Ich sehe den Mann deiner Träume

Ich sehe den Mann deiner Träume

Ich sehe den Mann deiner Träume

Ich sehe den Mann deiner Träume. Tall Dark Stranger – Originaltitel: You Will Meet a Tall Dark Stranger – Regie: Woody Allen – Drehbuch: Woody Allen – Kamera: Vilmos Zsigmond – Schnitt: Alisa Lepselter – Darsteller: Naomi Watts, Josh Brolin, Gemma Jones, Anthony Hopkins, Antonio Banderas, Freida Pinto, Lucy Punch u.a. – 2010; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Mit 73 Jahren lässt Alfie sich von Helena scheiden und heiratet ein junges Callgirl. Helena fällt in ihrer Verzweiflung auf eine Wahrsagerin herein. Sie unterstützt ihre Tochter Sally und deren Ehemann finanziell, weil Roy als Schriftsteller keinen Erfolg hat. Sally hätte gern ein Kind, aber das können sie sich nicht leisten. Sie nimmt sich vor, mit einer Freundin eine Galerie zu gründen. – Wir schauen ihnen dabei zu, wie sie ihren Trugbildern nachjagen, betrogen werden und sich selbst belügen ...
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Kritik

Der Ensemblefilm "Ich kenne den Mann deiner Träume" gehört nicht zu den besten Filmen von Woody Allen, aber er entwickelt und inszeniert die unterhaltsame Komödie souverän, mit Augenzwinkern, und die Besetzung ist erstklassig.
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London. Helena (Gemma Jones) kommt auf Empfehlung ihrer Masseuse Gabriela zur Wahrsagerin Cristal (Pauline Collins). Sie ist verzweifelt, denn ihr 73-jähriger Ehemann Alfie (Anthony Hopkins) fing plötzlich an, Fitness-Training zu machen, dann kaufte er sich ein Sportcoupé und ließ sich nach 40 Jahren Ehe scheiden. Helana schluckte Schlaftabletten, um sich das Leben zu nehmen [Suizid], wurde jedoch von ihrer Tochter Sally (Naomi Watts) noch rechtzeitig gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Nun sucht sie Trost im Alkohol und bei der Wahrsagerin, die zwar nicht billig ist, aber auch nicht teurer als die Psychiater, mit denen Helena es bereits versuchte. Cristal, eine gerissene Betrügerin, versteht es sogleich, Helena so zu manipulieren, dass sie sich besser fühlt und an die seherischen Fähigkeiten Cristals glaubt, die ihr prophezeit, dass sie einen großen dunklen Mann kennenlernen werde („You Will Meet a Tall Dark Stranger“). Immer häufiger beginnt Helena ihre Sätze mit „Cristal hat gesagt“.

Ihre Tochter Sally ist mit Roy (Josh Brolin) verheiratet. Der studierte zwar Medizin, hat den Beruf jedoch nie ausgeübt, weil er von einer Karriere als Schriftsteller träumt. Sein Romandebüt war auch noch durchaus erfolgreich, aber das zweite und dritte Buch verkaufte sich schlecht, und die Arbeit am vierten fällt dem 38-Jährigen schwer, zumal er jobben muss, um Geld zu verdienen. Die Doppelbelastung – nachts schreiben und tagsüber arbeiten – ist zu viel für ihn: Als Chauffeur schläft er am Lenkrad ein und fährt den ihm anvertrauten Wagen zu Schrott.

Um finanziell nicht völlig von Helena abhängig zu sein, die ohnehin schon die Wohnungsmiete bezahlt, bewirbt Sally sich als Assistentin des Galeristen Greg Clemente (Antonio Banderas) und beruft sich auf ihr Kunststudium. Sie wird genommen, und Greg ist sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Sally zeigt Greg auch Arbeiten der mit ihr befreundeten Malerin Iris (Anna Friel), die bis vor zwei Jahren drogensüchtig und alkoholabhängig war, sich aber seither wieder unter Kontrolle hat. Greg gefallen die Gemälde, und er beabsichtigt, einige davon auszustellen.

Sally schwärmt ihrer Freundin Jane (Fenella Woolgar) von dem gut aussehenden, kultivierten Galeristen vor. Sie hofft, dass Roys vierter Roman vom Verlag genommen wird und sie dann endlich ein Kind bekommen und eine richtige Familie gründen können.

