie der Ehemann der Netzflickerin! Als Nächstes wählt Aaron die Telefonnummer, die er vom Krankenhaus erhielt und gibt sich als pensionierter Lehrer aus, der sich nach einem früheren Schüler erkundigt. Die Zwillingsschwester des Verunglückten erzählt ihm, dass dieser den Namen seines inzwischen verstorbenen Großvaters trägt und gibt ihm die Adresse der Großmutter.

Ohne Ankündigung besucht Simon die frühere Netzflickerin in Schiedam. Sie erkennt ihn sofort. Nachdem sie kürzlich bei einer Geburtstagsfeier ein wenig zu viel getrunken habe, gesteht sie, sei ihr die Bemerkung herausgerutscht, sie kenne den Verräter der Ende 1944 in Schiedam hingerichteten Widerstandsgruppe. Ihr Enkel, der hohe Schulden hat, wollte die Information nutzen, um von Simon Geld zu erpressen. Um das zu verhindern, lancierte Hilde – Hillegonda war nur Deckname – den Artikel in dem Anzeigenblättchen. Sie ahnte nicht, welche Wellen das schlagen würde. Als sie 1943 einmal mit Simon schlief, war sie bereits verlobt, aber sie sah Bram Cornalyn fünf Jahre lang nicht, weil er sich vor den Nationalsozialisten nach England abgesetzt hatte. Simon beteuert, er sei ihr und den jungen Männern damals nur gefolgt, weil er verrückt nach ihr war. Hilde argwöhnt jedoch noch immer, dass er die Widerstandsgruppe ausspionierte und sich durch den Verrat für die Schlägerei rächte. Simon kann sie nicht überzeugen, obwohl er Indizien dafür anführt, dass ein Pastor die Gruppe verriet.

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In dem Roman „Die Netzflickerin“ von Maarten ‚t Hart geht es um den niederländischen Apotheker Roemer Simon Minderhout, einen Freigeist und Musikliebhaber, der von den Kleinbürgern in Maassluis argwöhnisch beobachtet wird und Außenseiter bleibt. Fünfzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird er zu Unrecht beschuldigt, acht niederländische Widerstandskämpfer an die Deutschen verraten zu haben. Hilflos muss Minderhout zusehen, wie ihn die sensationsgierigen Medien zum Spielball machen. Vorkommnisse in seiner Kindheit und Jugend werden so zurechtgebogen, dass sie die Anschuldigungen untermauern, und von seiner gegen den Antisemitismus gerichteten Examensarbeit heißt es, sie sei das Machwerk eines Judenhassers. Damit zeigt Maarten ‚t Hart Mechanismen auf, die zur Verunglimpfung und Vorverurteilung von Personen führen. Zugleich kritisiert er damit die Macht der Medien sowie Intoleranz und Selbstgerechtigkeit.

Simon Minderhout, Bram Edersheim, Aaron Oberstein und Alexander Goudveyl kennen wir bereits aus dem Roman „Das Wüten der ganzen Welt“ von Maarten ‚t Hart, aber „Die Netzflickerin“ ist kein Fortsetzungsroman.

Mit Ausnahme des Prologs, bei dem es sich um einen Tagebucheintrag von Alexander Goudveyl handelt, tritt in „Die Netzflickerin“ ein auktorialer Erzähler auf, der das Geschehen in drei großen Blöcken chronologisch entwickelt: „Roemer“, „Die Netzflickerin“, „Die Beschuldigung“. Der erste Teil („Roemer“), der sich mit der Kindheit und Jugend des Protagonisten beschäftigt und sich über einen verhältnismäßig langen Zeitraum erstreckt (1914 – 1939), besteht aus lose zusammenhängenden Episoden. Erst mit dem zweiten Teil („Die Netzflickerin“, 1939 – 1944) gewinnt die Darstellung an Fahrt, und im dritten Teil („Die Beschuldigung“, 1994) steigert sich das Tempo noch einmal.

