Match Point

Match Point

Match Point

Originaltitel: Match Point - Regie: Woody Allen - Drehbuch: Woody Allen - Kamera: Remi Adefarasin - Schnitt: Alisa Lepselter - Darsteller: Scarlett Johansson, Jonathan Rhys-Meyers, Emily Mortimer, Matthew Goode, Brian Cox, Penelope Wilton u.a. - 2005; 125 Minuten

Inhaltsangabe

In der Hoffnung, Zugang zur Upper Class zu bekommen, betätigt der aus einer einfachen irischen Familie stammende Chris Wilton sich als Tenniscoach in einem exklusiven Londoner Club. Dort gewinnt er Tom Hewett als Freund; dessen Schwester Chloe himmelt ihn an, und die wohlhabenden Eltern der beiden mögen Chris ebenfalls. Er scheint sein Ziel erreicht zu haben. Doch da verliebt Chris sich ausgerechnet in Toms Verlobte Nola …
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Kritik

Anfangs gibt "Match Point" sich als sarkastische Gesellschaftskomödie, dann als Kammerspiel, und schließlich als Thriller. Die Handlung überrascht immer wieder neu, und die differenzierten Charaktere werden überzeugend dargestellt. Woody Allen zeigt sich wieder einmal auf der Höhe seines Könnens.
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Chris Wilton (Jonathan Rhys-Meyers) stammt aus einer einfachen irischen Familie. In dem exklusiven Club in London, in dem er als Tenniscoach arbeitet, gewinnt er Tom Hewett (Matthew Goode), den selbstsicheren Sprössling einer wohlhabenden englischen Familie, als Freund. Tom lädt Chris schließlich auf den Landsitz seiner Familie ein. Seine Schwester Chloe (Emily Mortimer) himmelt Chris an, und die Eltern der Geschwister – Alec und Eleanor Hewett (Brian Cox, Penelope Wilton) – mögen den aufstrebenden jungen Mann ebenfalls. Obwohl Chris ausgerechnet Toms Verlobte, die erfolglose amerikanische Schauspielerin Nola Rice (Scarlett Johansson), begehrt, heiratet er Chloe und übernimmt einen gut bezahlten Job im Management des Unternehmens, das seinem Schwiegervaters gehört. Damit steigt er selbst in die Upper Class auf.

Als Tom sich überraschend von Nola trennt und eine Frau namens Heather (Miranda Raison) heiratet, versucht Chris, wieder mit Nola in Kontakt zu kommen, aber sie ist unbekannt verzogen. Einige Monate später sehen sich die beiden Außenseiter zufällig in der Tate Gallery wieder – und Chris redet so lange auf Nola ein, bis sie ihm zögernd ihre neue Telefonnummer nennt. Eine leidenschaftliche Affäre beginnt. Jeden Tag denkt Chris sich einen neuen Vorwand aus, um sein Büro für ein Schäferstündchen mit Nola verlassen zu können, ohne die Kollegen misstrauisch zu machen. Er betrügt seine Frau und versucht, Nola hinzuhalten, die darauf nörglerisch und hysterisch reagiert. Während Chloe sich vergeblich ein Kind wünscht, wird Nola schwanger und verlangt von Chris, zwischen ihr und seiner Ehefrau zu wählen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Auf keinen Fall möchte Chris auf den Wohlstand und die Protektion seines Schwiegervaters verzichten.

Alec ist ein begeisterter Jäger und hat seinem Schwiegersohn das Schießen beigebracht. Heimlich nimmt Chris ein Jagdgewehr aus Alecs Waffenschrank und versteckt es zerlegt in seiner Sporttasche. Er ruft Nola an, die inzwischen in einer Boutique arbeitet, kündigt ihr „gute Nachrichten“ an und verabredet sich mit ihr in ihrer Wohnung. Seine Frau lädt er zu einer Musical-Aufführung ein, die eine Stunde später beginnt und behauptet, zwischen Büroschluss und Theater noch eine Runde Tennis spielen zu wollen. Stattdessen fährt er zu dem Mietshaus, in dem Nola wohnt und klingelt bei der Nachbarin Mrs Eastby (Margaret Tyzack). Nolas Fernsehgerät sei gestört, lügt er und fragt, ob er den Empfang bei Mrs Eastby kurz überprüfen dürfe. Während die alte Dame in die Küche geht, schraubt er im Wohnzimmer mit zittrigen Fingern das Schrotgewehr zusammen. Dann erschießt er Mrs Eastby. Um einen Raubmord vorzutäuschen, reißt er Schubfächer auf und steckt den Schmuck ein. Zur verabredeten Zeit wartet er im Treppenhaus, bis Nola mit dem Fahrstuhl heraufkommt, ruft ihren Namen, damit sie sich zu ihm umdreht und drückt ab.