Eines Tages überrascht Alfie seine Tochter mit der Ankündigung, er werde bald noch einmal heiraten. Um ihnen seine neue Lebensgefährtin vorzustellen, verabredet er sich mit Sally und Roy zu einem Drink. Sally kann es kaum fassen, als sie sieht, wen ihr Vater da anschleppt: eine nicht einmal halb so alte, aufreizend gekleidete Blondine. Charmaine (Lucy Punch) sei Schauspielerin, erklärt Alfie, aber auf die Frage, in welchen Filmen sie mitgespielt habe, kann sie nur ein paar Komparseneinsätze nennen. Und es ist offensichtlich, dass weder ihre Bildung noch ihr Verstand zu ihren Vorzügen gehören. Tatsächlich handelt es sich bei Charmaine um ein Callgirl. Alfie bekam die Telefonnummer von seinem Jogging-Partner Jeffrey (Rupert Frazer) und bestellte Charmaine in sein Apartment. Es war seine erste Erfahrung mit einer Prostituierten. Schließlich buchte er sie rund um die Uhr, kaufte ihr eine Luxuswohnung und überschüttete sie mit wertvollen Geschenken. Nun will er sie heiraten und sich an ihrer Seite wieder jung fühlen, auch wenn er dabei mit Viagra nachhelfen muss.

Als Helena bei ihren Freunden Enid und Peter Wicklow (Celia Imrie, Jim Piddock) einen gleichaltrigen Witwer kennenlernt, der eine auf Esoterik spezialisierte Buchhandlung betreibt, denkt sie an Cristals Prophezeiung, obwohl Jonathan (Roger Ashton-Griffiths) weder groß noch dunkelhaarig ist.

Roy, den die häufigen Besuche seiner ständig von Cristals Prophezeiungen erzählenden Schwiegermutter ebenso nerven wie die Streitigkeiten mit seiner Frau, beobachtet durchs Fenster, dass gegenüber eine attraktive junge Frau einzieht, die Gitarre spielt. Einmal sieht er, wie ein Mann zu ihr kommt und sie in die Arme nimmt. Schließlich lädt Roy die neue Nachbarin zum Mittagessen in ein nahes Restaurant ein. Sie heißt Dia (Freida Pinto), stammt aus Indien und promoviert in Musikwissenschaft. Obwohl sie mit einem Mann namens Alan (Neil Jackson) verlobt ist, geht sie immer häufiger und länger mit Roy spazieren, denn die Gespräche mit ihm gefallen ihr.

Greg entgeht nicht, dass Sally ihn anhimmelt. Er vertraut ihr an, dass seine Ehe vor dem Aus stehe, und eines Tages behauptet er, wegen einer Absage seiner Frau eine zweite Opernkarte übrig zu haben. Sally nimmt das Angebot an, ihn zu begleiten. Danach trinken sie noch etwas zusammen, dann fährt er sie nach Hause, versucht jedoch nicht, sie zu küssen, obwohl sie noch lange im Auto sitzen bleibt.

Als Jane ihr vorschlägt, gemeinsam eine eigene Galerie aufzumachen, gerät Sally in ein Dilemma, denn einerseits wäre das ein erwünschter Neuanfang, andererseits will sie bei Greg bleiben und schon gar nicht mit ihm als Galeristin konkurrieren.

Der Lektor Malcolm Dodds (Alex Macqueen) unterrichtet Roy über die Ablehnung seines Manuskripts. Roy ist am Boden zerstört. Was soll er jetzt tun? Eine neue Romanidee hat er nicht.

Da erfährt er von seinen Pokerfreunden (Christian McKay, Philip Glenister, Jonathan Ryland, Pearce Quigley), dass Mike und Henry einen schweren Verkehrsunfall hatten. Es heißt, Mike liege im Koma und Henry sei tot. Zufällig hat Roy noch ein Manuskript in der Schreibtischschublade, das ihm Henry Strangler (Ewen Bremner) vor einiger Zeit gab, weil er seine Meinung dazu hören wollte. Außer dem Autor weiß nur Roy von der Existenz des Manuskripts.

Er gibt es Dia und tut dabei so, als habe er es geschrieben. Dias Vater (Anupam Kher), ein erfolgreicher Übersetzer, ist begeistert. Und Malcolm Dodds glaubt, dass Roy endlich seinen Stil gefunden hat. Der Lektor geht davon aus, dass der Roman ein Bestseller wird.

Erst am Hochzeitstag gesteht Dia ihrem Bräutigam Alan, dass sie ihn nicht heiraten kann, weil sie einen anderen Mann liebt.

Als Roy sich kurz darauf mit Sally überwirft und von ihr vor die Türe gesetzt wird, findet er Zuflucht bei Dia.