Bei „Die Netzflickerin“ handelt es sich um einen fesselnden und im letzten Teil auch bestürzenden Roman, in dem hin und wieder auch ironische Formulierungen aufblitzen. Die eingestreuten philosophischen Betrachtungen hielt Maarten ‚t Hart – vielleicht aus dramaturgischen Gründen – kurz.

Musikstücke, die Maarten ‚t Hart in „Die Netzflickerin“ erwähnt:

  • Ludwig van Beethoven: Leonoren-Ouvertüre (S. 104)
  • Hector Berlioz: Symphonie fantastique (S. 107)
  • Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 4 (S. 28)
  • George Chadwick: 2. Sinfonie (S. 323)
  • Anton Dvorak: Violinkonzert (S. 165)
  • César Franck: Prélude, fugue et variation, op. 18 (S. 145)
  • Adolf Fredrik Lindblad: En sommardag (S. 195 u. a.; Noten S. 438f)
  • Martin Luther: Ein feste Burg ist unser Gott (S. 166)
  • Albéric Magnard: Sonate für Violine und Klavier op. 13 (S. 291)
  • Felix Mendelssohn Bartholdy: Violinkonzert (S. 104)
  • Felix Mendelssohn Bartholdy: Streichquartett e-moll (S. 170)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Maurische Trauermusik (S. 28)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert Nr. 24 (S. 28)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni (S. 309)
  • Gioacchino Rossini: Der Barbier von Sevilla (S. 304, 321, 366)
  • Franz Schubert: Sonate in B-Dur (S. 395)
  • Giuseppe Verdi: Falstaff (S. 373)
  • Giuseppe Verdi: Otello (S. 317)
  • Richard Wagner: Parsifal (S. 372)
  • Richard Wagner: Die Walküre (S. 9, 309f)

Abhandlungen, die Maarten ‚t Hart in „Die Netzflickerin“ erwähnt:

  • Francis Crick: Das Leben selbst (S. 67f)
  • Daniel C. Dennett: Consciousness Explained (S. 288)
  • August Göllerich (Hg.: Max Auer): Anton Bruckner.
    Ein Lebens- und Schaffensbild (S. 323)
  • A. H. de Hartog: Groote Denkers (S. 100f)
  • Adolf Hitler: Mein Kampf (S. 154)
  • Edmund Husserl: Logische Untersuchungen (S. 216)
  • Immanuel Kant: Anthropologie (S. 114)
  • Martin Luther: Von den Juden und ihren Lügen (S. 154)
  • Martin Luther: Schem Hamphorus (S. 154)
  • Multatuli: Gebed van den onwetende (S. 74)
  • Blaise Pascal: Pensées sur la religion (S. 112)
  • Platon: Politeia (S. 116)
  • Platon: Theaitetos (S. 116)
  • Spinoza: Abhandlung über die Verbesserung des Verstandes (S. 101)
  • Spinoza: Ethik (S. 101)
  • Spinoza: Kurze Abhandlung von Gott, dem Menschen und seinem Glück (S. 101)
  • Steven Weinberg: Dreams of a Final Theory (S. 368)
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007
Textauszüge: © Piper Verlag

Maarten ‚t Hart (Kurzbiografie, Bibliografie)

Maarten ‚t Hart: Ein Schwarm Regenbrachvögel
Maarten ‚t Hart: Die schwarzen Vögel
Maarten ‚t Hart: Das Wüten der ganzen Welt
Maarten ‚t Hart: Der Flieger
Maarten ‚t Hart: In unnütz toller Wut (Verfilmung)
Maarten ‚t Hart: Der Schneeflockenbaum

Don Winslow - Pacific Private
Bei "Pacific Private" von Don Winslow handelt es sich um eine spannende und unterhaltsame Lektüre. Aber die Figuren sind eindimensional, und der Thriller wirkt wie eine nicht ganz ernst gemeinte Fingerübung des Autors.
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