Die Hewetts sind erschüttert, als sie aus Zeitung von der Ermordung Nolas erfahren.

Unbemerkt stellt Chris das Gewehr in den Waffenschrank zurück, und den Schmuck schleudert er in die Themse. Dabei übersieht er, dass der Ehering, den er Mrs Eastby vom Finger zog, von der Brüstung am Ufer abprallt und auf dem Gehsteig liegenbleibt.

Chris wird kurz darauf gebeten, zu den Detectives Banner (James Nesbitt) und Parry (Steve Pemberton) ins Polizeipräsidium zu kommen. Er behauptet, Nola nur als Verlobte seines Schwagers gekannt und seit einem Jahr nicht mehr gesehen zu haben, aber die Polizei hat in der Wohnung der Toten ein Tagebuch gefunden, aus dem hervorgeht, dass Nola und Chris bis zuletzt ein heimliches Verhältnis hatten. Außerdem schrieb Nola, sie habe von Chris eine klare Entscheidung verlangt und ihm gedroht, selbst mit Chloe zu reden, wenn er zu feig sei. Chris bittet um Verständnis, dass er versuchte, die Affäre zu vertuschen und fleht die Detectives an, seine Ehe und den Ruf seines Schwiegervaters nicht durch die Ermittlungen aufs Spiel zu setzen.

Nachdem Chris gegangen ist, fühlt Parry sich bestätigt: Er glaubt, dass ein Junkie die alte Frau ausspionierte, unter einem Vorwand in ihre Wohnung gelangte, sie erschoss und ausraubte, dann im Treppenhaus zufällig auf Nola Rice traf und die Zeugin ebenfalls tötete. Banner weist darauf hin, dass Chris ein Motiv gehabt hätte und hält deshalb weitere Nachforschungen für erforderlich.

Am nächsten Morgen sagt Banner seinem Kollegen, er sei jetzt von Chris Wiltons Schuld überzeugt und schildert, wie der Täter einen Raubüberfall vorgetäuscht haben könnte, um die Ermittler auf eine falsche Spur zu lenken. Parry klärt Banner jedoch darüber auf, dass bei einer Schießerei in der Nacht unweit des Hauses, in dem die beiden Frauen ermordet wurden, ein Drogendealer ums Leben kam, bei dem die Polizei einen gravierten Ehering fand, der Mrs Eastby gehört hatte. Damit, so meint Parry, sei bewiesen, dass es sich bei dem Doppelmord um einen Fall von Beschaffungskriminalität handelte.

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Eigentlich sollte „Match Point“ in New York spielen; weil Woody Allen sich jedoch in den USA mit keinem Produzenten einigen konnte, drehte er erstmals einen kompletten Film außerhalb von New York.

Anfangs gibt „Match Point“ sich als sarkastische Gesellschaftskomödie, dann als Kammerspiel, und schließlich als Thriller. Die Handlung überrascht immer wieder neu. Eine Ahnung, dass es nicht bei einer harmlosen Komödie bleibt, hat man allerdings schon zu Beginn, als Chris in dem Roman „Schuld und Sühne“ von Dostojewski liest. Und die italienischen Opernarien, die Woody Allen wie den Chor in einer griechischen Tragödie einsetzt, werden zunehmend düsterer und dramatischer. Am Ende erinnert eine Art Geistererscheinung an Macbeth, der beim Festmahl den Geist des von ihm ermordeten Banquo zu sehen glaubt.

