Blue Jasmine

Blue Jasmine

Blue Jasmine

Blue Jasmine – Originaltitel: Blue Jasmine – Regie: – Drehbuch: – Kamera: Javier Aguirresarobe – Schnitt: Alisa Lepselter – Musik: Christopher Lennertz – Darsteller: Cate Blanchett, Alec Baldwin, Sally Hawkins, Bobby Cannavale, Andrew Dice Clay, Peter Sarsgaard u.a. – 2013; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Finanzmanipulationen ihres Ehemanns er­mög­lichen Jasmine ein Luxusleben. In ihrer gedankenlosen Selbstbezogenheit entwickelt sie zwar ein Gefühl für Stil, aber hinter der Fassade bleibt ihr Charakter leer. Lange Zeit will sie nicht wahrhaben, dass ihr Ehemann nicht nur die Anleger um viel Geld betrügt, sondern auch sie mit anderen Frauen. Erst als sie alles verloren hat, erinnert sie sich an ihre arm gebliebene Adoptivschwester und sucht Zuflucht bei ihr, aber in der Welt dieser von ihr als Verlierer verachteten Menschen fühlt sie sich trotz ihrer eigenen Mittellosigkeit deplatziert ...
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Kritik

In "Blue Jasmine", einem wohldurchdachten Drama mit tragikomischen Einsprengseln, konzentriert sich Woody Allen ganz auf die Charakterstudie der Hauptfigur, die von Cate Blanchett facettenreich dargestellt wird.

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Jeanette („Jasmine“) Francis (Cate Blanchett) wohnt mit ihrem steinreichen Ehemann Harold („Hal“) Francis (Alec Baldwin) und ihrem Sohn Danny (Charlie Tahan / Alden Ehrenreich) in der Park Avenue in New York. Mit welchen Geldgeschäften der Finanzmakler Hal so viel verdient, dass sie sich außer dem Penthouse in Manhattan eine Villa in den Hamptons, Dienstboten und Luxusautos leisten können, interessiert Jasmine nicht weiter. Für sie ist nur wichtig, dass sie sich alles kaufen kann, was sie möchte. Obendrein beschenkt Hal sie mit wertvollem Schmuck. Weil Jasmine meint, es gehöre sich für eine reiche Frau der gehobenen Gesellschaft, fördert sie kulturelle Einrichtungen, veranstaltet Dinner-Partys für wohltätige Zwecke und gründet mit Hal zusammen Stiftungen.

Lästig ist für sie der Besuch ihrer Adoptivschwester Ginger (Sally Hawkins) und ihres Schwagers Augie (Andrew Dice Clay) aus San Francisco. Hal und Jasmine halten Augie für einen Verlierer und verachten ihn. Er verdient den Lebensunterhalt unter anderem mit Umzügen. Aber das Paar hat kürzlich 200 000 Dollar im Lotto gewonnen, und damit möchte Augie ein Bauunternehmen gründen. Aber erst einmal vertraut er das Geld Hal an, der ihm 20 bis 30 Prozent Rendite verspricht.

Zufällig sieht Ginger, wie Hal auf der Straße eine andere Frau namens Raylene (Kathy Tong) küsst. Sie warnt ihre Adoptivschwester vor seiner Untreue, aber Jasmine will davon nichts hören.

Einige Zeit später erhält Jasmine einen Anruf von einem Hotel in Paris: Hal vergaß dort seine Rolex. Ihr hatte er gesagt, er habe geschäftlich in Chicago zu tun. Daraufhin erkundigt Jasmine sich bei einer Freundin und erfährt, dass alle außer ihr von seinen zahlreichen Affären wissen. Als Hal aus Paris zurückkommt, stellt Jasmine ihn zur Rede. Hal merkt rasch, dass es nicht mehr möglich ist, alles abzustreiten. Er versichert Jasmine, seine früheren Seitensprünge seien bedeutungslos gewesen. Aber nun habe er sich ernsthaft in das französische Au-pair-Mädchen von Freunden verliebt. Jasmine erleidet beinahe einen Nervenzusammenbruch, aber Hal lässt sie mitleidlos in der Wohnung zurück und nimmt sich ein Hotelzimmer. In ihrem Zorn ruft Jasmine das FBI an und berichtet, was sie über die illegalen Geldgeschäfte ihres Mannes weiß.

Aufgrund von Jasmines Aussage wird Hal auf der Straße verhaftet und in Handschellen abgeführt.

