Schmalspurganoven

Schmalspurganoven

Schmalspurganoven

Schmalspurganoven – Originaltitel: Small Time Crooks – Regie: Woody Allen – Drehbuch: Woody Allen – Kamera: Zhao Fei – Schnitt: Alisa Lepselter – Darsteller: Woody Allen, Tracey Ullman, Hugh Grant, Michael Rapaport, Tony Darrow, Jon Lovitz, Elaine May, Brian Markinson u.a. – 2000; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Um endlich das Geld für einen Umzug von New York nach Florida zu haben, plant Ray Winkler mit drei Komplizen einen Bankraub. Während die Männer einen Tunnel graben, verkauft Rays Ehefrau Frenchy zur Tarnung selbst gebackene Kekse. Weil die Tunnelbauer die Orientierung verlieren, scheitert das Vorhaben, aber "Sunset Cookies" erweist sich wider Erwarten als Goldgrube und wird zur Keimzelle eines Backimperiums, das sie reich macht ...
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Kritik

"Schmalspurganoven" ist eine Mischung aus Klamauk und Gesellschaftssatire. Woody Allen hat sich viele komische Szenen und witzige Dialoge einfallen lassen.

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Ray und Frenchy Winkler (Woody Allen, Tracey Ullman) sind seit fünfundzwanzig Jahren verheiratet. In dieser Zeit waren sie zwei Jahre lang getrennt, weil Ray eine Haftstrafe wegen Bankraubs verbüßte. Sie leben in New York, und weil Ray es nur zum Tellerwäscher gebracht hat, trägt Frenchy als freiberufliche Maniküre den Hauptanteil zum Lebensunterhalt bei. Vergeblich träumen sie von einem Umzug nach Florida; dafür reicht das Geld nicht.

Eines Tages kauft Ray seiner Frau Pralinen. Sie ahnt sofort, dass sie das Geschenk nicht umsonst bekommt. Tatsächlich hat er es auf die 6000 Dollar abgesehen, die sie inzwischen angespart haben. Seine Kumpels Denny (Michael Rapaport) und Tommy (Tony Darrow) wollen auch je 6000 Dollar aufbringen. Ray hat nämlich einen Plan ausgeheckt. Der sieht vor, dass sie eine leer stehende Pizzeria mieten und zur Tarnung eine Bäckerei eröffnen, in der Frenchy selbst gebackene Kekse verkauft, während die Männer einen Tunnel zur benachbarten Bank graben und diese dann ausrauben. Frenchy hält das für eine verrückte Idee, aber am Ende lässt sie sich überreden, bei dem Vorhaben mitzumachen.

Als Ray jedoch den Mietvertrag unterschreiben will, erfährt er vom Makler (Sam Josepher), dass ihm jemand zuvorkam: eine Witwe, die in der ehemaligen Pizzeria ein Blumengeschäft eröffnen möchte. Sie heißt Mrs Goldberg. Ray geht mit einem Blumenstrauß zu der angegebenen Adresse, um die Dame zur Kündigung des Mietvertrags zu bewegen. Zu seiner Überraschung öffnet statt einer Frau ein Mann, und den kennt er: Benny (Jon Lovitz) saß mit ihm im Gefängnis. Unter falschem Namen mietete er den Laden, und zwar in der Absicht, ihn in Brand zu stecken und das Geld von der Feuerversicherung zu kassieren. Kurzerhand überredet Ray ihn dazu, stattdessen bei dem geplanten Bankraub mitzumachen.

Während die Männer sich mit dem Graben des Tunnels abmühen, verkauft Frenchy „Sunset Cookies“. Weil sie den Kundenandrang schon bald nicht mehr allein bewältigt, stellt sie ihre Cousine May (Elaine May) als Hilfskraft ein. Ray besteht allerdings darauf, dass May nicht erfährt, um was es wirklich geht.

Es spricht sich herum, dass in dem Laden die besten Kekse von New York verkauft werden. Sogar das Fernsehen berichtet über „Sunset Cookies“. Die Schlange der Kunden reicht schließlich bis zum Bankgebäude.

Statt im Tresorraum der Bank kommen Ray, Denny, Tommy und Benny in einer Boutique heraus, glücklicherweise an einem Sonntag, als geschlossen ist. Während sie beratschlagen, wie sie den aufgebrochenen Boden wieder schließen und die Spuren beseitigen können, taucht ein Polizist (Brian Markinson) in dem Loch auf, der zu den Stammkunden von „Sunset Cookies“ gehört und ihnen auf die Schliche gekommen ist. Statt die gescheiterten Bankräuber zu verhaften, will er an dem lukrativen Keks-Geschäft beteiligt werden.

