Stardust Memories

Stardust Memories

Stardust Memories

Originaltitel: Stardust Memories – Regie: Woody Allen – Drehbuch: Woody Allen – Kamera: Gordon Willis – Schnitt: Susan E. Morse – Musik: Dick Hyman – Darsteller: Woody Allen, Charlotte Rampling, Jessica Harper, Marie-Christine Barrault, Tony Roberts u.a. - 1980; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Angesichts der Grausamkeiten, die sich die Menschen gegenseitig antun, will der Filmregisseur Sandy Bates Tragödien statt Komödien drehen, aber die Produzenten richten sich lieber nach dem Publikumsgeschmack und erwarten weiterhin lustige Filme von ihm. Erst einmal schicken sie Bates zu einem Filmkunstwochenende. Dort wird er auf Schritt und Tritt von Fans und Autogrammjägern, Weltverbesserern, Möchte-Gern-Drehbuchautoren und liebestollen Frauen belästigt ...
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Kritik

Woody Allen hat "Stardust Memories" aus Film-im-Film-Sequenzen, Erinnerungen, Traumszenen, Fantasien und kleinen Episoden komponiert. Schräge und urkomische Einfälle wechseln sich mit Szenen ab, in denen die Orientierungslosigkeit und Verzweiflung seines Alter Ego authentisch dargestellt wird.
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Der Filmregisseur Sandy Bates (Woody Allen) sitzt in einem Zug. Verstohlen blickt er sich um, und wohin er schaut, sieht er hässliche, heruntergekommene Gestalten. Niemand spricht auch nur ein Wort. Plötzlich entdeckt Bates im Zug auf dem Nachbargleis eine hübsche junge Dame, die ihm fröhlich einen Kussmund zeigt. In diesem Augenblick fahren die Züge an. Bates springt auf und rüttelt verzweifelt an den Türen des Waggons, aber sie sind alle verschlossen.

Die Produzenten, die Bates‘ neuen Film begutachten, sind entrüstet über ihn: Wie die Zuschauer auch, erwarten sie auch weiterhin Komödien von ihm und keine Filme über unglückliche Verlierertypen. Bates fühlt sich jedoch nicht mehr in der Lage, angesichts der Grausamkeiten, die sich die Menschen gegenseitig antun, noch weiter Komödien zu drehen. In seiner Wohnung hängt eine wandgroße Kopie eines weltberühmten Fotos aus dem Vietnam-Krieg. Es zeigt, wie ein südvietnamesischer Offizier einem schluchzenden Mann auf der Straße den Revolver seitlich an die Schläfe hält und abdrückt.

Widerstrebend fügt Bates sich den Produzenten und reist zu einem Filmkunstwochenende. Dort wird er auf Schritt und Tritt von Fans und Autogrammjägern belagert. Eine begeisterte Anhängerin schenkt ihm eine riesige Salami. Weltverbesserer hätten ihn gern als Mitglied und Aushängeschild ihrer Wohlfahrtsorganisationen. Einige Männer versuchen, ihm ihr erstes Drehbuch aufzudrängen. Im Hotel „Stardust“ wartet eine Frau in seinem Bett auf ihn und versichert ihm, auch ihr Ehemann – von dem sie sich herfahren ließ – würde es für eine große Ehre halten, wenn sie erzählen könnte, es mit dem berühmten Regisseur getrieben zu haben.

Bates lebt eigentlich mit Dorrie (Charlotte Rampling) zusammen, aber er verliebt sich in die junge Geigerin Daisy (Jessica Harper), und Isobel (Marie-Christine Barrault) verlässt seinetwegen ihren Mann, zieht mit ihren beiden kleinen Kindern zu ihm und bleibt bei ihm, bis er eines Nachts träumt, dass ein enttäuschter Fan auf ihn schießt und er beim Aufwachen „Dorrie“ murmelt.

Am Ende sieht es so aus, als fänden Sandy Bates und Isobel wieder zusammen, denn sie küssen sich in einem anfahrenden Zug. Aber es ist die Schlussszene eines Films, den die Leute im Kino sehen.

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„Stardust Memories“ trägt unverkennbar autobiografische Züge: Woody Allen porträtiert einen Filmregisseur und Drehbuchschreiber, dessen komische Filme gefeiert wurden, der aber angesichts des Elends in der Welt Tragödien statt Komödien drehen möchte und damit die Produzenten gegen sich aufbringt. Sandy Bates, ein von Selbstzweifeln zerfressener Filmregisseur, gerät dadurch in eine Lebens- und Schaffenskrise wie Federico Fellinis Alter Ego Guido Anselmi in „8½“.

Das klingt vielleicht nach einer stringenten Handlung. Aber die gibt es in „Stardust Memories“ nicht. Woody Allen hat „Stardust Memories“ aus Film-im-Film-Sequenzen, Erinnerungen, Traumszenen, Fantasien und kleinen Episoden komponiert. Da gibt es absurde Einfälle wie zum Beispiel die rücksichtslose Verhaftung eines Chauffeurs wegen Nachnahmebetrugs, obwohl dieser gerade mit Sandy Bates im Auto unterwegs ist. Auch die Dialoge sind großenteils schräg, urkomisch oder auch zynisch: „Stell dir vor, ich wäre als Indianer geboren. Dann wäre ich jetzt arbeitslos, denn die brauchen keine Komiker. Oder in Polen oder Deutschland; dann wäre ich jetzt ein Lampenschirm.“ Das Lachen bleibt einem allerdings immer wieder im Hals stecken, denn „Stardust Memories“ handelt von der Orientierungslosigkeit und Verzweiflung eines Menschen in der Krise, und das wirkt sehr authentisch.

Inszenierung, Drehbuch, Kameraführung, Schnitt, Musikuntermalung, Schauspieler: „Stardust Memories“ ist ein origineller und kunstvoller, sehr überzeugender Film.

Leider traf er 1980 offenbar nicht die Erwartungen der Zuschauer – wurde also von seiner eigenen Handlung eingeholt. United Artists trennte sich nach dem kommerziellen Flop von Woody Allen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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