Aus Scham über den betrügerischen Vater bricht Danny sein Studium in Harvard ab und reist fort, ohne auch nur der Mutter die neue Adresse zu nennen.

Vor Gericht wird Hal nachgewiesen, dass sein Investmentfonds nach dem Schneeballsystem funktionierte. Der Besitz der Familie Francis reicht nicht aus, um den zahlreichen, in der Summe um mehrere Milliarden Dollar betrogenen Anlegern den Schaden zu ersetzen.

Hal erhängt sich im Gefängnis.

Jasmine bleibt nichts mehr. In ihrer Verzweiflung bittet sie ihre Adoptivschwester, sie vorübergehend aufzunehmen und fliegt nach San Francisco.

Ginger lebt inzwischen mit dem Automechaniker Chili (Bobby Cannavale) zusammen in einer kleinen Mietwohnung und arbeitet in einem Supermarkt an der Kasse. Ihre Ehe zerbrach über den Verlust der 200 000 Dollar, die Hal veruntreut hatte. Obwohl Jasmine obdachlos ist, fliegt sie erster Klasse und mit Gepäck von Louis Vuitton. Anders kennt sie es einfach nicht. Chili wundert sich darüber, dass Ginger ihrer Adoptivschwester beisteht, obwohl diese sich nie um sie kümmerte, als sie noch Geld besaß. Aber die unkomplizierte, warmherzige Frau hält es für selbstverständlich, der in Not geratenen Adoptivschwester zu helfen.

Jasmine erträgt das alles nur mit viel Xanax. Außerdem schenkt sie sich immer wieder mit zittrigen Händen Wodka ein [Alkoholkrankheit].

Widerstrebend lässt sie sich von dem Zahnarzt Dr. Flicker (Michael Stuhlbarg) als Sprechstundenhilfe anstellen. Der Umgang mit den Patienten und deren Terminwünschen fällt ihr schwer. Nebenher besucht Jasmine einen Computerkurs, denn sie hat sich vorgenommen, im Internet Innenarchitektur zu studieren. Als Dr. Flicker zudringlich wird, flüchtet sie aus seiner Praxis. Sharon (Shannon Finn), die im Computerkurs neben ihr sitzt und mit einem Rechtsanwalt zusammen ist, rät ihr, den Zahnarzt wegen sexueller Belästigung anzuzeigen, aber Jasmine will mit der Justiz nichts mehr zu tun haben.

Sie lässt sich von Sharon überreden, mit zu einer Party zu kommen und nimmt auch Ginger mit. An diesem Abend lernt sie Dwight Westlake (Peter Sarsgaard) kennen. Der kultivierte und wohlhabende, seit einem Jahr verwitwete Diplomat, der eine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien anstrebt, findet Jasmine stilvoll, und sie kann es kaum erwarten, bis er sie nach einem Europatrip endlich anruft. Sie gibt sich als kinderlose Witwe und Innenarchitektin aus. Dwight beauftragt sie, die Traumvilla einzurichten, die er sich kürzlich an der Bucht von San Francisco kaufte.

Ginger hat sich auf der Party ebenfalls neu verliebt, und zwar in den etwas älteren Toningenieur Al Monzinger (Louis C. K., bürgerlich: Louis Szekely). Chili erfährt von einem Bekannten, der bei dem Catering Unternehmen beschäftigt ist, das für die Bewirtung der Partygäste zuständig war, dass Ginger mit einem anderen Mann herummachte. Aufgebracht stellt er sie zur Rede. Es kommt zum Streit, und Ginger wirft ihn hinaus.

Dwight macht Jasmine schließlich einen Heiratsantrag, und nachdem er sie seinen Eltern vorgestellt hat, geht er mit ihr zu einem Juweliergeschäft, um einen Verlobungsring zu kaufen. Vor dem Eingang treffen sie zufällig auf Augie. Der spricht sie erbittert auf die Vergangenheit an. Dwight begreift, dass Jasmine ihn belog. Die Verlobung verschiebt er erst einmal. Bevor er sich entschieden hat, wie es weitergehen soll, verlässt Jasmine ihn.

Von Augie erfuhr Jasmine, dass ihr Sohn inzwischen verheiratet ist und in einem Musikladen arbeitet. Sie sucht Danny dort auf. Er erklärt ihr, er habe schwer unter der Schande des Vaters gelitten, aber sie wegen ihres Anrufs beim FBI noch mehr gehasst als ihn. Er will nichts mehr von ihr wissen und fordert sie auf, ihn in Ruhe zu lassen.