Ein Jahr später: Aus dem florierenden Keksladen ist inzwischen ein Backimperium geworden. Ray und Frenchy, Denny, Tommy und Benny, May und der Polizist schwimmen im Geld. Die Winklers laden Mitglieder der Upper Class zu Dinnerpartys in ihre palastartig eingerichtete Wohnung ein und heißen die Gäste in ihrer „bescheidenen Hütte“ willkommen.

Durch Zufall belauscht Frenchy einige Gäste, die sich über den schlechten Geschmack des neureichen Paares auslassen. Da beschließt sie, sich bilden zu lassen. Als Lehrmeister wählt sie den englischen Kunsthändler und Weinkenner David (Hugh Grant). Während er sie in die Welt der Kunst und der Musik einführt, ihre Wortwahl verbessert und ihr zeigt, wie man sich in der besseren Gesellschaft benimmt, trifft Ray sich heimlich mit seinen Kumpels zum Pokern. Schließlich will Frenchy sich von David die Kulturdenkmäler in Europa zeigen lassen. Weil Ray keine Lust hat, dabei mitzumachen, trennen sich ihre Wege.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Ray und May kommen sich näher. May erzählt ihm von ihrem früheren Freund. Den störte es, dass sie die Rechnungen bezahlte, nachdem sie durch „Sunset Cookies“ zu Geld gekommen war. Und als sie damit aufhörte, verließ er sie.

Aus Langeweile klügelt Ray einen neuen Plan aus. Während einer Abendgesellschaft bei Langston und Chi Chi Potter (Howard Erskine, Elaine Stritch) will er eine überaus wertvolle Kette der Gastgeberin aus dem Tresor stehlen und ein Imitat hineinlegen. May soll ihm dabei helfen.

Während Ray den Coup vorbereitet, erfährt Frenchy in Venedig, dass das Backunternehmen aufgrund betrügerischer Manipulationen der Buchhalter bankrott ist. Auch der Privatbesitz der Winklers ist verpfändet. David, der ebenfalls darauf aus war, Frenchy auszunehmen, lässt sie enttäuscht stehen, als er hört, wie es um ihre Finanzen steht.

Ray ahnt davon noch nichts, als er mit May zu der Abendgesellschaft bei den Potters geht. May steht auf der Treppe Schmiere, während Ray im Schlafzimmer den Safe knackt. Als ihm das gelungen ist und er beide Ketten in der Hand hält, weiß er vor Aufregung nicht mehr, welches die echte und welches die nachgemachte ist. May warnt ihn vor Chi Chi Potter, die sich dem Schlafzimmer nähert. Da legt er rasch eine der beiden Ketten in den Tresor und schließt ihn.

Erst nach dem Raub erfährt er vom Bankrott des Unternehmens und Verlust des Vermögens. Frenchy ist inzwischen nach New York zurückgekehrt. Er eilt zu ihr, versichert ihr, dass er sie noch immer liebe und zeigt ihr die vermeintlich kostbare Kette, deren Verkauf, so glaubt er, das Startkapital für einen Neuanfang liefern wird. Mit ihren neu erworbenen Kenntnissen sieht Frenchy jedoch sofort, dass es sich bei der Kette um ein wertloses Imitat mit Steinen aus Glas handelt. Sie hat dagegen etwas Echtes mitgebracht: Ein sündhaft teures Zigarettenetui, das sie David in Europa kaufte, aber später gegen eine Nachbildung vertauschte.

Ray und Frenchy erfüllen sich ihren früheren Traum und ziehen nach Florida.

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In der Filmkomödie „Schmalspurganoven“ spielt Woody Allen keinen grüblerisch-intellektuellen jüdischen Stadtneurotiker, sondern einen einfach gestrickten Kleinganoven, der nicht glauben mag, dass sein Spitzname „das Gehirn“ ironisch gemeint ist.

Als Regisseur und Drehbuchautor brennt Woody Allen vor allem in der ersten halben Stunde ein Gag-Feuerwerk mit vielen komischen Szenen und einer Menge Dialog-Witz ab. Das ist albern und Klamauk, aber auch einfallsreich und vom Feinsten. Wenn sich „Schmalspurganoven“ nach der ersten halben Stunde zu einer (nicht besonders tiefschürfenden) Gesellschaftssatire mausert, lässt die Frequenz der Gags nach, aber man muss das neureiche Paar in all dem teuren Kitsch gesehen haben, mit dem Frenchy die Wohnung ausstaffiert. Und die Bemühungen der ungebildeten Amerikanerin, sich von dem englischen Hochstapler David wie Eliza Doolittle von Henry Higgins in dem Theaterstück „Pygmalion“ in eine Dame der Upper Class verwandeln zu lassen, sind urkomisch.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

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