„Match Point“ handelt von einem jungen Aufsteiger, der seine gesellschaftliche Stellung behalten will, auch wenn es bedeutet, Schuld auf sich zu laden und damit weiterleben zu müssen. „Es ist ein Film über das Glück. Über die Widersprüche von Ehrgeiz und Leidenschaft. Und über die Straflosigkeit“, erklärt Woody Allen. „Ich wollte etwas machen über die Rolle, die das Glück im Leben spielt […] Jeder hätte doch gern, dass er die Kontrolle über sein Leben hat, oder zumindest ein bisschen Kontrolle. Jeder denkt doch […], wenn ich regelmäßig Sport treibe und vernünftig esse und nicht rauche, dann werde ich … Aber so läuft das nicht. Und keine noch so große Planerei kann der großen Rolle gerecht werden, die das Glück eben spielt.“

Die Rolle des Glücks beziehungsweise Zufalls veranschaulicht Woody Allen gleich in der Eingangsszene: Ein Tennisball prallt gegen die Oberkante des Netzes. Das ist der „Match Point“, und die Frage lautet: Nach welcher Seite wird er kippen?

Im Vergleich zu anderen Filmen von Woody Allen wirkt „Match Point“ überraschend ernst. („Wenn ich die Chance habe, etwas Ernstes zu machen, habe ich daran mehr Spaß.“ – Woody Allen) Obwohl „Match Point“ länger ist als die meisten anderen Filme von Woody Allen, enthält er keine überflüssigen Bild- oder Dialogsequenzen. Wie bei Alfred Hitchock ist jedes zunächst noch so unbedeutend scheinende Detail sorgfältig geplant.

Während Kommissare der Mordkommission, die an einem Tatort ermitteln, üblicherweise in Filmen so gezeigt werden, als könnten sie dabei ungestört vorgehen, macht Woody Allen daraus eine sarkastische Szene, die der Wirklichkeit vermutlich viel näher kommt: Vor einem Haus, in dem soeben die Leichen von zwei erschossenen Frauen gefunden wurden, befragt ein Detective einen Zeugen, der jedoch kaum einen ganzen Satz vollenden kann, weil der Polizist fortwährend irgendwelche Fragen von Kollegen beantworten, Anweisungen geben und einen Parkplatz für den Gerichtsmediziner freihalten muss. Dennoch macht sich der Ermittler aufgrund des ersten Eindrucks eine klare Vorstellung vom Tathergang. Die ist allerdings falsch.

Die differenzierten Charaktere und ihre Motivationen werden überzeugend dargestellt. Bei Chris Wilton weiß man selten, ob er etwas wirklich möchte oder nur aus Berechnung tut, und Jonathan Rhys-Meyers macht es glaubhaft, dass sich hinter der Fassade des sich bescheiden gebenden Mannes ein Abgrund verbirgt. Auch Scarlett Johansson nutzt die Möglichkeiten, die ihr die Rolle der Nola Rice bietet, voll aus: Mal wirkt sie selbstbewusst und erotisch, dann wieder unsicher und verzweifelt; sie wechselt zwischen „Mutlosigkeit und Miststückhaftigkeit“ („Süddeutsche Zeitung“, 29. Dezember 2005).

Bei der Inszenierung von „Match Point“ zeigt Woody Allen sich wieder einmal auf der Höhe seines Könnens.

Folgende Musikstücke sind in „Match Point“ zu hören:

  • Georges Bizet: „Mi par d’udir ancora“ aus „Les pêcheurs de perle“
  • Gaetano Donizetti: „Una furtiva lagrima“ aus „L’elisir d’amore“
  • Carlos Gomes: „Mia piccirella“ aus „Salvatore Rosa“
  • Gioacchino Rossini: „Arresta“ aus „Guillaume Tell“
  • Giuseppe Verdi: „Desdemona“ aus „Otello“
  • Giuseppe Verdi: „Gualtier Maldè! … Caro nome“ aus „Rigoletto“
  • Giuseppe Verdi: „Mal reggendo all’aspro assalto“ aus „Il Trovatore“
  • Giuseppe Verdi: „O figli, o figli miei!“ aus „Macbeth“
  • Giuseppe Verdi: „Un dì felice, eterea“ aus „La Traviata“
  • Andrew Lloyd Webber: „I Believe My Heart“ aus „The Woman in White“
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005/2006

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