Als Jasmine in die Wohnung ihrer Adoptivschwester zurückkommt, feiert diese gerade ihre Versöhnung mit Chili. Kurz zuvor beendete Al die Affäre mit ihr, weil seine Ehefrau Ellen Verdacht geschöpft hatte. Ginger war davon ausgegangen, dass er ungebunden sei. Die Wiederaufnahme Chilis in Gingers Wohnung ärgert Jasmine. Spontan behauptet sie, nur gekommen zu sein, um ihre Sachen zu packen und noch vor der Eheschließung zu Dwight zu ziehen.

Im letzten Bild führt Jasmine Selbstgespräche und setzt sich auf eine Parkbank. Eine Frau (Katy Tiemann), die dort bereits saß, steht peinlich berührt auf und geht weg. Jasmine bleibt verwirrt zurück.

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Das am 3. Dezember 1947 am Ethel Barrymore Theater in New York unter der Regie von Elia Kazan uraufgeführte (und 1951 von ihm verfilmte) Drama „Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams dreht sich um die Südstaaten-Schönheit Blanche DuBois. Nachdem sie ihre Familie, den Besitz und ihre Anstellung als Lehrerin verloren hat, sucht sie verzweifelt Zuflucht bei ihrer jüngeren Schwester Stella, die in New Orleans verheiratet ist. Blanche verachtet ihren Schwager Stanley Kowalski, den Sohn polnischer Immigranten, der den Lebensunterhalt als Arbeiter verdient und sich nur eine kleine Mietwohnung leisten kann. Er kann sie auch nicht ausstehen und fühlt sich durch den Standesdünkel, das affektierte Benehmen und die Realitätsflucht der kultivierten Dame provoziert. Am Ende wird Blanche in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Auf ähnlichen Beziehungen basiert die Tragikomödie „Blue Jasmine“ von Woody Allen. Zugleich könnte ihn der Skandal um Bernie Madoff inspiriert haben, der am 29. Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt worden war, weil er jahrzehntelang einen Investmentfonds nach dem Schneeballsystem (Ponzi scheme) betrieben und schätzungsweise 4800 Anleger um mehr als 50 Milliarden Euro betrogen hatte.

Der Film konzentriert sich auf Jeanette („Jasmine“) Francis. Es ist das Porträt einer Frau, deren Luxusleben durch illegale Finanzmanipulationen ihres Ehemanns ermöglicht wird. In ihrer gedankenlosen Selbstbezogenheit entwickelt sie zwar ein Gefühl für Stil, aber hinter dieser Fassade bleibt ihr Charakter leer. Lange Zeit will sie nicht wahrhaben, dass ihr Ehemann nicht nur die Anleger um viel Geld betrügt, sondern auch sie fortwährend mit anderen Frauen. Erst als sie alles verloren hat, erinnert sie sich an ihre arm gebliebene Adoptivschwester Ginger und sucht Zuflucht bei ihr, aber in der Welt dieser von ihr als Verlierer verachteten Menschen fühlt sie sich trotz ihrer eigenen Mittellosigkeit deplatziert. Ihr Versuch, sich mit Lügen eine neue Existenz an der Seite eines aufstrebenden Diplomaten aufzubauen, ist zum Scheitern verurteilt. Trotz des unaufhörlichen gesellschaftlichen Abstiegs entwickelt Jasmine sich nicht weiter.

Woody Allen beginnt und beendet den Film mit Szenen, in denen Jasmine Selbstgespräche führt. Zunächst trifft sie mit dem Flugzeug in San Francisco ein, und die ältere Dame (Joy Carlin), die neben ihr saß, klagt ihrem Mann (Richard Conti), der sie abholt: „Sie konnte nicht aufhören zu quatschen.“ Zum Schluss sitzt Jasmine verwirrt und vor sich hin plappernd auf einer Parkbank. Diese beiden Szenen begrenzen den in der Gegenwart spielenden Teil der Handlung. Was davor geschah, erfahren wir nach und nach aus Rückblenden.

„Blue Jasmine“ ist ein wohldurchdachtes, ebenso fatalistisches wie pessimistisches Filmdrama mit tragikomischen Einsprengseln.

Für die facettenreiche Darstellung der Hauptfigur wurde Cate Blanchett mit einem „Oscar“ ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014

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