Helena und Jonathan wollen heiraten. Allerdings glaubt Jonathan, zuerst noch seine verstorbene Frau Claire um Erlaubnis bitten zu müssen. Bei einer spiritistischen Sitzung ruft er ihren Geist an, bringt es dann aber nicht übers Herz, ihr von seinen Plänen zu erzählen. Enttäuscht springt Helena auf und läuft davon.

Charmaine langweilt sich an Alfies Seite und beschwert sich darüber, dass in dem Theaterstück mit dem Titel „Gespenster“ überhaupt nichts gruselig gewesen sei. Sie will lieber in eine Diskothek. Bereitwillig geht Alfie auf ihre Wünsche ein, muss dann aber zuschauen, wie sie mit einem jungen Fitnesstrainer namens Ray (Theo James) tanzt. Zufällig sieht er sie und Ray einige Tage später aus einem Hotel kommen. Und dann erwischt er die beiden in flagranti. Als sie schwanger ist, glaubt er ihr nicht, dass es sein Kind ist. Er begreift, dass sein vermeintlicher Neuanfang an der Seite der jungen Frau ein Fehler war.

Reumütig verabredet er sich mit Helena und drängt sie, es noch einmal mit ihm zu versuchen, aber sie ist dazu nicht bereit. Sie habe sich weiterentwickelt, sagt sie.

Während Sally bei Iris im Atelier Bilder für die geplante Ausstellung auswählt, fällt ihr auf, dass die Künstlerin Ohrringe trägt, die Greg einmal für seine Frau kaufen wollte. Iris gesteht, mit Greg eine Affäre zu haben. In der Galerie spricht Sally ihren Chef darauf an und fragt ihn, ob er sich nicht auch eine Beziehung mit ihr hätte vorstellen können. Greg antwortet ausweichend.

Nun gibt es für Sally keine Bedenken mehr, mit Jane zusammen eine eigene Galerie zu gründen, zumal ihre Mutter bereits ein Darlehen für das erforderliche Startkapital versprach. Doch als Sally Helena um das Geld bittet, erklärt diese ihr, Cristal habe gesagt, das brächte Unglück, weil die Sterne ungünstig stünden. Sally, die ihre Mutter bisher gegen Roy verteidigte, wenn dieser Wahrsagerei als Hokuspokus abtat, schimpft nun aufgebracht über die Betrügerin Cristal.

Roy freut sich auf das neue Buch, von dem auch der Verlag viel erwartet. Da erfährt er, dass nicht Henry, sondern Mike bei dem Unfall starb. Henry Strangler liegt nach wie vor im Koma, aber die Ärzte sind zuversichtlich, dass er demnächst wieder zu sich kommen wird. Die Freunde besuchen Henry im Krankenhaus, und Roy bleibt nichts anderes übrig, als sie zu begleiten. Als einer von ihnen das geplante Buch erwähnt, beginnen Henrys Lider zu zucken.

Jonathan verabredet sich mit Helena und sagt ihr, Claire sei mit der Heirat einverstanden.

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„Ich kenne den Mann deiner Träume“ ist ein Ensemblefilm von Woody Allen. Alfie und Helena, Roy und Sally – jede der Hauptfiguren strebt einen Neuanfang an. Und wir schauen ihnen dabei zu, wie sie ihren Trugbildern nachjagen, betrogen werden und sich selbst belügen. Obwohl sich „Ich kenne den Mann deiner Träume“ um Ehe- und Lebenskrisen dreht und die Menschen verzweifelt sind, handelt es sich nicht um ein Drama, sondern um eine unterhaltsame Komödie. Nebenbei nimmt Woody Allen auch den Jugendwahn und die Kunstszene aufs Korn.

Ein Erzähler aus dem Off raunt, das Leben sei bedeutungslos und nichts als Schall und Wahn. Dabei bezieht er sich auf William Shakespeares Tragödie „Macbeth“ (5. Aufzug, 5. Szene): „Life’s but a walking shadow, a poor player / That struts and frets his hour upon the stage / And then is heard no more: it is a tale / Told by an idiot, full of sound and fury, / Signifying nothing.“ Durch die Einführung eines Erzählers betont Woody Allen, dass es sich bei den Charakteren um Bühnenfiguren handelt, die von einem Autor bewegt werden.

Vielleicht gehört „Ich kenne den Mann deiner Träume“ nicht zu den besten Filmen von Woody Allen, aber er entwickelt und inszeniert die unterhaltsame Geschichte souverän, mit Augenzwinkern, und die Besetzung ist erstklassig.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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